Marktstudie: Im Herzen der Banken, Teil 1

Nische mit Chancen: Die Core-Banking-Systeme Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus

Teil 1 | Teil 2
(Dezember 2009)
Wenn es um das Herz von Banken geht, geht es nicht nur ans Eingemachte, sondern um Core-Banking-Systeme. Und um IT-Freiberufler, die sich mit diesen auskennen - ein kleiner, aber erlesener Kreis von selbstständigen IT-Experten. Um deren Marktchancen bei GULP ist es aber sehr gut bestellt – wie genau, das fasst diese zweiteilige Marktstudie zusammen. Im Teil 1 geht es zunächst um die vier Kernbankensysteme selbst und die Einstiegsmöglichkeiten in den Bereich. Teil 2 nimmt die IT-Spezialisten  für Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus unter die Lupe: Wie alt sind sie? Welche Stundensätze fordern sie? Wo finden sie entsprechende Projektanfragen? Die Daten für die Analyse lieferten die Profile der in die GULP Datenbank eingetragenen IT-Spezialisten, der GULP Trend Analyzer und die über www.gulp.de an Freelancer zugestellten Projektanfragen.
Im Herzen der Banken
 
Was ist das Herz der Banken? Eine Software, mit der sich die Kernprozesse des Instituts durchführen lassen. Zu diesen gehören zum Beispiel Sparen, Wertpapiere, Darlehen, Kontokorrent oder Girokontenverwaltung. Mit Core-Banking-Systemen, auch als Gesamtbankenlösungen oder Kernbanksysteme bezeichnet, lassen sich die jeweiligen Geschäftsprozesse abbilden – wenn zum Beispiel ein Kredit genehmigt wird, werden Kundendaten verarbeitet, Scoring und Vertrag erstellt und danach ähnliche Prozesse zusammen in einer Statistik ausgewertet. Auch für Internetbanking und Kundenkommunikation über alle Vertriebskanäle (Online, am Geldautomaten, im Call Center, vor Ort in der Bank usw.) hinweg ist solch eine Software zum Beispiel zuständig.

(Fast) kein Kernbanksystem ist wie das andere. Die meisten sind modular aufgebaut oder zumindest erweiter- und integrierbar – denn jede Bank hat andere Anforderungen, auf die das jeweilige System zugeschnitten wird. Heraus kommen Individuallösungen, die von Bank zu Bank differieren. Das heißt, es gibt viel zu tun – und dafür werden oft IT-Freiberufler ins Boot geholt. Wie es um die Marktchancen für Selbstständige im Bereich Kernbankenlösungen steht, haben wir für die vier Systeme beleuchtet, die bei GULP am häufigsten nachgefragt werden: Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus. Zunächst ein Blick auf die Systeme selbst:

Avaloq: Wer hat’s erfunden? Die Schweizer.
Die Avaloq Group AG, die Avaloq vertreibt, sitzt in Freienbach in der Schweiz. Das Avaloq Banking System, erstmals 1996 entwickelt und 2001 in den Markt eingeführt, wird von 44 Banken in 16 Ländern verwendet, der größte Teil der Kunden ist in der Schweiz zuhause. Kunden sind Privat-, Retail- und Universalbanken, Vermögensverwalter und Transaktionsbanken. Laut Unternehmens-Website ist die Avaloq Gruppe "Schweizer Marktführer für standardisierte Bankensoftware". Die Gesamtbankenlösung Avaloq "ersetzt bestehende IT-Systeme und integriert diese in eine universelle und modular aufgebaute Bankenplattform, die sämtliche Bankprozesse und Funktionalitäten abdeckt", so das Versprechen des Herstellers. Die Zukunftsaussichten stehen gut: Laut einer Meldung auf dem Nachrichtenportal inside-it.ch hat die Zentrale der Schweizer Raiffeisen-Gruppe im November 2009 das Avaloq Banking System für das Clearing und Settlement von Kartentransaktionen in Betrieb genommen, die einzelnen Banken haben im August mit der Migration begonnen. Dort soll Avaloq bis zum ersten Quartal 2010 in Betrieb genommen werden. "Raiffeisen hatte Anfang 2009 Avaloq für das Wertschriften- und Handelsgeschäft eingeführt. Der gesamte Zahlungsverkehr soll bis 2011 migriert werden", heißt es weiter im Bericht.

