Kein Urlaub, dafür weniger Geld

Es gibt immer weniger junge IT-Freiberufler. Warum?

(April 2009)
Die letzte GULP Stundensatz-Auswertung hat ergeben, dass es immer weniger Freiberufler unter 40 Jahren gibt. Der durchschnittliche IT-Freiberufler ist mittlerweile 43 Jahre alt und hat 19 Jahre Berufserfahrung. Woran liegt das? Einerseits bekommen Einsteiger ohne Spezialwissen und Berufspraxis nur schwer Projektaufträge. Da das aber von Anbeginn der IT-Freiberuflichkeit an so war, muss zusätzlich etwas anderes dahinter stecken. Ist die Selbstständigkeit in der IT kein attraktives Beschäftigungsmodell für den Nachwuchs mehr? Wenn ja, warum? Eine Spurensuche.
Vielen Dank für Ihre zahlreichen und interessanten Zuschriften zum Thema Nachwuchs. Darauf und auf unserer Erfahrung basiert dieser Artikel. Letztgültig erklären können wir das Phänomen natürlich nicht. Aber wir haben vier Hauptgründe für den fehlenden Nachwuchs ausgemacht.
Hat der Nachwuchs keine Chance?
 
Wenn Projektanbieter einen freiberuflichen Spezialisten suchen, ist es ihnen natürlich am liebsten, wenn dieser seine theoretischen Kenntnisse bereits in der Praxis beweisen konnte. Projektanbieter bevorzugen laut GULP Stundensatz-Auswertung die Erfahreneren: Der Anteil der Kontakte zu Freiberuflern mit über 20 Jahren Berufserfahrung nahm um 8 Prozent auf 41 Prozent zu. Projektanbieter sehen sich die Projekthistorie des Kandidaten an. Wer nicht nur über das entsprechende Fachwissen verfügt, sondern bereits erfolgreich Projekte abgeschlossen hat und das sogar noch mit guten Referenzen belegen kann, hat die besten Karten. Außerdem werden meist externe Spezialisten gesucht, die sich in ihre Qualifikation bereits so tief einarbeiten konnten, dass ihnen (fast) niemand mehr etwas Neues erzählen kann. Deswegen werden selbstständige Experten oft beauftragt: Weil sie über ein Spezialwissen verfügen, das im Unternehmen nicht vorhanden ist. Projekthistorie, Erfahrung und Knowhow haben junge Freiberufler oft noch nicht. Der Nachwuchs hat es also schwerer, an Aufträge zu kommen. An Freiberufler, die 50 oder älter sind, gingen laut GULP Stundensatz-Auswertung im Februar 2009 ein gutes Fünftel (21,5 Prozent) aller Projektanfragen. Für IT-Freiberufler mit nur wenig Erfahrung ist zusätzlich das (finanzielle) Risiko höher, während die Stundensätze meist niedriger sind. Je weniger Erfahrung, desto höher ist scheinbar der Preisdruck. Die Folge: Nur 7,3 Prozent der Freiberufler haben weniger als 10 Jahre Berufserfahrung. Den Rat, vor dem Schritt in die Selbstständigkeit Erfahrung, Referenzen und Kontakte zu sammeln, gibt auch der Artikel "Direkt von der Uni in den IT-Projektmarkt?".

Die Uni-Ausbildung erzeugt Konzern-Angestellte


Nicht nur das fachliche Wissen fehlt den Jungen, sondern auch das betriebswirtschaftliche oder kaufmännische. "Die universitäre Ausbildung erzeugt Konzernangestellte", schrieb uns ein Freiberufler, "oder kennt irgendjemand einen Unikurs mit Vorlesungen über Kundenakquise oder Selbstvermarktung?" Auch hier tut Erfahrung ihr Übriges. Außerdem fehlt jungen Freiberuflern oft das Netzwerk, das den Älteren Vorteile verschafft. Kontakte zu Auftraggebern oder ein fester Kundenstamm erleichtern die Projektakquise; wer sich mit Freiberufler-Kollegen austauschen kann, meistert den Unternehmer-Alltag zudem leichter. Erstere können junge Informatiker während einer Festanstellung aufbauen, letztere ergeben sich mit den Jahren in der Freiberuflichkeit.

