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Interview mit Goetzfried AG

Krise? Welche Krise?

(März 2002)

Logo Goetzfried AG

 

 
Thomas Goetzfried, Vorstand der Goetzfried AG

Dem IT-Projektmarkt ging es sicherlich schon mal ein wenig besser. In einem Gespräch mit GULP äußerte sich der Vorstand des Beratungshauses Goetzfried AG über die derzeitige Projektsituation und deren Auswirkungen.

Die Goetzfried AG extern ist ein innovatives Software- und Beratungshaus, das seine Kunden seit 1987 als kompetenter und zuverlässiger Partner erfolgreich in IT-Projekten begleitet. Zum Angebotsspektrum gehören IT-Dienstleistungen in allen Projektphasen, von Analyse und Konzeption über Realisierung, Systemeinführung mit entsprechendem Training, bis zur Administration und Betreuung. Das Leistungsspektrum wird durch Schulungen und Vertrieb von Datenbanktools und Lizenzen abgerundet. Neben der in Wiesbaden ansässigen Hauptverwaltung unterhält die Goetzfried AG eine Niederlassung in Frankfurt, in München soll demnächst eine weitere Zweigstelle entstehen.
Herr Goetzfried ist Vorstand der in Wiesbaden und Frankfurt ansässigen Goetzfried AG.    

 

GULP Die Goetzfried AG ist bereits seit rund 15 Jahren im Projektgeschäft tätig. Mit welcher Zeit lässt sich die heutige Situation im Projektmarkt vergleichen und wie ging es damals weiter?
Herr Goetzfried Die Situation erinnert mich an den Anfang der 90er Jahre, als kein Kunde mehr Geld für Individualsoftware ausgeben wollte. Der Umschwung kam dann, als Microsoft seinen Siegeszug antrat und dadurch z.B. viele Systeme auf grafische Oberflächen umgestellt werden mussten. Die aktuellen Probleme sind in dem Punkt ähnlich, dass durch die sinkenden Profite der Unternehmen überlegt wird, wie viel Geld eigentlich für individuelle IT-Projekte ausgegeben wird und warum. Das ist auf mittel- bis langfristige Sicht ein gesunder Prozess und schafft eine Basis für neues Wachstum, denn es wird immer wieder gerne vergessen, dass es so etwas wie ein ununterbrochenes Wachstum einfach nicht gibt.
GULP Steckt der IT-Projektmarkt derzeit in einer Krise und wann ist eine Besserung zu erwarten?
Herr Goetzfried

Aus unserer Sicht gibt es keine Krise. Es sind halt nur weniger Projekte und dadurch steigt auch der Aufwand, neue Aufträge zu akquirieren. Insgesamt gibt es ein langsameres Wachstum und aufgrund der niedrigeren Stundensätze auch weniger Profit.

>>Aus unserer Sicht gibt es keine Krise<<

Ab Herbst 2002 wird nach meiner Einschätzung wieder in solche Projekte eingestiegen, die Unternehmen nach vorne bringen. In vielen Unternehmen laufen derzeit die Analysen um herauszufinden, was wirklich gebraucht wird und wie Synergieeffekte geschaffen werden können, z.B. durch Konsolidierung von Projekten. Schwierig ist die derzeitige Situation für IT-Firmen, die sich zu sehr auf einen Kunden, eine Technologie oder ein Produkt versteift haben. Hier gibt es schon seit Mitte letzten Jahres viel Angriffsfläche. Überleben werden nur diejenigen, die wirklich etwas für den Kunden tun, einen Mehrwert bieten und nicht nur Phantasie verkaufen. Im Bereich der Projektbesetzung von externem Personal haben es die Unternehmen sehr schwer, die nur auf die Vermittlungsmöglichkeiten aufgesprungen sind und dem Kunden keinen sonstigen Support bieten können.

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Ist also bei den Vermittlern derzeit eine Art Marktbereinigung im Gange?
Herr Goetzfried

Ja, das kann man durchaus so sagen. Gerade Vermittler, die nur an einer großen Gesellschaft dranhängen - also sozusagen scheinselbstständige Vermittler - werden es sehr schwer haben zu überleben. Es kam gerade in der Vergangenheit des Öfteren vor, dass sich Mitarbeiter eines Vermittlers, die vielleicht Kontakte zu gerade mal einem einzigen Großunternehmen unterhielten, selbstständig gemacht haben. Sobald es besagter Großfirma schlecht geht, hat dieser Vermittler kaum noch eine Überlebenschance, zumal es zur Zeit äußerst schwierig ist, Neukunden zu gewinnen.

