Umfrage-Ergebnis: Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Sehr polarisierend fällt die Freiberufler-Bilanz des Geschäftsjahres 2009 aus
(März 2010)
| Inhalt dieses Artikels: Auslastung im zweiten Halbjahr geringer | Auslastung niedriger als 2008 | Zuversichtliche Prognose |
Über das Geschäftsjahr 2009 gehen die Meinungen auseinander. Wie sehen die genauen Zahlen aus? Das zeigt diese GULP Umfrage zum Thema "Projektauslastung",
an der 853 Freiberufler teilnahmen. Zusätzlich dazu äußerten sich 49 IT-Freiberufler GULP gegenüber auf die Frage nach ihrer persönlichen Bilanz des Geschäftsjahres 2009
sehr polarisierend: Von "super" bis "katastrophal" war alles dabei. 57 Prozent von ihnen waren der Meinung, dass das Jahr 2009 absolut positiv verlief, 37 Prozent dachten das
absolute Gegenteil. Nur 3 Prozent äußerten sich neutral ("fast identisch zu den vorangegangenen Jahren", "gemischt, anfangs voll ausgelastet, dann tröpfelte es nur noch").
| Auslastung im zweiten Halbjahr geringer |
![]() Geringe Auslastung, niedriger Stundensatz Freiberufler, die eine negative Bilanz des Geschäftsjahres 2009 ziehen, begründen das meist mit niedriger Auslastung oder geringem Umsatz. Viele Freiberufler berichteten GULP gegenüber davon, dass sie Projekte "zu tiefsten Preisen" angenommen haben: "Ich war gezwungen sehr unattraktive Aufträge anzunehmen, um wenigstens einen Deckungsbeitrag zu erzielen. Ein weiteres Jahr wie dieses könnte ich mir finanziell nicht leisten." Nicht immer führte das Senken des Stundensatzes zum Erfolg: "Als Elektronik-Entwickler habe ich auf Rat eines befreundeten Dienstevermittlers meinen Stundensatz von 64 Euro auf 59 Euro reduziert. Ich ließ mich einmal sogar bis auf 55 Euro pro Stunde herunterhandeln, das hat aber alles nicht gefruchtet." Andere mussten "Umsatzeinbußen von 60 bis 70 Prozent hinnehmen. Der Grund ist ein Zögern der Kunden: Viele Projekte wurden ausgeschrieben und dann doch wieder ein- oder zurückgestellt. Dadurch waren die Pausen zwischen zwei Projekten oft monatelang." Auch für diesen Freiberufler war der Umsatz wegen geringer Auslastung niedrig: "Viele Projektanfragen im Laufe des Jahres, viele hoffnungsvolle Gespräche, aber bis Oktober führte keine zu einem Vertrag. Häufigste Absagebegründung: Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben. Derzeit brummt es wieder, gleich zwei Kunden konkurrieren um mich: Ich arbeite abwechselnd für beide, in der Hoffnung, beim nächsten Krisenschub zumindest einen davon zu behalten." Kurzarbeit wirkt sich indirekt auch auf externe Mitarbeiter aus: "Mehrere meiner Kunden führten Kurzarbeit ein", schrieb uns ein Freiberufler, "da ist aufgrund "politischer Korrektheit" kein Geld für externe Berater vorhanden. Meine Hoffnungen liegen jetzt auf dem zu erwartenden Projektstau und seiner Auflösung im Jahr 2010." Kettengeschäfte, Unterforderung, Scheinprojekte Nicht nur Stundensatz und Auslastung bereiteten Probleme – zusätzlich hatten Freiberufler, die die Krise spürten, das Gefühl, Projekte annehmen zu müssen, um die sie in einem Rekordjahr einen Bogen gemacht hätten. Dieser IT-Experte zum Beispiel stimmte einem ungeliebten Kettengeschäft zu: "So profitieren derzeit zwei Vermittler von meiner Arbeit. Aber besser so, als gar kein Projekt und damit kein Geld. Ziel ist es aber, dass das nächste Projekt wieder, wie bisher, nur mit einem Vermittler durchgeführt wird." Auch Unterforderung kann einen Auftrag unattraktiv machen: "Die Projektinhalte waren in 2009 eher langweilig - aber da gehe ich ziemlich sicher davon aus, dass sich das 2010 wieder ändern wird." Ein anderer berichtet: "Ebenso gab es eine Unmenge von Scheinprojekten und eine rege Nachfrage nach meinen bisherigen Referenzen. Die gebe ich aber maximal einem Endkunden selbst vor Ort heraus und nicht einer Unternehmensberatung