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Umfrage-Ergebnis

Wie steht es denn mit der Zahlungsmoral?

 
(September 2004)
 

Es ist eine Frage der Fairness, es ist aber vor allem auch eine Frage von existentieller Bedeutung: Wenn Freiberufler zu lange auf ihr Honorar warten müssen oder ihr verdienter Lohn überhaupt nicht gezahlt wird, dann kann dies kann schnell in die eigene Schuldenfalle führen. Mit der "Zahlungsmoral" beschäftigte sich die jüngste GULP Umfrage.

372 Teilnehmer nahmen an der Umfrage teil und zeigten mit ihren Antworten sehr deutlich, dass die Frage nach der Zahlungsmoral einem Stich ins Wespennest gleich kommt.



Wie oft kommt das Geld später als vertraglich vereinbart?
Nie. 3 %
Selten. 39 %
Kommt öfters vor. 36 %
Ist ein echtes Problem. 22 %

Ein bedenkliches Ergebnis: Für insgesamt 58 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden IT-Freiberufler ist es in der Praxis nicht selbstverständlich, dass ihr Honorar auch pünktlich bezahlt wird. Weitere 39 Prozent kennen – wenn auch selten – ebenfalls das Warten auf die vereinbarte Überweisung. Und NUR drei Prozent haben noch niemals Schwierigkeiten hinsichtlich der pünktlichen Honorierung gehabt.


Bei Verzögerungen – wie oft müssen Sie in der Regel nachfragen?
Einmal genügt. 51 %
Öfter. 40 %
Mahnung oft unumgänglich. 9 %


Ist es beruhigend, dass bei etwa der Hälfte (51 Prozent) der Zahlungsverzögerungen eine einmalige Nachfrage das Problem aus der Welt schafft? Oder ist es beunruhigend, dass bei etwa der Hälfte (49 Prozent) die erste Nachfrage nicht hilft?

Es ist in jedem Fall bedenklich, dass beinahe jeder zehnte Freiberufler regelmäßig den Weg der Mahnung beschreiten muss.



Was sind die typischen Gründe für verspätete Zahlung?
Rechnung angeblich übersehen. 21 %
Verwaltungs-Engpässe. 26 %
Absicht, die Zinsen bringt. 16 %
Liquiditätsprobleme. 24 %
Schwierigkeiten mit dem Endkunden. 13 %


Letztlich bleibt dem IT-Freiberufler nichts anderes übrig, als sich bei Zahlungsverzögerungen mit den Erklärungen der Projektanbieter erst einmal zufrieden zu geben. Und wenn es ein schnell korrigierter Einzelfall bleibt, hat er sicher auch Verständnis z.B. für die überraschend erkrankte Sekretärin oder den unerwarteten Systemabsturz oder die kurzzeitig verschwundene Rechnung. 47 Prozent der Freiberufler jedenfalls wurden schon mit solchen oder ähnlichen Begründungen konfrontiert, die einer weiteren gedeihlichen Zusammenarbeit noch nicht grundsätzlich entgegen stehen.

Schwieriger wird es, wenn der Projektanbieter ein Liquiditätsproblem hat, was immerhin für 24 Prozent der IT-Freiberufler ein typischer Grund für verspätete Zahlungen ist. Da geht das für eine geschäftliche Beziehung nötige Vertrauen schnell über Bord – ebenso, wenn hinter Zahlungsverzögerungen pure Absicht (16 Prozent) steckt.

Mit einem Anteil von 13 Prozent markieren die "Schwierigkeiten mit dem Endkunden" das Schlusslicht im Ranking typischer Gründe. Liegt es an den grundsätzlich guten Erfahrungen mit den Endkunden – oder daran, dass mit einem Anruf beim Endkunden der betroffene IT-Freiberufler die Begründung schnell überprüfen kann?



