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| "Es ist toll, das Geld
anderer Menschen auszugeben."
Interview mit Volker Lopp, freiberuflicher
IT-Einkäufer
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| (Oktober
2006) |
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Volker
Lopp, Dipl.-Ingenieur (FH) |
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In der GULP Profildatenbank tummeln sich zahlreiche IT-Spezialisten,
die sich in erster Linie beratenden Tätigkeiten verschrieben
haben. Ein absoluter Exot unter ihnen ist sicherlich Volker
Lopp, der seit nunmehr fast drei Jahren schwerpunktmäßig
Unternehmen in Sachen IT-Einkauf berät. Nach seinem Elektrotechnik-Studium
rutschte er in die Materie "Einkauf" mehr oder weniger
hinein, mittlerweile macht er den Job mit Leib und Seele. Im GULP
Interview erzählt er, wieso er nach jahrelanger Festanstellung
in die Freiberuflichkeit wechselte, wie gefragt er ist, was ihm
an seiner Arbeit so viel Spaß macht und warum es für
freiberufliche IT-Spezialisten eher schwierig sein dürfte,
auf IT-Einkäufer umzusatteln. |
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| GULP |
Herr Lopp, als freiberuflicher IT-Einkäufer zählen
sie nicht nur in Einkäuferkreisen, sondern auch unter den IT-Freiberuflern
zu einer sehr seltenen Spezies. Warum die Entscheidung, aus der sicheren
Festanstellung in die Freiberuflichkeit zu wechseln? |
| Lopp |
Ich habe mich schon länger mit dem Gedanken getragen, mich
selbstständig zu machen. Nach meinem Ende als technischer Leiter
bei einem ERP-Dienstleister war einfach ein guter Zeitpunkt. Die
Rahmenbedingungen und das ganze Umfeld passten und ich hatte gute
Ideen, was ich machen kann. Gereizt hat mich an der Freiberuflichkeit,
ein bisschen freier und weniger an Vorgaben gehalten zu sein. Allerdings
stimmt das nur bedingt, weil ich mich als Berater an die Vorgaben
meiner Kunden halten muss und in den entsprechenden Rahmen eingebunden
bin. Aber ich kann zumindest mehr selbst planen. Am Anfang dachte
ich zwar, das Thema "Einkauf" mache ich nur nebenbei,
aber es hat sich relativ schnell herausgestellt, dass es in diesem
Bereich einen sehr großen Bedarf gibt. Genau genommen mache
ich seit dem ersten Tag meiner Freiberuflichkeit nichts anderes
als IT-Einkauf. |
| GULP |
Und weshalb der Schwerpunkt Einkauf?
Nach ihrem technischen Studium hätte es Sie ja durchaus auch
in eine andere Richtung verschlagen können? |
| Lopp |
Während meines Studiums habe ich noch Computer-Hardware
verkauft und den einkaufenden Verbraucher beraten. Nach dem Studium
war ich bei der Electronic Data Systems (EDS) elf Jahre lang im
Outsourcing-Bereich tätig und hatte sehr viel mit Vertriebsbetreuung
und –steuerung sowie Vertragsarbeit zu tun. Andererseits habe
ich aber auch die Sachen, die ich vorne verkauft habe hinten wieder
eingekauft. Das war der erste Zeitpunkt, wo ich recht intensiv mit
dem Thema "Einkauf" zu tun hatte, weil es bei EDS, zumindest
zum damaligen Zeitpunkt, keinen richtigen IT-Einkauf gab. In der
Hauptsache war das Hard- und Software-Einkauf, allerdings auch im
größeren Stil und für größere Projekte.
Danach habe ich zweieinhalb Jahre als IT-Manager bei der Firma Leifheit
gearbeitet und in dieser Position wiederum eingekauft, weil sich
der eigentliche Einkauf nicht mit IT auskannte. Im Wesentlichen
wurde der gesamte IT-Einkauf dort vom IT-Bereich selbst gemacht,
was übrigens auch heute noch in vielen Unternehmen gang und
gäbe ist. Als IT-Manager für den Konzern sind aber zumindest
die größeren Brocken auch bei mir hängen geblieben.
Und seit ich mich selbstständig gemacht habe, ist IT-Einkauf
mein Brot- und Buttergeschäft.
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| GULP |
Warum engagiert ein Unternehmen Sie
überhaupt? Zur Unterstützung oder weil es eben keinen
eigenen IT-Einkauf gibt? |
| Lopp |
>> Ich werde engagiert,
um Kapazitätsüberlastungen abzufangen. <<
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Die Motive sind sehr unterschiedlich. Es kann sein, das Unternehmen
hat gar keinen IT-Einkauf, benötigt aber wegen eines größeren
Projekts professionelle Hilfe. Beispielsweise, um eine umfangreiche
Ausschreibung machen zu können. Oder der IT-Einkauf hat plötzlich
innerhalb eines Jahres doppelt oder dreimal so viele Ausschreibungen
wie gewöhnlich zu bewältigen und schafft das allein nicht.
