Umfrage-Ergebnis: Trend zum Near- und Offshoring?

(August 2009)
Die Beauftragung externer IT-Spezialisten aus Billig- und Niedriglohnländern in Osteuropa oder in Asien wurde in den letzten Jahren immer populärer. Leider nur 34 Projektanbieter haben GULP ihre Meinung zum Thema gesagt, nichtsdestotrotz zeigt das Umfrage-Ergebnis einen Trend auf. Wir möchten hier nicht nur Zahlen präsentieren, sondern auch einen externen IT-Experten aus dem GULP Kandidatenpool mit seinen praxisrelevanten Erfahrungen zu Wort kommen lassen.
Der SAP-Spezialist im Bereich Warehouse und Logistik steht dem Trend kritisch gegenüber: "Ich bin sehr skeptisch, was Near- und Offshoring angeht. Wirklich glücklich ist keiner damit, behaupte ich." Der SAP-Experte hat in früheren Aufträgen im Bereich der Halbleiterindustrie einerseits des Öfteren selbst an Produktionsstandorten im Ausland gearbeitet – unter anderem in Singapur und Malaysia – andererseits langjährige Erfahrungen gesammelt in Projekten, in denen er von Deutschland aus mit Outsourcingpartnern in Bratislava und in Manila zusammengearbeitet hat.
Hat sich der Trend zum Off- und Nearshoring durchgesetzt?
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Hat sich der Trend zum Off- und Nearshoring, der vor etwa 5 Jahren aufkam, durchgesetzt?
59 Prozent der Projektanbieter sind der Meinung, dass sich der Trend zur Auslagerung in Billig- und Niedriglohnländer durchgesetzt hat. Auch laut dem Black Book of Outsourcing 2009, für das rund 24.000 Unternehmen weltweit befragt wurden, planen viele Anwender, ihre Outsourcing- und Offshore-Aktivitäten bis zum Jahresende auszubauen – nicht nur, aber auch im IT-Dienstleistungs-Bereich. Dabei erwarten 60 Prozent der Befragten Erweiterungen der zu bestehenden Auslagerungsverträge, 17 Prozent rechnen mit Neuabschlüssen. Der Hauptgrund für Near- und Offshoring sind die erwarteten Kostenersparnisse. Nach einer Umfrage im Jahr 2009 unter 80 Anwenderunternehmen kommt das Beratungsunternehmens The Hackett Group zu dem Schluss: Mit Offshoring und Outsourcing lassen sich die Kosten für IT-Dienstleistungen besonders stark senken. Einsparungen von zehn Prozent seien laut den Beratern in diesem Bereich realistisch und erreichbar.

"Ich weiß natürlich, dass es darum geht, die Kosten zu senken", meint dagegen der in die GULP Datenbank eingetragene SAP-Spezialist. "Leider sinkt meiner Erfahrung nach aber gleichzeitig die Qualität der Dienstleistung. Zusätzlich entstehen höhere Folgekosten für Kommunikation, Dokumentation und Knowledge Transfer beim Auftraggeber. Meiner Meinung nach ist der Idealfall für eine Firma eine (kleine) IT-Mannschaft wirklich guter Leute, die bei Bedarf auf externe Kapazitäten zurückgreifen können." Der SAP-Experte spricht aus Erfahrung, denn in dem Unternehmen, für das er extern tätig war, bestand die SAP-Abteilung vor dem Outsourcing nach Bratislava und Manila aus sechs bis sieben Spezialisten. Nun sind seiner Schätzung nach 100 bis 150 IT-Experten in Bratislava mit einem System beschäftigt, das von einer weitaus kleineren Anzahl Spezialisten vor Ort beim Auftraggeber betreut werden könnte - etwa 30 bis 50.
Haben Sie derzeit solche Spezialisten im Projekt eingesetzt?
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Haben Sie derzeit IT-Spezialisten aus Near- und Offshoring-Ländern im Projekt eingesetzt?
Auch dieses Ergebnis bestätigt, dass der Trend sich durchgesetzt hat: Mehr als die Hälfte der Projektanbieter hat derzeit IT-Spezialisten aus Near- und Offshoring-Ländern im Projekt eingesetzt. Der befragte IT-Freiberufler ist der Meinung, dass Offshoring ein Unternehmen unflexibel macht: "Vor dem Outsourcing konnten die Leute ihre Probleme direkt bei der SAP-Abteilung melden. Nach dem Outsourcing mussten die Meldungen auf Englisch an den Dienstleister übermittelt werden, was zu Problemen führte, da das Personal in der Produktion oder im Lager nur begrenzt Englisch spricht. So hat sich der Informationsgehalt reduziert, die Identifikation des Problems oder der Fehlerursache wurde erschwert und verzögerte sich. Telefonischer oder persönlicher Kontakt war unerwünscht und kam nur in seltenen, schwerwiegenden Fällen zustande. Dazu gesellte sich viel Bürokratie: Was vorher ein Bugfix war, war nun plötzlich ein Change Request. Es mussten viele Formulare dafür ausgefüllt und Meetings abgehalten werden. So dauert eine Änderung am System, für die eigentlich nur eine halbe Stunde geplant war, einfach zu viel Zeit."

