| GULP |
Herr Gerritsen, Ihr Unternehmen
begann vor sieben Jahren in Deutschland mit dem Slogan "the fastet
growing company in England". Das klang auch wie eine Ankündigung
für die Zukunft. |
| Alex Gerritsen |
Was es natürlich auch sein sollte. Als IT-Recruitmentagentur
mit englischen Wurzeln hatten wir uns damals bereits in einem Markt
erfolgreich durchgesetzt, der als einer der am härtesten umkämpften
in Europa gilt. Das gibt ohne Frage viel Selbstbewusstsein –
auch für den Schritt in ein neues Land. |
| GULP |
War im Nachhinein das Selbstbewusstsein
gerechtfertigt? |
| Gerritsen |
Oh ja, denn es läuft sehr gut und wir verzeichnen
ein erhebliches Wachstum in Deutschland. Wir haben 2004 insgesamt
350 Platzierungen geschafft, sind letzten Oktober in ein neues Büro
umgezogen, die Anzahl unserer Mitarbeiter ist seit dem 1. April 2004
um 150 Prozent gewachsen. Unser Prinzip, als "Partners in People"
zu agieren und auf langjährige internationale Marktkenntnisse
zu bauen, fruchtet auch in Deutschland – wenn auch der hiesige
Markt mit dem britischen hinsichtlich des Volumens für Recruiting-Firmen
nicht vergleichbar ist. |
| GULP |
Wo sind die größten Unterschiede zwischen
den beiden Projektmärkten? |
| Gerritsen |
>> Dass viele Firmen in
Deutschland sich nicht gerne verändern.<<
|
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Die Mitbewerber hier in Deutschland sind nicht so viele wie in Großbritannien.
Und das Volumen ist kleiner. Ein weiterer Unterschied ist, dass viele
Firmen in Deutschland sich nicht gerne verändern – was
zum Beispiel bedeutet, dass sie nach wie vor durchschnittlich zuviel
für externes IT-Know-how bezahlen. |
| GULP |
Aber die Stundensätze sind
in den vergangenen Jahren drastisch gefallen. |
| Gerritsen |
Es geht auch nicht um die Honorare für Freiberufler,
sondern im Gegenteil: Würden Unternehmen diese für bestimmte
Positionen verstärkt in Betracht ziehen und nicht die häufig
überteuerten externen Consultants von Softwarehäusern und
Beratungsunternehmen, dann könnten sie viel Zeit und Geld sparen
– und vielleicht sogar bessere Qualität erhalten. |
| GULP |
Wie unterscheiden sich eigentlich
die deutschen von den britischen Freiberuflern? |
| Gerritsen |
Die Professionalität und fachliche Qualität
ist in beiden Ländern ausgeprägt. Allerdings kann man sagen,
dass diese Beschreibung bei den deutschen Freelancern noch ausgeprägter
zu finden ist. |
| GULP |
Welche Eigenschaften muss für Sie ein guter
IT-Freiberufler besitzen? |
| Gerritsen |
Berufserfahrung, betriebswirtschaftliches Verständnis,
Belastbarkeit, Flexibilität und professionelle Sachlichkeit zeichnen
IT-Freiberufler aus, die sich dauerhaft durchsetzen. |
| GULP |
Sie vermitteln Freiberufler und Festangestellte
- in welchen Branchen sind Sie vor allem tätig? |
| Gerritsen |
Wir orientieren uns am marktabhängigen Kundenbedarf
– und der konzentriert sich für uns in Deutschland auf
folgende Themen bzw. Stichworte: SAP, ERP, CRM, JAVA, MS Development,
COMMS, UNIX, DWH, RDBMS und SECURITY. |
| GULP |
Und in Großbritannien? |
| Gerritsen |
Der UK Markt ist generell unterschiedlich – hier
arbeiten wir auch an PC Support, Netzwerk, Business Analyse und Projektmanagement. |
| GULP |
Stichwort "britische Agenturen". Einige
positionierten sich in Deutschland seit Beginn des IT-Projektmarktes
in dominanter Stellung. Warum? |
| Gerritsen |
>> Hier wartete sehr gut
bezahlte Pionierarbeit. << |
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Dass Agenturen aus UK den deutschen IT-Projektmarkt am Anfang mitbestimmten,
lag einfach daran, dass es in England bereits einen solchen Markt
gab und hier entsprechende Erfahrungen gesammelt worden waren. Der
Weg von UK nach Deutschland war deshalb für britische Agenturen
sehr nahe liegend, denn hier wartete sehr gut bezahlte Pionierarbeit.