Kordoba Core 24: Damals, bei Siemens
Core 24 wird von der Kordoba GmbH entwickelt, die in München sitzt. Bereits 1982 wurde Core 24 auf den Markt gebracht, damals von der Siemens AG. Weiterentwickelt wurde es von der damaligen Siemens-Tochter Kordoba GmbH, die seit 2004 zum US-amerikanischen Unternehmen Fidelity National Information Services (FIS) gehört. In seinen Anfängen lief Core 24 nur auf Großrechnern mit den Siemens-Betriebssystemen BS1000 und BS2000, mittlerweile auch auf anderen Betriebssystemen wie Solaris und z/OS. Core 24 wird verwendet von Privat- und Regionalbanken, Universalbanken, Direktbanken und Direktbrokern in Deutschland, Österreich und Luxemburg – zum Beispiel von der ING DiBa. Laut Unternehmens-Website ist Core 24 "eine integrierte Gesamtlösung für die komplette Be- und Verarbeitung von Geldgeschäften im Aktiv- und Passivgeschäft über alle Vertriebswege".

MBS Open: Ehemals von T-Systems
MBS Open ("Modularer Banken Standard") ist ein Core-Banking-System der COR Alldata Systems GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Leinfelden-Echterdingen. Bis 2008 war Alldata eine T-Systems-Tochter, danach gehörte die Gesellschaft der COR AG und der Bank Sal. Oppenheim, die wiederum von der Deutschen Bank aufgekauft wurde. Seit Oktober 2009 ist die COR Alldata Systems GmbH Teil des neu gegründeten Unternehmens COR&FJA AG. 1986 wurde die Kernbankenlösung MBS Open in den Markt eingeführt. Erst vor kurzem wurden die beiden Produktfamilien COR-PARIS (Pfandbriefbankensystem) und MBS Open (Privatbankensystem) in der COR&FJA-Banking Suite zusammengefasst. Die COR&FJA Banking Suite, auch "das MBS Open der dritten Generation" genannt, ist laut Unternehmen "ein vollständiges Prozessmodell, das alle Anforderungen von Privat-, Universal- und Spezialbanken umfassend abdeckt". Momentan wird die COR&FJA Banking Suite von 33 Kunden in Deutschland genutzt. Die zukünftige Strategie sieht eine Ausweitung auf die Nachbarländer Österreich, Schweiz und Benelux vor.

OSPlus: Die mit den Sparkassen
OSPlus wird vom IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe entwickelt, der Finanz Informatik GmbH & Co. KG mit Sitz in Frankfurt am Main. Das System wird ausschließlich in Deutschland eingesetzt, und zwar überwiegend bei Instituten der Sparkassen Finanz Informatik. Zwei Drittel der deutschen Sparkassen nutzen es bereits, bei etwas weniger als einem Drittel wird es gerade eingeführt. Ziel ist es laut Auskunft des Unternehmens, dass OSPlus Ende 2011 in allen Sparkassen in Deutschland im Einsatz ist. OSPlus ist die Weiterentwicklung eines Vorgängersystems und wurde in den Jahren 2000 und 2001 in den Markt eingeführt. So beschreibt das Unternehmen sein System: "OSPlus unterstützt den aktiven Verkauf von Sparkassen- und Verbundprodukten durchgängig über alle Phasen des Vertriebsprozesses. Grundlage hierfür ist die integrierte Daten- und Informationsbasis, die alle relevanten Kunden- und Vertragsinformationen enthält."

