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Unter der Lupe: Gibt es krisensichere Märkte?

(September 2002)
Inhalt dieses Artikels:
Betriebssysteme | Programmiersprachen | Datenbanken | ERP & CRM | Javatechnologien | Internettechnologien | Sind geringere Stundensätze auf größeren Märkten sicherer als hohe Stundensätze auf kleinen Märkten?
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Dies ist eine Marktstudie aus dem IT-Projektmarktindex, dem Marktindex für IT-Projekte.
 

Auf Basis der Gewinner & Verlierer im GOM-Marktindex hat GULP für Juli/August 2002 ausgewertet, welche Qualifikationen sich "traditionell" gut halten, das heißt wie Angebot und Nachfrage für sie sind und welche Stundensätze IT-Freiberufler damit erzielen können. Ist es besser, auf seltener gesuchte Qualifikationen umzuschwenken, um höhere Stundensätze zu erzielen? Die vorliegende Marktanalyse fasst die Ergebnisse der im GULP-o-meter, GULP Trend Analyzer und GULP Stundensatz Kalkulator errechneten Trends zusammen.

 

Betriebssysteme
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Nachfrage Betriebssysteme

UNIX
Windows
MVS
Abbildung 1: Entwicklung der Projektanfragen zu den drei beliebtesten Betriebssystemen in %

Qualifikationen im Bereich Windows Betriebssysteme wurden während des vergangenen Jahres im Schnitt von 15,5 Prozent aller Projektanbieter gesucht. Diese Nachfrage knickte Mitte des Jahres auf nur 10 Prozent ein, hat sich dann aber wieder erholt und ist im August mit 17,9 Prozent auf den höchsten Stand des Jahres geklettert.

12,3 Prozent der Projektanbieter haben während des vergangenen Jahres im Schnitt UNIX-Fachleute gesucht. Die Nachfrage nach dem Betriebssystem sackte im Juli 2002 kurzzeitig auf acht Prozent herunter, hat sich aber seither erholt und kletterte im August wieder auf 11,9 Prozent. UNIX-Experten bilden die zweitgrößte Gruppe im Bereich Betriebssysteme mit einem durchschnittlichen Stundensatz von 73 EUR.

Bessere Verdienstmöglichkeiten bieten die weniger populären aber stabil nachgefragten Betriebssysteme MVS, AIX (jeweils 77 EUR) und Solaris mit 76 EUR.

Die spannendste Frage ist hier: Steigen die Chancen für Windows-Experten? Es wäre wünschenswert, denn diese Spezialisten bilden die größte Gruppe im Bereich Betriebssysteme und der durchschnittlich geforderte Stundensatz beträgt entsprechend nur 69 EUR. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass viele Unternehmen jetzt Handlungsbedarf für die Einführung neuer Microsoftlösungen sehen, da WinNT 4x zum 30. Juni 2002 in die "Extended Phase" des Product Life Cycles übergegangen ist (vgl. Microsoft ) . In dieser Phase werden viele Supportleistungen kostenpflichtig und es bleibt nur noch ein Jahr, bis der Support wegfällt.

Nachfrage Windows Systeme

Windows 2000
WinNT 4x
Windows XP
Abbildung 2: Entwicklung der Projektanfragen im Bereich der gefragtesten Windows-Betriebssysteme
 

 

Programmiersprachen
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Die verbreitetsten Programmiersprachen sind Java, C/C++ und SQL. Die meisten Projektanfragen erzielte mit 13,6 Prozent C/C++ gefolgt von Java mit 11,9 und SQL mit 10,5 Prozent. Die durchschnittlichen Stundensätze belaufen sich für das vielgefragte Java auf 70, für das ebenfalls beliebte C/C++ auf 69 und für SQL auf 67 EUR (vgl. zu Java auch: Java auf Talfahrt?). Die produktbasierte Programmiersprache ABAP macht im Gegensatz dazu nur einen kleinen Teil der Projektanfragen aus, aber ist mit 85 EUR auch wesentlich höher dotiert (siehe auch: Wie steht's um ABAP?)