Das heißt, ich werde engagiert, um Kapazitätsüberlastungen
abzufangen. In einem aktuellen Projekt beleuchte ich gerade die Einkaufsprozesse
und überlege, wie diese optimiert werden können, also wo
sie schlanker und schneller gemacht werden können. Mein Vorteil
als Externer ist natürlich, dass ich die Prozesse mit dem Blick
von außen betrachten kann. Und da ich schon in vielen Unternehmen
war, kenne ich unterschiedliche Prozesse, so dass ich auch etwas Best
Practice einbringen kann. |
| GULP |
Demnach sind Sie also vorwiegend im
strategischen Einkauf tätig? |
| Lopp |
Ja, ich mache hauptsächlich das Thema strategischer Einkauf.
Der operative Einkauf wird zwar auch nachgefragt, ist aber für
mich persönlich etwas langweiliger und wird auch nicht so gut
bezahlt. |
| GULP |
Mal abgesehen vom Geld, warum ist der
strategische IT-Einkauf für Sie interessanter? |
| Lopp |
Beim operativen Einkauf geht es oft darum, bei ein, zwei Lieferanten
abzufragen, was z.B. eine bestimmte Hardware kostet, sich dann für
den günstigsten zu entscheiden und zu bestellen. Es handelt
sich also eher um klassische Sachbearbeiter-Tätigkeiten, für
die man sich aber etwas mit IT auskennen muss. Im strategischen
Einkauf ist der Fall ein bisschen anders gelagert, weil es hier
sehr viel stärker in vertragliche Aspekte und Verhandlungen
geht. Denn im Normalfall setzt den Vertrag oder auch die Ausschreibung
kein Jurist auf, sondern der strategische IT-Einkäufer. Das
heißt, er muss juristisch so weit bewandert sein, dass er
den Unterschied zwischen Garantie, Gewährleistung und Haftungsbeschränkungen
kennt. Das ist nicht viel, aber man benötigt ein gewisses Maß
an juristischem Grundwissen. Neben diesem vertraglichen und kaufmännisch-juristischen
Teil fungiere ich aber auch als Vermittler bzw. Übersetzer
zwischen Fachabteilung und Lieferant. Oft bekomme ich technische
Ausschreibungen, die 100 Seiten umfassen, und die kein Mensch -
außer dem Verfasser selbst - versteht. Meine Aufgabe ist es
dann, diese in eine inhaltlich leicht verständliche und vernünftige
Form zu bringen, so dass der Lieferant genau weiß, was er
anbieten muss. Gerade diese Vertragsarbeit, die viele eher als trocken
und tröge bezeichnen, da habe ich richtig Spaß dran. |
| GULP |
Wie kommen sie an Ihre Aufträge?
Treten die Kunden direkt an Sie heran oder sind das Kunden, mit
denen sie schon zusammengearbeitet haben? |
| Lopp |
Ich habe sowohl Folgeaufträge von Unternehmen, bei denen
ich schon eingesetzt war, werde auch über GULP vermittelt oder
von anderen Vermittlungsagenturen angesprochen. Ich halte Schulungen
für Einkäufer und bekomme aufgrund dieses Kundenkreises
ebenfalls Anfragen. |
| GULP |
Das klingt, als seien Sie gut ausgelastet.
Wie laufen denn die Geschäfte als freiberuflicher IT-Einkäufer? |
| Lopp |
>> Jetzt bin ich locker
zu 100 Prozent ausgelastet. << |
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Ich musste mich natürlich erst am Markt etablieren, so dass die
ersten anderthalb Jahre meiner Freiberuflichkeit durchaus von Leerlaufzeiten
gekennzeichnet waren. Jetzt bin ich jedoch locker zu 100 Prozent ausgelastet
und bekomme immer wieder Anfragen, die ich absagen muss, weil ich
bis Mitte nächsten Jahres keine Kapazitäten frei habe. Und
ich kenne auch niemand, der das machen könnte, denn die wenigen
IT-Einkäufer, die freiberuflich unterwegs sind, sind alle ausgebucht. |
| GULP |
Da haben Sie ja eine richtige Nische
entdeckt... |
| Lopp |
Heute ist es sicherlich so etwas wie eine Nische. Und ich erwarte,
dass der Bedarf noch ein paar Jahre anhalten wird, denn die Bedeutung
des IT-Einkaufs wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen.
Die Unternehmen werden sich immer mehr der alten BWLer-Weisheit
bewusst, "das Geld bzw. der Gewinn wird im Einkauf gemacht".
