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Das erste Ziel ist, dass „Unternehmen wieder atmen können“

Interview mit Stefan Lohnert, Mitglied der Geschäftsleitung der SAP Deutschland AG & Co.KG

(Dezember 2003)
Stefan Lohnert
Stefan Lohnert
Mitglied der Geschäftsleitung
SAP Deutschland AG & Co.KG

ERP/CRM-System ist gleich SAP. Die sehr vereinfachte Gleichung ist angesichts der Mitbewerber natürlich unzulässig, lässt aber die Dominanz ahnen, mit der SAP-Produkte den Markt beherrschen. SAP Deutschland AG & Co. KG mit Hauptsitz in Walldorf, Baden, wurde am 1. Januar 2001 als rechtlich selbstständige Tochter der SAP AG gegründet – mit einem der Geschäftsführer, Stefan Lohnert, sprach GULP unter anderem über das „Geheimnis des SAP-Erfolgs“.

Stefan Lohnert, ist bei der SAP Deutschland AG & Co. KG Mitglied der Geschäftsleitung und steht der Abteilung Vertrieb Manufacturing Industries vor.

 

GULP Herr Lohnert, welche Rolle kommt SAP Deutschland in der Großfamilie SAP AG zu?

Lohnert

Der unternehmerische Fokus der SAP Deutschland liegt auf den Geschäftsfeldern Vertrieb, Beratung, Schulung und Marketing rund um das SAP-Produktportfolio. Dabei umfasst das Lösungsangebot der SAP die Geschäftsanwendungen der mySAP Business Suite, die Integrations- und Applikationsplattform SAP NetWeaver sowie Standardsoftware für den Mittelstand. Darüber hinaus unterstützt SAP mit 23 Lösungsportfolios industriespezifische Kernprozesse.
GULP Das klingt beeindruckend.

Lohnert

>> Rund 13.000 Mitarbeiter
in Deutschland. <<

Das ist nicht so überraschend, denn SAP ist weltweit der führende Anbieter von integrierter Standardsoftware für Geschäftsanwendungen. Dabei unterhält SAP Deutschland neben Walldorf weitere Standorte in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Mannheim, München, St. Ingbert und Stuttgart. Und: Für die SAP-Gruppe sind aktuell rund 13.000 Mitarbeiter in Deutschland tätig.
GULP Zahlen allein machen dauerhaft noch keinen Marktführer – woran liegt es, dass SAP nun schon ziemlich lange so erfolgreich ist?
Lohnert Ein entscheidender Grund ist natürlich, dass SAP erstklassige Produkte hat. Damit bieten wir unter anderem unseren Kunden die Investitionssicherheit, die sie benötigen. Die Unternehmen sind mit SAP in der Lage, ihre Geschäftsprozesse intern sowie mit Kunden, Partnern und Lieferanten erfolgreich zu organisieren und die betriebliche Wertschöpfung maßgeblich zu verbessern. Wir fördern nicht nur Innovation, sondern machen sie technologisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll für unsere Kunden verfügbar.
GULP Die anerkannte SAP-Kompetenz bzw. -Power kommen ja nicht von ungefähr ...
Lohnert ... sie ist vielmehr das Ergebnis von einer Menge Faktoren und Prinzipien, die wie in unserem Unternehmen Groß schreiben: So greift SAP auf über 30 Jahre IT- und Branchen-Erfahrung zurück und verfügt über die nötigen kurz- und langfristigen Ressourcen, um eine kontinuierliche Entwicklung, eine umfangreiche Wartung und Einführung sowie benutzergerechten Dokumentation und Schulung der Produkte sicher zu stellen. Unsere Kunden profitieren maßgeblich von dieser einzigartigen Kombination. Hinzu kommt die von SAP sehr geförderte und gepflegte Zusammenarbeit mit zahlreichen erfahrenen Partnern – sowohl in der Produktentwicklung als auch bei der Einführung von SAP-Lösungen bei den Kunden.
GULP Jede Menge Gründe für den Erfolg also, aber kann man das „SAP-Geheimnis des Erfolges“ auch ganz kurz zusammen fassen?
Lohnert

>> Das Wissen, wie
man Standardsoftware entwickelt. <<

So trivial und trocken es heutzutage klingen mag: auf der Produktseite ist das sicherlich das Wissen, wie man Standardsoftware entwickelt und wie man Geschäftsprozesse – sowohl branchenübergreifend als auch branchenspezifisch - konzipiert und diese in der Software abbildet. Schließlich ziehen Unternehmen gerade dadurch aus SAP-Software den Mehrwert, dass sie nicht nur eine neue Software, sondern auch neue und effiziente Prozesse – so genannte Best Practices - einführen.
GULP Das ist die Technik.
Lohnert Und noch wichtiger sind die Menschen. Die kreative, fast familiär wirkende Arbeitsatmosphäre, die unsere Mitarbeiter fordert aber auch stark fördert, wirkt als Katalysator für das Schaffen und Umsetzen von technischen wie technologischen Neuheiten. Und nicht zuletzt unsere Kunden, die seit jeher die größte Rolle bei der Software-Entwicklung spielen, weil sie uns offen sagen, was sie an Funktionalität und Technologie benötigen, wünschen oder fordern.
GULP In einem GULP-Interview hat ein SAP-Spezialist SAP als „typisch deutsches Produkt“ beschrieben. Stimmen Sie dem zu?
Lohnert