Ähnlich wie der Selbstständige sahen die Umfrageteilnehmer in einer Studie des IT-Dienstleisters adesso AG aus dem Jahr 2006 die größten Probleme in der Zusammenarbeit mit Offshore-Entwicklern bei Fach- und Prozesswissen (69 Prozent), aber vor allem auch in der Kommunikation und Abstimmung (ebenfalls 69 Prozent) sowie bei der daraus resultierenden Softwarequalität (40 Prozent).
Mehr Near- und Offshoring durch Kostendruck?
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Wird der Trend zum Near- und Offshoring durch den aktuellen Kostendruck zunehmen?
Das ist deutlich: 82 Prozent der Projektanbieter erwarten, dass der Trend zum Near- und Offshoring durch den aktuellen Kostendruck zunehmen wird. Die Teilbehmer der adesso-Umfrage sprachen dem Offshoring im Bereich Software-Entwicklung deutliche Kostenvorteile zu: Insgesamt knapp die Hälfte der Teilnehmer bewertet das Preisangebot der Offshore-Anbieter mit der Note eins oder zwei – gegenüber etwa 20 Prozent für die inländischen Dienstleister.

Der freiberufliche SAP-Spezialist meint zum finanziellen Aspekt: "Augenscheinlich ist das Outsourcing wohl erstmal billiger. Aber ich weiß nicht, ob das erhöhten Kommunikationsaufwand, eine eventuell schlechtere Qualität und längere Reaktionszeiten rechtfertigt. Vielfach steigen zudem die Lebenshaltungskosten in den typischen Outsourcing-Ländern überproportional schnell an, so dass die Kalkulation spätestens nach drei bis fünf Jahren nicht mehr stimmt und der Auftraggeber entweder kräftig nachlegen muss oder sich einen anderen Dienstleister sucht - was dann wieder zum Verlust der gesammelten Erfahrung und zu Schwierigkeiten bei der Übernahme des Systems durch den neuen Dienstleister führt. Und zu weiteren Kosten."
Gleichen sich die Tätigkeiten?
 
Umfrage der IT-Personalagentur GULP: Werden IT-Dienstleister aus Near- und Offshoring-Ländern tendenziell für die gleichen Tätigkeiten eingesetzt wie IT-Dienstleister aus dem deutschsprachigen Raum?
Die adesso-Studie ergab, dass für deutsche Software-Entwicklungsunternehmer im Vergleich mit Off- und Nearshore-Anbietern großes Potenzial besteht, wenn sie sich auf Stärken wie Fach- und Anwendungswissen, Qualitätsbewusstsein und kommunikative Kompetenz konzentrieren. Off- oder Nearshore-Dienstleistern wird hinsichtlich des Know-hows bei fach- und unternehmensspezifischen Prozessen deutlich weniger Vertrauen entgegen gebracht. Die Stärken von Offshore-Anbietern werden eher im Bereich technikgetriebener Standardentwicklungen mit nur geringem Bedarf an Prozesskenntnis gesehen. Generell wurde die Leistung inländischer Software-Entwickler in der Studie deutlich höher bewertet als die der Near- und Offshore-Anbieter – wie auch in einer etwas älteren GULP Umfrage, in der 60 Prozent der befragten Projektanbieter die Qualität von Offshore-Entwicklungen im Gegensatz zu deutschen Entwicklungen als schlechter beurteilte.