Die IT hat sich – historisch gesehen - eigentlich immer selber
beschafft, ähnlich wie die Bereiche Marketing, Forschung oder
Entwicklung. Hier erkennt man nach und nach, dass durch einen professionellen
Einkauf höhere Qualität zu einem adäquaten Preis
erzielt werden kann. Selbst Unternehmen, die sehr viel IT und einen
entsprechend großen IT-Einkauf haben, z.B. Banken, sind da
noch nicht so aufgestellt. Auch dort bekomme ich immer wieder Anfragen,
entweder weil es Lastspitzen gibt oder weil man sich selbst noch
verbessern muss. |
| GULP |
Wie reagieren denn ihre festangestellten
Kollegen auf Sie? Ernten Sie als Externer nicht manchmal lange Gesichter,
wenn Sie mit ihrem Außenblick erst mal kräftig die vorhandenen
Prozesse kritisieren? |
| Lopp |
>> Wenn ich als Externer
etwas sage, hat es meist mehr Gewicht. <<
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Wie bei allen beratenden Aktivitäten braucht man dafür natürlich
das gewisse Händchen. Ganz oft ist es aber so, dass die Einkäufer
im Unternehmen eher froh sind, dass ich da bin. Denn ich als Externer
sage mitunter auch nichts anderes als das, was sie schon lange predigen
– nur dass es aufgrund meines Preises meist mehr Gewicht hat.
Mitunter bin ich also einfach nur der Verstärker. Es ist eher
die Ausnahme, dass ich mit Argwohn betrachtet werde, denn in erster
Linie bedeutet mein Einsatz für sie eine Arbeitserleichterung.
Das wird also eher positiv gesehen. |
| GULP |
Für beide Seiten also nur "Friede,
Freude, Eierkuchen". Mal ehrlich, haben Sie als freiberuflicher
Einkäufer gar keine Nachteile?
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| Lopp |
Die grundsätzlichen Nachteile, die ich als Freiberufler
natürlich habe. Ich habe das Risiko der Aufträge und muss
ein Allround-Talent sein. Ich muss neben Buchhaltung, Vertrieb und
Marketing noch ganz "nebenbei" meine Beratungstätigkeit
machen. Ich persönlich finde das Klasse, andere empfinden das
als Belastung. Das ist Geschmackssache. Aber ich mache es einfach
sehr gerne und bin mit Leib und Seele Einkäufer. Es ist toll,
das Geld anderer Menschen auszugeben.
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| GULP |
Muss man als IT-Einkäufer eigentlich
mehr Ahnung von der IT oder vom Einkauf haben? Bei Ihnen ergänzen
sich ja beide Seiten durch Ihr Elektrotechnik-Studium und Ihre langjährige
Berufserfahrung sehr gut.
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| Lopp |
Beim Thema "IT-Einkauf" steht aus meiner Sicht mehr
der Einkauf und weniger die IT im Vordergrund. Wie bei einem guten
Projektleiter ist das Fachliche nur Nebensache, das Handwerkszeug
für den Einkauf muss stimmen. Denn einkaufen ist einkaufen
und letztendlich sind die grundsätzlichen Fragen und Techniken
des Einkaufs immer die gleichen. Ob ich nun einen Kompressor oder
einen Server einkaufe, der Unterschied ist eigentlich marginal.
Ich brauche eine Spezifikation, ich muss wissen, läuft der
Kompressor rund um die Uhr oder brauche ich diesen nur gelegentlich,
ist das ein zentraler Kompressor... Das Gleiche habe ich natürlich
bei einem Server auch. Ich behaupte einfach mal, dass man 80 % Einkaufswissen
und 20 % IT-Wissen braucht. Im IT-Einkauf sind mir bis jetzt nur
ganz wenige begegnet, auch von den Festangestellten, die vorher
in der IT waren. Das ist eher die Ausnahme.
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| GULP |
Für freiberufliche IT-Spezialisten
also keine wirkliche Alternative auf der Suche nach neuen, lukrativen
Tätigkeitsfeldern? Sie müssten ja demnach erst mal das
ganze Einkaufs-Handwerk erlernen.
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| Lopp |
>> Ein System-Administrator
kann durchaus im operativen Einkauf arbeiten. <<
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Ein System-Administrator, der im hardwarenahen Umfeld gearbeitet
hat und da natürlich auch beschafft hat, der kann - wenn er
Spaß daran hat - durchaus operativen Einkauf machen. Möchte
er zusätzlich auch noch im strategischen Einkauf arbeiten,
dann würde ich sagen, das wird eher nichts. Denn die meisten
IT-Spezialisten haben keine Lust, sich 100- oder 200-seitige Ausschreibungen
oder Verträge durchzulesen. Wer allerdings daran Spaß
hat, große Dokumente durchzuackern und in ihrer Gesamtheit
sowie ihren Wechselwirkungen zu begreifen, der hat den ersten wesentlichen
Schritt gemacht. Aber ich vermute, es werden eher wenige sein.
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| GULP |
Herr Lopp, vielen Dank für das informative
Gespräch und weiterhin beruflich viel Erfolg. |
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