Haben Sie schon einmal einen Anwalt beauftragt, um Ihr Geld einzufordern?
Ja. 28 %
Nein, aber mehrmals angedacht. 23 %
Nein. 49 %


Als Profi bei Bedarf einen anderen Profi einschalten. Über ein Viertel der IT-Freiberufler vertrauten bereits auf die Kenntnisse und Möglichkeiten eines Rechtsanwalts um an ihr Honorar zu kommen. Sie haben also das getan, woran weitere 23 Prozent in der Vergangenheit schon mehrmals gedacht, aber immer wieder verworfen haben – aus welchen Gründen auch immer.

Für 49 Prozent der IT-Freiberufler war anwaltliche Unterstützung bis jetzt noch kein Thema. Das kann sich allerdings bald ändern, wenn man der Antwortverteilung auf die letzte Frage glauben darf:



Wie ist die Tendenz hinsichtlich Zahlungsmoral?
Es wird schlechter. 42 %
Gleichbleibend. 54 %
Es wird besser. 4 %


Als vor knapp drei Jahren der damalige Mittelstürmer des FC Bayern München, Giovanni Elber, fehlende Anerkennung von der Vorstandschaft beklagte, entgegnete ihm Manager Uli Hoeneß sinngemäß: "Wir erweisen ihm den höchsten Respekt, den man in heutigen Zeiten erweisen kann: Wir zahlen immer pünktlich sein Gehalt."

Angesichts der 42 Prozent, die eine Verschlechterung der Zahlungsmoral erwarten, liegt die Vermutung sehr nahe: Viele IT-Freiberufler wären dankbar für einen Uli Hoeneß auf der Projektanbieter-Seite.

 

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Kann den Punkt mit der letzten Rechnung bestätigen. 2,5 Monate später und ich habe immer noch kein Geld in der Tasche (bin aus dem Projekt seit 3 Mon. raus). Am besten man arbeitet als FL im letzt. Monat nur gegen Treuhandkonto, Abretung oder eine wöchentl. Abrechnung mit sofortigem/7 Tage ZZ. Reise-/Übernachtungskosten - ohne Bonitätsnachweis - des VM nur gegen Vorkasse/Abschlagszahlung. So hat man wesentlich mehr Druckmittel. Ist man aus dem Vertrag raus, haben erst alle anderen FL Vorrang, die noch bei Endkunden tätig sind und nachträgliche Pfändung ist wegen §88 und §131 InsO leider nicht ganz so trivial. (März 2011)"

"Einfach einmal ein Beispiel von mir zu diesem Thema: Ich habe gerade ein Projekt, welches leider nur über einen Vermittler abgewickelt werden kann. Dieser Vermittler hat bislang 5 Rechnungen von mir erhalten. Bislang ist keine meiner Rechnungen pünktlich zum vereinbarten Zahlungsziel beglichen worden. Jede Rechnung ist von mir am 1. des folgenden Monats (Vereinbarung sagt, dass dies in den ersten 5 Tagen erfolgen sollte) mit allen erdenklichen Unterlagen (unterschr. Nachweis, evtl. Übernachtungskosten etc.) verschickt worden. Die Ausreden sind recht vielfältig - von verspätetem Posteingang über unser Konto ist mit dem Ausgang belastet bis zu "wir wollten Ihre Rechnung dieses mal besonders behandeln und haben es leider versiebt". Mir drängt sich der Eindruck auf, dass der Grund hierfür der eigene Zinsvorteil sein könnte. (Februar 2006)"

"Es ist immer wieder interessant, was sich die Vermittler so alles an Ausreden bei Zahlungverzug einfallen lassen. Es wäre gut zu wissen, wer diese schwarzen Schafe denn nun im Projektmarkt sind... (Januar 2006)"

