Marktstudie: Im Herzen der Banken, Teil 1
Nische mit Chancen: Die Core-Banking-Systeme Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus
Teil 1 | Teil 2
(Dezember 2009)
| Inhalt dieses Artikels: Im Herzen der Banken | Marktchancen: Sehr gute Aussichten | Marktplatz: Nachgefragte Skills und Projekteinsätze |
Wenn es um das Herz von Banken geht, geht es nicht nur ans Eingemachte, sondern um Core-Banking-Systeme. Und um IT-Freiberufler, die sich mit diesen auskennen - ein kleiner, aber erlesener Kreis von
selbstständigen IT-Experten. Um deren Marktchancen bei GULP ist es aber sehr gut bestellt – wie genau, das fasst diese zweiteilige Marktstudie zusammen. Im Teil 1 geht es zunächst um
die vier Kernbankensysteme selbst und die Einstiegsmöglichkeiten in den Bereich. Teil 2 nimmt die IT-Spezialisten für Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus unter die Lupe: Wie alt sind sie?
Welche Stundensätze fordern sie? Wo finden sie entsprechende Projektanfragen? Die Daten für die Analyse lieferten die Profile der in die GULP Datenbank eingetragenen IT-Spezialisten, der
GULP Trend Analyzer und die über www.gulp.de an Freelancer zugestellten Projektanfragen.
| Marktchancen: Sehr gute Aussichten |
In den Monaten von September 2008 bis September 2009 war von den vier betrachteten Core-Banking-Systemen Core 24 das über GULP am häufigsten nachgefragte – mit
einem nur kleinen Vorsprung vor Avaloq. MBS belegt mit einem Anteil von 18,6 Prozent an den relevanten Projektanfragen den dritten Rang, auf dem letzten Platz folgt ganz knapp OSPlus. Das eine
Drittel der deutschen Sparkassen, die OSPlus bislang nicht im Einsatz haben, muss aber versorgt werden – hier ergeben sich bis Ende 2011 wohl weitere Chancen für freiberufliche Experten.
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| Marktplatz: Nachgefragte Skills und Projekteinsätze |
| Bei so guten Marktchancen: Was muss ein IT-Freiberufler können, der im Kernbankenbereich tätig werden will? Die entsprechenden IT-Spezialisten bei GULP bewegen sich auch im Host- und Datenbank-Umfeld sicher. Core 24 zum Beispiel ist die älteste Kernbankenlösung, sie gibt es seit den achtziger Jahren – wer damals damit arbeitete, musste sich auch mit den Siemens-Betriebssystemen und Großrechnern auskennen. Ähnliches gilt für die anderen: 75,7 Prozent der Spezialisten für unsere vier Kernbanksysteme haben auch Erfahrungen im Großrechnerbereich. Ebenso wird, wie im Bankenbereich üblich, immer eine umfangreiche Kenntnis der Bankenbranche und der bankenspezifischen Prozesse vorausgesetzt – da es dem selbstständigen Experten nur dann möglich ist, mit den einzelnen Modulen des Core-Banking-Systems die individuellen Geschäftsprozesse der Bank abzubilden. Neben Entwicklern und Programmierern sind im Bankenbereich Berater oder Business Analysten häufig nachgefragt – das ist bei den Kernbankensystemen nicht anders. Solche Berater müssen natürlich die fachlichen Definitionen des jeweiligen Kernbankensystems kennen. Aber je nach Rolle im Projekt hat mal die technische, mal die bankfachliche und mal die betriebswirtschaftliche Seite Vorrang. Das geht so weit, dass die Technik in den Hintergrund rücken kann. Ein Beispiel für ein Berater-Projekt im MBS-Bereich: Ein IT-Freiberufler soll die Kunden eines Unternehmens, hauptsächlich Versicherungen und Banken, zum Core-Banking-System MBS beraten. Seine Aufgabe ist es, aus den Change Requests und Neuanforderungen der Kunden Anforderungen an das MBS abzuleiten, die die Entwickler schließlich umsetzen. Er muss