Umfrage-Ergebnis:

Von der Zusage bis zum Projektvertrag

(Oktober 2008)
Wie viel Zeit vergeht von der mündlichen Zusage bis zu dem Moment, in dem der externe IT-Spezialist seinen Projektvertrag in Händen hält? Hier besteht eine deutliche Diskrepanz der Ansichten zwischen Projektanbietern und Freiberuflern – das haben unsere Umfragen ergeben. 384 Freiberufler und leider nur 17 Projektanbieter haben GULP ihre Meinung zum Thema gesagt.
Wie viel Zeit vergeht in der Regel von der mündlichen Zusage bis zum Projektvertrag?
Während mehr als drei Viertel (76 Prozent) der Projektanbieter angeben, dass nach der mündlichen Zusage maximal eine Woche verstreicht, bis der IT-Experte seinen Vertrag unterschreiben kann, liegt dieser nur bei 39 Prozent der Freiberufler nach einer Woche auf dem Tisch. Nach ein bis zwei Tagen können die Freiberufler nur in weniger als einem Achtel der Fälle das bindende Papierwerk unterschreiben - nach Ansicht der Projektanbieter müsste das aber in mehr als einem Drittel der Projekte so sein.

Die Projektanbieter sind sich ziemlich sicher. Auch wenn sie einräumen, dass es schon mal länger als einen Monat dauert (12 Prozent), bekommen die externen Mitarbeiter bei der überwiegenden Mehrheit der Projekte ihren Vertrag innerhalb einer Woche. Die Freiberufler dagegen können sich nicht so genau festlegen: Anscheinend ist von einer Zeitspanne von ein bis zwei Tagen bis hin zu länger als einem Monat alles dabei.

Liegt diese Widersprüchlichkeit etwa an der Dauer des Postversandes? Oder ist eine mögliche Ursache eine andere Wahrnehmung? Wer viel zu tun hat und mehrere Verträge gleichzeitig ausarbeiten muss, der hat das Gefühl, schnell zu handeln. Wer dagegen auf etwas Wichtiges wartet, dem erscheint die verstrichene Zeit oft unendlich lang. Zeit ist relativ.
Beginnen Sie die Projektarbeit auch ohne Vertrag?
Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Selbstständigen würden die Projektarbeit auch ohne Vertrag beginnen. Zwar in
26 Prozent der Fälle mit einem unguten Gefühl, aber dennoch. In der Realität sind es noch mehr: Starke 83 Prozent der IT-Freiberufler haben es schon gemacht, ein Drittel sogar häufig. Das heißt: Tatsächlich ist es den meisten Freiberuflern schon passiert, dass sie ohne Vertrag mit ihrer Projektarbeit begonnen haben.
Ist Ihnen diese Situation schon aus eigener Erfahrung bekannt?
Das Ergebnis ist nicht verwunderlich, denn Freiberufler gehen kein allzu großes Risiko ein, wenn sie ohne schriftlichen Vertrag zu arbeiten beginnen. Der Projektvertrag bedarf nicht der Schriftform und kommt auch durch die Arbeitsaufnahme zustande, durch sogenanntes "konkludentes" (schlüssiges) Handeln.

Eines ist aber klar: Wenn es während des Projekts Ärger oder Streit gibt, hilft ein schriftlicher Vertrag ungemein - und zwar beiden Parteien. So hat jeder einen schriftlichen Beweis, auf den er mit dem Finger zeigen kann: "Das haben wir so ausgemacht! Und alles, was davon abweicht, ist falsch." Ohne unterschriebenen Vertrag werden sich beide Parteien schwer tun zu beweisen, welche Leistung mündlich vereinbart war.
Ist Ihnen schon mal ein IT-Selbstständiger vor oder während des Projekts abgesprungen, weil er seinen Vertrag nicht erhalten hat?
Ganz schön viel: Mehr als ein Drittel der Projektanbieter berichtet, dass ihnen schon einmal ein IT-Selbstständiger vor oder während des Projektes abgesprungen ist, weil er seinen Vertrag nicht erhalten hat. Wenn das passiert, ist das ganze Vorhaben in Gefahr. Das Unternehmen geht in solchen Fällen ein größeres Risiko als der Freiberufler ein; es liegt im Interesse des Projektanbieters, die mündliche Zusage möglichst bald schriftlich festzuhalten.

Warum dauert es dennoch so lange, bis IT-Selbstständige ihren Projektvertrag in Händen halten? Wohl deswegen, weil in großen Unternehmen die Prozesse langsamer ablaufen als in kleinen. Während der IT-Freiberufler sich in der Regel nur mit einen Projektvertrag zur selben Zeit beschäftigen muss, sind es in großen Unternehmen schon mal Hunderte oder Tausende solcher Schriftstücke, die gleichzeitig ausgearbeitet werden müssen.