Die Tätigkeiten der IT-Spezialisten aus dem deutschsprachigen Raum und die aus Near- und Offshoring-Ländern unterscheiden sich – so sehen es auch knapp zwei Drittel der Projektanbieter. GULP hat den besagten IT-Freiberufler gefragt: "Haben die Leute in Bratislava die gleichen Aufgaben übernommen, die vorher in Deutschland ausgeführt wurden?" Seine Antwort: "Jein. Problemanfragen wurden an den Dienstleister weitergeleitet und mit zunehmender Erfahrung weitgehend selbstständig gelöst. Neue Anforderungen mussten anfangs genau vorgeschrieben werden und wurden eins zu eins übernommen. Das erzeugt natürlich doppelten Aufwand. Problematischer wurde es nach einer gewissen Zeit, da die firmeninternen Mitarbeiter keine Änderungen am System mehr selbst durchführen durften (wegen Gewährleistung der Systemstabilität durch den Dienstleister). Irgendwann haben sie dann das Detailwissen zu den Prozessen und/oder technischen Besonderheiten verloren. Dann wussten sie nicht mehr so richtig: Geht das überhaupt oder geht das nicht, wie kann man das einstellen? Dann muss man sich leider auf den Dienstleister verlassen, in der Hoffnung, dass er das Richtige macht..."

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Wenn man sich rückblickend denIT-Markt der letzten 20-30 Jahre anschaut, wird man feststellen, dass es zu jeder Zeit irgendeinen Hype gab, auf den die vermeintlich "fortschrittlichen" Manager aufgesprungen sind - und sie haben sich blutige Nasen geholt - Genauso sehe ich das bei dem momentan beliebten Offshoring. Mir tun nur meine zukünftigen Kollegen leid, die in 10-20 Jahren aus dem entstandenen Müll wieder vernünftige IT-Sytemlandschaften zimmern müssen. (August 2009)"

"Leider sprechen hier wieder viele IT-Fachleute und keine Kaufleute, sonst könnten die mal erklären, was das ganze denn soll. Meiner wie auch der Erfahrung der Vorkommentatoren nach läuft es so: 1 Stunde motivierter (Beweise nicht nötig, die sind schließlich alle heiß) und studierter (Diplompapier ist in DACH mehr wert als Erfahrung) Mitarbeiter aus Indien = 1 Stunde erfahrener Mitarbeiter Mitteleuropa. Inder ist billiger, also... Es gibt aber tatsächlich Projekte, in denen sich Outsourcing lohnt - nicht langfristig, aber mittelfristig. Dann nämlich, wenn die IT eines mitteleuropäisches Unternehmen von Quartalszahlendenkern an die Wand gefahren wurde, z.B indem man in Krisenzeiten das Personal deutlich reduziert und beim Aufschwung dann merkt, dass kaum einer mehr Erfahrung hat und die Kapazitäten der Mannschaft für Neuerungen oder Erweiterungen eines Systems bei Null angelangt sind. Natürlich darf es dann nicht so weit gehen, dass man dann das komplette know-how "verkauft". (August 2009)"

"offshore ist tatsaechlich zunehmend - daher ist dieser Artikel wirklich mal wichtig. es ist z.Zt. ein "Wissensauskauf" im IT Bereich zu beobachten. der gesunde Menschenverstand sollte eigentlich jedem sagen, dass es fuer weniger Geld auch weniger Leistung gibt, aber offenbar haben das die Manager nicht begriffen. schnell in kurzer Zeit Kosteneinsparungen machen, die immensen Folgekosten haben dann andere zu tragen, denn die ehemaligen Entscheider sind wie ein Heuschreckenschwarm schon weitergezogen. die Firmen, in in ihrer IT diesen Trend nicht mitmachen werden in 10 Jahren die Gewinner sein - leider nuetzt das uns Freelancern gerade jetzt gar nix. das Hauptproblem ist der KnowHow Verlust in den Unternehmen, und gleichzeitig jammern alle ueber den bestehenden Nachwuchsmangel = wir leben in einer total verrueckten Welt, in der Werte wie Nachhaltigkeit offenbar gar nix Wert sind. (August 2009)"

