GULP >> GULP Knowledge Base >> Markt & Trends >> Skills & Qualifikationen >> Hightech-Gegenstand Automobil, Bus-Systeme im Fokus

Marktstudie: Hightech-Gegenstand Automobil

Die Bus-Systeme CAN, MOST und FlexRay im Fokus

(September 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Bus-Systeme bewältigen die Datenflut | Anteil angebotener Projekte nur gering | Wenig freiberufliche Spezialisten mit Daten-Bus-Erfahrung | Höhere Nachfrage im Süden Deutschlands
Ihre Meinung zum Artikel
sehr gut
1
2
3
4
5
6
schlecht
 

Immer weniger Mechanik, dafür immer mehr Elektronik – so sieht das Automobil der Zukunft aus. Schon heute ist das Auto als Multimedia-Center und High-Tech-Gegenstand keine Zukunftsmusik mehr, sondern vielfach Realität. Die Automotive-Branche gilt als wachstumsstarke und innovative Branche, so dass es für Entwickler in diesem Umfeld viel zu tun gibt. Im Fokus der vorliegenden Markstudie stehen deshalb drei Technologien, mit deren Hilfe die immer komplexer werdenden Funktionen im Auto realisiert werden können. Inwieweit sie eine Rolle im IT-Projektmarkt spielen, klärt die nachfolgende Untersuchung.

Die Autohersteller arbeiten unermüdlich daran, dem Fahrer den Aufenthalt in seinem Automobil so angenehm wie möglich zu gestalten und ihn durch vielerlei Funktionen zu unterstützen: Das Fenster öffnet sich per Knopfdruck, in brenzligen Situationen hilft der Bremsassistent (Mercedes) Kollisionen zu vermeiden und mit der Einparkhilfe meistert man jede noch so kleine Parklücke. Sorgte früher nur das Radio für die nötige Unterhaltung, lassen sich mittlerweile sogar Filme per DVD oder Internet abspielen. Und den Beifahrer freut's, wenn das lästige Kartenlesen entfällt, weil das Navigationssystem entspannt zum nächsten Termin lotst.

 

Bus-Systeme bewältigen die Datenflut nach oben
   

Möglich machen das eine Vielzahl von Steuergeräten, elektronischen Sensoren und Multimedia-Komponenten, deren Vernetzung so genannte Bus-Systeme übernehmen. Sie verarbeiten die erzeugten Daten und tauschen diese aus. Da angesichts der zunehmenden Datenmenge die Anforderungen an Bandbreite, Zuverlässigkeit und Sicherheit der Bus-Systeme gestiegen ist, sind mittlerweile verschiedene Systeme parallel im Einsatz:

o Der CAN-Bus (Controller Area Network) für die Vernetzung von Steuergeräten (z.B. Motor/Getriebe, ABS, Fensterheber), Standard-Bus im Auto.
o

MOST-Bus (Media Oriented Systems Transport) für Multimedia-Anwendungen, erlaubt Echtzeit-Audio- und Videoübertragungen bei einer Bandbreite von 24,8 MBit/s.

o

FlexRay für x-by-wire Funktionalitäten und sicherheitsrelevante Aufgaben (z.B. Bremsassistenten, elektronisches Gaspedal), neueste Datenbus-Technologie.

Das in der Automotive-Branche am häufigsten verwendete und am längsten eingesetzte Bus-System ist CAN. Dieses bekommt aber zunehmend Konkurrenz durch die beiden neueren Technologien MOST und FlexRay. Beide sind für die Steuerung schneller, datenaufwändiger und/oder sicherheitskritischer Systeme besser geeignet.

 

 

Anteil angebotener Projekte nur gering nach oben
   

Experten gehen davon aus, dass der CAN-Bus angesichts der Konkurrenztechnologien MOST und FlexRay zukünftig Marktanteile verlieren wird. Im IT-Projektmarkt reduzierte sich der Anteil der Projektangebote für CAN von durchschnittlich 1,6 % im Jahr 2005 auf nur noch 0,9 % in diesem Jahr.