Wer sich vor dem Schritt in die Selbstst ändigkeit intensiv auf den Markt vorbereitet, kann besser abschätzen, welche Qualifikationen gefragt sind, welche Stundensätze sich mit den eigenen erzielen lassen und ob diese reichen, den gewünschten Lebensstandard zu finanzieren. Der IT-Bereich ist komplex - sich das nötige Wissen anzueignen, kann dauern. Und für einen Selbstständigen ist Zeit Geld - mehr als für einen Angestellten. Wer zunächst einige Jahre als Angestellter übt und lernt, sitzt als Selbstständiger fester im Sattel. Die Chance, gefördert zu werden, ist für einen jungen Angestellten größer, das Risiko kleiner: Gescheiterte Versuche gefährden nicht gleich die eigenen Existenz. (Welche Qualifikation wie gefragt ist, ermittelt der GULP Trend Analyzer. Die branchenüblichen Stundensätze können jederzeit über den GULP Stundensatz Kalkulator berechnet werden, umfassende Infos rund um IT-Projekte gibt es in der GULP Knowledge Base.)

Goldgräber-Zeiten sind vorbei

Das alles war aber schon immer so, es gehört per se zur Selbstständigkeit. Wieso sollen diese Gründe sich gerade jetzt auswirken? Zurzeit ist die Lage auf dem IT-Projektmarkt zwar nicht eindeutig negativ, aber doch unsicher. Aufträge sind vielleicht schon bald härter umkämpft. Die Position eines Freiberuflers im Markt wird wichtiger. Das Honorar, das er durchsetzen kann, ist unter anderem Folge seiner Marktposition (siehe Artikel "Wer mit Bananen bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn Affen für ihn arbeiten"). Mangelnde Erfahrung und fehlende Kontakte können die Positionierung bei ansonsten guten Voraussetzungen deutlich verschlechtern. Es gab "Goldgräber-Zeiten", zu denen diese beiden Aspekte in den Augen der Projektanbieter fast unwichtig waren. Die können in Zukunft vielleicht wiederkommen, sind aber im Moment eindeutig vorbei. Außerdem werden die Stundensätze von IT-Freiberuflern wohl in naher Zukunft stagnieren oder sogar sinken: Im März 2009 rechneten 38 Prozent der Freiberufler und 53 Prozent der Projektanbieter damit, dass die Honorare nach unten gehen. Diese Entwicklung trifft diejenigen besonders hart, die sich noch kein finanzielles Polster aufbauen konnten und die auch mal Wochen oder Monate ohne Projekt überbrücken müssen.
Hat der Nachwuchs kein Interesse?
 
Erfahrung hin oder her - viele der Freiberufler, die uns geschrieben haben, waren der Meinung, dass die IT-Freiberuflichkeit an sich nicht mehr attraktiv genug ist, um junge Informatiker anzulocken. "Die freiberufliche Tätigkeit ist unter dem Strich einfach nicht mehr so attraktiv, dass ein junger Angestellter mit Karriereperspektiven bereit ist, unter Inkaufnahme der Risiken und der geringeren Einkommensaussichten seine Festanstellung aufzugeben", ließ uns ein Selbstständiger wissen. Die meisten schoben wie er dem Verdienst den Schwarzen Peter zu: "Die heute bezahlten Stundensätze sind viel zu niedrig. Der IT-Freiberufler kommt mit 60 bis 70 Euro pro Stunde nicht über das Bruttogehalt eines Festangestellten im Projektgeschäft hinaus, wenn er solide kalkuliert." Alles hängt vom erzielten Stundensatz ab - wenn der junge IT-Freiberufler tatsächlich nicht mehr verdient als sein festangestellter Kollege, hat er ein Problem. Denn er muss zum Beispiel:

  • ... projektfreie Zeiten finanziell überbrücken und Rücklagen für die Altersvorsorge bilden (analog zu Arbeitslosen- und Rentenversicherung)
  • ... selbst an seiner Karriere feilen, um vielleicht in Zukunft mehr zu verdienen, ohne einfach einem vorgegebenen Pfad in einem Unternehmen zu folgen. Dabei muss er Schulungen selbst finanzieren.

Immer wieder wird im GULP Forum für Freiberufler darüber diskutiert, ob und wie sich der Lohn eines Angestellten mit dem Stundensatz eines Freelancers vergleichen lässt. Auf die (nicht nur finanziellen) Vor- und Nachteile eines Lebens als Selbstständiger geht der Artikel "Was haben Freiberufler, was Angestellte nicht haben?" näher ein.

IT-Freiberuflichkeit nicht attraktiv genug?