>>Wir erhalten in steigendem Maße Anrufe von Vermittlern, die Kettengeschäfte aufbauen wollen<<

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass wir in den letzten Monaten in steigendem Maße Anrufe von Vermittlern erhalten, die Kettengeschäfte aufbauen wollen, also einen Freiberufler über mehrere Stationen vermitteln wollen. Falls es sich dabei nicht um völlig exotische Skills handelt, für die man auf direktem Weg niemand findet, lehnen wir solche Geschäfte dankend ab.

GULP Woran erkennt denn der Eingeweihte, dass ein Vermittler in Schwierigkeiten stecken könnte.
Herr Goetzfried Vor allem am jeweiligen Webauftritt, der ja stets eine Art Visitenkarte des Unternehmens ist. Wenn die Homepage eines Unternehmens veraltet ist und keine aktuellen Informationen bietet, ist das schon ein deutliches Warnzeichen. Solche Firmen bieten dann den Endkunden häufig unterirdische Stundensätze an, die für professionelle Arbeiten einfach nicht realistisch sind.
GULP Wie kommentieren Ihre Endkunden die derzeitige Situation im Projektmarkt?
Herr Goetzfried Viele Kunden können jetzt nicht mehr so, wie sie möchten, da die jeweilige Unternehmensleitung die Budgets für geplante Projekte nicht oder nicht in der zuvor geplanten Höhe freigegeben hat. Das ist für viele frustrierend, aber angesichts roter Zahlen ist auch jedem klar, dass es nicht um die eigene "Spielwiese" geht, sondern gute Argumente gesammelt werden müssen, weshalb gerade das eigene Projekt unverzichtbar ist
GULP Ist die momentane Lage im Projektmarkt inzwischen "Standard"? Müssen sich also alle darauf einstellen, dass die vor ein, zwei Jahren herrschende "Goldgräber"-Stimmung im Projektmarkt nur ein temporärer, durch Dot.com-Boom, Y2k etc. verursachter Ausnahmezustand war?
Herr Goetzfried Es wird sicher wieder einen Boom geben, aber wer jetzt schon weiß, wann und durch was dieser Boom initialisiert wird, den beneide ich. Vielleicht wird nicht mehr so vieles zusammenkommen - Dot.com, Euro, Y2K liefen ja praktisch gleichzeitig ab - aber Firmen werden für ihre individuellen Geschäftsprozesse immer Projekte aufsetzen müssen, wenn sie besser als der Wettbewerb sein wollen.
GULP Was ist mit den aufgeschobenen Projekten? Werden sie durchgezogen oder auf die lange Bank geschoben?
Herr Goetzfried Wie bereits erwähnt, werden einige Projekte auf der Strecke bleiben, weil sich einfach nicht genügend entscheidende Argumente für sie finden lassen. Wir wissen aber auch von vielen wichtigen, nur aus Budgetgründen aufgeschobenen, Projekten, die sicherlich realisiert werden müssen - aber halt etwas später.
GULP Werden Unternehmen künftig verstärkt auf Festangestellte setzen oder die zu erwartenden personellen Engpässe vorzugsweise mit Freiberuflern überbrücken?
Herr Goetzfried
>>Der Trend ist klar: Es wird mehr auf Festangestellte gesetzt.<<
Von Wiedereinstellungen bei größeren Gesellschaften hat man ja kürzlich schon in den Medien erfahren und bei GULP erschien ja kürzlich auch eine interessante Umfrage zu diesem Thema. Der Trend ist klar: Es wird mehr auf Festangestellte gesetzt. Sowohl unser Vertrieb als auch unser Telemarketing bekommen in letzter Zeit von unseren Kunden wesentlich öfters die Antwort, dass nur noch Interesse an festangestellten Mitarbeitern besteht. Zur Zeit ist in vielen Firmen einfach zu wenig Geld für Freiberufler da.
GULP Welche Freiberufler-Skills werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Monaten besonders stark nachgefragt, welche weniger?
Herr Goetzfried SAP, Oracle und VB werden konstant nachgefragt. Java ging stark zurück, wird aber im 3. Quartal meiner Meinung nach wieder in Fahrt kommen. Auffällig ist auch, dass Cobol nicht "totzukriegen" ist und sicher die nächsten Jahre konstant nachgefragt wird. Nachfrage besteht generell verstärkt nach Beratern, die auch Fach-Skills mitbringen - das öffnet viele Türen. Weitere diesbezügliche Hinweise liefert ja im Übrigen auch Ihr GULP-o-meter.
GULP Sollten sich Freiberufler aufgrund der derzeit erschwerten Projektmarktsituation verstärkt um die Fortbildung bemühen?
Herr Goetzfried Was zählt, ist die Projekterfahrung. Sicher wurde und wird von Freiberuflern in vielen Projekten Lehrgeld bezahlt. Das ist jetzt wesentlich schwieriger geworden. Ich halte viel davon, wenn sich ein Freiberufler weiterqualifiziert, er sollte aber seiner Linie treu bleiben. Wenn jemand, der etwa seit 15 Jahren Cobol programmiert, nun plötzlich eine Microsoft-Entwicklung aufsetzen will und dann da bei Adam und Eva anfängt, wird er es schwer haben. Viele haben sich auf den Java Hype gestürzt, darüber ein paar Bücher gelesen und vielleicht vor Jahresfrist relativ problemlos sogar ein erstes Projekt bekommen. Aber heutzutage wird in diesem Bereich ein Senior Level erwartet, den diese Leute halt nicht mitbringen. Die Anforderungen sind insgesamt sicherlich gestiegen. Für diese Freiberufler kann es daher aus heutiger Sicht nur entweder heißen: "Back to the roots" oder sie müssen versuchen, mit einer Eigenqualifizierung weiterzukommen. Ohne einen entsprechenden Nachweis verkauft sich allerdings Eigenqualifizierung oftmals schlecht. Wenn in einem CV nur die schlichten Worte " 3 Monate Weiterbildung" stehen, kann das auch heißen, dass er in der Zeit kein Projekt gefunden oder vielleicht eine Weltreise gemacht hat. Wir beobachten übrigens auch bei unserem eigenen Schulungsprogramm einen gewissen Rückgang, denn die Firmen stellen derzeit lieber ihre Mitarbeiter frei, statt sie wie zuvor auf eine Schulung zu schicken. Dies eröffnet natürlich den Freiberuflern wieder gewisse Perspektiven.