Anteil angebotener Projekte (%) für CAN, MOST und FlexRay seit 2005

Die Kluft zwischen den beiden Nachfrage-Kurven für CAN und MOST hat sich mit Beginn des IV. Quartals 2005 verringert. Dennoch reduzierte sich auch der Projektanteil für MOST-Bus von durchschnittlich 0,7 % (2005) auf 0,4 % (2006). Stabil verlief nur die Entwicklung bei FlexRay, allerdings mit durchschnittlich 0,2 % angebotenen Projekten auf dem niedrigstem Niveau. Auffällig: Bei allen drei Bus-Systemen entwickelte sich die Trendkurve tendenziell ähnlich. So fallen projektstärkere bzw. –ärmere Phasen in nahezu dieselben Monate.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Nachfrage nach freiberuflichen Entwicklern mit Know-how in einer der drei Bus-Technologien äußerst gering ist. In den meisten Projekten wird nach freiberuflichen CAN-Spezialisten gesucht. Allerdings existiert der CAN-Bus auch am längsten und hat sich nicht nur in der Automotive, sondern auch in anderen Branchen (z.B. Medizin, Avonik) durchgesetzt. Entwickelt wurde er Anfang der Achtziger Jahre von Intel und Bosch; seit über zehn Jahren wird er im Kfz eingesetzt. Der MOST-Bus ist erst seit Ende der 90er Jahre auf dem Markt und damit wesentlich jünger als CAN. Der Einsatz des MOST-Bust ist derzeit noch auf Fahrzeuge der gehobenen Klasse (u.a. BMW, Mercedes, Porsche) beschränkt. Der technologische Youngster unter den drei untersuchten Bus-Systemen ist FlexRay, dessen erster Serieneinsatz im neuen BMW X5 erfolgen soll. Voraussichtlich im März 2007 wird der BMW X5 in Deutschland auf den Markt kommen. D. h. der Daten-Bus ist noch dabei, die Automobilbranche zu erobern. Bislang spielt dieser Skill im IT-Projektmarkt keine Rolle.

Berücksichtigt man, dass der CAN-Bus bereits seit längerem in der Automotive-Branche etabliert ist, kann vermutet werden, dass FlexRay mit zunehmender serienmäßiger Verbreitung auch bei den Projektangeboten noch etwas zulegen dürfte. Auch vor dem Hintergrund, dass FlexRay eine verbesserte Form bisheriger Bus-Systeme wie CAN ist. Doch möglicherweise genügen bereits die wenigen Angebote, damit die verfügbaren Daten-Bus-Spezialisten ausgelastet sind.

 

 

Wenig freiberufliche Spezialisten mit Daten-Bus-Erfahrung nach oben
   

Analog zum Anteil der angebotenen Projekte gestaltet sich die Verteilung der IT-Freiberufler, die Erfahrung mit mindestens einem der hier untersuchten Bus-Systeme haben. So gibt es bei GULP derzeit 956 Profile von IT-Freiberuflern mit CAN-Kenntnissen. Das entspricht einem Anteil von 1,6 % aller bei GULP gelisteten IT-Selbstständigen. Eine genauere Betrachtung von 90 solcher Spezialisten ergab, dass diese im Jahr 2006 durchschnittlich sechs Projektanfragen erhielten und einen Stundensatz von rund 60 Euro forderten. Noch geringer ist die Zahl der MOST-Bus-Experten: Gerade einmal 263 IT-Freiberufler haben bislang Projekte in diesem Umfeld absolviert. Das entspricht einem Anteil von nur noch 0,4 % aller bei GULP eingetragenen Freiberufler. Die Analyse von 90 Freiberufler-Profilen mit MOST-Erfahrung ergab eine durchschnittliche Stundensatzforderung von 60 Euro sowie rund 5 Anfragen seit Januar 2006. Kaum zu finden sind IT-Freiberufler, die sich mit der Datenbus-Technologie FlexRay auskennen. Gerade einmal 40 Profile von Freiberuflern gibt es in der GULP Datenbank. Diese fordern im Schnitt 60 Euro pro Stunde und wurden im Jahr 2006 rund sechsmal für Projekte kontaktiert.