Ein Überblick über die untersuchten Kernbankenlösungen und die Marktchancen:

 
Avaloq
Core24
MBS Banking
OSPlus
Unternehmen Avaloq Group AG Kordoba GmbH, ehemals Siemens-Tochter COR&FJA AG, ehemals Cor Alldata Systems GmbH, ehemals T-Systems-Tochter Finanz Informatik GmbH & Co. KG, IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe
Markteinführung (ohne Vorgängersysteme) 2001 1982 1997 2000
Besonderheiten Es existieren mehrere Weiterbildungen und Zertifizierungen, die an der Avaloq Academy in Zürich erworben werden können und die den Einstieg als Avaloq-Entwickler erleichtern. Das System heißt im Sprachgebrauch mal Core 24, mal Kordoba. Tipp: In Profilen beides angeben, in ausgeschriebenen Projekten nach beidem suchen! Seit kurzem ist MBS Open Teil der COR&FJA Banking Suite (auf Synonyme achten!). Vorsicht: Unter anderem werden auch "Microsoft Business Solutions" und "Mortgage-backed Securisation" mit MBS abgekürzt. Auch wenn sich Sparkassen und Banken zunehmend angleichen, gibt es noch Sparkassen-spezifisches Know-how. Da das zusammen mit OSPlus verlangt wird, ist die Nische hier noch ein Stück kleiner.
Durchschnittsalter der FBs 44,7 Jahre 48,2 Jahre 47,8 Jahre 47,8 Jahre
Durchschnittlicher geforderter Stundensatz 87 Euro 76 Euro 76 Euro 76 Euro
Skills, die häufig zusammen mit dem Kernbankensystem nachgefragt werden Oracle, SQL, PL/SQL, Branchenkenntnis BS2000, Cobol, Unix, CICS, OS/390, Host, Branchenkenntnis Cobol, CICS, OS/390, DB2, Host, Easytrieve, Branchenkenntnis Oracle, Java, J2EE, Schnittstelle IKK, Kenntnis der Sparkassen bzw. der Finanz Informatik
Zertfizierung Ja Nein Nein Nein
Marktchancen + + + + + + + + + + +
Marktchancen: Sehr gute Aussichten
 
In den Monaten von September 2008 bis September 2009 war von den vier betrachteten Core-Banking-Systemen Core 24 das über GULP am häufigsten nachgefragte – mit einem nur kleinen Vorsprung vor Avaloq. MBS belegt mit einem Anteil von 18,6 Prozent an den relevanten Projektanfragen den dritten Rang, auf dem letzten Platz folgt ganz knapp OSPlus. Das eine Drittel der deutschen Sparkassen, die OSPlus bislang nicht im Einsatz haben, muss aber versorgt werden – hier ergeben sich bis Ende 2011 wohl weitere Chancen für freiberufliche Experten.
Anteil des jeweiligen Core-Banking-Systems an den monatlich über www.gulp.de angebotenen Projekten zu Avaloq, Core 24, MBS und OSPlus; Quelle: www.gulp.de
Die Marktchancen hängen nicht nur davon ab, wie viele Projektanfragen es gibt, sondern wie viele infrage kommende IT-Freiberufler diesen gegenüberstehen. Bei GULP ergibt sich nach einer Auswertung der letzten 24 Monate folgendes Bild: Ein externer Avaloq-Spezialist mit GULP Profil, der auf Projektsuche ist, kann durchschnittlich mit etwa 26,9 Projektanfragen pro Monat rechnen. Für ihn stehen die Marktchancen im Vergleich zu den anderen drei Core-Banking-Systemen am besten. Etwas abgeschlagen, aber mit trotzdem sehr guten 19,1 Anfragen pro Monat im Durchschnitt für jeden Spezialisten bei GULP belegt OSPlus den zweiten Platz. Gute Aussichten aber auch für Core 24 (12,3 Anfragen) und MBS (10,6 Anfragen).
Marktplatz: Nachgefragte Skills und Projekteinsätze
 
Bei so guten Marktchancen: Was muss ein IT-Freiberufler können, der im Kernbankenbereich tätig werden will?

Die entsprechenden IT-Spezialisten bei GULP bewegen sich auch im Host- und Datenbank-Umfeld sicher. Core 24 zum Beispiel ist die älteste Kernbankenlösung, sie gibt es seit den achtziger Jahren – wer damals damit arbeitete, musste sich auch mit den Siemens-Betriebssystemen und Großrechnern auskennen. Ähnliches gilt für die anderen: 75,7 Prozent der Spezialisten für unsere vier Kernbanksysteme haben auch Erfahrungen im Großrechnerbereich.

