Ein Ergebnis der halbjährlichen GULP
Stundensatzauswertung im August 2004: Die durchschnittliche
Stundensatzforderung der IT-Freiberufler ist abermals gesunken und
beträgt jetzt 64 Euro. "Und wie geht es weiter?",
wollte die jüngste GULP Umfrage von den Projektanbietern wissen.
Die vergangenen sechs Monate waren dadurch gekennzeichnet, dass
der Sinkflug der Honorare sich fortgesetzt hat – aber in stark
gebremster Form. In der GULP Umfrage nahmen 136 Teilnehmer zur Honorarentwicklung
Stellung.
Glauben Sie, die Stundensätze werden
2004 werden generell
wieder deutlich steigen. 4%
sich etwas heben. 31%
stagnieren. 38%
leicht sinken. 15%
weiter fallen. 12%
Die Talsohle ist erreicht, die Honorare werden nicht mehr weiter fallen
– dieser Meinung sind immerhin 73 Prozent der Projektanbieter,
die an der GULP Umfrage teilgenommen haben. Demgegenüber glauben
27 Prozent, dass das Ende der Stundensatz-Talfahrt noch nicht erreicht
ist, ergo IT-Projekte für die Anbieter im Bereich der Personalkosten
noch günstiger werden.
Wodurch wird die Höhe des gezahlten Stundensatzes
zuallererst bestimmt?
Angebot und Nachfrage. 62%
Fachliche Qualifikation. 17%
IT-Erfahrung. 10%
Soft Skills. 1%
Auftreten/Verhandlungsgeschick. 10%
Eine schwierige Frage, denn man musste sich aus mehreren zweifelsfrei
zutreffenden Kriterien für eine Antwort entscheiden. Und erwartungsgemäß
fiel das Votum für das Grundprinzip freier Marktwirtschaft
sehr deutlich aus: Für knapp zwei Drittel (62 Prozent) der
Teilnehmer bestimmen Angebot und Nachfrage den Marktwert des Freiberuflers.
Der freiberufliche IT-Spezialist ist also gut beraten, seine fachlichen
Skills (die weitere 17 Prozent der Projektanbieter explizit als
Kernkriterium angegeben haben) auf den Prüfstand zu stellen
und genau im Markt nachzuschauen, welche Qualifikationen gefragt
sind. Für GULP Member
bietet sich hier das Tool "Suchen der Projektanbieter"
an: Ein Blick dort hinein und man sieht, was Projektanbieter wollen.
Die Puristen unter den IT-Freiberuflern mag es schmerzen, aber
Auftreten und Verhandlungsgeschick bestimmen nach Meinung der Projektanbieter
in gleichem Maße die Honorarhöhe wie die IT-Erfahrung.
Andererseits haben mittlerweile sehr viele IT-Freiberufler erkannt,
wie wichtig es ist, auch seine Fähigkeiten in der Verhandlungsführung
zu verbessern.
Softskills generell spielen bei den Stundensatzverhandlungen allerdings
noch keine Rolle – wohl auch, weil sie sich erst im Projekt
beweisen. Für die Aussichten auf ein Folgeprojekt können
sie aber durchaus ein entscheidendes Argument sein.
Gibt es für Sie so etwas wie eine Stundensatz-Schamgrenze,
unter der ein Projektanbieter nicht bieten sollte?
Nein. 20%
Ja, 30 Euro. 6%
Ja, 40 Euro. 17%
Ja, 50 Euro. 57%
Unter 50 Euro ist die Region der finanziellen Schamlosigkeit –
diese Auffassung vertreten über 57 Prozent der Projektanbieter.
Sie bestätigen damit ein Ergebnis aus der halbjährlichen
Stundensatzauswertung:
Nur 7,3 Prozent aller Projektanfragen gingen an Freiberufler mit
einer Honorarforderung von weniger als 50 Euro.
Auf der anderen Seite ist jeder fünfte Projektanbieter der
Meinung, dass der Begriff „Scham“ bei Stundensatzverhandlungen
grundsätzlich fehl am Platz ist. Das muss allerdings nicht
automatisch ein unmoralisches Verhalten bedeuten, sondern ist vielleicht
auch nur Ausdruck einer ausgeprägten Zocker-Mentalität.
Letztendlich wissen mittlerweile die meisten Projektanbieter: Honorare
können nicht beliebig gedrückt werden, weil man auf der
Suche nach Qualität in tieferen Stundensatzregionen einfach
nicht mehr fündig wird.