  CAN-Bus MOST-Bus FlexRay
Anzahl IT-Freiberufler bei GULP 956 264 40
Anfragen seit 2006 (Durchschnitt) 6 5 6
Stundensatzforderung (Durchschnitt) 60 Euro 60 Euro 61 Euro

Es gibt zwar wenig Projekte für Entwickler mit CAN, MOST bzw. FlexRay-Schwerpunkt, aufgrund der geringen Konkurrenz relativiert sich die Nachfragesituation jedoch wieder. Wegen des begrenzten Angebotes dürfte es für Projektanbieter bisweilen also schwierig werden, unter den externen Kandidaten den passenden Mitarbeiter zu finden. Mit ihren Stundensatzforderungen liegen die Daten-Bus-Experten unter dem aktuell geforderten Durchschnittshonorar von 67 Euro. Das dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass Freiberufler mit entsprechenden Kenntnissen vor allem die Position "Entwicklung" besetzen. Hier bewegt sich der durchschnittliche Stundensatz derzeit bei 62 Euro.

 

 

Höhere Nachfrage im Süden Deutschlands nach oben
   

Die regionale Verteilung der Projektanfragen für CAN, MOST und FlexRay orientiert sich besonders an den Standorten der Automobil-Hersteller, die deren Entwicklung mitgeprägt haben.

Regionale Verteilung der Projektanfragen (%) je Bus-System seit Januar 2005

Im Vergleich mit allen über GULP abgewickelten Projektanfragen ist die Nachfrage nach den drei Daten-Bus-Systemen in den Postleitzahlengebieten D0, D3, D7, D8 und D9 überdurchschnittlich. In diesen Regionen finden sich Werke federführender Automobilhersteller, u.a. BMW in Leipzig (D0) und München (D8); Audi in Ingolstadt (D8); DaimlerChrysler/Mercedes und Porsche in Stuttgart (D7) oder Volkswagen in Wolfsburg (D3).

Die prozentual meisten Projektkontakte verzeichnen die Regionen D8 und D7, in denen BMW und DaimlerChrysler/Mercedes ansässig sind. Beide Unternehmen waren bzw. sind an der Entwicklung der beiden Bus-Systeme MOST und FlexRay beteiligt. Mittlerweile nutzen z. B. Porsche und Audi diese Technologien ebenfalls. Da FlexRay sozusagen noch in der Testphase ist, konzentrieren sich die Angebote für Entwickler hier besonders stark auf die beiden vorgenannten Ballungsräume. Die schon etwas länger und serienmäßig verfügbaren Systeme CAN und MOST werden dagegen auch in anderen Regionen etwas häufiger nachgefragt.

 

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Kurz und knapp, aber interessante Infos. (Februar 2007)"

"Wie man aus den Stundensatzdurchschnitt ersehen kann, wird im Automobile/Automotive Sektor nicht sehr gut gezahlt. Kurz hohe Ansprüche, aber schlechte Bezahlung! (Oktober 2006)"

"... und in D6 produziert Opel. Am Stammsitz des Unternehmens in Rüsselsheim befindet sich neben der Zentrale das Internationale Technische Entwicklungszentrum ITEZ. (Oktober 2006)"


Seite drucken Seiten drucken
Zum Seitenanfang nach oben

Für die Teilnahme an den mit diesem Icon gekennzeichneten Diensten melden Sie sich mit den Zugangsdaten an.
Zugangsdaten vergessen? | Noch kein GULP Profil?
Über GULP: Mehr als 3.000 Kunden, 75.000 eingetragene IT-Experten, davon 10.500 mit Schwerpunkt Engineering, und über 1.000.000 abgewickelte Projektanfragen: GULP ist die wichtigste Quelle für die Besetzung von IT-/Engineering-Projekten mit externen Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Zusätzlich zu den Dienstleistungen einer modernen Personalagentur bietet GULP ein umfassendes Online-Portal mit Informationen und Services für die Teilnehmer im Markt.