Ebenso wird, wie im Bankenbereich üblich, immer eine umfangreiche Kenntnis der Bankenbranche und der bankenspezifischen Prozesse vorausgesetzt – da es dem selbstständigen Experten nur dann möglich ist, mit den einzelnen Modulen des Core-Banking-Systems die individuellen Geschäftsprozesse der Bank abzubilden.

Neben Entwicklern und Programmierern sind im Bankenbereich Berater oder Business Analysten häufig nachgefragt – das ist bei den Kernbankensystemen nicht anders. Solche Berater müssen natürlich die fachlichen Definitionen des jeweiligen Kernbankensystems kennen. Aber je nach Rolle im Projekt hat mal die technische, mal die bankfachliche und mal die betriebswirtschaftliche Seite Vorrang. Das geht so weit, dass die Technik in den Hintergrund rücken kann. Ein Beispiel für ein Berater-Projekt im MBS-Bereich:

Ein IT-Freiberufler soll die Kunden eines Unternehmens, hauptsächlich Versicherungen und Banken, zum Core-Banking-System MBS beraten. Seine Aufgabe ist es, aus den Change Requests und Neuanforderungen der Kunden Anforderungen an das MBS abzuleiten, die die Entwickler schließlich umsetzen. Er muss sich gut mit den Prozessen in den Gebieten Lebensversicherung, Bausparkassen und Investmentgesellschaften auskennen, aber auch mit dem Kernbankensystem vertraut sein, denn er ist primärer Ansprechpartner der Entwickler und der Kunden. Ein IT-Freiberufler, der in so eine Aufgabe passt, kann entweder aus dem Bankenumfeld kommen (nicht selten ausgebildete Bankkaufleute) – oder er kommt aus der Entwickler- oder Host-Richtung und hat sich in die Banken- und Versicherungsbranche eingearbeitet.

Wenn in der Rolle des IT-Freiberuflers die technische Seite Vorrang hat, reicht ihm die Kenntnis des Core-Banking-Systems alleine in den seltensten Fällen aus. Welche Skills zu welchem System nachgefragt werden, ist unterschiedlich. Die Besonderheiten der vier Systeme im Einzelnen:

Avaloq: Zertifizierung für Entwickler

Avaloq-Entwickler parametrisieren Avaloq selbst oder Schnittstellen von Avaloq zu anderer bankenspezifischer Software wie zum Beispiel zu elektronischen Wertpapierhandelssystemen wie Ibis. Wer als Avaloq Parametrisierer tätig werden will und das Core-Banking-System konfigurieren und migrieren lernen will, kann das an der Avaloq Academy in Zürich tun. Die Zertifizierung zum "Avaloq Certified Professional (ACP)" wird in den bei GULP ausgeschriebenen Projekten für Avaloq-Parametrisierer und Entwickler tatsächlich sehr oft nachgefragt. Der Kurs dauert 16 Tage kostet umgerechnet etwa 9.530 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, die Abschlussprüfung zusätzlich etwa 460 Euro. Die Zertifizierung gilt zwei Jahre, wird aber verlängert, wenn der IT-Experte regelmäßig Kurse aus dem Weiterbildungs-Angebot der Avaloq Academy besucht. Neben der Zertifizierung werden in Projektanfragen über www.gulp.de zusammen mit Avaloq häufig folgende Skills gesucht: Erfahrung im Umgang mit Oracle-Datenbanken, SQL und PL/SQL.

Andere Einstiegsmöglichkeiten in den Avaloq-Bereich sind mit mehr Zeit verbunden als der beschriebene Kurs: Viele heutige Spezialisten für das Core-Banking-System kommen ursprünglich aus dem Großrechner-Umfeld: Wer 1990 noch die Migration bei Betriebssystemumstellungen von VSE auf MVS unterstützt und mit PL/I, COBOL und JCL gearbeitet hat, kann heute das Avaloq Application Management übernehmen. Datenbankentwickler im Bereich DB2, Oracle, SQL usw. können sich ebenso im Laufe der Zeit auf Avaloq spezialisiert haben. Viele sind über ähnliche Tätigkeiten im Banken-Bereich zu Avaloq gekommen: Wer 1992 Standardsoftware für den Bereich der Währungsbuchhaltung mit Swift eingeführt hat (Installation und Test), kann heute Business Analysen und Konzepte für die Migration von Altsystemen auf Avaloq im Bereich Zahlungsverkehr mit Karten, Swift, SIC und Eur-SIC erstellen.

Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
  • Entwickler auf IBM Mainframe PL/I COBOL DB2 IMS; Avaloq
  • Oracle Performance Tuning, Oracle DBA, Oracle Entwicklung, BSCS, Avaloq, Beratung
  • Finnova, Avaloq, Projektleitung, Business-Analyse, Banking

Kordoba Core 24: BS2000 hat Spuren hinterlassen

Entwickler im Core 24-Umfeld müssen nicht nur Experten im Core-Banking-System selbst, sondern zusätzlich in den Bereichen BS2000 und Cobol sein. Auch OS/390, OSD, CICS, Unix, Oracle oder Sesam und Datenbankmanagement-Systeme wie zum Beispiel adabas werden über www.gulp.de häufig zusammen mit der Kernbankenlösung nachgefragt.

Oft werden für reine Entwicklertätigkeiten am System (oder für dessen Weiterentwicklung) auch Cobol-Entwickler gesucht. Mangelnde Kenntnis des Core 24-Systems lässt sich offenbar durch sehr gutes bankfachliches Wissen gerade im Bereich Core-Banking-Systeme (zum Beispiel Aktiv- und Passivgeschäft, Zahlungsverkehr und SEPA, also Single Euro Payments Area) und durch Know-how über das Umfeld (Datenbanken, Großrechner) ausgleichen.

Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
  • BS2000, Systemadministration, Operating, KORDOBA, SESAM, UTM, UNIX, Beratung, Projektleitung, Schulungen, Backup-Konzepte
  • Projektleitung, Teststrategien, Konfigurationsmanagement, Oualitätssicherung, KORDOBA, RZ-Organisation, Rollout, Schulung, Training

MBS Open: Cobol, DB2, MVS, Easytrieve…

Nicht viel Unterschied zu Kordoba: Auch in diesem Bereich können Entwickler tätig werden, die im Host-Bereich Zuhause sind oder sich auf Cobol spezialisiert haben – und zusätzlich MBS kennen. Skills, die häufig zusammen mit dem Core-Banking-System der COR&FJA AG nachgefragt werden, sind DB2, Cobol, OS/390, CICS – aber bei MBS kommt noch Easytrieve dazu. Nicht ganz so häufig werden MVS, PL/1 oder VSAM gefordert.

Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
  • Business Analyst, DB2, MVS, Cobol, iSeries, MBS, Testkonzeption, ILE/RPG, UNIX, SAP R/3, IAS, FDB, Oracle, Wertpapier, Analyse, Konzeption, Migration
  • IT Berater (Konzeption, Analyse, Migration, Design, Entwicklung, Test, QM, Dokumentation, Übersetzungen) zOS/HP Nonstop/MQ Series, MBS

OSPlus: Sparkassen-Nische

Das Besondere an OSPlus ist, dass zusammen mit Kenntnissen im Kernbankensystem nicht Wissen über die Bankbranche im Allgemeinen, sondern über Sparkassen und die (anderen) Produkte der Finanz Informatik gefordert wird. Dass Sparkassen und Banken grundsätzlich und völlig verschieden sind, ist zwar Geschichte. Dennoch sind die meisten Sparkassen in Deutschland auch heute noch Anstalten des öffentlichen Rechts und keine Privatbanken. Träger der Sparkassen ist meist eine Gebietskörperschaft (Gemeinde, Stadt, Landkreis, Bundesland) und es gibt eigene Sparkassengesetze auf Länderebene. Sparkassen haben aus ihrer Geschichte heraus ein etwas anderes Geschäftsmodell als private Banken – ihr Leitmotiv soll die Gemeinwohlorientierung sein. Kurz: Sparkassen haben in Deutschland einen Sonderstatus, den sie aber nach und nach verloren haben und weiter verlieren. Dennoch ist die Nische für die OSPlus-Spezialisten unter den IT-Freiberuflern noch ein Stück kleiner.