Kommentare zu diesem Artikel:
"Eine genauere Analyse wäre hilfreich : Sind die angebotenen x EUR/Stunde bei einem Anbieter in dritter Reihe oder der Endpreis vom Kunde ohne Vermittler ? Das Stundensatzszenario ist durch Kettengeschäfte der vermittler eindéutig verzerrt. Der Endpreis vom Kunden wäre die Messlatte. Bei angenommenen 5-20 Prozent Marge der Vermitller käme man auf einen genaueren Vergleichswert. (Oktober 2004)"
"fuer t-freiberufler, die zwar ueber 50 sind, aber noch nicht ueber viel erfahrung auf dem 'markt' verfuegen (die waren evtl mal angestellte..), ist gerade auch dieser beitrag sehr wertvoll. denn haeufig sitzen projektanbieter und freiberufler unter '4-augen' am tisch - und da ist es sehr wertvoll zu wissen, was so 'ueblich' ist. (September 2004)"
"Sehr hilfreich ! (September 2004)"
"Die Zocker-Mentalität halte ich vielleicht für etwas übertrieben, manche Leute nehmen Dinge eben möglichst billig und bieten (möglichst) geringe Gegenleistung, was gegen die Prinzipien des austausches und der Fairneß versößt, ansonsten halte ich den Beitrag für interessant und wie ich glaube realisitsch. (September 2004)"
"Ok, wenn auch etwas lang im Vergleich zum (interessanten) Inhalt. (September 2004)"
"meine Grenze ist bei 50 Euro - einfach aus Steuergründen. Aber es hängt auch von der Aufgabe ab: Ich kann nicht viel verlangen für etwas, was ein Student macht (normalerweise billig) und kann nicht billig anbieten für eine Aufgabe, bei der hoch-qualifizierte Erfahrung gefragt ist und bei der ich erwarte, dass der Auftraggeber mich ernst nimmt. (September 2004)"
"Kann es sein, dass daraus auch abzulesen ist, das die Aufträge, die innerhalb der Gulp-Community abgewickelt werden, überwiegend aus höherwertigen Programieraufgaben bestehen? Also Java, C++, SAP und nicht HTML und Dergleichen. (September 2004)"
"Der letzt Satz birgt viel Wahrheit!
Nur muß es dem Freiberufler erst einmal gelingen,
den Projektanbieter davon zu überzeugen, daß man qualitativ
besser ist als die anderen. Deswegen finde ich die 10% beim Verhandlungsgeschick sehr wenig. (September 2004)"
"Der Artikel als solcher ist gut. Die Projektanbieter sollten mal in ihren Vertrieb gehen und sich eine
Aufstellung der Preisentwicklung ihrer Produkte geben
lassen. Zum Großteil ist hier ein Anstieg von ~100% gegenüber den DM-Preisen festzustellen. Wird nur der Zeitraum seit der Euro-Einführung betrachtet, so sind auch hier Preissteigerungen von 15 - 35% keine Seltenheit.
Dies wird in der Regel mit gestiegenen Beschaffungspreisen und Preiserhöhungen bei den "allgemeinen" Verbrauchsgütern, wie z.B. Treibstoffe, Büromaterial, Strom, Wasser, Gas, Öl etc. verargumentiert. Nur diese Preise sind auch für die Freiberufler gestiegen. Hier sollten die Unternehmen die "Kirche im Dorf" lassen.
Wer den Kompfort eines Jaguar besitzen möchte, ist sich auch im Klaren, dass er diesen nicht für den Preis eines VW Polo bekommt.
Dies sollten nicht nur die projektvergebenden Unternehmen sondern auch und gerade die Projektanbieter, welche häufig zu Preisen anbieten, die nicht mehr tragbar sind, da ihre Marge/h i.d.R. die gleiche bleibt.
(September 2004)"
"Diesen Artikel fand ich sehr gut, leider gibt es immer noch
so viele unverschaemte Consulting Firmen. Das frechtste, was ich je gehoert habe, war ein Projekt als DBA (Oracle etc..) fuer 32 EU in Berlin. (September 2004)"
"Sehr gut! (September 2004)"
"Guter Artikel. Erfahrungsgemäß hinken die Gulp-Umfragen und Auswertungen der Marktentwicklung immer ein wenig hinterher. Dies Bedeutet die Talsole ist längst durchschritten und der Aufschwung hat bereits begonnen!
(September 2004)"
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