Oder was denken Sie? Warum dauert das mit den Projektverträgen manchmal so lange? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion - wir freuen uns auf Ihre Meinung.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Hier mal das Kontrastprogramm: Ich arbeite seit zwei Jahren komplett ohne schriftlichen Vertrag. Das ist mir lieber als meine Unterschrift unter 30 Seiten mit Klauseln zu meinen Ungusten zu setzen. Stundensatz mündlich vereinbart; ich mach meine Arbeit und kriege dafür pünktlich mein Geld. Über alles andere kann man fair reden. Das braucht natürlich gegenseitiges Vertrauen. (November 2008)"

"Auf mündliche Projektzusagen oder Versprechungen lasse ich mich grundsätzlich nicht ein. Es zählt der schriftliche Vertrag und ohne fange ich meinen Auftrag nicht an. Der Teufel steckt nunmal im Detail: in den Paragraphen. Seriös ist schon nach dem ersten Telefonat den Rahmen-/ Einzelvertrag zur ersten Einsicht per email zu erhalten. Sollte es zum mündlichen "Ja-Wort" kommen und der Starttermin vereinbart sein, rühre ich keinen Finger (Reisevorbereitungen z.B.) bevor der Vertrag nicht von beiden Parteien verhandelt und schließlich beidseitig unterzeichnet mindestens als PDF vorliegt. Das weiß mein Vertragspartner auch, da bin ich von Anfang eindeutig. Meine Erfahrung zeigt, daß ein Vertragsabschluß noch am Tag des Erstgespräches stattfinden kann. Eine Woche ist aber aus meiner Sicht realistisch. Eine zügige Vertragsverhandlung zeigt mir seriöses Vorgehen und echtes Interesse an der Zusammenarbeit. Außerdem ist immer wieder interessant, daß sich Vertragsunterzeichnungen oft deshalb herauszögern, da beim Kunden intern die Beauftragung und das Projektbudget noch nicht geklärt sind. Dennoch versucht man gerne mal parallel Dienstleister zu verpflichten bzw. die Hand drauf zu halten, obwohl das Budget noch gar nicht freigegeben und eine Grundlage für das Projekt nicht gegeben ist. Projektanfragen gehe ich daher solange nach, bis ein schriftlicher Vertrag vorliegt. (Oktober 2008)"

"Arbeiten ohne Vertrag? Niemals - eine Email könnte reichen (besonders bei Bestandkunden). Die Auftragslage ist nach wie vor gut und ich möchte nicht warten. Es kann sein, dass ich länger benötige um den Vertragstext zu verhandeln - die Arbeitsaufnahme ist dann auch schon mal vollzogen, aber niemals, ohne das die wichtigsten Rahmenbedingungen (im Zweifel per Email) bestätigt sind. (Oktober 2008)"

"Bei meinem jetzigen Projekt hatte ich auch meinen Vertrag erst 1-2 Wochen nach Beginn. Da war ich aber auch "selbst schuld", weil es einfach etwas gedauert hat, inakzeptable Klauseln heraus zu verhandeln. Auch die Verlängerungen kamen anfangs sehr knapp, eine Woche vorher oder sogar danach. Inzwischen hat sich das gebessert und ich weiß meist einen Monat vorher schon, dass es weiter geht. Ich halte es auch für absolut legitim, mehrere Projekte gleichzeitig im Köcher zu haben, die Gegenseite macht es ja ähnlich. Wenn man mit offenen Karten spielt und deutlich macht, dass man nicht unbedingt auf dieses Projekt angewiesen ist, erhöht man auch u.U. seinen Marktwert und beschleunigt das Abschlussverfahren. (Oktober 2008)"

"Warten auf Post? Start des Projektes ohne Unterschrift? 1-2,5 Monate Wartezeit? Hallo?! Schonmal was von FAX mit Unterschrift gehört? Welcher Freiberufler ist hier denn des Wahnsinns, andere parallele Projektzusagen ABZUSAGEN und neue Projektanfragen mit generell "nicht verfügbar" zu beantworten obwohl nur eine mündliche Zusage des Vermittlers/Kunden vorliegt und diese noch nicht schriftlich bestätigt wurde? Schonmal was davon gehört, daß Kunden auch einen Rückzieher machen können, Projekt vertagen bzw. einstellen? Wer bei dem ganzen Paragraphendgschungel (Dienstleistungs vs. Werkvertrag, gegebenenfalls Kundenschutz, Kündigungsfristen und Haftungsfragen) fahrlässig sich auf mündliche Zusagen des Projektanbieters verlässt, handelt ziemlich unklug, nicht Unternehmer-like! Und im Zweifel des Falles bekommt der Freiberufler eben NIX, wenn der Kunde nicht zahlen möchte; das ist Realität und Freiberufler haben das selbst nach 1-2 Wochen im Projekt bei großen Dienstleitern als Kunde mit 3-Buchstaben als Firmennamen bestätigt. 3-5 Werktage ist durchaus für eine Vertragsausarbeitung realistisch. Wenn dann noch beidseitig bei Rechtsberatern Fragen offen sind, die somit nicht sofort gestrichen, geändert oder ergänzt werden können, dann kann es auch schnell mal 1-3 Werktage längern dauern. (Oktober 2008)"

