Alarmierend: Mehr als jedes zweite Projekt kann nicht innerhalb
des geplanten Kosten- und Zeitbudgets beendet werden, ergab eine
GULP Umfrage unter 36 Projektanbietern. Damit gilt die Mehrzahl
der Projekte als gescheitert.
Ergebnis auf einen Blick:
Mehr als zwei Drittel und damit der Großteil
der Befragten gibt an, weniger als 50 Prozent der Projekte sowohl
zeitlich als auch finanziell wie geplant beenden zu können.
Zeitfaktor:
Nach Ansicht von 69 Prozent der Projektanbieter
werden nur die Hälfte aller Projekte in der vorgesehenen Zeit
abgewickelt. Nicht einmal zehn Prozent der Umfrage-Teilnehmer geben
an, nahezu alle (90-100%) Projekte im gesteckten Zeitplan erfüllt
zu haben.
Kostenfaktor:
Hinsichtlich der im Vorfeld kalkulierten Finanzen
schneidet das Projektmanagement noch schlechter ab. Auf die Frage,
wie viele der Projekte preislich im Plan bleiben, äußerten
sich 72 Prozent der Projektanbieter dahingehend, dass dies nur auf
maximal die Hälfte der Projekte zutrifft. Mit 22 Prozent ist
die größte Gruppe von ihnen der Meinung, dass nur bis
zu zehn Prozent der Projekte mit dem geplanten Budget beendet werden.
Sicherheitsaufschlag:
Angesicht der vorhandenen Planungsmängel ist
interessant, dass nur 17 Prozent der Projektanbieter einen großzügigen
Sicherheitsaufschlag von mehr als 50 Prozent auf den Preis aufrechnen.
Mit einem Anteil von 45 Prozent kalkuliert die Mehrzahl der Befragten
einen Sicherheitsaufschlag von zehn bis 30 Prozent. Immerhin elf
Prozent der Unternehmen verzichten gänzlich auf eine solche,
risikominimierende Maßnahme.
Zum Schluss:
Planungsmängel bei Projekten sind kein typisch
deutsches Problem: Laut einer groß angelegten Studie der Info-Tech
Research Group werden nur fünf Prozent aller IT-Projekte in
Nordamerika und Großbritannien innerhalb des geplanten Zeitrahmens
fertig (Quelle: Microsoft). Und in einer von Compuware in Auftrag
gegebenen, europaweiten Studie, in der 400 CIOs, CTOs und IT-Direktoren
aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden
befragt wurden, berichtet knapp ein Drittel, dass 21 bis 40 Prozent
ihrer IT-Projekte finanziell aus dem Ruder laufen. Jedes vierte
Unternehmen gibt darüber hinaus an, dass 41 bis 60 Prozent
ihrer IT-Projekte das Budget überschreiten.
Kommentare zu diesem Artikel:
"passt perfekt auch auf uns :-)
^-^ Jeder will Managen und keiner Arbeiten und Alle machen mit ;-) (September 2011)"
"Die Projekte scheitern weil a) keiner weiß, was Projektstrukturpläne sind, aber jeder MS Projekt und andere Tools kennt; b) gleich mit der Feinplanung begonnen wird; c) das Management viel zu spät die Projekte freigibt, weil keiner der Manager diese Feinplanung mehr durchblickt; d) der kritische Pfad weggeredet wird; e) vergessen wird, dass 20% der benötigten Zeit PLANUNGSZEIT sein sollte usw...