sich gut mit den Prozessen in den Gebieten Lebensversicherung, Bausparkassen und Investmentgesellschaften auskennen, aber auch mit dem Kernbankensystem vertraut sein, denn er ist primärer Ansprechpartner der Entwickler und der Kunden. Ein IT-Freiberufler, der in so eine Aufgabe passt, kann entweder aus dem Bankenumfeld kommen (nicht selten ausgebildete Bankkaufleute) – oder er kommt aus der Entwickler- oder Host-Richtung und hat sich in die Banken- und Versicherungsbranche eingearbeitet. Wenn in der Rolle des IT-Freiberuflers die technische Seite Vorrang hat, reicht ihm die Kenntnis des Core-Banking-Systems alleine in den seltensten Fällen aus. Welche Skills zu welchem System nachgefragt werden, ist unterschiedlich. Die Besonderheiten der vier Systeme im Einzelnen: Avaloq: Zertifizierung für Entwickler Avaloq-Entwickler parametrisieren Avaloq selbst oder Schnittstellen von Avaloq zu anderer bankenspezifischer Software wie zum Beispiel zu elektronischen Wertpapierhandelssystemen wie Ibis. Wer als Avaloq Parametrisierer tätig werden will und das Core-Banking-System konfigurieren und migrieren lernen will, kann das an der Avaloq Academy in Zürich tun. Die Zertifizierung zum "Avaloq Certified Professional (ACP)" wird in den bei GULP ausgeschriebenen Projekten für Avaloq-Parametrisierer und Entwickler tatsächlich sehr oft nachgefragt. Der Kurs dauert 16 Tage kostet umgerechnet etwa 9.530 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, die Abschlussprüfung zusätzlich etwa 460 Euro. Die Zertifizierung gilt zwei Jahre, wird aber verlängert, wenn der IT-Experte regelmäßig Kurse aus dem Weiterbildungs-Angebot der Avaloq Academy besucht. Neben der Zertifizierung werden in Projektanfragen über www.gulp.de zusammen mit Avaloq häufig folgende Skills gesucht: Erfahrung im Umgang mit Oracle-Datenbanken, SQL und PL/SQL. Andere Einstiegsmöglichkeiten in den Avaloq-Bereich sind mit mehr Zeit verbunden als der beschriebene Kurs: Viele heutige Spezialisten für das Core-Banking-System kommen ursprünglich aus dem Großrechner-Umfeld: Wer 1990 noch die Migration bei Betriebssystemumstellungen von VSE auf MVS unterstützt und mit PL/I, COBOL und JCL gearbeitet hat, kann heute das Avaloq Application Management übernehmen. Datenbankentwickler im Bereich DB2, Oracle, SQL usw. können sich ebenso im Laufe der Zeit auf Avaloq spezialisiert haben. Viele sind über ähnliche Tätigkeiten im Banken-Bereich zu Avaloq gekommen: Wer 1992 Standardsoftware für den Bereich der Währungsbuchhaltung mit Swift eingeführt hat (Installation und Test), kann heute Business Analysen und Konzepte für die Migration von Altsystemen auf Avaloq im Bereich Zahlungsverkehr mit Karten, Swift, SIC und Eur-SIC erstellen. Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
Kordoba Core 24: BS2000 hat Spuren hinterlassen Entwickler im Core 24-Umfeld müssen nicht nur Experten im Core-Banking-System selbst, sondern zusätzlich in den Bereichen BS2000 und Cobol sein. Auch OS/390, OSD, CICS, Unix, Oracle oder Sesam und Datenbankmanagement-Systeme wie zum Beispiel adabas werden über www.gulp.de häufig zusammen mit der Kernbankenlösung nachgefragt. Oft werden für reine Entwicklertätigkeiten am System (oder für dessen Weiterentwicklung) auch Cobol-Entwickler gesucht. Mangelnde Kenntnis des Core 24-Systems lässt sich offenbar durch sehr gutes bankfachliches Wissen gerade im Bereich Core-Banking-Systeme (zum Beispiel Aktiv- und Passivgeschäft, Zahlungsverkehr und SEPA, also Single Euro Payments Area) und durch Know-how über das Umfeld (Datenbanken, Großrechner) ausgleichen. Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
