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"Schon bald eine Knappheit von qualifizierten IT-Experten"

Interview mit Computer Futures Solutions: Ein Brite in Deutschland

(Mai 2005)
Alex Gerritsen

Alex Gerritsen

Der IT-Projektmarkt in Deutschland – von Beginn an spielten Agenturen aus Großbritannien eine große Rolle. Doch die Zeiten haben sich geändert – und in der Verteilung von Marktanteilen müssen auch vormals dominante Agenturen hart und mitunter verlustreich kämpfen. Über britische und deutsche Eigenarten im Agenturmarkt sprach GULP mit Alex Gerritsen, dem Geschäftsführer von Computer Futures Solutions.

Das 1986 gegründete Unternehmen Computer Futures Solutions ist eines der größten unabhängigen Stellenvermittlungsbüros Europas für die IT-Branche. Mit vierzehn Niederlassungen in acht Ländern setzt man auf "internationale Stärke lokal vor Ort" – seit November 1998 ist man mit einer Geschäftsstelle in Frankfurt am Main auch in Deutschland vertreten.

 

GULP Herr Gerritsen, Ihr Unternehmen begann vor sieben Jahren in Deutschland mit dem Slogan "the fastet growing company in England". Das klang auch wie eine Ankündigung für die Zukunft.

Alex Gerritsen

Was es natürlich auch sein sollte. Als IT-Recruitmentagentur mit englischen Wurzeln hatten wir uns damals bereits in einem Markt erfolgreich durchgesetzt, der als einer der am härtesten umkämpften in Europa gilt. Das gibt ohne Frage viel Selbstbewusstsein – auch für den Schritt in ein neues Land.
GULP War im Nachhinein das Selbstbewusstsein gerechtfertigt?

Gerritsen

Oh ja, denn es läuft sehr gut und wir verzeichnen ein erhebliches Wachstum in Deutschland. Wir haben 2004 insgesamt 350 Platzierungen geschafft, sind letzten Oktober in ein neues Büro umgezogen, die Anzahl unserer Mitarbeiter ist seit dem 1. April 2004 um 150 Prozent gewachsen. Unser Prinzip, als "Partners in People" zu agieren und auf langjährige internationale Marktkenntnisse zu bauen, fruchtet auch in Deutschland – wenn auch der hiesige Markt mit dem britischen hinsichtlich des Volumens für Recruiting-Firmen nicht vergleichbar ist.
GULP Wo sind die größten Unterschiede zwischen den beiden Projektmärkten?
Gerritsen

>> Dass viele Firmen in Deutschland sich nicht gerne verändern.<<

Die Mitbewerber hier in Deutschland sind nicht so viele wie in Großbritannien. Und das Volumen ist kleiner. Ein weiterer Unterschied ist, dass viele Firmen in Deutschland sich nicht gerne verändern – was zum Beispiel bedeutet, dass sie nach wie vor durchschnittlich zuviel für externes IT-Know-how bezahlen.
GULP Aber die Stundensätze sind in den vergangenen Jahren drastisch gefallen.
Gerritsen Es geht auch nicht um die Honorare für Freiberufler, sondern im Gegenteil: Würden Unternehmen diese für bestimmte Positionen verstärkt in Betracht ziehen und nicht die häufig überteuerten externen Consultants von Softwarehäusern und Beratungsunternehmen, dann könnten sie viel Zeit und Geld sparen – und vielleicht sogar bessere Qualität erhalten.
GULP Wie unterscheiden sich eigentlich die deutschen von den britischen Freiberuflern?
Gerritsen Die Professionalität und fachliche Qualität ist in beiden Ländern ausgeprägt. Allerdings kann man sagen, dass diese Beschreibung bei den deutschen Freelancern noch ausgeprägter zu finden ist.
GULP Welche Eigenschaften muss für Sie ein guter IT-Freiberufler besitzen?
Gerritsen Berufserfahrung, betriebswirtschaftliches Verständnis, Belastbarkeit, Flexibilität und professionelle Sachlichkeit zeichnen IT-Freiberufler aus, die sich dauerhaft durchsetzen.
GULP Sie vermitteln Freiberufler und Festangestellte - in welchen Branchen sind Sie vor allem tätig?
Gerritsen Wir orientieren uns am marktabhängigen Kundenbedarf – und der konzentriert sich für uns in Deutschland auf folgende Themen bzw. Stichworte: SAP, ERP, CRM, JAVA, MS Development, COMMS, UNIX, DWH, RDBMS und SECURITY.
GULP Und in Großbritannien?
Gerritsen Der UK Markt ist generell unterschiedlich – hier arbeiten wir auch an PC Support, Netzwerk, Business Analyse und Projektmanagement.
GULP Stichwort "britische Agenturen". Einige positionierten sich in Deutschland seit Beginn des IT-Projektmarktes in dominanter Stellung. Warum?
Gerritsen