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| GULP |
Aber wo war Computer Futures Solutions? |
| Gerritsen |
Während zum Beispiel Hays, Harvey oder Parity
früher in Deutschland waren, entschieden wir uns, zuerst nach
Belgien, Holland, Frankreich und Skandinavien zu gehen … |
| GULP |
… und haben dadurch in Deutschland den Vorsprung
anderen überlassen? |
| Gerritsen |
Das sieht heute durchaus anders aus, denn die genannten
englischen Agenturen sind nicht mehr dominant – ich sehe sie
auch nicht als unseren hauptsächlichen Mitbewerber. |
| GULP |
Während die Key Player aus dem angelsächsischen
Raum in ihren deutschen Filialen Mitarbeiter abgebaut und sogar Geschäftsstellen
geschlossen haben, ist Ihr Unternehmen weiter auf der Erfolgsspur
- Ihr Erfolgsgeheimnis? |
| Gerritsen |
Wir haben uns schon immer auf der Basis von Erfolg
vergrößert und nicht nur allein um des Wachstums willen.
Wir haben unsere Zukunft vorsichtig und sehr überlegt geplant,
außerdem konzentrieren wir uns sehr auf Service und Kundenbeziehungen.
Wir sind also nicht zum Kurzzeiterfolg hier, sondern wollen wirklich
ein solides Geschäft in Deutschland aufbauen. |
| GULP |
Aus welchen Gründen auch immer, britische Unternehmen
genießen in Deutschland zuweilen einen etwas umstrittenen Ruf.
Woher kommt dies? |
| Gerritsen |
>> Cowboys ohne Rücksicht
auf Verluste. << |
|
Einen Grund dafür ist vielleicht, dass einige englische Unternehmen
nur von England aus arbeiten anstatt hier in Deutschland präsent
zu sein. Sie haben im Allgemeinen einen schlechten Ruf – außerdem
mischen sich unter die Agenturen auch "Cowboys", die ohne
Rücksicht auf Verluste nur auf den schnellen Erfolg aus sind.
|
| GULP |
Wird sich Ihrer Meinung nach der gegenwärtige
Aufschwung im deutschen IT-Projektmarkt fortsetzen? |
| Gerritsen |
Verfolgt man den globalen Trend, dann kann man auch
in Deutschland nur ein weiteres Wachstum erwarten. Die Analysten erwarten
schon bald eine Knappheit von qualifizierten IT-Experten – und
wir sind in der perfekten Lage, den Markt zu bedienen. |
| GULP |
Aber im IT-Projektmarkt herrscht auch ein Verdrängungswettbewerb.
Wer wird verlieren? |
| Gerritsen |
Mein Gefühl sagt mir, dass die kleinen unprofessionellen
Agenturen die ersten sein werden, die verlieren. Die nächste
Gruppe werden wohl die Firmen sein, die sich auf das aktuelle Geschäft
verlassen und vergessen, sich mit dem Trend zu bewegen und sich auf
den Kundenbedarf einzustellen. |
| GULP |
Werden weitere britische Agenturen auf den deutschen
Markt drängen? |
| Gerritsen |
>> … gibt es auch
genügend Nachfrage.<< |
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Ja, ich denke schon, da es genug Anforderungen gibt. Und wenn der
Markt weiter wächst, gibt es auch genügend Nachfrage. Die
Frage ist, ob sie bestehen werden, da normalerweise die englischen
Firmen Probleme haben, sich der Kultur anzupassen, weil sie keine
Leute vor Ort haben. Außerdem vermitteln manche dieser Agenturen
nur englische, aber keine deutschen Freiberufler. |
| GULP |
Der IT-Projektmarkt ist ein Agenturmarkt; welche
Veränderungen generell wird es hier geben? |
| Gerritsen |
Ich denke, es wird weitgehend so bleiben, wie es ist.
Denn die Bedeutung der Agenturen für den Markt lässt ja
nicht nach: Für Freiberufler sind sie gewissermaßen das
vorherrschende Tool, um das richtige Projekt zu finden – und
für Anbieter die geeigneten Partner, um das Risiko und Administrationsaufwand
zu minimieren. |
| GULP |
Herr Gerritsen, vielen Dank für das Gespräch! |
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