(Dezember 2005)"
"'Wer glaubt, dass PL Projekte leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.' ein sehr schöner Spruch. Diesen allerdings als allgemeinen Nenner zu formulieren und festzuhalten, dass die Mehrzahl der PL's schlicht unqualifiziert ist, ist doch sehr primitiv argumentiert. Wie in jeder Branche auch, gibt es auch unter den PL's einen gewissen %-Satz an Blindschleichen. Es gibt die x-fachen Gründe, warum Projekte mit Mehrkosten und nicht den vorab gesteckten Zielen beendet werden. In meinem aktuellen Projekt sind es die internen Prozeßabläufe des Projektbeauftragers, die das Projekt in der Zeitschiene, den Kosten und der Ergebniserreichung vorab zum Scheitern verurteilen. Das Problem, der Kunde/Projektbeauftrager ist komplett beratungsresistent und prozessverliebt. Eine Konstellation, die in unseren Gefilden immer häufiger auftaucht. Wer solche Großunternehmen als Projektleiter so überzeugen kann, dass die Ziele erreicht werden können, der kann sich getrost auf einen Thron setzen und hier in einem Rundumschlag die Konkurrenz disqualifizieren. Ich nehme mir soetwas nicht heraus, da ich nicht an der vielfach weitverbreiteten selbstverliebten Überschätzung leide. (November 2005)"
"Ich bin Free-Lancer: Vor 12 Monaten wurde mir gedroht, ich würde meinen Job verlieren, wenn ich nicht einen Plan vorlegen würde, mit dem der Meilenstein X im Dezember 2004 erreicht würde. Als ich sagte, angesichts der Rahmenbedingungen des Managements muß man von März 2005 ausgehen (ich habe meine Metriken erstellt und das laufende Projekt hochgerechnet), bekam ich zu hören, "Das ist mir scheißegal!" Letztlich wurde es dann doch März.
Bei meinen letzten Projekt, das ich aufgrund der Abwesenheit des PL übernommen hatte, stellte ich aufgrund meiner Metriken fest, dass hier doch nicht alles so schön grün war, wie alle dachten. Als ich anfing, das Problem lösen zu wollen, wurde ich kurzerhand gefeuert.
Mit Durchregieren werden Projekte aber auch nicht schneller fertig.
In diesen Tagen ist gerade der Fall des amerikanischen Luftfahrt-Ingenieurs in Wien in den Nachrichten, der gefeuert wurde, weil er Fehler in den Chips, die für die Regulierung des Kabinendrucks verantwortlich sind, gefunden hat (siehe Absturz der zypriotischen Maschine über Athen). Jetzt soll er dafür ins Gefängnis gehen.
Offensichtlich haben die Manager angesichts der Jobsituation immer weniger Rückgrat. (Oktober 2005)"
"Der Artikel bestätigt, was ich selbst in den letzten fünf Jahren bei Projekten erlebt habe. (Oktober 2005)"
"Es ist richtig, dass eine Vielzahl von (IT) Projekten scheitert. Meine Erfahrung sagt jedoch, dass es häufig nicht an der Planung liegt, sofern erfahrene Mitarbeiter bzw. Freelancer sie vorgenommen haben, sondern, dass wissentlich Projekte scheitern! Ein Hauptgrund sind "politische" Ziele, d.h. der wirkliche Umfang von Zeiten, Qualität und Kosten wird schöngeredet, um ein Projekt überhaupt beginnen zu können. Die dahinterstehende Haltung: ist das Projekt erstmal in Fahrt, wird es aus oportunistischen Gründen nicht mehr gestoppt. Die Kette Enthusiasmus, Ernüchterung, Frustration nimmt ihren Lauf ... Würde der Umfang im Vorherein realistisch und mit Puffern belegt betrachtet und kommuniziert werden, würden sehr viele Projekte gar nicht gestartet. (Oktober 2005)"
"Gute Zusammenfassung der Lage. Statikern (Architekten), deren Brücken zu 5 Prozent wegen Planungsmängel einstürzen, würde man schnell das Handwerk legen.
(September 2005)"
"Sehr entspannender Artikel. Das Nicht-Einhalten des Projektplanes ist doch ein häufiges Problem in der ganzen Welt. (September 2005)"
"Wenn man sich objektiv vor Augen hält, wie sorgfältig Projekt-MA nach Skill und Sympathie seitens der Vermittler und mit dem letzten Wort auch des Kunden ausgewählt werden, der Stundensatz gedrückt wird, stellt sich die Frage wer noch am Projektverhalten beteiligt ist? Maßgeblich das Management und der PL - und da kommt der altbekannte Spruch wieder zum Tragen: "Wer glaubt das PL Projekte leiten, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten." - Es gibt qualifizierte PL, aber die Mehrheit der PLs sind schlicht und einfach unqualifiziert, produzieren Mehrarbeit. (September 2005)"
"Die obigen Ergebnisse kann ich voll bestätigen. In meiner relativen langen Erfahrung im Bereich Neuentwicklungen, ist es bisher sehr selten vorgekommen, dass Projekte im geplanten Zeit + Kostenrahmen abgehandelt wurden. (September 2005)"
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