"Die in den anderen Kommentaren vertretene negative Einstellung zu Offshoring kann ich so nicht teilen. Ich mache seit einigen Jahren Software-Entwicklung in China, und wir haben schon einige Projekte erfolgreich durchgeführt und auch Einsparungen von 30% bis 50% unter Berücksichtigung von in Deutschland anfallenden Mehraufwendungen erreicht. Damit das funktioniert, müssen aber einige Punkte gegeben sein:
- geeignetes Projekt. Insbesondere sauber definierte Schnittstelle zu anderen Systemen
- detaillierte Vorgaben (die können nach Einarbeitung vom Outsourcer selbst geschrieben sein)
- Kontaktperson, die die Mitarbeiter gut kennt
- Vertrauen oder persönliche Beziehungen (!)
- Wissenstransfer
Also, es geht schon. Natürlich besteht auch das Risiko eines Misserfolges, gerade wenn mit ungeeigneten Projekten begonnen wird. (August 2009)"

"Sicher gibt es Einsatzgebiete, in denen sich der Einsatz von Near- und Offshorekapazitäten lohnt. Allerdings ist dies nicht der Fall, wenn landesspezifisches Wissen notwendig ist. So ist bisher meines Wissens noch jeder Versuch, Personalabrechnung in SAP ins Ausland auszulagern, gescheitert. Es fehlte immer am Fachverständnis der Mitarbeiter im Ausland. Einige Firmen versuchten gegenzusteuern, in dem man deutsche Spezialisten ins Ausland sandte, aber dadurch war ein großer Teil der Kostenersparnis wieder dahin. Selbst "harmlose" Programmieraufgaben gehen schief, weil die Vorgaben nicht selten so ausgelegt sind, daß zwar deutsche Mitarbeiter alles begreifen, aber in anderen Kulturen dem nicht so ist. Hingegen kann man SAP-Basis schon auslagern, wobei ich selbst dabei schon schlechte Erfahrungen von Kunden erlebt habe. (August 2009)"

"Schließe mich meinem Vorredner an, befürchte aber das Appelle nichts nützen, ist irgendwo ein vermeintliches Schnäppchen zu haben, wird zugeschlagen, vom Baumarkt bis hin zur Führungsetage von Unternehmen. Nun, ich will aber dann nichts mehr vom Fachkräftemangel hören. Für viele lohnt sich zunehmend nicht mehr in der "Core"-IT tätig zu sein, vor allem dann wenn man seriös ist und die ganzen Entwicklungsumgebungen, deren Preise nicht fallen, ordnungsgemäß lizensiert. So wird auch diese technische Bastion hier eines Tages fallen, wir kaufen ja die Technologien, das Know How ist dann woanders. (August 2009)"

"Ich habe mit "Off-shoring" Probleme! Das fängt mit dem Begriff an: Off shore bedeutet: Abseits der Küste, also im Meer! Reden wir hier von Bohrinseln, auf denen Programmierer hocken? Und noch was: Warum sollte man nur Programmieraufgaben auslagern können? Im Top-Management liegen (bei DEN Gehältern) erheblich höhere Einsparpotentiale! Ich bin sicher, dass ein Inder ein deutsches Unternehmen mindestens genauso gut managen kann! Nur eben viel preiswerter! (August 2009)"

"Der Artikel ist bemüht beide seiten aufzuzeigen. Was fehlt ist der Hinweis auf die Entscheider bezüglich Outsourcing/Offshoring Ja oder Nein. Vom kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkt aus lohnt sich Offshoring immer. Aber was hilft es wenn der Vorbereiter dem Entwickler bis aufs i-Tüpfelchen erklären muß was dieser zu coden hat und das Ergebnis erst beim 3ten oder 4ten mal brauchbar ist. Auch wenn der Offshorer nur einen Festpreis je Auftrag erhält, kommt der Einsatz des Vorbereiters (in der Regel ein Entwickler) kostenmäßig verstärkt zum tragen. Am Ende ist das Offshoring kein Beitrag zur Kostenreduzierung sondern zur Kostensteigerung. Na ja, diese Erforderlichkeit zum Langfristdenken kann einem BWLer nicht abverlangt werden, ist von Solchem nicht zu erwarten. (August 2009)"

