Umfrage-Ergebnis: Freiberufler im Jahr 2010 bislang gut ausgelastet

Die anhaltend starke Nachfrage wirkte sich auch auf die Stundensätze aus. Die Prognose für das zweite Halbjahr fällt deswegen positiv aus.

(September 2010)

Das erste Halbjahr 2010 war für den IT-Projektmarkt eines, in dem es aufwärts ging. Stück für Stück nahm der Bedarf nach externen IT-Spezialisten nach dem vorübergehenden Tief im Jahr 2009 wieder zu. 2010 liefen bislang im Schnitt monatlich 10.783 Projektanfragen über die GULP Server; im Vorjahr waren es "nur" 7.897 pro Monat. Auch das zweite Halbjahr 2010 verspricht den Trend fortzusetzen. Die beiden bislang besten Monate des Jahres waren Juli und August mit jeweils mehr als 12.000 Projektanfragen, die über GULP an IT-Selbstständige zugestellt wurden. Dementsprechend positiv fiel auch die Bilanz der bisherigen Projektauslastung der Freiberufler aus. Allerdings war sie auch im letzten Jahr nicht wirklich schlecht, ergab diese Umfrage auf www.gulp.de unter 500 IT-Freiberuflern.

Auslastung mit Projekten im ersten Halbjahr
 
Umfrage der IT-Projektbörse GULP: Auslastung der Freiberufler im 1. Halbjahr 2009 und 2010, Quelle: www.gulp.de

70 Prozent der IT-Freiberufler waren im ersten Halbjahr 2010 zu 81 bis 100 Prozent ausgelastet. Die erste Jahreshälfte hatte 124 Arbeitstage (ohne Wochenenden und Feiertage). Eine Auslastung von 81 Prozent bedeutet zum Beispiel, dass IT-Freelancer ungefähr an 100 Tagen im Projekt tätig waren und 24 Tage auf Krankheit, Urlaub, Weiterbildung oder Projektakquise entfielen.

Das Erstaunliche ist dabei: Im ersten Halbjahr 2009 war die Auslastung der IT-Consultants kaum schlechter. Ganze 68 Prozent waren damals zu 81 bis 100 Prozent ausgelastet. Dabei gab es rund ein Fünftel weniger Projektanfragen (1. Halbjahr 2009: 46.783 Anfragen, 1. Halbjahr 2010: 61.350 Anfragen).

Möglicherweise war im letzten Jahr ein größerer Anteil der Projekte eher kurzfristig ausgelegt. Wegen der stellenweise unsicheren wirtschaftlichen Lage scheuten viele Unternehmen vor langfristigen Planungen zurück. 2010 wurden wieder immer größere Investitionen getätigt und umfangreichere Projekte angepackt. In dieser Umfrage lässt sich – wie schon in den Jahren zuvor – die Tendenz beobachten, dass Freelancer entweder "sich vor Projekten nicht retten können" oder gar kein Projekt haben, denn der Anteil nicht oder kaum ausgelasteter Freiberufler (10 Prozent) liegt zum Beispiel über dem der Consultants mit mittlerer Projektauslastung zwischen 61 und 80 Prozent (9 Prozent).

Auch im ersten Halbjahr 2009 (8 Prozent) waren etwas weniger Freiberufler zu unter 20 Prozent ausgelastet als im ersten Halbjahr 2010 (10 Prozent). Durchschnittlich mehr als 10.000 Projektanfragen pro Monat sind natürlich keine Garantie dafür, dass jeder einzelne IT-Freiberufler ein Stück vom Kuchen abbekommt. Eine Ausgewogenheit bei den Projektangeboten ist mehr die Ausnahme als die Regel, so dass die unstete Größe "Projektauslastung" besondere Herausforderungen an Zeitplanung (Urlaub? Weiterbildung?) und Kalkulation stellt.

Im Falle einer niedrigen Auslastung gilt es, die projektlosen Zeiten so produktiv wie möglich zu nutzen – indem der Freiberufler versucht, seine Chancen auf einen Auftrag zu erhöhen. Dabei hilft nicht nur eine beständige Akquise z.B. durch ein vollständiges und aktuelles Skill-Profil, in dem vor allem die Projekthistorie erfasst ist. Unerlässlich ist daneben Weiterbildung. Zertifikate und Referenzen können hilfreich sein, um dem Projektanbieter auf den ersten Blick Kompetenz zu beweisen.