"Ich kann bestaetigen, das auch bei mittelstaendischen Unternehmen (>100 MA) es zu grossen Verzoegerungen kommen kann, bei einem meiner Vertraege hat es bis zur Unterschrift 2,5 Monate gedauert (Vertrag direkt im Endkunden). Ich war die erste Zeit eigentlich nur damit beschaeftigt, das Budget zu verhandeln und die Unterschrift einzuholen. Nochmal wuerde ich das nicht mehr machen. (Oktober 2008)"

"Ehrlich gesagt: Mir als Freiberufler ist es völlig wurscht, warum die Prozesse in einem großen Unternehmen lange dauern - ich sehe darin eine Missachtung des Einzelnen. Es gibt aber einen guten Hinweis auf die Qualität des zukünftigen Umgangs miteinander: Wenn schon der Vertrag lange braucht, wenn schon die zur Verfügungstellung notwendiger Arbeitsmaterialien lange braucht, wie lange wird es dann dauern und welche Hürden sind zu überwinden, wenn man vom Kunden mal etwas möchte, das nicht zwingend notwendig ist? Immerhin sind dessen Prozesse dazu designed, einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, und wenn schon der Beginn so holpert, ist es ein klares Signal. Dies gilt übrigens für Vermittler und Endkunden gleichermaßen. (Oktober 2008)"

"Ich habe meine Verträge (i.d.R. Verlängerungen) in den meisten Fällen nach Projektbeginn erhalten. In einem Fall war es Berechnung - der Projektanbieter hat das Projekt während der Vertragslaufzeit eingestellt. Kündigungsfristen entfielen hierdurch (in diesem Fall war es ein Tag). Ansonsten ist es der Prozess - mir scheint es, dass die Wichtigkeit nicht hoch eingeschätzt wird oder besser - es zählt das Wort. (Oktober 2008)"

"Die unterschiedliche Wahrnehmung kommt wahrscheinlich daher, das Projektanbieter sich vielleicht auf einen Kandidaten festgelegt haben, aber der Projektstart ist noch nicht definiert. Ein Vertrag wird aber erst dann abgesendet, wenn auch der Startzeitpunkt klar ist. Solange ist der Projektsuchende in Warteposition und häufig auch im Ungewissen. (Oktober 2008)"

"Hatte schon mal Wartezeiten von über 2 Monaten und zwar wenn man zuerst den geeigneten Freiberufler findet, dann ein Projekt plannt und zuletzt sich auf der Suche nach dem erforderlichen Budget begibt!!! (Oktober 2008)"

"Lob! Gutes Schriftstück! Was mir fehlt, etwas mehr über Konsekwenzen eines Abstiegs von einem Freiberufler aus dem Vertrag, Vertraulichkeitsverletzung und einem Beispiel, wenn der Vertrag mündlich zustande gekommen ist, sich aber später der Projektanbieter leiser zurückgezgen hat. Ein Raschlag meines älteren Freundes - Halte dich nie nur an ein Projekt, da entteuschst du dich nicht ein Tag vor dem Projekt-Anfang - dass stoßt doch gegen konkludentes Handeln, oder? (Oktober 2008)"

"ich denke, die Problematik der Verhandlungszeit (Unstimmigkeiten im Projektvertrag) wird hier komplett unterschlagen. (Oktober 2008)"

"Mich wundert es, dass NUR ein Drittel abgesprungen sind. Ich verlange VOR Aufnahme der Tätigkeit ausnahmslos immer einen Vertrag. Kommt der nicht zeitnah nach Ankündigung, mache ich was anderes! Bei den Sätzen, die gezahlt werden, ist Warten nicht angeagt! Der Obsthändler, bei dem mehrere potenzielle Kunden nach Äpfelkisten fragen, wird auch nicht Warten, bis der Kunde vielleicht mal wieder kommt - er wird an einen anderen verkaufen, denn die Ware ist sehr verderblich. Die Ware Arbeitskraft des Selbständigen ist sogar noch viel verderblicher: 1 Tag ohne Aktivität ist bereits am nächsten Tag verdorben, da unwiederbringlich weg. (Oktober 2008)"