Andere Gründe, warum die IT-Freiberuflichkeit den Jüngeren nicht mehr attraktiv erscheinen könnte, sind die fehlende Sicherheit, das höhere Risiko und eine unausgeglichene Work-Life-Balance. Der IT-Projektmarkt ist immer dynamisch und gerade in unsicheren Zeiten unberechenbar. Weit im Voraus zu planen ist schwer bis unmöglich. Über einem IT-Freiberufler schwebt immer ein Damokles-Schwert: "Wo kommt der nächste Auftrag her?" Wir lassen IT-Freiberufler sprechen:

  • "Immer weniger Leute sind bereit sich zu quälen. IT-Freiberufler zu sein bedeutet, sich ständig Gedanken über sich und den Markt machen zu müssen. Viele scheuen dies und suchen die vermeintliche Sicherheit der Festanstellung."
  • "Es ist sicherer sich anstellen zu lassen, ein gutes Gehalt, evtl. Firmennotebook und -wagen zu bekommen."
  • "Nach meiner Ansicht ist ein Hauptgrund der gesellschaftliche und soziale Druck. Die meisten jungen Menschen mit Ambitionen wollen managen, statt etwas Konkretes zum Anfassen zu leisten."
  • "Die Bereitschaft, am Privatleben Abstriche zu machen, ist bei Jüngeren immer weniger ausgeprägt."
  • "Allgemein scheint mir so etwas wie Gründergeist in der Gesellschaft etwas verloren gegangen zu sein. Der Schritt in die Selbstständigkeit wird mehr als Risiko denn als Chance gesehen."
  • "Ich habe den Eindruck, die jüngeren Mitarbeiter legen großen Wert darauf, dass sie gut in ein Unternehmen integriert sind, die sozialen Leistungen sicher und Beförderungsmöglichkeiten vorhanden sind sowie dass Sicherheit auch in schlechten Zeiten gegeben ist."

Imageverlust der Informatik?

Andere schreiben der ganzen Disziplin Informatik einen Imageverlust zu. "Informatik ist nicht mehr trendy", schrieb uns ein Selbstständiger. "Sie ist 'mainstream' geworden. Medial inszeniert werden heute eher Biotechnologien, Energiewirtschaft oder ähnliches, was dazu führt, dass angehende Studierende eher diese Fächer wählen." Der Bundesverbands für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) befragte 14- bis 25-Jährige im gesamten Bundesgebiet. 39 Prozent der Befragten hatten durchaus Interesse an einem Beruf im ITK-Bereich. Doch ein Informatik-, Elektrotechnik- oder Mathematikstudium wollten lediglich elf Prozent beginnen. Von 2000 bis 2006 hat die Anzahl der Studierenden in der Informatik im ersten Fachsemester laut Bitkom und Destatis an deutschen Hochschulen um 26 Prozent abgenommen. Ein anderer Freiberufler meinte: "Vielleicht liegt die Entwicklung am Wandel des Berufsfeldes weg von den Künstlern unter den Entwicklern hin zur ingenieursmäßigen Disziplin."
Wird der Nachwuchs bevorzugt eingestellt?
 
Das alles waren Gründe, die gegen ein Leben als IT-Freiberufler sprechen könnten - der Mangel an Nachwuchs kann aber auch eine ganz andere Ursache haben. Es könnte nämlich sein, dass Unternehmen jüngere Informatiker einfach bevorzugt einstellen und den älteren - überspitzt ausgedrückt - nur die Selbstständigkeit bleibt, weil sie keine Festanstellung finden. "Dass Best Agers sich für die Selbstständigkeit entscheiden, ist eher auch eine Not", teilte ein Leser der GULP Knowledge Base uns mit. "Denn viele Spezialisten in diesem Alter können als Angestellte kaum einen Job bekommen. Unternehmen wollen junge, dynamische, wettbewerbsfähige und vor allem billige junge Spezialisten einstellen." Das hieße also, dass die Wirtschaft jüngere Informatiker tendenziell lieber fest bindet, während sie ältere Fachkräfte gerne in den Projektmarkt entlässt. Ein anderer Freiberufler hat uns geschildert, dass er es mehrfach erlebt hat, dass er (48 Jahre alt) bei Bewerbungen auf eine Festanstellung immer wieder abgewiesen wird, während er als Selbstständiger für die Dauer eines Projekts bei großen und namhaften Unternehmen gerne genommen wird. Gehören IT-Experten über 45 wirklich schon zum alten Eisen?
Kann der Nachwuchs nichts dafür?
 
