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Aktuelle Situation von IT-Selbstständigen: Drei Fragen an den BVSI

(Februar 2006)
 

Steigende Umsätze, mehr Wachstum, höhere Investitionen – so die zuversichtlichen Prognosen für den deutschen ITK-Markt im Jahr 2006. Doch wie gestaltet sich die Situation für IT-Selbstständige im neuen Jahr? GULP stellte dazu dem Bundesverband der Selbständigen in der Informatik (BVSI) e.V.extern drei Fragen – die Antworten gab BVSI-Vorstand Dr. Dirk Bisping.

 

GULP Der ITK-Markt ist in Bewegung. Die Auftragslage für IT-Spezialisten hat sich in 2005 deutlich verbessert wie eine aktuelle GULP Umfrage zur Projektauslastung zeigt. Die Erwartungen für 2006 sind ebenfalls hoch. Kann der BVSI diese Beobachtung bestätigen, also werden wieder verstärkt externe IT-Spezialisten (vor allem in Unternehmen) eingesetzt und welche Ursachen gibt es für diese Entwicklung?
Dr. Bisping

Der BVSI kann Ihre Beobachtung auf jeden Fall bestätigen: Die Auslastung von IT-Beratern hat deutlich zugenommen, der Projektmarkt ist dabei, sich zu erholen. Dennoch ist es wichtig zu differenzieren. In der Anwendungsentwicklung beispielweise ist der Druck durch Outsourcing deutlich zu spüren. So mancher Auftrag in diesem Feld geht nach Russland oder Polen, in die Tschechei oder nach Indien. Insgesamt hat der Trend, Projekte in Übersee und im europäischen Ausland abzuwickeln, deutlich zugenommen.

Und damit kommen wir zu den Ursachen der Konjunkturbelebung. Die Entwicklung in der IT verläuft zyklisch. Zum Jahrtausendwechsel haben die Unternehmen große Summen in die Informationstechnologie investiert, die Geräte wurden auf den aktuellen Stand gebracht. Viele Unternehmen haben ihre IT zum Jahr 2000 vollständig erneuert. Zwei Phänomene kamen Anfang des neuen Jahrtausends zusammen. Die Unternehmen haben ihre IT modernisiert und danach die Budgets zurückgefahren. Nach dem Millenium kam es zum Einbruch der Konjunktur und danach haben die Unternehmen notwendige Innovationen auf die große IT-Projekthalde geschoben. Beide Effekte, der IT-Projektstop und der Konjunktureinbruch führten zu der katastrophalen Situation im IT-Markt. Da das Projektgeschäft aber zyklisch abläuft - etwa alle drei bis vier Jahre investieren die Unternehmen in neue IT - hat sich der Markt erwartungsgemäß ab Ende 2004 neu belebt.

Nach unserer Einschätzung wird sich die positive Tendenz des vergangenen Jahres im Jahr 2006 fortsetzen. Wie es im Jahr 2007 aussehen wird, kann man aber nur vermuten. Man kann jedoch mit Sicherheit sagen, dass sich die Wirtschaftslage der nahen Zukunft nicht an der exzellenten IT-Marktlage von 1998/1999 messen lassen kann. Die jetzige Marktsituation ist nicht vergleichbar mit der Situation vor dem Jahrtausendwechsel. Heute gehen die Kunden nicht mehr so großzügig mit ihren Budgets um. Die Unternehmen sind wählerischer und verlangen nach profilierten Beratern.

Die Anforderungen an IT-Freiberufler sind definitiv gestiegen. Früher akzeptierte der Kunde, dass ein IT-Freiberufler zu 85 oder 90 Prozent in ein Projekt passte. Den fehlenden Wissensbaustein eignete sich der Freiberufler eben im Projekt an. Heutzutage gibt es einen Überhang an qualifizierten IT-Freiberuflern und der Kunde hat die Möglichkeit, sich den Berater auszusuchen, der zu 100 Prozent in sein Projekt passt. Der Markt ist enger geworden. Deshalb können wir aus unserer Erfahrung jedem IT-Freiberufler nur raten, kontinuierlich in die eigene Weiterbildung zu investieren und am Ball zu bleiben, um die neuesten Entwicklungen nicht zu verpassen.

