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| Unter der Lupe:
E-Government
Eine Chance für den IT-Projektmarkt |
| (März
2003) |
| Inhalt dieses
Artikels:
Deutschland an drittletzter Stelle
| Projekte durch E-Government
| Die Aufholjagd hat begonnen
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| Alles online. Bereits seit geraumer
Zeit hat die Öffentliche Hand die Möglichkeiten des Internets
entdeckt - von der elekronischen Datenspeicherung bis zur digitalen
Abwicklung von Bürgeranfragen. E-Government ist das Ziel, dafür
will allein der Bund in den Jahren 2003 und 2004 über eine
Millarde Euro investieren. GULP untersucht auf Basis der gestellten
Projektanfragen, inwieweit die E-Government-Bemühungen auch
für den IT-Projektmarkt Früchte tragen. Die wichtigste
Erkenntnis vorab: Es ist jede Menge Geld im Spiel, von dem IT-Freiberufler
allerdings wenig sehen - bis jetzt.
Im September 2000 startete Bundeskanzler Schröder die E-Government-Initiative
BundOnline 2005. Mit ihr verplichtete sich die Bundesregierung,
die etwa 400 internetfähigen Dienstleistungen der Bundesverwaltung
bis zum Jahr 2005 online bereit zu stellen. BundOnline 2005 soll
dafür sorgen, dass Bürger, Wirtschaft, Wissenschaft und
die Verwaltung selbst die Dienstleistungen des Bundes einfacher,
schneller und kostengünstiger in Anspruch nehmen können.
Von der Umsetzung der E-Government-Initiative sind 107 Einzelbehörden
der Bundesverwaltung unmittelbar betroffen. Damit sind die Bundesbehörden
aber nur die Spitze des Eisbergs von rund 30.000 deutschen Behörden
und Ämtern. Auch auf kommunaler und Landesebene sollen mit
E-Government Schlagworte wie "Dienstleistungskultur" und
"Bürgernähe" neue Bedeutung erhalten. Doch während
die auf Bundesebene geplanten Public-Services schon alle zu einem
hohen Prozentwert umgesetzt worden sind (siehe Fortschrittsanzeiger),
bedürfen die Kommunal- und Landes-Services noch einiger Aufholarbeit. |
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Deutschland an drittletzter Stelle |
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Wenn es um E-Government geht, kommt zwar Europa langsam voran,
nicht jedoch Deutschland. Nach Ländern betrachtet, weisen Schweden
und Irland den höchsten Umsetzungsgrad an Online-Angeboten
ihrer öffentlichen Verwaltungen auf.
Deutschland dagegen verschlechterte sich innerhalb eines Jahres
um zwei Ränge und fällt zurück auf den 16. Platz.
Mit einem Durchschnittswert von rund 48 Prozent ist man weit vom
Spitzenreiter Schweden mit 87 Prozent entfernt und kann im europäischen
E-Government-Ranking gerade mal Belgien und Luxemburg hinter sich
lassen.
Dies ergab eine Studie der Management- und IT-Beratung Cap Gemini
Ernst & Young zum Online-Angebot der Öffentlichen Dienste
im Auftrag der Europäischen Kommission.
Insgesamt zeigt die Studie, dass E-Government-Dienste noch für
reichlich Entwicklerarbeit sorgen werden. Dennoch fiel europaweit
das Wachstum beim Umsetzungsgrad zum Ende des Jahres 2002 bescheidener
aus als noch im ersten Halbjahr 2002. Während immer mehr Staaten
einen hohen Grad an Online-Ausprägung ihrer Dienste erreichen,
verlangsamt sich die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung.
Zur Online-Bereitstellung des Dienstleistungsportfolios der öffentlichen
Verwaltung besteht daher noch enormer Ausbaubedarf hinsichtlich
interner und externer Ressourcen im Bereich Internet-Technologien,
sowohl für die Konzeption/Architektur als auch für die
Entwicklung, Evaluierung und Einführung.