Eine andere mögliche Antwort auf die Frage "Wo bleibt der Nachwuchs?" ist ganz unabhängig von jüngeren und älteren IT-Experten oder deren Verhalten. Es könnte sein, dass der durchschnittliche IT-Freiberufler deswegen immer älter wird, weil es - ganz banal - der demografische Entwicklung in Deutschland entspricht. Die letzte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes externer Link bestätige den zuvor bereits festgestellten Trend und kam zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter (20 bis unter 65 Jahre) langfristig abnehmen und altern wird. Die Prognose lautet, dass die Gruppe der 50- bis 65-Jährigen bis 2050 sehr stark zunehmen wird, während die der 20- bis 30-Jährigen schrumpft. Im Jahr 2006 waren 30 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 50 und 64 Jahren alt - im Jahr 2050 wird ihr Anteil 40 Prozent betragen. "Damit wird die Bevölkerung im Erwerbsalter stark durch die Älteren geprägt sein", schreiben die Statistiker in Wiesbaden. Wieso sollte es also auf dem IT-Projektmarkt anders sein? Die Abnahme des Anteils der jüngeren IT-Freiberufler könnte eine logische Konsequenz der demografischen Entwicklung sein. Vielleicht dauert zusätzlich die IT-Ausbildung lang. "Wenn man bis 30 studiert und bis 60 arbeitet, wäre der Altersdurchschnitt bei 45 Jahren. Also wieso überaltert?", schrieb uns ein Freiberufler.
Und es geht doch!
 
Trotz aller Widrigkeiten - es gibt sie, die jüngeren IT-Freiberufler, die freiberufliche Arbeit als übliches Beschäftigungsmodell für Informatiker ansehen und diesen Weg einschlagen. Warum? Es ist motivierend, selbst bestimmen zu können, wo und wann gearbeitet wird. Gerade die meisten jungen Menschen schätzen diese Freiheit und Unabhängigkeit. Für manche funktioniert die Selbstständigkeit sogar nur, solange sie selbst (jung und) unabhängig sind - und findet ein Ende, wenn Familien gegründet werden und der Lebensunterhalt mehrerer Personen vom (sicheren) Verdienst eines einzigen abhängt. Eine GULP Trash Poll im April 2009 ergab, dass sich nur ein gutes Drittel der IT-Freiberufler durch das private Umfeld überiegend darin bestärkt fühlte, in die Freiberuflichkeit zu wechseln. Weitere Argumente für die Freiberuflichkeit: Die Erfahrungen, die ein Berufseinsteiger als Freelancer sammelt, sind mindestens ebenso wertvoll wie die eines Angestellten. Wenn nicht sogar vielfältiger, denn der Selbstständige lernt in kurzer Zeit verschiedene Unternehmen, deren Arbeitsweisen, Infrastruktur und Mitarbeiter kennen. Er muss sich jedes Mal neu einarbeiten und bekommt Routine darin, sich in neuen Geschäftsumgebungen zurecht zu finden. Er lernt, sich selbst gut zu präsentieren.

Begeisterung, Hartnäckigkeit und Verkaufstalent

Es mag sein, dass jüngere Freiberufler sich besser verkaufen müssen als ältere. Denn ein junges Alter wird oft mit Unerfahrenheit gleichgesetzt. Doch junge Informatiker kennen meist die neusten Technologien oder Programmiersprachen und sind in dieser Hinsicht sind "Jungspunde" alten Hasen häufig einen Schritt voraus. Begeisterung und Hartnäckigkeit muss ein junger Selbstständiger darüberhinaus mitbringen. Ein Selbstständiger schrieb uns andere unverzichtbare Eigenschaften: "Einem, der nicht auch mal 14 Stunden vor der Kiste hocken kann, würde ich abraten. Einem, der keine Ahnung hat, was er nun verkauft, würde ich abraten. Einem, der kein guter Kontakter ist, würde ich abraten. Einem, der sich mit der für Kleinstunternehmer nötigen Bürokratie nicht rumschlagen will, würde ich abraten."

Der Beweis: Es gibt sie noch

Einige jüngere Selbstständige sind unserem Aufruf gefolgt und haben uns ihre Meinung geschildert. Danke dafür! Sie bezeugen, dass es sie doch noch gibt. Ein paar Beispiele: Ein jüngerer Freiberufler berichtete uns, dass sich für ihn die Selbstständigkeit lohne, weil er mit seiner Qualifikation hohe Stundensätze erzielen könne. Er versteht aber gleichaltrige Kollegen, die sich für die Festanstellung entscheiden, und denkt, dass das an der besseren Bezahlung liegt: "Wegen 20 Prozent mehr Nettoverdienst würde ich nicht in die Selbstständigkeit gehen."