"Immer häufiger höre ich von Agenturen, dass eine Zahlung nicht möglich wäre, da der Endkunde noch nicht gezahlt hat. Mir fehlt hier ein wenig das Verständnis, da dies a) durch entsprechend vereinbarte Zahlungsziele klar zu organisieren wäre und b) dem Vermittler ja gerade daran liegt, dass der Freelancer keinen direkten Vertrag mit dem Endkunden hat. Also sind auch die Kommunikationsprobleme zwischen Vermittler und Endkunde keine geeignete Argumentation für einen Vertragsbruch mit dem Freelancer. (August 2005)"

"Ich hatte gerade erst im letzten Projekt bei der Schlußzahlung das fragliche Vergnügen, daß die Zahlung erst nach zweifacher Mahnung mit 6 Wochen Verzug auf meinem Konto einging. Seltsamer Weise kommen solch unangenehme Situationen nach Projektabschluß deutlich häufiger vor, als wärend der Laufzeit. Man könnte glauben, die Vermittler bezahlen puenktlich, solange der Freelancer unter Vertrag steht, um den Auftrag nicht zu verlieren und warten mit der Schlußzahlung dann bis ultimo, um Zahlungsengpässe auszugleichen!? (März 2005)"

"Ich kann das Umfrageerbegnis nur bestätigen. In zehn Jahren hatte ich kein einziges Mal Schwierigkeiten mit der Bezahlung, in den letzten zwei Jahren musste ich bereits viermal mein Geld anmahnen bzw. sogar einklagen. Aber was soll man erwarten, wenn es doch allgemein zum guten Ton gehört, mindestens eine Mahnung abzuwarten. (Oktober 2004)"

"Die Umfrage ist gut und wichtig. Dennoch sollte man bei den Ergebnissen beachten, dass einige schwarze Schafe bereits die ganze Herde in Verruf bringen können. Nicht einverstanden bin ich mit dem Hoeneß-Satz, der den Job eines Arbeitgebers bzw. im Fall des Freelancers Projektgebers einzig auf die Bezahlung reduziert. Das ist definitiv zu kurz gegriffen und führt zu einer Gesellschaft, die mir wenig lebenswert erscheint. (Oktober 2004)"

"Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen. Ich weiß von zwei großen Projektanbietern (global player), daß es interne Richtlinien gibt, in denen die Bezahlung von Rechnungen innerhalb der ersten sechs Wochen nach Rechnungseingang nur in Ausnahmefällen anzuweisen ist - unabhängig von dem, was vereinbart wurde. (September 2004)"

"Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Ich bin selbst freiberuflich seit mehreren Jahren tätig und habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Diese Tendenz ist wirklich sehr bedenklich! (September 2004)"

"Als Projektanbieter versuchen wir ständig unsere Berater pünktlich zu bezahlen. Allerdings schaffen es ca. 20 % von freiberuflichen Beratern nicht, vollständige korrekte Rechnungen mit unterschriebenen Zeitnachweisen vom Endkunden einzurechnen, was tatsächlich zu einem erhöhtem Verwaltungsaufwand führt und Zahlungsverzögerungen hervorruft. Auch das ist ein Grund für verspätete Bezahlung, der von unserer Seite nicht zu unterschätzten ist. (September 2004)"

"Ich glaube, die Situation ist noch schlimmer. Es gibt unglücklicherweise Kunden und insbesondere Vermittler, die sich mit solchen Praktiken finanzieren - das ist eine Tendenz, die ich seit 2002 verstärkt beobachte. (September 2004)"

"(Frage 1) Es fehlt ein Bezug für die Zahlen. Wenn ich jedes Jahr einen Kunden mit schlechter Zahlungsmoral erwische und schon seit 20 Jahren freiberuflich tätig bin, jedoch 30 Kunden pro Jahr bediene, sage ich mit recht wenig. Wenn ich aber nur zwei Kunden im Jahr habe, seit 2 Jahren freiberuflich tätig und von meinen 4 Kunden einer nicht bezahlt, dann (25%) sage ich natürlich viel. (September 2004)"


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