Eine besondere Herausforderung wird dabei die vollständige
Abwicklung von Bürger-Services (z.B. KfZ-Zulassungen, Wohnsitz-Anmeldungen,
Passbeantragung) via Internet sein, die nach wie vor an den rechtlichen
Grundlagen für eine digitale Signatur und am IT-Grundschutz
für den elektronischen Geschäftsverkehr scheitert.
Wie die Marktforscher von IDC in einer aktuellen Studie feststellen,
werden Behörden und Verwaltungen in Westeuropa bis 2006 stärker
in IT investieren als andere Branchen. Angetrieben durch den eEurope
Aktionsplan der EU und nationale Modernisierungsprogramme sollen
die IT-Budgets im öffentlichen Sektor steigen. Ganz oben auf
der Wunschliste der europäischen Behörden stehen Sicherheits-Technologien,
Web-Services und Datenbank-Lösungen.
Angesichts der angespannten Finanzlage von Bund, Ländern und
Gemeinden übertragen öffentliche Dienstleister zunehmend
Aufgaben auf privatwirtschaftliche Unternehmen. Dies berichtet das
Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) der Fraunhofer-Gesellschaft
in seiner neuen Studie zum Thema Outsourcing im öffentlichen
Sektor. Insgesamt wurden 100 Führungskräfte bei öffentlichen
Dienstleistern auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene befragt. Schwerpunkte
der Auslagerungsaktivitäten liegen in den für E-Governmant
wichtigen Bereichen Internet- und IT-Infrastruktur-Dienstleistungen. |
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Projekte durch E-Government? |
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| Definition
E-Government |
| Speyerer
Definition von E-Government:
Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang
mit Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von
Informations- und Kommunikations-Techniken über
elektronische Medien. Bei Electronic Government geht
es sowohl um Prozesse innerhalb des öffentlichen
Sektors (G2G), als auch um jene zwischen diesem und
der Bevölkerung (C2G und G2C), der Wirtschaft (B2G
und G2B) und den Non-Profit und Non-Government Organisationen
des Dritten Sektors (N2G und G2N).
Quelle: Dr.
Jörn von Lucke und Prof. Heinrich Reinermann
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Ist E-Government eine Thema für den IT-Projektmarkt? Wie viele
Projekte hat die Öffentliche Hand bisher gestartet?
Abbildung 1 zeigt für die zurückliegenden zwei Jahre,
welcher Anteil - bezogen auf alle über GULP gestellten Projektanfragen
- öffentlichen Auftraggebern zukommt. Seit Januar 2001 lässt
sich für die Projektausschreibungen öffentlicher Träger
eine unbeständige Entwicklung auf niedrigem Niveau beobachten.
Ergo: Eine im Vergleich zu anderen Branchen unterdurchschnittliche
Ausschöpfung externer IT-Ressourcen.
Die über GULP abgewickelten Projektangebote der öffentlichen
Hand stiegen von 1,4 Prozent im Januar 2001 auf einen "Spitzenwert"
von 3,0 Prozent im März 2001. Danach sackte die Trendkurve
auf 0,4 Prozent ab, konnte sich aber bis August 2002 wieder auf
2,4 Prozent hoch arbeiten.
Nach einem Zwischentief im 4. Quartal 2002 erreichte die Nachfrage
aktuell im Januar diesen Jahres immerhin 1,9 Prozent. Im Schnitt
wurden vom öffentlichen Sektor in den vergangenen 24 Monaten
in 1,2 Prozent aller Projektanfragen freiberufliche IT-Experten
gesucht.
Das nachgefragte Know-how reichte dabei von der Entwicklung (Anwendungsentwicklung,
Dokumenten-/Datenbank-Management, Webauftritt) bis zum Aufbau der
Infrastruktur (Hardware, Netzwerke, Standardsoftware). Zukünftig
werden sicherlich auch verstärkt Projekte aus den Bereichen
Service, Betrieb und Betreuung (Verfügbarkeit, Datensicherheit,
Updates) gestartet werden..