Bereits seit anderthalb Jahren Freiberufler ist ein 25-jähriger Softwareentwickler und System-Administrator, der uns mitteilte: "Dass ich Freiberufler geworden bin, ist nicht von langer Hand geplant worden. Innerhalb eines Monats kam die Idee und wurde umgesetzt. Ich war bereits bei meinem ersten Kunden unter Vertrag, noch bevor ich angefangen hatte - ohne ihn wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen."

Ein SAP PI-Berater, unter 30, schrieb, dass er die Arbeit als Angestellter in einer Beratungsfirma vor einem Jahr aufgegeben hätte, um in die Selbstständigkeit zu gehen. "Die Möglichkeit hat sich aufgrund eines längerfristigen Auftrags ergeben und ich bereue den Schritt bisher in keiner Form. Allerdings habe ich mein Leben auch so ausgerichtet, dass ich sehr schnell meine Kosten reduzieren kann, um einen projektfreien Zeitraum überbrücken zu können."

Wieso nimmt die Anzahl der jüngeren IT-Freiberufler nun ab?

Angenommen, die Wahrheit ist die Summe aller angegebenen Gründe: Dann ist es deswegen so, weil es einerseits immer weniger junge Erwerbstätige gibt und es andererseits scheinbar doch wahr ist, dass sich Berufserfahrung auszahlt. Die letzte GULP Stundensatz-Auswertung ergab, dass eine Art Zehn-Jahres-Grenze existiert. Externe IT-Spezialisten mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung können um 26 Prozent höhere Stundensätze fordern als unerfahrenere Kollegen. Am finanziellen Maximum kommen Freiberufler dann mit 20 bis 29 Jahren Erfahrung an. Ihre Honorarvorstellung von 75 Euro ist nicht nur die höchste, sondern liegt 4 Euro über der durchschnittlichen allgemeinen Stundensatzforderung der deutschen IT-Freiberufler (71 Euro im Februar 2009). Das ist ganz schön viel.

Was denken Sie: Wie könnte man den Nachwuchs wieder mit ins Boot holen? Oder muss man das gar nicht, weil die Entwicklung gut ist, wie sie ist?
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Kommentare zu diesem Artikel:

"Aktuelles Beispiel: Anfrage für einen Junior Orcale Admin. Anforderungen wie an einen Profi, Stundensatz max. 45 Euro. Sind 7200 Euro bei 160 Stunden, abzüglich 2000 Euro Reisekosten bleiben 5200 Euro. Abgerechnet 20% für projektfreie Zeit und sonstige Risiken (Krankheit) bleiben 4160 Euro. Minus Krankenkasse und ALtersversorgung bleiben vielleicht 3500 Euro. BRUTTO !!! Da bekommt jeder Festangestellte mehr ! Es ist also ganz einfach: Freiberuflichkeit ist finanziell völlig unattraktiv für Neueinsteiger. (Mai 2009)"

"Der Freiberufler ist eine gesunde Mischung aus Unternehmer und Mitarbeiter. Je mehr Unternehmer er ist, desto weniger wird er sich einstellen lassen. Gesundes Unternehmertum wird gebildet aus Selbstbewußtsein und Erfolg. Entstanden aus Agilität und Erfahrung. Agilität wird in der Jugend anerzogen und im Alter gepflegt. Sie ersteht aus fehlender Konformität zu typischen erwerbsttätigen Zwängen und das ist heute in der Jugend weniger zu finden als noch vor 20 Jahren. Der klassische Nerd ist out. (April 2009)"

"Meiner Meinung nach hat man es als junger IT-ler vor allem deswegen schwer, weil Alter mit Erfahrung gleichgesetzt wird. Ich bin immer wieder erschüttert, mit was für unqualifizierten Leuten ich in den Projekten zu tun habe, deren Stundensatz nur durch deren Alter, aber nicht durch deren Qualifikation gerechtfertigt wird. Was sicherlich auch dadurch bedingt ist, das die jeweiligen Verantwortlichen ebenfalls keinen blassen Schimmer haben, und sich deshalb auf solche Kriterien verlassen. (April 2009)"

"Ich bin nun seit 30 Jahren mit insg. 6 Jahren Unterbrechung selbstständig und möchte es nicht mehr missen. Allerdings wäre ich bei entsprechendem Gehalt bereit, als Angestellter tätig zu sein. Man kann bereits bei 60 bis 70 EUR Stundensatz ein auswärtiges Projekt sehr lukrativ betreiben und kann dabei durchschnittlich 4500 € monatl. netto erzielen. Ich habe 40 Tage Urlaub jährlich und fahre fast jedesmal ins Ausland und lege noch Geld zurück: Warum das nicht mehr lukrativ genug sein soll für junge Leute weiß ich nicht. (April 2009)"