Prognose für das zweite Halbjahr
 
Hinweis Zum Vergleich haben wir in dieser Grafik die Werte aus der aktuellen Umfrage (hellblau) denen einer ähnlichen Erhebung gegenübergestellt, die GULP im März 2010 veröffentlicht hat (dunkelblau). Damals wurden IT-Freelancer nach ihrer Bilanz des abgeschlossenen Geschäftsjahrs 2009 und ihrer Prognose für 2010 befragt.
Umfrage der IT-Prokjektbörse GULP: Auslastung der Freiberufler im 2. Halbjahr 2009 und Prognose 2010, Quelle: www.gulp.de

Hier wird ein Unterschied deutlich: Die Prognose der IT-Freelancer für das zweite Halbjahr 2010 fällt durchaus positiver aus als es die Bilanz des zweiten Halbjahrs 2009 war (die sie im März dieses Jahres gezogen hatten). IT-Selbstständige erwarten also eine deutlich bessere zweite Jahreshälfte als letztes Jahr. Vor allem soll der Anteil der IT-Selbstständigen mit einer Auslastung unter 20 Prozent von 13 auf fünf Prozent sinken. Erfreuliche Aussichten also.

Wer die zweite mit der ersten Grafik vergleicht, bemerkt, dass das zweite Halbjahr 2010 sogar tendenziell etwas besser ausfallen soll als das erste Halbjahr 2010. So soll etwa der Anteil der Freiberufler mit einer Projektauslastung von unter 40 Prozent von 15 auf 10 Prozent sinken. Das ist bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass das zweite Halbjahr in der Regel immer ein kleines bisschen schlechter ausfällt als die erste Jahreshälfte – so zum Beispiel 2009 und 2008.

Stundensätze: Steigen? Stagnieren?
 
Umfrage der IT-Projektbörse GULP: Werden die Stundensätze von IT-Selbstständigen in absehbarer Zeit steigen? Quelle: www.gulp.de

40 Prozent der IT-Freiberufler gaben bei der Umfrage an, zu erwarten, dass die Stundensätze von IT-Selbstständigen in absehbarer Zeit steigen werden. Diejenigen 11 Prozent, die mit einem Sinken rechnen, gehören mit großer Wahrscheinlichkeit zu den Freiberuflern, die im ersten Halbjahr 2010 nicht gut ausgelastet waren. Je nach Skills, Erfahrung, Marktposition und vielleicht auch Flexibilität profitierten die IT-Selbstständigen in unterschiedlichem Ausmaß von der steigenden Anzahl der Projektanfragen.

Denn natürlich gingen die verstärkte Nachfrage und die Erholung des IT-Projektmarkts nicht spurlos am Gros der Honorare der IT-Freelancer vorbei, wie die GULP Stundensatz-Auswertung zeigt, die seit 1998 halbjährlich durchgeführt wird und jetzt aktualisiert wurde. Im Jahr 2009 waren die durchschnittlichen Stundensatzforderungen der IT-Freiberufler um einen Euro gefallen. Im Februar 2010 konnten sie sich noch nicht wieder davon erholen. Doch nun haben die Freelancer ihre durchschnittlichen Honorarvorstellungen um einen Euro auf 71 Euro erhöht.

Die einen Freiberufler reiten also auf der Welle des Aufschwungs, während andere noch immer nach Projekten suchen. Die Mehrheit ist aber gut ausgelastet, wie diese Umfrage zeigt, und glaubt daran, dass es bergauf ging und geht. Im GULP Forum für Freiberufler schrieb im September ein Selbstständiger: „Vor acht Wochen oder so haben wir noch diskutiert ob die ‚Krise‘ vorbei ist oder nicht. Zurzeit brummt es wie verrückt.“ Er fügte hinzu: „Es gilt die alte Bauernregel: Heu machen, wenn die Sonne scheint". Die Antwort eines anderen Selbstständigen darauf fiel bekräftigend aus: „Ich stellte erstaunt fest, dass für ein "ASAP" terminiertes Projekt auch noch eine Verfügbarkeit ab Januar akzeptabel ist. Das ist eher ungewöhnlich. Haben wir jetzt etwa einen Fachkräftemangel?“

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