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| Abbildung
1: Projektanfragen des öffentlichen Sektors |
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| Abbildung
2: Regionale Verteilung |
Die Analyse der regionalen Verteilung der Projektanfragen zeigt,
dass die öffentliche Verwaltung vorrangig in den "IT-Hochburgen"
Deutschlands externe IT-Mitarbeiter nachfragt.
Die meisten Projektanfragen kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet (PLZ-Gebiet
6 mit 23,3 Prozent) und dem oberbayerischen Raum (PLZ-Gebiet 8 mit
15,3 Prozent) zur Realisierung behördlicher Projekte.
Im Südosten der Bundesrepublik hingegen (PLZ-Gebiet 0 und
9 mit 1,3, bzw. 3,1 Prozent) spielen öffentliche Auftraggeber
für den IT-Projektmarkt nur eine untergeordnete Rolle. In den
übrigen Teilen Deutschlands werden im Schnitt für ca.
9,2 Prozent aller im IT-Projektmarkt laufenden behördlichen
Projekte freiberufliche Experten gesucht.
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Die Aufholjagd hat begonnen |
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| Stufen
des E-Governments |
| Informationsstufe:
Bereitstellung von statischen oder dynamischen Informationen. |
| Einseitige Interaktionsstufe:
Bereitstellung von Online-Dienstleistungen für
einzelne Akteure oder Gruppen (ausdruckbares Formular). |
| Zweiseitige
Interaktionsstufe: Austausch von Informationen zwischen
einzelnen Akteuren oder Gruppen (elektronisches Formular). |
| Transaktionsstufe:
Vollständige elektronische Abwicklung (Entscheidung,
Benachrichtigung, Bereitstellung, Bezahlung). |
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Die Dienstleistungen im Rahmen von E-Government werden in drei
Interaktionsstufen unterteilt: Information, Interaktion und Transaktion.
Für ein umfassendes E-Government müssen letztlich alle
drei Interaktionsstufen abgedeckt werden. Deutschland befindet sich
laut der Studie von Cap Gemini Ernst & Young insgesamt gerade
einmal auf der ersten Realisierungs-Stufe.
Optimisten sehen hier in der offensichtlich notwendigen Weiterentwicklung
der Public Services bis 2005 weitere Chancen für zusätzliches
Projektaufkommen.
Aber: Fraglich bleibt, inwieweit diese Initiativen von den Sparmaßnahmen
der Bundesregierung und den drastischen Kostensenkungsmaßnahmen
in Ländern und Kommunen betroffen sein werden.
Hinzu kommt, dass verschiedene IT-Projekte im öffentlichen
Sektor wegen fehlerhafter Planung und Koordination entweder unwirtschaftlich
abgewickelt oder nicht erfolgreich abgeschlossen worden sind. Beispielsweise
kritisierte der Bayerische Oberste Rechnungshof in seinem Bericht
für 2002 verschiedene IT-Vorhaben der bayerischen Landesregierung,
die den Freistaat unnötig viele Millionen Euro gekostet haben.
Hohe Ziele, beste Absichten und reichlich (eingeplantes) Investitionsbudget
- zumindest in der Theorie können die E-Government-Bemühungen
durchaus positive Auswirkungen auf den IT-Projketmarkt haben. Wie
groß letztlich das Stück für die IT-Freiberufler
am ganzen Kuchen sein wird, werden die kommenden zwei Jahre zeigen. |
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| Die Stichprobe |
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| Die vorliegende Marktstudie beruht
auf der statistischen Auswertung der GULP Dienste zur Vermittlung
von IT-Freiberuflern. Die Entwicklung der Projektanfragen beruht
auf der statistischen Auswertung von 50.590 Projektangeboten, die
IT-Freiberuflern seit Januar 2001 über den GULP-Server zugestellt
wurden. |
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