"Aufträge werden an die vergeben die man kennt, wenn man den neuen nicht kennt und da kann er noch so billig sein, bekommt er keinen Auftrag. --> In der Krise sollte man nicht selbständig werden. (April 2009)"

"Ich bin vor etwas mehr als 20 Jahren eher zufällig, aber selbst gewollt, in die Selbständigkeit gekommen. Und habe es Alles in Allem zwei Jahrzehnte genossen. Auch die unvermeidlichen Leerlaufzeiten und die echt miese Situation Mitte der 1990-er habe ich gut überstanden. Aber beim letzten Projektwechsel haben die meisten Projektanbieter ein Verhalten an den Tag gelegt, dass mich darin bestärkt hat so bald wie möglich den Beruf ganz aufzugeben und dieses Land zu verlassen. Beispiele: zwei Stunden Telefonkonferenz, um mich dann damit abzuspeisen, dass ich ja noch nie im Bereich "Automotiv" tätig war. Oder: es wird dringend ein SW-Entwickler für ein Embedded-System gesucht, aber am Telefon wird ein Lösungsvorschlag gefordert, wie ich denn einen Fehler im Analogteil der Platine auffinden wolle. -- Dass ich noch nie "Automotiv" gemacht habe und kein analog-Entwickler bin, steht aber ganz klar in meinem Berufsprofil und der Beschreibung meiner bisherigen Projekte. -- Auch finde ich es ziemlich arrogant, beim persönlichen Vorstellungsgespräch nach 10 Minuten zu erklären, man habe auch noch andere Interessenten für dieses Projekt. Was mich dazu veranlasst hat, zu antworten, dass ich auch noch andere Anfragen hätte. -- Dass wir in der Regel nur Lückenfüller sind ist klar, aber gerade wenn die Zeit in einem Projekt eng wird, so dass auf externe zurückgegriffen wird, sollte erkennbar sein, dass man diese Externen auch zu schätzen weiss. -- Beim aktuellen Projekt bekomme ich etwa 10% weniger, als vor acht Jahren, habe aber zusätzlich den Aufwand einer Zweitwohnung und etwa 5 Stunden Fahrzeit pro Richtung, wenn ich nach Hause will. Geld ist nicht alles, aber auch ein Teil der Achtung, denen gegenüber, die bereit, sind ganz flexibel zu ein und schnell mal eben einzuspringen und dabei auch noch persönlich starke Einbussen in ihrem persönlichem Umfeld hinzunehmen. -- Nun, in genau 3 Jahren bin ich 56 und dann hänge ich meinen Beruf an den Nagel und verschwinde. (April 2009)"

"Die Fortbildungspeitsche ist den Freelancern klarer, sie handeln bzw. investieren entsprechend, weil ihre Marktfähigkeit schneller in Frage gestellt wird. Festangestellte merken das nicht, bis dann mit 45 das böse Erwachen kommt. Nach 10-20 Jahren in einem Konzern gelten diese Leute als "Quasi"-Beamte und wissen selbst, daß Sie "kaum noch vermittelbar sind" (O-Ton). Die Sicherheit des Arbeitsplatzes bei einem Mobiltelefonhersteller und aktuell eines Chip-Produzenten war sicher auch sehr hoch - bis der ganze Laden kollabierte. Es gibt keine Sicherheit - nur Marktfähigkeit. Alles andere redet man sich nur ein. (April 2009)"

"Das im Artikel angesprochene Honorar von 60 Euro je Std. wäre wirklich viel zu wenig. Ich hatte 1999 als Freiberufler ein Honorar von 960 DM je Tag, aber seitdem keine Erhöhung mehr durchsetzen können. Bei 500 Euro je Tag wird heute, 10 Jahre später (!), schon schief geguckt! Ist doch alles teuerer geworden: Hotels, Benzin, Lebensmittel etc. Nun hört man, sollen die Sätze weiter gedrückt werden. Ich überlege mir mangels Lukrativität aufzuhören. (April 2009)"

"Ich denke wer einen Unihochschulabschluss hat, sollte auch in der Lage sein sich selbst zu vermarkten, schliesslich hat er dies in seinen Arbeiten auch gemacht. Mit Gulp oder anderen Portalen sollte es jedem Freiberufler einfach genug sein, sich in Projekte einzukaufen. Geld ist am Ende nicht alles, es muss auch Spass machen. (April 2009)"