>> Hier wartete sehr gut bezahlte Pionierarbeit. <<

Dass Agenturen aus UK den deutschen IT-Projektmarkt am Anfang mitbestimmten, lag einfach daran, dass es in England bereits einen solchen Markt gab und hier entsprechende Erfahrungen gesammelt worden waren. Der Weg von UK nach Deutschland war deshalb für britische Agenturen sehr nahe liegend, denn hier wartete sehr gut bezahlte Pionierarbeit.
GULP Aber wo war Computer Futures Solutions?
Gerritsen Während zum Beispiel Hays, Harvey oder Parity früher in Deutschland waren, entschieden wir uns, zuerst nach Belgien, Holland, Frankreich und Skandinavien zu gehen …
GULP … und haben dadurch in Deutschland den Vorsprung anderen überlassen?
Gerritsen Das sieht heute durchaus anders aus, denn die genannten englischen Agenturen sind nicht mehr dominant – ich sehe sie auch nicht als unseren hauptsächlichen Mitbewerber.
GULP Während die Key Player aus dem angelsächsischen Raum in ihren deutschen Filialen Mitarbeiter abgebaut und sogar Geschäftsstellen geschlossen haben, ist Ihr Unternehmen weiter auf der Erfolgsspur - Ihr Erfolgsgeheimnis?
Gerritsen Wir haben uns schon immer auf der Basis von Erfolg vergrößert und nicht nur allein um des Wachstums willen. Wir haben unsere Zukunft vorsichtig und sehr überlegt geplant, außerdem konzentrieren wir uns sehr auf Service und Kundenbeziehungen. Wir sind also nicht zum Kurzzeiterfolg hier, sondern wollen wirklich ein solides Geschäft in Deutschland aufbauen.
GULP Aus welchen Gründen auch immer, britische Unternehmen genießen in Deutschland zuweilen einen etwas umstrittenen Ruf. Woher kommt dies?
Gerritsen

>> Cowboys ohne Rücksicht auf Verluste. <<

Einen Grund dafür ist vielleicht, dass einige englische Unternehmen nur von England aus arbeiten anstatt hier in Deutschland präsent zu sein. Sie haben im Allgemeinen einen schlechten Ruf – außerdem mischen sich unter die Agenturen auch "Cowboys", die ohne Rücksicht auf Verluste nur auf den schnellen Erfolg aus sind.
GULP Wird sich Ihrer Meinung nach der gegenwärtige Aufschwung im deutschen IT-Projektmarkt fortsetzen?
Gerritsen Verfolgt man den globalen Trend, dann kann man auch in Deutschland nur ein weiteres Wachstum erwarten. Die Analysten erwarten schon bald eine Knappheit von qualifizierten IT-Experten – und wir sind in der perfekten Lage, den Markt zu bedienen.
GULP Aber im IT-Projektmarkt herrscht auch ein Verdrängungswettbewerb. Wer wird verlieren?
Gerritsen Mein Gefühl sagt mir, dass die kleinen unprofessionellen Agenturen die ersten sein werden, die verlieren. Die nächste Gruppe werden wohl die Firmen sein, die sich auf das aktuelle Geschäft verlassen und vergessen, sich mit dem Trend zu bewegen und sich auf den Kundenbedarf einzustellen.
GULP Werden weitere britische Agenturen auf den deutschen Markt drängen?
Gerritsen

