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Umfrage-Ergebnis

Background und Selbsteinschätzung der IT-Freiberufler

 
(August 2004)
 

Was möchten Freiberufler über Freiberufler wissen? Offensichtlich jede Menge, denn nur einmal kurz nachgefragt – und schon kamen aus dem GULP Forum diverse Vorschläge für entsprechende Umfragen.

An der ersten GULP Forumsumfrage nahmen 163 Freiberufler teil; sie gaben Auskunft unter anderem über ihren beruflichen Background.



Was haben Sie direkt vor der Freiberuflichkeit gemacht?
Festangestellter IT-Experte. 65 %
Studium. 19 %

Umschulung. 3 %

Arbeitslos. 4 %
Anderer Beruf. 9 %

Kaum überraschend kamen die meisten IT-Freiberufler (knapp zwei Drittel) auf direktem Wege aus der einschlägigen Festanstellung – weil sie wollten, weil sie mussten oder weil beide Gründe zutrafen. Ungeachtet der Motivation drängt sich generell folgender Schluss auf: Der IT-Projektmarkt wird von „außen“ kontinuierlich mit Fachwissen und Erfahrung in Gestalt ehemaliger IT-Angestellter versorgt.

Frisches Blut und andere Perspektiven gibt es ebenfalls regelmäßig für den Projektmarkt, denn 19 Prozent der Freiberufler haben gerade das Studium hinter sich gebracht und neun Prozent wechselten von anderen Berufen in die IT-Selbstständigkeit.

Schließlich wird eine von Kritikern gerne vorgebrachte Behauptung widerlegt, denn laut Antwortverteilung ist es keineswegs die Regel, sondern vielmehr die Ausnahme, dass IT-Freiberufler vorher Arbeitslosengeld (4 Prozent) bezogen oder eine staatlich geförderte Umschulungsmaßnahme (3 Prozent) in Anspruch genommen haben.



Wie lange sind Sie schon als IT-Freiberufler tätig?

bis zu 2 Jahre. 21 %

3 bis 4 Jahre. 18 %
5 bis 7 Jahre. 23 %
8 bis 10 Jahre. 15 %
11 und 14 Jahre. 11 %
15 Jahre oder mehr. 12 %


Nachdem die Zeitalter von Rechenschieber, elektrischer Schreibmaschine und Commodore C 64 endgültig vorbei waren, begann die Schar der IT-Freiberufler kontinuierlich zu wachsen:

24 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage machten sich 1993 und früher selbstständig.
Immerhin 15 Prozent wagten den Sprung in die Freiberuflichkeit 1994 bis 1996.
Erwartungsgemäß sind 41 Prozent Freiberufler-„Kinder“ des Internet-/Euro-/JTW-Booms von 1997 bis 2002.
Und der Strom der Freiberufler reißt nicht ab: Jeder fünfte „Neue“ stieß in den vergangenen zwei Jahren in den Projektmarkt hinzu.


Wie viele unterschiedliche Endkunden hatten Sie schon als Freiberufler?

Noch keinen. 2 %

Genau einen. 7 %
2 bis 4. 34 %
5 bis 9. 34 %
10 oder mehr. 23 %


Gerundete 2 Prozent sind bei dieser Umfrage drei Freiberufler, die eine Beschäftigung beim Endkunden bis jetzt nur vom Hörensagen kennen.

Schwer einzuschätzen ist die Situation der 7 Prozent, die bisher genau einen Endkunden hatten: Entweder ist dies ein Hinweis auf Akquisitionsschwierigkeiten oder aber auf ein sehr langes und erfolgreiches Engagement bei einem zufriedenen Kunden.

Zwei bis neun Kunden auf der Referenzliste – summa summarum 68 Prozent der Umfrageteilnehmer bewegen sich in diesen Bereichen. 23 Prozent können gar 10 und mehr Endkunden vorweisen. Allesamt treten – wie schon bei den Antworten auf die erste Frage – einem weit verbreiteten Vorurteil entgegen, dass sehr viele Freiberufler vom BfA zu Recht in die Ecke der Scheinselbstständigkeit gesteckt werden.

Das Gegenteil ist der Fall und die IT-Freiberufler, die an der Umfrage teilgenommen haben, zeichnen sich vor allem durch eines aus: Reichlich Kundenerfahrung.



Ganz ehrlich: Wie schätzen Sie sich selbst auf einer Skala von 1 bis 7 ein?

1. Freiberufler aus Überzeugung. 56 %

2. 24 %
3. Freiberufler, Festanstellung wäre aber auch okay. 9 %
4. 5 %
5. Patchworker mit diversen festen und freien Jobs. 1 %
6. 3 %
7. Freiberufler aus der Not heraus. 0 %
Oder: Ich bin Freiberufler nur nebenher. 2 %


Die Antworten sind ein Bekenntnis - und zwar mit 56 Prozent aller Teilnehmer ein ausgesprochen deutliches: Freiberufler wird und ist man zuallererst aus Überzeugung! Dem pflichten auch die 24 Prozent bei, die in der Skala bei 2 ihr Votum machten – nach Erfahrung der GULP Rekruiter ist aber rund die Hälfte dieser Gruppe zumindest gesprächsbereit, wenn es um eine ausgesprochen attraktive Festanstellung geht.

Weitere 9 Prozent bevorzugen ebenfalls die Freiberuflichkeit, ziehen aber die Alternative Festanstellung nun schon eher in Betracht. Kein Wunder vor dem Hintergrund, dass die gegenwärtige anstrengende Marktsituation manchmal auch zur Freiberufler-Müdigkeit führen kann. Von der sind, in unterschiedlicher Ausprägung, weitere 9 Prozent der Umfrageteilnehmer betroffen.

Ein Teilergebnis ist abschließend ganz dick und mit Farbe zu unterstreichen: Freiberufler aus der Not heraus sind genau NULL Prozent!

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Sehr interessanter Artikel. Ich möchte nur anmerken, dass der Wechsel von der Festanstellung als IT-Experte in die Selbständigkeit häufig mit Überbrückungsgeld, was ja eigentlich einem halben Jahr Arbeitslosengeld entspricht, vom Staat unterstützt wird. Damit relativiert sich die Aussage von nur 4% Arbeitslosigkeit als Tätigkeit vor der Freiberuflichkeit etwas. (Oktober 2004)"

"Die wenigen Fragen geben natürlich nicht so viele Antworten, wie man sich nach der Ankündigung erhofft hat. Aber interessant ist es allemal! Diese Umfrage sollten Sie unbedingt in zwei bis drei Jahren wiederholen! Denn durch die Neuregelung des Arbeitslosengeldes wird es sicher irgendwann auch die "Freiberuflichkeit aus der Not heraus" geben. (August 2004)"

"Super Artikel. Es ist gut, dass hier einmal mit zwei Vorurteilen (arbeitslos und nur ein Kunde) aufgeräumt wird. (August 2004)"


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