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Umfrage-Ergebnis

Die geplante Gewerbesteuer für alle Freiberufler

(Oktober 2003)
 

Und wer ist zum Schluss der Dumme? Wenn es nach der Bundesregierung geht, müssen Freiberufler bald Gewerbesteuer zahlen. Das dazu geplante Gesetz ist heftig umstritten, weshalb GULP bei den Betroffenen selbst der Frage nachging, welche Folgen eine generelle Gewerbesteuer für die IT-Freiberufler hat. 349 von ihnen nahmen an der Umfrage teil – ein Zeichen, dass das Thema bewegt.

 

Gehören Sie bereits zum Kreis der Gewerbesteuerpflichtigen?

Ja, ich zahle schon Gewerbesteuer. 39%

Nein, ich bin nicht gewerbesteuerpflichtig. 61%
 

Für manche IT-Selbstständige ist es ein Zwang, dem sie sich beugen müssen; für andere gibt es sicherlich auch gute Gründe, ein Gewerbe anzumelden und damit die Gewerbesteuer in Kauf zu nehmen. 39 Prozent der Antworten jedenfalls sagten: „Ja, ich zahle schon Gewerbesteuer.“

Dem stehen 61 Prozent – also fast zwei Drittel der Teilnehmer – gegenüber, die noch nicht gewerbesteuerpflichtig sind. Sie besitzen und schätzen die Vorteile des Freiberuflerdaseins und haben bisher gute Argumente, dass sie keine Gewerbesteuer zahlen müssen.

 

Wie hoch ist bzw. schätzen Sie die jährliche zusätzliche Belastung?
bis 500 EUR 13%
500 bis 1000 EUR 12%
1000 bis 1500 EUR 10%
1500 bis 2000 EUR 12%
2000 bis 2500 EUR 8%
2500 bis 3000 EUR 8%
3000 bis 3500 EUR 0%
3500 bis 4000 EUR 5%
4000 bis 4500 EUR 4%
4500 bis 5000 EUR 3%
über 5000 EUR 24%
 

Der grundsätzliche Umsatz und die unterschiedlichen Hebesätze der Gemeinden bestimmen die Höhe der Gewerbesteuer. Entsprechend weit ist die Bandbreite der zusätzlichen Belastung im Jahr, mit der die Teilnehmer an der Umfrage rechnen. Eine Beobachtung ist bei den Antworten besonders auffällig: Die Angaben bündeln sich im unteren und im oberen Bereich der Skala – bis jährlich 2.000 Euro mehr rechnen 47 Prozent der teilnehmenden IT-Freiberufler, für ganze 24 Prozent beträgt die jährliche Zusatzbelastung nach eigenen Angaben bzw. Schätzungen über 5.000 Euro.

Eine Folgerung: Die Antworten bestätigen auch indirekt den befürchteten Trend zur Zweiklassengesellschaft im IT-Projektmarkt. Den unterschiedlichen Hebesatz in einer tendenziellen Betrachtung einmal außen vor gelassen und von der erwarteten Höhe der Gewerbesteuer auf den Umsatz geschlossen: Es gibt viele IT-Freiberufler am unteren Ende der „Fahnenstange des Umsatzes“ - und es gibt ebenfalls viele am oberen Ende.

Eine Beispielrechnung: Ein IT-Freiberufler ist 50 Wochen im Jahr im Projekt und arbeitet pro Woche 40 Stunden. Das sind summa summarum 2.000 Stunden, die er fakturiert. Will er unter dem Strich finanziell auf dem gleichen Level bleiben, muss er die Gewerbesteuer auf den Stundensatz umlegen – was bei 5.000 Euro zusätzlicher Belastung einen Erhöhung des Stundensatzes um 2,50 Euro bedeuten würde. Das sind, um das Beispiel weiter zu führen, bei einem durchschnittlichen bisherigen Stundensatz von 69 Euro dann plötzlich 71,50 Euro. Das wäre ein Aufschlag von über 3,6 Prozent!

 

Schadet die Steuer Ihrer Wettbewerbsfähigkeit bzw. würde sie ihr schaden?
Ja 65%
Nein 35%
 

Ob 500 Euro mehr oder 5.000 – in jedem Fall würde die Einführung der Gewerbesteuerpflicht für die meisten IT-Selbstständigen die Frage aufwerfen, wie sie die zusätzliche Belastung ausgleichen können. Eine auf den ersten Blick logische Maßnahme wäre es, den Betrag oder zumindest einen Teil davon auf die geforderten Stundensätze aufzuschlagen, was sicherlich auch viele Freiberufler im Falle des Falles machen werden.

Dies allerdings würde auch dazu beitragen, dass im heiß umkämpften Markt die eigene Wettbewerbsfähigkeit Schaden nehmen würde: Immerhin 65 Prozent der Antworten auf die dritte Frage sehen die Chancen auf ein Projekt durch die Gewerbesteuer gefährdet.

 

Zwei Szenarien
 

1) Die Gewerbesteuerpflicht für alle IT-Freiberufler führt dazu, dass auf breiter Front die Stundensätze erhöht werden. Projekte würden teurer, was allerdings in der gegenwärtigen Marktsituation ausgesprochen unwahrscheinlich ist.

2) Die wahrscheinlichere Variante: Derzeit bestimmen vor allem die Kunden den Preis, weshalb IT-Freiberufler zwar mehr fordern können – aber ob die höheren Stundensätze auch bezahlt werden, darf bezweifelt werden. Ergo: Die Gewerbesteuer tragen die IT-Freiberufler allein oder gemeinsam mit den Agenturen.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Abgesehen davon, dass ich bei der momentanen Gesetzteslage circa 300 EUR pro Jahr mehr auf dem Konto hätte, wenn ich Gewerbesteuer zahlen würde, sehe ich die aufgezeigten Szenarien als nicht realistisch an. Denn nicht die von den Unternehmern gezahlten Stundensätze sind es, die den Preis bestimmen, sondern das, was nach Abzug der Vermittlerpauschale noch übrig bleibt. (November 2003)"

"Noch mehr Buchhaltung. Kann man denn nicht mehr leben, ohne einen Buchhalter zu beschäftigen? (November 2003)"

"Viel heiße Luft um wenig. Wer von den Freiberuflern hat denn schon den geplanten Gesetzestext gelesen und komplett (z.B: mit der Einkommenssteuer) durchgerechnet. Vermutungen gut, aber nicht mehr! (Oktober 2003)"

"Knapp, präzise, faktenreich - und auch noch intelligent geschrieben. Trifft leider meine private Ansicht zum Thema (und damit meine schlimmsten Befürchtungen) zu 100%... (Oktober 2003)"

"Es wird in keinem Satz darauf eingegangen, dass bei fast allen Freiberuflern die Kosten für die Gewerbesteuer bei der Einkommenssteuer wieder zurückgeholt werden kann!! (Oktober 2003)"


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