Zusammen mit OSPlus werden in Anfragen über GULP oft Java, J2EE, Oracle und Hibernate nachgefragt, außerdem die Kenntnis der Schnittstelle IKK der Finanz Informatik, über die Web-Anwendungen der Verbundpartner standardisiert in bankfachliche Geschäftsprozesse integriert werden.

Wie erwähnt dürfte die Umstellung des noch fehlenden Drittels der deutschen Sparkassen auf OSPlus weitere Perspektiven gerade in den Bereichen "beratende Begleitung der Migration" und "technische Umsetzung der Migration" eröffnen. Auch Tester haben hier Chancen: Daten, die von einem alten ins neue System übergeleitet werden, müssen auf Vollständigkeit und Güte geprüft werden. Außerdem müssen Abläufe und Ergebnisse getestet werden – zum Beispiel die Kontoauszüge nach Rechnungsabschluss oder die Versorgung der weiterverarbeitenden Systeme (Schnittstellen).

Beispiel für fachliche Schwerpunkte im GULP Profil der beschriebenen IT-Freiberufler:
  • EDV-Berater/Systemanalytiker; Host; MVS; VSE; OSPlus; CICS, Batch, TSO, ISPF, ENDEVOR, COBOL; PL1; DB2; DLI; VSAM; JCL, Lotus Notes
  • Bankfachliche Expertise | Technologie-know-how | Umsetzungskompetenz. Meine Schwerpunkte liegen in den bankfachlichen Themen Aktiv-/Passivgeschäft, Kernbankensysteme und Zahlungsverkehr. Hierbei war ich u.a. in den Rollen Projektleiter, Business Architekt und Tester erfolgreich tätig.

Neben der Arbeit am jeweiligen Kernbankensystem selbst gibt es, wie auch in anderen Bereichen, "Core-Banking-nahe Programmierungen": Der IT-Freiberufler hat nur im Rahmen einer Schnittstelle mit dem System zu tun, weil er ein angeschlossenes System programmiert oder eine Anwendung erstellt, die auf den gleichen Datenbestand zurückgreift wie das Core-Banking-System. Ein Beispiel aus dem OSPlus-Bereich ist die Anbindung von Daten im Swift-Format an OSPlus. In diesem Fall sind neben OSPlus Cobol und MT490 als Skill gefragt. Auch über solche Tätigkeiten kann man sich nach und nach zum Spezialisten für ein Core-Banking-System entwickeln – sozusagen als Quereinsteiger.

Teil 2 der Marktstudie beschäftigt sich mit den IT-Freiberuflern, die in dieser chancenreichen Nische Fuß gefasst haben – und damit, warum Avaloq-Spezialisten etwas höhere Stundensätze fordern, etwas jünger sind und weniger Berufserfahrung haben als ihre Kollegen aus den anderen drei Bereichen.

Mehr Informationen zum Thema bei GULP:

  • GULP Tools & Dienste
    • GULP IT-Projektmarktindex: Misst die über den GULP Server zugestellten Projektangebote und ist ein idealer Gradmesser für die Angebots- und Nachfragesituation am IT-Projektmarkt
    • GULP Trend Analyzer: Ermittelt, welche Qualifikation wie gefragt ist
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Kommentare zu diesem Artikel:

"Bin doch immer wieder erstaunt, wieviele erwachsene, offensichtlich gut ausgebildete FB-ler sich in der Banken-Branche für unter 80,- verscherbeln ! Welches Selbstverständnis haben solche Leute von sich ? (Dezember 2011)"

"Guter Überblick über die Anforderungen im Entwicklungsbereich Kernbanksysteme. Es gibt noch einige andere, aber die Skillanforderungen sind ähnlich. Wichtig ist m.E. das bankfachliche KnowHow. (Dezember 2009)"

"Bitte mehr solche qualifizierten Artikel! (Dezember 2009)"

"Sehr fundiert, differenziert, aktuell. Bravo, weitere Artikel dieser Klasse sind sehr willkommen! Danke. (Dezember 2009)"