Stundensätze Programmierung

Alle Freiberufler
Java
C/C++
ABAP
Abbildung 3: Stundensatzentwicklung im Bereich der gefragtesten Programmiersprachen

 

 

Datenbanken
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Datenbankkenntnisse bringen erwartungsgemäß nicht so viele Freiberufler mit wie Kenntnisse in Betriebssystemen bzw. Programmierung. Die Stundensätze liegen dort (mit Ausnahme von MS-Access) leicht über dem derzeitigen Durchschnitt von 74 EUR. Die meisten Datenbankspezialisten kennen sich mit Oracle aus, auf das im letzten Jahr durchschnittlich 16,2 Prozent der Projektanfragen im Datenbankbereich entfiel. Trotz einer Schwäche in den Sommermonaten dieses Jahres hat Oracle damit stets die Nase vor IBMs DB2 behalten (Projektanfragen lagen dort durchschnittlich bei 11,1 Prozent) - bis es im Juli erstmals überholt wurde (zur Marktführerschaft von Oracle siehe auch: Wer ist die Nummer 1 bei den Datenbanken?)

Projektanfragen Datenbanken

DB2
ORACLE
Abbildung 3: Entwicklung der Projektanfragen in den letzten zwölf Monaten zu den beliebtesten beiden Datenbanksystemen

Die Stundensätze liegen im Schnitt für Oracle bei 74 EUR und bei DB2, für das es viel weniger ausgewiesene Spezialisten gibt, bei 77 EUR. Auf MS-Access, das immer noch recht viele Freiberufler als Skill angeben, entfallen im Verhältnis dazu nur 1,5 Prozent der Projektanfragen - entsprechend unterdurchschnittlich ist der gefordert Stundensatz von 66 EUR.

 

 

ERP & CRM
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Stundensätze SAP Module
Alle Freiberufler
SAP CO
SAP HR
SAP SD
Abbildung 4: Stundensatzentwicklung für einzelne SAP Module

Der Bereich Enterprise Resource Planning (ERP) und Customer Relationship Management (CRM) wird von SAP dominiert. Die Walldorfer Softwarelösungen sind dafür bekannt, auch in Krisenzeiten Projektmöglichkeiten zu bieten und den Spezialisten je nach fachlichem Schwerpunkt überdurchschnittliche Honorare zu bescheren (vgl. dazu auch: SAP trotzt dem Trend). Sind Projekte mit allgemeinem SAP-Bezug noch recht häufig im Angebot und stehen entsprechend vielen versierten Freiberuflern gegenüber, so ist das bei einzelnen Modulen schon anders. Es gibt nur wenig Angebote zu den R/3 Modulen, die allerdings abgesehen von saisonalen Schwankungen konstant zwischen 1 und 6 Prozent aller Projektanfragen im Jahr liegen. Ihnen steht eine überschaubare Zahl an Spezialisten gegenüber und entsprechend hoch sind die geforderten Stundensätze (zwischen 86 und 93 EUR).

 

Stundensätze CRM
Alle Freiberufler
Siebel
Baan
Peoplesoft/
Vantive
Abbildung 6: Stundensatzentwicklung im Bereich Customer Relationship Management Systeme

Betrachtet man die Konkurrenz von SAP im CRM Markt, so herrscht dort momentan Stille. Projektanfragen zu Siebel, Peoplesoft oder Baan kann man an einer Hand abzählen. Angesichts dieser Flaute ist es nicht verwunderlich, dass die Stundensätze der ansonsten so hoch dotierten wenigen CRM-Spezialisten massiv nachgeben. Ob sich hier langfristig doch noch ein Projektmarkt entwickeln wird, auf den Freiberufler setzen sollten, wird davon abhängen, ob SAPs mySAP CRM die Konkurrenz beleben kann und welche Dimension die CRM-Pläne von Microsoft annehmen werden.

 

 

Javatechnologien
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Java-Technologien wie Java 2 Enterprise Edition (J2EE), JavaServerPages (JSP) und Enterprise JavaBeans (EJB) sind feste, jedoch nicht sehr wachstumsträchtige Faktoren bei Anfragen im Bereich Internettechnologien. Der durchschnittliche Anteil an allen Projektanfragen in den letzten zwölf Monaten beträgt zwischen 2,2 und 2,6 Prozent. Die Nachfrage dieser Skills weist extreme Schwankungen von 0,7 Prozent bis 5,1 Prozent auf und macht die Projektsuche zu einem unberechenbaren Abenteuer. Die Stundensätze rangieren zwischen 68 und 74 EUR.