GULP Wie viele Bewerbungen von Freiberuflern treffen momentan täglich bei Ihnen ein im Vergleich zum Zustand vor etwa einem Jahr?
Herr Goetzfried Aktuell erhalten wir etwa 50 Bewerbungen von Freiberuflern pro Tag. Vor Jahresfrist waren es vielleicht 10 bis 20 - und das obwohl wir mehr offene Projekte hatten. Damals mussten wir auch wesentlich mehr selbst aktiv suchen. Etwa die Hälfte der Bewerbungen sind übrigens Blindbewerbungen. Unser größtes Problem mit vielen dieser Bewerbungen ist ihre mangelnde Aussagekraft. Da steht dann etwa bei Skills wortwörtlich "kann Oracle", und mit solchen Informationen können wir überhaupt nichts anfangen. Da wir zur Zeit wirklich genügend Bewerbungen erhalten, machen wir uns nur im absoluten Ausnahmefall die Mühe, da nochmals nachzufragen.
GULP Stichwort Honorare: Wie häufig mussten Sie schon einem Freiberufler den zuvor vereinbarten Stundensatz kürzen, weil der Endkunde sein laufende Budget reduziert hat?
Herr Goetzfried

In den letzten Monaten kam das sehr häufig vor. Über die letzten Jahre hatten wir recht konstante VK-Preise, die Stundensätze der Freiberufler wurden öfters erhöht, ohne dass der Kunde mehr zu bezahlen hatte. Wenn jetzt der Kunde kommt und sagt, dass er gemäß einer Direktive von oben weniger bezahlen kann, bleibt gar nichts anderes übrig, als einzusparen.