"Hier wird viel über den Stundensatz gejammert - aber warum senken einige den ständig? Es ist blanker Unfug, dass sich nur noch lächerliche Stundensätze durchsetzen lassen. Wer sich aber von der derzeit allseits herrschenden pessimistischen Stimmung einfangen und unter Wert einkaufen läßt, trägt zum Abwärtstrend bei. Versucht mal, eine Meisterstunde in einer fähigen Autowerkstatt für unter 70 bis 80 Euro netto einzukaufen... (April 2009)"

"Ein sehr guter Beitrag! Warum sollte sich überhaupt noch jemand mit IT beschäftigen? Erfahrungen in technischer Hinsicht sind rasend schnell veraltet und um neue aufzubauen fehlt die Zeit. Ab 30 gehört man zum alten Eisen bzw. man erwartet neben der Technik auch noch sämtliche Projektleiterfähigkeiten. Man braucht immer mehr Referenzen, muss immer topfit auf allen IT-Gebieten sein und soll ständig von A nach B ziehen. Das funktioniert einfach nicht mehr - IT produziert einsame Workoholics, die mit 40 verbrannt sind. (April 2009)"

"Ab 45 Altersjahren oder ab 20 Berufsjahren sollte jeder Selbständige wissen, ob es sich überhaupt noch lohnt, eine Festanstellung zu suchen. Die interessanten Jobs mit äquivalent guter Bezahlung sind meistens bereits durch angestellte Altersgenossen in höherer Position besetzt, welche noch jemanden benötigen, der die zu delegierende Arbeiten sicher eledigen kann. Für eine Karriere in einem Grossunternehmen ist man bereits zu alt. Gegen die Jungen mit neustem Spezialwissen kann man auch nicht antreten. Was noch bleibt ist das Plus an Lebens- und Berufserfahrung und die Flexibilität, beides situationsgerecht zum Einsatz zu bringen. Und was die Krisenfestigkeit der Angestelltenpositionen betrifft, so glaube ich als Selbständiger, daß das ein Mythos ist. Wer bei einer Großbank bisher ein sehr gutes Gehalt verdiente, steht morgen beim Arbeitsvermittler Schlange. Als Selbständiger hat man sein Netzwerk von diversen Vermittlern, die einem ständig franko die Projektgelegenheiten ins Haus senden. Man pickt sich diejenigen heraus, die einem schmecken und freut sich, daß die Angst vor der Selbständigkeit die Konkurrenz vom Feld wischt und die Honorare damit für beide Seiten interessant bleiben. (April 2009)"

"Wie so oft werden es mehrere Gründe sein, die hier zusammenkommen. Die Zeiten für Selbständige sind - egal wo ich hinschaue - schlechter geworden, da hat man natürlich als junger Mensch viel weniger in Geld schwimmende Vorbilder. Aber statt dessen kennt man mehr Leute mit senkrechten Sorgenfalten auf der Stirn, die am 10. des Monats die Steuererklärung in den Briefkasten des Fiskus stecken. Logisch, dass die Selbständigkeit weniger attraktiv wirkt. Dazu kommt noch eines: als Selbständiger ist man Einzelkämpfer. Demgegenüber berührt ein Unternehmen etwas, das Geborgenheit vortäuscht. Ein Arbeitgeber ersetzt Vater und Familie in den Gefühlen. In schwierigen Wirtschaftszeiten steigt die Sehnsucht der vor allem jungen Leute nach (wirtschaftlicher) Geborgenheit - man sucht unbewusst den Ort, wo es sichere Resourcen gibt. (April 2009)"

"Wer hat wohl nach 10 Jahren mehr auf dem Konto der Angestallte oder der Freiberufler? Wer wird wohl von beiden eher Euromillionär? Die ganze Sicherheit ist quatsch Kontakte, Know How und Vertriebsgeschick sind wichtig sonst nichts. (April 2009)"

"Ich bin nun seit mehr als 15 Jahren in dieser Tretmühle, jetzt gibt es anscheinend mal wieder einen Grund, die Stundensätze zu senken! Ich habe viel Spezial-wissen im Bereich SAP seit 1996 ansammeln können, - Jetzt zählt das Alles nichts mehr, oder Sie sind überqualifiziert, wir können nicht mehr zahlen... Im Januar bis März habe ich zwischen 80 und 90% Angebote für Festanstellung erhalten, warum sollte ich weiter mein zurückgelegtes Kapital verbraten, in der Hoffnung auf "Bessere Zeiten", die ja doch mindestens hier in Deutschland nicht am Horizont zu sehen ist. (April 2009)"