zwecks Neukundenakquise." Es geht aufwärts Die Hoffnung auf ein besseres 2010 schwingt mit – und wird geschürt durch die Zahlen aus dem GULP IT-Projektmarktindex. Gemessen an der Zahl der über GULP an Freiberufler zugestellten Projektanfragen war das zweite Halbjahr 2009 dem ersten überlegen: Von Januar bis Juni 2009 wurden über GULP insgesamt 46.783 Projektanfragen versandt. Von Juli bis Dezember waren es 52.847 Anfragen – das sind 12 Prozent mehr. Das vierte Quartal 2009 war das stärkste des Jahres und die Hinweise auf einen Aufschwung verdichteten sich immer mehr. Tatsächlich geht es aufwärts: Allein im kurzen Monat Februar 2010 liefen 10.794 Projektanfragen über die GULP Server. Das ist ein Plus von 31,8 Prozent gegenüber Januar - eine monatliche Steigerungsrate, die es in den vergangenen zwei Jahren in dieser Höhe nicht gegeben hat. Der IT-Projektmarkt zeigt sich aktuell, nach einem für manche harten Jahr 2009, stark wie lange nicht mehr. |
| Auslastung niedriger als 2008 |
![]() Aber nicht alle: Mehr als die Hälfte der Freelancer zieht wie erwähnt eine positive Bilanz 2009. Wie lief das Jahr 2009 für diese Spezialisten? "Kurz: Super! Ich hab mir zwei Monate Urlaub gegönnt und meinen Stundensatz um 20 Prozent erhöht. Von einer Krise habe ich nur gehört." Ein anderer: "Ich hätte mich mehrfach verkaufen können und konnte meinen Stundensatz erhöhen. Von Krise keine Spur für mich." Vollbeschäftigung, höherer Stundensatz Von Vollbeschäftigung und gleichen oder höheren Stundensatz wie 2008 berichteten uns tatsächlich viele Freelancer, unter anderem dieser: "Ich habe mich auf Datenbanken spezialisiert mit Fokus auf Microsoft Produkte, offensichtlich keine falsche Entscheidung." Einer berichtete sogar von "weit über 100 Prozent Auslastung mit knapp 2.200 fakturierbaren Stunden". "2009 war besser als 2008", schrieb ein anderer. "Die Zahl der Projektanfragen war gleich hoch und zum Jahresende stark steigend, da Erfahrung und Einsatzbereitschaft bei Projektmanagement immer noch gefragt sind. Viele neue interne Stellen wurden mit "billigen""Externen zu Dumpingpreisen besetzt, die bedingt durch die meistens langen Laufzeiten dieser Verträge eine Marktbereinigung hervorgerufen haben." "Glück muss man haben" Warum hat die Krise manche nicht getroffen? "Die Krise trennt die Spreu vom Weizen", meint ein Freiberufler. Natürlich liegt das mit Sicherheit größtenteils an Skills, Erfahrung, Marktposition und so weiter. Auch wer ein Projekt mit einer langen Laufzeit hatte, hat im besten Fall von Marktveränderungen nur wenig mitbekommen. Aber: "Qualifikation alleine reicht nicht, Glück muss man auch haben. 2009 war für mich erfolgreich: Ein durchgängiges Projekt übers ganze Jahr und zum Jahresende erstaunlicherweise eine ganze Menge konkreter Angebote, der Markt zieht an, ich bin zufrieden." Gut auch, wenn die eigenen Karriereplanung aufgeht: "Für mich war 2009 das beste Jahr bisher. Der beste Auftrag und das höchste Honorar. Lag aber nur daran, dass ich mir 2008 klar darüber geworden bin, was ich am besten kann, was ich machen will, und beides in Einklang gebracht habe." Ein anderer sieht die Krise sogar als Chance für die IT an: "In Krisenjahren spielt bei vielen Firmen die IT-Infrastruktur eine größere Rolle: Im Gegensatz zu guten Jahren wird die Notwendigkeit gesehen, durch Investitionen in gute Technologien Einsparungen zu erzielen." |
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Mehr Informationen zum Thema bei GULP:
- Artikel in der GULP Knowledge Base
- Januar 2009: Projektauslastung 2008
- April 2007: Projektauslastung 2006
- Januar 2006: Projektauslastung 2005
- Juli 2004: Projektauslastung 2003/2004
- Juli 2003: Projektauslastung 2003
- Dezember 2002: Projektauslastung 2002
- GULP Tools und Dienste
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