"Ich baute 2001 - 2004 Software Testautomaten für eine schweizer Halbleitermaschinenfabrik. Nach dem Outsourcing nach Indien wurde der erste Testautomat von den dortigen Testern nicht mehr eingesetzt, weil sie offenbar kein Verständnis der Technologie und der Effizienzsteigerung hatten. Stattdessen haben sie mit billigen Arbeitskräften manuell getestet, was natürlich vom Umfang her nicht ausreichte. Danach habe ich beim selben Kunden einen zweiten Testautomaten für eine neue Produktelinie erstellt und ein Team mit Einheimischen in der Schweiz ausgebildet. Dieses Team nutzt den Testautomaten täglich mit tausenden Testfällen seit einigen Jahren mit grossem Erfolg. Es zahlte sich für die Firma aus, das kleine schlagkräftige Testteam in der Schweiz mit dem vollautomatischen Testsystem arbeiten zu lassen. (August 2009)"

"Ein sehr interessanter Artikel. Hinzuzufügen möchte ich aus meiner Erfahrung nach mehrere Dinge:
* Dass Outsourcing manchmal nur betrieben wird, um damit die "Analysten" zu erfreuen, die wiederum meist eher jung und nicht allzu erfahren sind, und deshalb nach "Schema F" gehen. Teilweise ist im Management bekannt, dass es sich nicht rechnet, jedoch gilt ein Unternehmen bei Analysten tendenziell eher als zukunftsfähig, wenn es aktiv auslagert.
* Dass selten die erwarteten Einsparungen hinterher sauber gemessen werden.
* Dass es unter Umständen zu unkontrolliertem Kopieren von Quellcode kommt: in einem mir bekannten Beispiel wurde ohne Rückfrage die komplette Clearcase Datenbank mit dem Softwarerepository kopiert, und innerhalb Chinas nocheinmal unter-beauftragt - in einen billigeren Landstrich von China. Der deutsche Auftraggeber hat es dann eben akzeptieren müssen.
* Dass man die Pflichtenhefte wesentlich genauer schreiben muss, weil normalerweise wörtlich und ohne Nachdenken ausgeführt wird, was darin steht.
* Dass Mentalitätsprobleme eine wichtige Rolle spielen. Dass oft ein ausgeprägtes Hierarchiedenken und mangelnde Kommunikation vorhanden sind.
* Dass Sprachprobleme häufig sind.
* Dass die nach Änderungen auftretenden schwierigen Fehler nicht vom verursachenden Outsourcepartner, sondern eben doch wieder hier von den verbleibenden Entwicklern gelöst werden müssen.
* Die Quellcodequalität ist wesentlich geringer. Man hat manchmal den Eindruck, die Entwickler in China hätten mal eben schnell ein Buch gelesen - Ausnahmen gibt es allerdings gelegentlich.
* Die Entwickler im Ausland sind sich durchaus bewusst, dass der deutsche Auftraggeber nur billige Arbeitskraft sucht, und "es nur ums Geld geht". Entsprechend gering ist die Motivation und die Bindung an den Auftraggeber.
Am ehesten scheint es sich zu bewähren, wenn man begrenzte Module nach außen vergibt, die nicht allzuviel Fachkenntnis erfordern, z.B. zeitaufwendiges Testen.
Wenn man ernsthaft Entwicklungsprojekte nach Indien oder China vergibt, dann klappt es am besten, wenn man mindestens einen Entwickler dorthin als Ansprechpartner, für Schulungen und für Codereviews dauerhaft plaziert. Dies Kosten müssen mindestens mehrere Jahre lang getragen werden, zumindest solange, bis eine erfahrene Mannschaft dort dauerhaft aufgebaut ist. (August 2009)"

"Ich sehe kein Problem, für die Projektanbieter. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der Gesetzeslage (Agenda 2010) ist in Deutschland mit starkem Absinken der Honorare und Gehälter zu rechnen, daß es sich für deutsche IT Spezialisten sogar lohnen kann, im Ausland zu arbeiten oder dort hin zu ziehen. Jedenfalls bleiben deutsche IT Spezialisten konkurrenzfähig, ob das Einkommen zum Leben ausreicht, ist eine andere Frage. (August 2009)"

"Geiz ist geil - und Folgekosten sind egal. Dann ist der dafür verantwortliche Manager nicht mehr im Unternehmen und der Nachfolger kann sich mit den Verbesserungen durch "Insourcing" auch wieder einen Bonus verdienen... Und mit einer Hotline aus Indien sprechen macht nicht wirklich Spaß, selbst wenn man fließend englisch spricht. (August 2009)"