MBS Open: Cobol, DB2, MVS, Easytrieve… Nicht viel Unterschied zu Kordoba: Auch in diesem Bereich können Entwickler tätig werden, die im Host-Bereich Zuhause sind oder sich auf Cobol spezialisiert haben – und zusätzlich MBS kennen. Skills, die häufig zusammen mit dem Core-Banking-System der COR&FJA AG nachgefragt werden, sind DB2, Cobol, OS/390, CICS – aber bei MBS kommt noch Easytrieve dazu. Nicht ganz so häufig werden MVS, PL/1 oder VSAM gefordert. Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
OSPlus: Sparkassen-Nische Das Besondere an OSPlus ist, dass zusammen mit Kenntnissen im Kernbankensystem nicht Wissen über die Bankbranche im Allgemeinen, sondern über Sparkassen und die (anderen) Produkte der Finanz Informatik gefordert wird. Dass Sparkassen und Banken grundsätzlich und völlig verschieden sind, ist zwar Geschichte. Dennoch sind die meisten Sparkassen in Deutschland auch heute noch Anstalten des öffentlichen Rechts und keine Privatbanken. Träger der Sparkassen ist meist eine Gebietskörperschaft (Gemeinde, Stadt, Landkreis, Bundesland) und es gibt eigene Sparkassengesetze auf Länderebene. Sparkassen haben aus ihrer Geschichte heraus ein etwas anderes Geschäftsmodell als private Banken – ihr Leitmotiv soll die Gemeinwohlorientierung sein. Kurz: Sparkassen haben in Deutschland einen Sonderstatus, den sie aber nach und nach verloren haben und weiter verlieren. Dennoch ist die Nische für die OSPlus-Spezialisten unter den IT-Freiberuflern noch ein Stück kleiner. Zusammen mit OSPlus werden in Anfragen über GULP oft Java, J2EE, Oracle und Hibernate nachgefragt, außerdem die Kenntnis der Schnittstelle IKK der Finanz Informatik, über die Web-Anwendungen der Verbundpartner standardisiert in bankfachliche Geschäftsprozesse integriert werden. Wie erwähnt dürfte die Umstellung des noch fehlenden Drittels der deutschen Sparkassen auf OSPlus weitere Perspektiven gerade in den Bereichen "beratende Begleitung der Migration" und "technische Umsetzung der Migration" eröffnen. Auch Tester haben hier Chancen: Daten, die von einem alten ins neue System übergeleitet werden, müssen auf Vollständigkeit und Güte geprüft werden. Außerdem müssen Abläufe und Ergebnisse getestet werden – zum Beispiel die Kontoauszüge nach Rechnungsabschluss oder die Versorgung der weiterverarbeitenden Systeme (Schnittstellen). Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
Neben der Arbeit am jeweiligen Kernbankensystem selbst gibt es, wie auch in anderen Bereichen, "Core-Banking-nahe Programmierungen": Der IT-Freiberufler hat nur im Rahmen einer Schnittstelle mit dem System zu tun, weil er ein angeschlossenes System programmiert oder eine Anwendung erstellt, die auf den gleichen Datenbestand zurückgreift wie das Core-Banking-System. Ein Beispiel aus dem OSPlus-Bereich ist die Anbindung von Daten im Swift-Format an OSPlus. In diesem Fall sind neben OSPlus Cobol und MT490 als Skill gefragt. Auch über solche Tätigkeiten kann man sich nach und nach zum Spezialisten für ein Core-Banking-System entwickeln – sozusagen als Quereinsteiger. Teil 2 der Marktstudie beschäftigt sich mit den IT-Freiberuflern, die in dieser chancenreichen Nische Fuß gefasst haben – und damit, warum Avaloq-Spezialisten etwas höhere Stundensätze fordern, etwas jünger sind und weniger Berufserfahrung haben als ihre Kollegen aus den anderen drei Bereichen. Mehr Informationen zum Thema bei GULP:
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