GULP Betrifft das auch Ihre eigene Marge?
Herr Goetzfried Ja, sicherlich, der Spardruck kommt von oben - sprich vom Endkunden - und dem müssen sich alle beugen, sowohl die Freiberufler als auch die Vermittler, denn anderenfalls kommt einfach kein Projekt zustande. Ein gewisser Verhandlungsspielraum existiert zwar nach wie vor, der ist aber deutlich enger geworden.
GULP Wie handhaben Sie solche Nachverhandlungen?
Herr Goetzfried Im persönlichen Gespräch. Ich denke jeder Freiberufler merkt, dass die Situation nicht etwa künstlich erzeugt wurde sondern ernst genug ist, um auf ein Gespräch zu diesem Thema einzugehen. Oftmals ist es für den Freiberufler auch tatsächlich immer noch besser, in einem laufenden Projekt den Stundensatz etwas zu reduzieren, als ein neues Projekt zu suchen. In neuen Projekten ist der Stundensatz nämlich oft noch niedriger, da es einfach viel mehr Bewerber gibt als früher.
GULP Sind die Stundensätze der Freiberufler aus Ihrer Sicht effektiv am Sinken und wie reagieren die Freiberufler darauf?
Herr Goetzfried Nach meinem Stand sind die Stundensätze gesunken, und zwar um ca. zehn bis zwanzig Prozent. Ich gehe aber davon aus, dass die Sätze nicht wesentlich weiter sinken werden. Insbesondere die gut informierten Freiberufler zeigen auch zumeist - wie bereits erwähnt - Verständnis und Verhandlungsbereitschaft für die derzeit etwas schwierigere Situation.
>>Die Stundensätze sind um ca. 10 bis 20 Prozent gesunken<<
Nur kürzlich hat ein Freiberufler den reduzierten Stundensatz nicht akzeptiert, woraufhin der Vertrag gekündigt wurde, weil das die Marge einfach nicht hergegeben hatte. Es handelte sich dabei um ein Großprojekt und wir haben ca. sechs Wochen gebraucht, um die Stelle neu zu besetzen, alle Seiten mussten also dadurch erhebliche Nachteile hinnehmen.
GULP Müssen Freiberufler ihre finanziellen Erwartungen jetzt auch langfristig etwas herunterschrauben oder ist das nur ein vorübergehender Honorar-Knick?
Herr Goetzfried Ich glaube, ersteres trifft zu. Es ging in der Vergangenheit mit den Stundensätzen einfach etwas zu schnell nach oben. Im Vergleich dazu musste ja jeder Angestellte, der eine normale Gehaltserhöhung bekam vor Neid erblassen. So was lässt sich nicht auf Dauer fortsetzen, auch wenn es wieder mehr Projekte gibt, werden die Sätze nicht mehr umgehend auf das alte Niveau steigen.
GULP Macht es für einen Freiberufler Sinn, sich zu einem niederen Stundensatz anzubieten? Oder bringt das sowieso nichts, wenn keine Projekte da sind?
Herr Goetzfried Angebot und Nachfrage regeln den Preis von selbst. Gibt es einen Überhang an Anbietern wie derzeit, gehen die Preise natürlich automatisch nach unten. Da muss ein Freiberufler schon gute Argumente haben, z.B. fachliche und/oder technische Erfahrungen, die dem Kunden einen Mehrpreis wert sind. Auf der anderen Seite würden wir einen Freiberufler, der nicht in das Projekt passt auch nicht engagieren, wenn er seinen Stundensatz reduziert.
GULP Also stimmt letztlich die alte Freiberufler-Weisheit: Was nichts kostet, das taugt auch nichts?
Herr Goetzfried Diese Aussage trifft nach meiner Erfahrung definitiv zu. Auch hier spielen Angebot und Nachfrage die entscheidende Rolle. Will ich mir z.B. einen freiberuflichen Senior Java Entwickler einkaufen, dann weiß ich, dass sich der EK-Preis in einem bestimmten Bereich bewegt. Natürlich versuchen wir einen guten EK zu erzielen, aber bei extremen Ausreißern nach unten gibt es meistens ein Problem, denn kein vernünftiger Mensch verkauft sich unter Wert.
GULP Versuchen die Vermittler die geringe Anzahl an Vermittlungen durch höhere Provisionen auszugleichen, wie unsere Umfrage vermuten lässt?
Herr Goetzfried Klingt interessant ;-), halte ich aber für unrealistisch. Es bringt nur schlechte Stimmung, wenn der Vermittler die Situation ausnutzt und dem Freiberufler mehr kürzt, als der Kunde reduziert. Wird so was bekannt - und davon kann man getrost ausgehen - ist das Vertrauen zerstört.
GULP Vor kurzem haben Freiberufler noch ihre Angebote auf dem Silberteller serviert bekommen. Was muss ein Freiberufler heute unternehmen, um an ein Projekt zu kommen?
Herr Goetzfried Das mit dem Silberteller trifft tatsächlich zu. Von entscheidender Bedeutung sind nun für den Freiberufler die Vertriebs- und Kommunikationsqualitäten, über die er verfügt.
GULP Könnten Sie das ein wenig näher erläutern?
Herr Goetzfried Sehr wichtig ist ein aussagekräftiges Profil. Mir ist es vollkommen unverständlich, weshalb viele Profile so spärlich sind. Wenn ein Freiberufler monatelang in einem Projekt war und dem Profil dann ganze zwei Zeilen widmet, ist das einfach ein Armutszeugnis und man kann heute damit nicht erfolgreich sein. Ich möchte als Auftraggeber keine Romane lesen, aber eine aussagekräftige Beschreibung der Projekte ist doch nicht zuviel verlangt und kostet den Freiberufler einmalig etwas Zeit, mehr nicht. Hierdurch wird auch die Trefferquote erhöht, wenn in Jobbörsen eine Volltextsuche gemacht wird. Das Profil muss zudem auch realistisch sein.
>>Wenn jemand im Profil alle Datenbanken aufgelistet hat, die es gibt, dann werden wir ihn bestimmt nicht anfragen<<
Wenn jemand im Profil alle Datenbanken aufgelistet hat, die es gibt, dann werden wir ihn bestimmt nicht anfragen. Sie wissen sicher, was ich damit meine. Der Freiberufler braucht sich nur in die Lage des Kunden zu versetzen und zu fragen, ob er sich selbst auf Basis dieses Profils anfragen würde.
GULP Abgesehen vom aussagekräftigen Profil, worauf sollte der Freiberufler noch achten?
Herr Goetzfried Wichtig sind auch realistische Stundensätze. Jeder muss das natürlich für sich selbst entscheiden, aber die Zeit für Stundensätze nach dem Motto "man kann es ja mal versuchen" ist definitiv vorbei. Eine Anmerkung noch zum Themenfeld Kontakte und Kommunikation: Obwohl ich GULP sehr schätze und als unangefochtene Nummer 1 der Jobbörsen betrachte, empfehle ich auch den Eintrag in anderen Jobbörsen oder Freelance-Foren und natürlich auch die aussagekräftige eigene Homepage, welche die Visitenkarte jedes Freelancers sein sollte. Neben dieser passiven Art des Angebotes ist auch ein aktives Kontaktieren von potentiellen Kunden/Vermittlern erfolgversprechend. Wir prüfen jede Bewerbung auf unserer Mailadresse jobs@goetzfried-ag.com, ob diese für ein aktuelles Projekt passt. Wenn nicht, erfassen wir den Bewerber in unserer Datenbank und er wird sicher beim nächsten eingehenden Projekt, das auf ihn passt, von uns angefragt. Nicht zuletzt ist natürlich das Know how entscheidend. Ein Freiberufler der langfristig Erfolg haben möchte, muss immer das "Ohr am Markt" haben und nicht auf dem Stand von vorgestern stehen bleiben. Hier ist es oft klüger ein Projekt, das zwar ein hohes Honorar, aber keinerlei Lernperspektive bietet zugunsten eines weniger lukrativen, aber innovativen Projektes abzulehnen.
GULP Was halten Sie in diesem Zusammenhang von den GULP Kleinanzeigen und den Referenzen?