Ob .NET es schaffen kann, zu einer echten Konkurrenz für J2EE heranzuwachsen, hat GULP bereits im April 2002 erörtert (siehe auch: .NET kommt - nicht in die Gänge). In der Zwischenzeit scheint sich ein Trend langsamen aber kontinuierlichen Wachstums abzuzeichnen:

Nachfrage Softwareplattformen

.NET
J2EE
Abbildung 7: Entwicklung der Projektanfragen zu den konkurrierenden Softwareplattformen Java 2 Enterprise Edition und Microsofts .NET

.NET hat damit mittlerweile einen Anteil von 0,7 Prozent an den Projektanfragen, im Gegensatz zu J2EE mit 2,2 Prozent. Das heißt, dass jetzt fast nur noch jede dritte Projektanfrage zu J2EE anstelle von .NET gestellt wird.

Leider spiegelt sich dieser Anstieg in den Honorarforderungen bislang nicht entsprechend wider. Seit März dieses Jahres ist der Stundensatz für .NET von 76 EUR auf 69 EUR in den Keller gerutscht.

 

 

Internettechnologien
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HTML und XML sind hier mit durchschnittlich 4 bzw. 4,9 Prozent der Projektanfragen in den letzten 12 Monaten schon festere Größen, die weit geringere Schwankungen aufweisen als Javatechnologien. Besonders erstaunlich ist die Führungsrolle von XML, die HTML erst diesen August erstmals übernehmen konnte. Mit XML-Kenntnissen konnten Freiberufler im Juli ganz ordentliche 72 EUR pro Stunde fordern, während die Forderungen für HTML-Kenntnisse bei moderaten 60 EUR lagen. Allgemein sind HTML-Kenntnisse unter Freiberuflern in diesem Bereich am meisten verbreitet.

Nachfrage Webskills

XML
HTML
Abbildung 8: Entwicklung der Projektanfragen zu zu den Web-Skills Hypertext Markup Language und Xtended Markup Language

 

 

Sind geringere Stundensätze auf größeren Märkten sicherer als hohe Stundensätze auf kleinen Märkten?
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Ein Windows-Spezialist mit MS-Access- und HTML-Kenntnissen ist in diesen Zeiten nicht zu beneiden. Ein SAP R/3 Berater dagegen lebt auch heute ganz angenehm. Besonders hart trifft es die hochspezialisierten Freiberufler, die es bislang gewöhnt waren, ausgesprochen hohe Stundensätze verlangen zu können. Die Flaute im "Wachstumsmarkt" CRM ist das beste Beispiel: Dort steht jetzt trotz der kleinen Anzahl vorhandener CRM-Spezialisten manch einer ohne Projekt da oder ist gezwungen, seine Honorarwünsche senken.

Als Freiberufler sollte man sich also gut überlegen, auf welches Pferd man setzt. Umsatteln bedeutet eine Investition von Zeit und Geld. Es gilt grundsätzlich abzuwägen: bei Kenntnissen, die oft gesucht werden, aber über die besonders viele Kollegen auch verfügen, sollte man sich anschauen, wo die Stundensätze stehen und nachrechnen, ob sich das Erlernen eine weniger gefragten und gebotenen Qualifikation lohnt, sofern eine stabile Nachfrage dafür besteht und die Honorare dort wesentlich höher sind. Natürlich muss man bedenken, dass der Faktor "Projekterfahrung" eine große Rolle spielen kann. Bleibt Schuster bei seinen Leisten, so kann das bedeuten, dass der Konkurrenzdruck wesentlich härter ist und projektfreie Phasen häufiger sind. Natürlich fällt das Umsatteln dann am leichtesten, wenn neue Technologien eingeführt werden, wie jetzt mit .NET der Fall. Dort ist die Konkurrenz noch recht klein und alle stehen am Anfang des Lernprozesses. Wenn natürlich zu viele auf den Zug aufspringen, kann es schnell zu Gedrängel kommen. Möglicherweise wächst der Bedarf an dieser Technologie nicht so stark wie angenommen. Ein Restrisiko bleibt bei der Überlegung also immer. Aber letztlich liegt es für Freiberufler in der Natur der Sache immer dazuzulernen, um sich auch in Zukunft Aufträge zu sichern. Projektfreie Zeiten sind optimal, um weitere Skills zu lernen.

 

 

Die Stichprobe
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Die vorliegende Marktanalyse beruht auf der statistischen Auswertung von 20.996 Projektangeboten, die IT-Freiberuflern von September 2001 bis September 2002 über den GULP-Server zugestellt wurden. Das Datenmaterial wird durch Informationen aus den Profilen der über 36.429 bei GULP eingetragenen IT-Freiberufler (Stand 01.09.2002) ergänzt. Insgesamt repräsentiert die Datenbasis der vorliegenden Marktanalyse mehr als 80 Prozent des deutschen IT-Projektmarktes.

 

 



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