"Das Thema Outsourcing / Offshoring wird gerne von Beratungshäuser und Dienstleister an größere Unternehmen als Heilsbringer zur Kostenreduktion verkauft und trifft beim IT Management (das in der Regel kaufmännische Kompetenzen, aber kein technologisches Verständnis hat) auf sehr fruchtbaren Boden. Da ist schnell mal die Rede von Einsparpotentiale bis zu 20% die Rede. Bei einem IT Prozess für ein Change Request, in dem sich früher eine Fachabeilung mit einer IT Abteilung abgestimmt hat und der wenige Stunden bis zur Umsetzung in Anspruch genommen hat, werden nun eine ganze Reihe von Personen im In- und Ausland beschäftigt: ein (interner) IT Mitarbeiter mit der Aufarbeitung des Problems ("Business Liaison Manager") + Einkäufer (Preisverhandlungen) + Vertriebler auf der anderen Seite + Delivery Unit + Controlling & Quality Reporting + wieder besagter interner IT Mitarbeiter, der die Abnahme zusammen mit der Fachabteilung durchführt. Hinzu kommt, dass besagter BLM ja nur noch auf der Basis von ITIL Prozessen sich über SLA's, Preise und Termine Gedanken macht und nach einem Jahr bereits den Bezug zur Technologie verliert. Er kann schon bald nicht mehr realistisch den Aufwand und die Machbarkeit abschätzen, ein einfacher CR wird schnell mal zum Projekt deklariert und extern ausgeschrieben, was wieder neue Verträge zunächst mit lokalen Beraterfirmen nach sich zieht (ROI Nachweis + Ausschreibung + Verträge + Analyse + Projektoffice + Controlling + Riskmanagement + Reporting) und nach der Go-Life Freigabe zur Änderung der Verträge mit dem Offshore Partner (neue SLA's wegen fremdverantwortete Änderungen am System) nach sich ziehen kann. Das alles ist natürlich immer 20% billiger und man hat nicht den Headcount im Hause. Zur Beruhigung des CIO's wird gern reportet, dass hochqualifizierte 10 Consultants am Projekt gearbeitet haben, deren Ausbildung allein mehrere 10.000 Euro gekostet hat und 150 Inder die Systeme rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen betreuen. Wenn man dagegen hält, dass diese 160 Mitarbeiter deutsche IT Spezialisten im eigenen Hause wären, mit ihren Soziallabgaben und Kündigungsschutz und Weiterbildungskosten und Krankheits- und Baby Jahre - da hat man aber richtig gespart. Was gern verschwiegen wird: die IT hatte vorher 20-25 Mitarbeiter, die das in maximal 20% der Zeit in Eigenregie umgesetzt haben und die sich in allen Systemen ausgekannt haben. Mit 1-2 Consultants zur Verstärkung des Teams hat man schnell mal einen Engpass überbrückt und dabei das Wissen in die Organisation transferiert. Die IT hat nach dem Outsourcing immer noch 20-25 Mitarbeiter auf der Payroll, nur dass diese eher Kaufleute sind und die Aufgaben von BLM, Einkauf, Controlling der SLA's, Controlling der Budgets, Planung und Beauftragung von Consultants, Dokumentation etc. erledigen und eigentlich bald keine Ahnung mehr von der IT haben. Da man wegen Betriebsrat und Kündigungsschutz die alte IT ja nicht wirklich gefeuert hat, sind das in der Regel immer noch die selben Mitarbeiter mit den selben Gehältern, die nun "höherwertige" Tätigkeiten als Kaufleute ausführen, wofür sie eigentlich gar nicht ausreichend qualifiziert sind. So wird aus einer leistungsfähigen Profi-Mannschaft eine Amateur Liga und die Firma begibt sich in die Kostenfalle und in Abhängigkeiten zu ausländischen Dienstleistern mit allen Risiken (Gerichtsstand, Haftung, langlaufende Verträge) und verliert die Flexibilität und Agilität. Offshoring funktioniert trotzdem, aber nur dann, wenn komplette Betriebsteile (Produktionsstätten incl. IT) verlagert werden oder die Firma in einem stabilen Lebensabschnitt ist, wo kaum Veränderungen zu erwarten sind (Marktführer, Monopolist) und reine operative Routine-Aufgaben ausgelagert werden. Bei sehr agilen, flexi (August 2009)"