Herr Goetzfried All das sind nützliche Instrumente, die aus GULP die führende Jobbörse gemacht haben, ganz einfach weil sie einen Mehrwert bieten. Durch solche "Goodies" stellt sich der Erfolg fast von selbst ein. Wir haben extra einen Mitarbeiter nur dafür abgestellt, dass er die GULP Kleinanzeigen sorgfältig durchschaut und bei GULP täglich nach Neueintragungen und Profil-Aktualisierungen fahndet. Der GULP Stundensatz-Kalkulator ist uns ebenfalls ein Begriff, denn der gibt die Marktwerte schon realistisch wieder und wird von Freiberuflern während der Honorarverhandlungen sehr häufig als Argumentationshilfe hergenommen.
GULP Können Sie aus heutiger Sicht einem Festangestellten oder Studenten den Gang in die Freiberuflichkeit überhaupt guten Gewissens empfehlen?
Herr Goetzfried Das kommt darauf an. Ja, wenn genügend Projekterfahrung auf Basis moderner Technologien vorhanden ist - damit meine ich mindestens drei Jahre in anspruchsvollen Projekten. Vor allem aber sollte die Person auch in der Lage sein, sich zu verkaufen. Idealerweise gibt es einen ersten Vertrag mit mind. sechs Monaten Laufzeit. Natürlich muss jeder individuell entscheiden, was er riskiert, wenn er eine Festanstellung oder ein Studium aufgibt. Ich kenne viele Leute, die es heute bereuen, ihr Studium abgebrochen haben. Ein Diplom wird nämlich immer ein Türöffner sein und zeigt zudem, dass jemand in der Lage ist, "ein Projekt" zu Ende zu bringen.
GULP Sehen sie einen verstärkten Trend, demzufolge Freiberufler wieder zurück in die Festanstellung wechseln (wollen)?
Herr Goetzfried Den Trend gibt es klar und deutlich. GULP hat ja auch die nützliche Information eingeführt, ob ein Freiberufler an einer Festanstellung interessiert ist oder nicht, zudem hat GULP weitere Dienste rund um die Festanstellung eingeführt. Viele Freiberufler hatten jahrelang nichts mit der Projektsuche zu tun gehabt und werden nun plötzlich mit der Situation konfrontiert, dass es auch mal ein "Loch" geben kann. Diesen wesentlichen Risikofaktor im Vergleich zum "sicheren Hafen" Festanstellung hat es ja in den vergangenen Jahren nicht wirklich gegeben. Die aktuelle Situation führt dazu, dass sich viele Freiberufler über ihre Zukunft Gedanken machen und auch an Festanstellungsangeboten interessiert sind.
GULP Haben Sie oder Ihre Kunden bereits Erfahrungen mit Freiberuflern, die in die Festanstellung gewechselt sind?