>> … gibt es auch genügend Nachfrage.<<

Ja, ich denke schon, da es genug Anforderungen gibt. Und wenn der Markt weiter wächst, gibt es auch genügend Nachfrage. Die Frage ist, ob sie bestehen werden, da normalerweise die englischen Firmen Probleme haben, sich der Kultur anzupassen, weil sie keine Leute vor Ort haben. Außerdem vermitteln manche dieser Agenturen nur englische, aber keine deutschen Freiberufler.
GULP Der IT-Projektmarkt ist ein Agenturmarkt; welche Veränderungen generell wird es hier geben?
Gerritsen Ich denke, es wird weitgehend so bleiben, wie es ist. Denn die Bedeutung der Agenturen für den Markt lässt ja nicht nach: Für Freiberufler sind sie gewissermaßen das vorherrschende Tool, um das richtige Projekt zu finden – und für Anbieter die geeigneten Partner, um das Risiko und Administrationsaufwand zu minimieren.
GULP Herr Gerritsen, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Der Kollege kann auch gerne mal erklären wie CF mit Massenmails aka Spam, ohne jeglichen Bezug auf die Skills von Freiberuflern "Qualität" für den Endkunden schaffen will. Weiterhin sind die Töne bzgl. Stundensätzen ala "häufig überteuerten externen Consultants von Softwarehäusern und Beratungsunternehmen" ganz nett, warum liegt nur CF - rein subjektive Erfahrung - grundsätzlich immer unter den Marktüblichen Sätzen? Sicher, sicher der Endkunde zahlt nicht mehr.... (Juni 2011)"

"Er hat recht gehabt, Sthree (Computer Futures ua) hat mittlerweile über 250 Personalberater in Deutschland..... (Januar 2011)"

"Der Junge ist voller Optimismus. Wäre schön, wenn er Recht hätte, ich wünschte es ihm. Frage ist aber, wie geht er mit seinen Mitarbeitern um, welche Verantwortung übernimmt er? Werden die um des Erfolgs Willen ausgenutzt? Wie sehen die Sozialleistungen für die eigenen Mitarbeiter aus? Gibt es die überhaupt? (Januar 2010)"

"Straight to the point. (Juni 2005)"

"Hochinteressante Informationen und Einblicke. (Mai 2005)"

"Wichtige Informationen (Mai 2005)"

"Ich finde es gut, dass auch Projektvermittler mal zu Wort kommen. (Mai 2005)"

"Natürlich subjektiv das Interview, aber durchaus interessant. (Mai 2005)"

"Ich glaube, dass Herr Gerritsen die Marksituation richtig einschäzt. Zum einen müssen deutsche Unternehemn den Schritt in Richtung Diensleister wagen, auf der anderen Seite werden nur Dienstleister überleben, die sich den Marktgegebenheiten anpassen. (Mai 2005)"

"Sehr genaue Beschreibung von dem heutigen Markt! (Mai 2005)"

"Klasse, dass man endlich auch etwas über Computer Futures Solutions bei Gulp lesen kann und so auch ein bisschen mehr über die Eindrücke und Einschätzungen eines Anbieters erfährt. Auch wenn ich als Freelancer gut mit Computer Futures zusammenarbeite werden in dem Artikel Punkte genannt die in der alltäglichen Zusammenarbeit wenig besprochen werden. Gerne mehr davon! (Mai 2005)"

"genau auf den Punkt gebracht... (Mai 2005)"


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