 
GULP Der Blick auf den Nachwuchs. Steuern wir tatsächlich auf einen neuen Fachkräftemangel zu?
Dr. Bisping

Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es einen Überhang an IT-Beratern. Nach wie vor sind viele IT-Freiberufler auf Projektsuche. Und die Konkurrenz schläft nicht. Globalisierung ist eine normale Entwicklung und der Druck aus dem Ausland nimmt spürbar zu. Es ist zu befürchten, dass IT-Profis aus Asien oder Osteuropa in den nächsten Jahren auch Felder besetzen, die bis heute eher von hiesigen Entwicklern durchgeführt werden, zum Beispiel im Netzwerkbereich.

Im Bereich Fachkonzepterstellung und der Definition von Geschäftsprozessen sitzen deutschsprachige IT-Berater jedoch bis heute fest im Sattel. IT-Bereiche, in denen Kommunikation eine Rolle spielt, werden auch zukünftig eine Domäne für deutschsprachige IT-Freiberufler bleiben. Aber der Trend geht dahin, dass die meisten hiesigen Firmen mittlerweile international aufgestellt sind und Englisch auch in Deutschland mehr und mehr zur Geschäftssprache wird, schon allein deshalb, weil viele Projekte heute auf internationaler Ebene durchgeführt werden.

 

GULP

Arbeitnehmerüberlassung versus IT-Freiberufler: Konkurrenz für die IT-Selbstständigen durch Zeitarbeitsunternehmen?
Dr. Bisping

In minder bezahlten Bereichen haben Zeitarbeitsfirmen sicherlich eine Chance sich zu etablieren. Ein reiner Programmierer oder Help Desk Personal wird schon heute zum Teil über Zeitarbeitsfirmen vermittelt. In diesen Bereichen mag das Beschäftigungsmodell einer Zeitarbeitsfirma tragfähig sein. In den anspruchsvolleren IT-Arbeitsfeldern hingegen stellen Zeitarbeitsfirmen keine Konkurrenz für IT-Freiberufler dar, dazu sind die Honorare von profilierten Beratern einfach zu hoch. Ab einer bestimmten Honorargrenze muss eine ganz andere Art von Vertrieb erfolgen.

Wie schon erwähnt, sucht der Kunde heutzutage den zu 100 Prozent passenden IT-Profi für sein Projekt. Zeitarbeitsfirmen könnten es sich aber nicht leisten, eine Vielzahl von hoch bezahlten Beratern mit einem festen Gehalt zu bezahlen.

 

GULP

Sehr geehrter Herr Dr. Bisping, wir danken Ihnen recht herzlich für Ihre ausführliche und informative Stellungnahme.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Liefert gute Informationen zum Thema. (Juli 2006)"

"Sehr informativer Artikel! (März 2006)"

"Sehr informativ. (Februar 2006)"

"Ich bin IT-Freiberufler und arbeite zur Zeit im Modus Arbeitnehmerüberlassung. Es gibt eine Reihe großer Firmen die darauf bestehen. Einfach um eine bessere Planungssicherheit zu haben. Die Vermittelung erfolgt in diesem Fall über die gleichen Firmen, die sonst auch Projekte vermitteln. Ich habe lange gezögert und überlegt, aber eine Projektlaufzeit von über zwei Jahren und ein Jahresgehalt im sechsstelligem Bereich - verbunden mit einer gewissen sozialen Absicherung haben mich überzeugt. (Februar 2006)"

"Gibt Marktüberblick und Tendenzen. Sehr gut. (Februar 2006)"


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