Herr Goetzfried Ja. Wir haben bereits einige freiberufliche Mitarbeiter in die Festanstellung übernommen und führen auch dementsprechende Verhandlungen. Schwierig ist, wie Sie sich denken können, der finanzielle Part in der Vertragsgestaltung. Wenn ein Freiberufler jahrelang mit steigenden Stundensätzen voll ausgelastet war, ergibt sich daraus eine für eine Festanstellung schwer zu realisierende Verhandlungsbasis. Im Übrigen kann ich ein altes Vorurteil, dem zufolge sich ehemalige Freiberufler als Festangestellte mit der Teamintegration schwer tun, nicht bestätigen. Solche oder auch andere signifikanten Unterschiede zu den "normalen" Festangestellten sind uns nicht aufgefallen und wurden bislang auch von niemandem moniert.
GULP Ist in Sparzeiten die Green Card noch oder wieder ein Thema für Sie? Wie sind Ihre diesbezüglichen Erfahrungen?
Herr Goetzfried Wir haben derzeit zwei "Green Cardler" im Einsatz, die wir aus vielen Bewerbern ausgewählt haben und mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben. Grundsätzlich berücksichtigen wir Green Card-Bewerber, denn viele haben sehr gute Skills, allerdings ist das Sprachproblem meist schon das K.O.-Kriterium. Nachdem die internationalen Großprojekte in englischer Sprache rar geworden sind, erwarten unsere Kunden sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache. In fast allen Projekten sind außerdem deutschsprachige Konzepte und Dokumentationen zu verfassen. Manche Green Card-Bewerber träumen zudem noch von den Anfangsgehältern, die ihnen im Wesentlichen von den großen Beratungshäusern gezahlt wurden. Die haben die Green Cardler als erste ins Land geholt und nach Rückgang der Projekte auch als erste wieder entlassen.
GULP Wir bedanken uns für das informative Gespräch.

 



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