"Ich finde den Trend gut. Weniger Konkurrenz verfestigt meinen Marktwert - es fehlen ja die Alternativen. Und ich brauche dass, denn meine Rente hat sich mein Bank bei der letzten Insolvenz komplett unter den Nagel gerissen. (April 2009)"

"Ich bin unter anderem als Referent in unserschiedlichen Firmen unterwegs. Mein Teilnehmerkreis setzt sich aus "alten Hasen" und "jungem Gemüse" zusammen. ;-) Dort fällt mir auf, dass "die Jugend" oft einen anderen Blick auf "den Job" hat, als "wir Alten" ihn hatten. Die Identifikation mit der Aufgabe, das "Schuften" für etwas, das "sich Einsetzen für etwas oder jemanden", das "Dienen" (Dienstleister) ist weniger stark ausgeprägt. (Könnte man das einen Teilaspekt von "soziale Kompentenz" nennen?) Und dann tut der Preis - wie schon beschrieben - sein Übriges. Ich selbst kann nur deswegen "angemessene" Preise erzielen, weil ich breites Wissen aber auch Spezialthemen anbieten kann. (April 2009)"

"Freiberufler werden durch diese Evolution verschwinden (April 2009)"

"Berufseinsteiger sollten die Festanstellung suchen und Erfahrungen in allen Richtungen sammeln. Es wird immer gute und schlechte Zeiten geben. Und wenn dann die Zeit reif ist und die nächste Krise ansteht, kann er sich immer noch für die Selbständigkeit entscheiden. Ich habe in dieser Zeit Lebenserfahrungen gesammelt, mehrere Stationen (Handwerk und Industrie kenengelernt) durchlebt, Kontakte geknüpft, Spezialwissen angeeignet. Und mit jeder Station wuchs die Bereitschaft sich mit der Selbständigkeit zu verwirklichen und seine eigenen Ziele zu verfolgen und etwas bewegen zu können was man als Angestellter womöglich nicht hätte realisieren können. Und ich hatte immer das Gefühl frei entscheiden zu können wie lange ich für diesen Kunden arbeite. Als Angestellter ist man viel zu sehr auf die Karriere und die bereits erreichten Ziele fixiert die man nicht aufgeben möchte. Z.B. man ist Teamleiter, eigenes Firmenauto, Dienstreisestatus, gestiegener Urlaubsanspruch, Bildungsurlaubs, die Betriebsrentenanspruch (10 Jahre Betriebszugehörigkeit und das eigene Alter > 35 Jahre geschafft) und steigt nun evtl. mit grösseren Sprüngen, ... Zitat: "Es könnte nämlich sein, dass Unternehmen jüngere Informatiker einfach bevorzugt einstellen und den älteren - überspitzt ausgedrückt - nur die Selbstständigkeit bleibt, weil sie keine Festanstellung finden." Und in dieser Situation war ich bereits 1993 als ich mich mit 34 Jahren selbständig gemacht habe (Betriebsrente adieu). 16 arbeitsreiche, aber erfolgreiche, Jahre später und nun mittlerweile nach mehr als 4 Monaten ohne Projekt kehre ich der IT nun den Rücken zu und habe ganz neue Ziele ins Visier genommen. (April 2009)"

"Das Geschäftsmodell "Freiberufler" trägt immer weniger - auch mit 20 Jahren Berufserfahrung. Mehr und mehr Projekte sind nur noch zu Stundensätzen zu haben, die unterhalb dem liegen, was ein qualifizierter, fest angestellter Mitarbeiter kostet. Gleichzeitig steigt der Aufwand für Acquisition und Leerlaufzeiten. Warum sollte ein talentierter IT-Kopf für weniger Geld, dafür aber mit weit mehr Risiko und Arbeit sein Brot als Freelancer verdienen, wenn es gut gepolsterte Festanstellungen gibt? Wenn die Marktbeteiligten weiterhin versuchen, Freiberufler wie billige Zeitarbeiter abzukochen, werden abgesehen von einigen Höchstspezialisierten nur noch die Freelancer übrig bleiben, die entweder nicht rechnen können oder so schwach sind, dass sie nichts Besseres finden. Aktuell unterhalte ich (45 Jahre) mich ernsthaft mit einer Firma über eine angebotene Festanstellung. Das wäre noch vor drei Jahren undenkbar gewesen! Es fällt schwer, die Freiheit aufzugeben, aber es erscheint zunehmend als die vernünftigere Alternative. Warum sollte der Nachwuchs also in die Branche drängen? (April 2009)"