>> Von Teams entwickelt, die
in Labors in verschiedenen Weltregionen arbeiten. <<

Es kommt natürlich darauf an, wie man die Beschreibung „typisch deutsch“ interpretiert. Zwar hat SAP in Walldorf, also in Deutschland, ihren größten Entwicklungsstandort, aber die Produkte, die SAP anbietet, werden von Teams, die in Labors in verschiedenen Weltregionen arbeiten, entwickelt, in verschiedenen Sprachen angeboten und an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Länder ausgerichtet. In Bezug auf das globale Lösungsportfolio kann man also nicht von „typisch deutsch“ sprechen.
GULP Also nicht „typisch deutsch“?
Lohnert Mit Sicherheit sind gewisse Attribute, die man als „typisch deutsch“ betrachten kann, auch bei unserer Software und den Dienstleistungen zu finden: Innovative Lösungen, hohe Qualitätsstandards, hohe technologische und betriebswirtschaftliche Reife, Zuverlässigkeit und Langfristigkeit.
GULP In welchen Branchen wird SAP eingesetzt?
Lohnert Von Automobil über Bank bis zu Handel, die SAP bietet Lösungen für insgesamt 23 Branchen – und die SAP-Lösungen werden auch in allen diesen Branchen eingesetzt.
GULP Und rekrutieren sich dabei die Kunden vor allem aus den Großunternehmen oder hat SAP auch Vorteile für den Mittelstand?
Lohnert Natürlich bietet SAP auch Angebote, die speziell auf die Bedarfe mittelständischer Unternehmen mit besonderer Branchenexpertise ausgerichtet sind - die so genannten mySAP All-in-One-Lösungen - oder auch auf kleinere Unternehmen, die eine schlüsselfertige Standardlösung – wie sie SAP mit SAP Business One anbietet - installieren möchten. Mit dieser Vielfalt besitzt SAP Lösungsportfolios für Unternehmen jeder Größe und Branche.
GULP Dennoch heißt es oft, dass SAP zu teuer und komplex für den Mittelstand ist.
Lohnert

>> 65 Prozent unserer
Kunden sind
mittelständische Betriebe. <<

Dazu habe ich als Antwort ein klares Nein. Es stimmt zwar, dass in der Öffentlichkeit der Einsatz und die Kosten von SAP-Lösungen oftmals nur mit Großunternehmen in Verbindung gebracht werden, aber: Mehr als 19.000 unserer weltweit über 29.500 Kunden sind mittelständische Betriebe. Und das sind mehr als 65 Prozent unserer Kunden. Damit ist SAP im Mittelstand zumindest in Deutschland klarer Marktführer.
GULP Wie überzeugen Sie mittelständische Unternehmen, dass sie die Preise für SAP-Lösungen auch zahlen wollen?
Lohnert Mittelständische Unternehmen brauchen die gleichen Funktionsbereiche von Software wie Großunternehmen – und oft auch dieselbe Funktionsfülle. Und der Preis ist immer eine Frage der angebotenen Leistung und natürlich der Nachfrage. Sie können beispielsweise eine SAP Business One Implementierung einschließlich Lizenzen schon ab rund 20.000 Euro haben. Für die Funktionalität, Flexibilität und Serviceleistungen, die wir erbringen, verlangen wir marktgerechte Preise.
GULP Ist der Markt mittlerweile gesättigt mit SAP?
Lohnert Obwohl wir uns bereits über viele mittelständische Unternehmen als Kunden freuen, stellen wir fest, dass immer mehr kleine und mittelständische Betriebe nach einer Unternehmenssoftware suchen, die speziell auf ihre Unternehmensgröße und Branche zugeschnitten ist. Mit unseren Angeboten SAP Business One und mySAP All-in-One entsprechen wir dieser Entwicklung.
GULP Neben der Intensivierung des Mittelstandes-Geschäftes – wo liegen weitere Perspektiven für SAP?
Lohnert

>> Weiterer Marktbedarf im
IT-Infrastruktur-Bereich. <<

Ein weiterer Marktbedarf zeichnet sich schon seit einiger Zeit deutlich im IT-Infrastruktur-Bereich – sprich technologischen Plattformen – ab. Denn eine der größten Herausforderungen von Unternehmen heute ist die Konsolidierung ihrer komplizierten, heterogenen und sehr kostenintensiven Infrastrukturen.
GULP Und wie bewältigt man diese Herausforderung?
Lohnert Damit Unternehmen wieder „atmen“ und dem Teufelskreis von steigenden Kosten bei sinkender Innovationsfähigkeit der IT entgehen können, müssen sie an der Vereinfachung und vor allem an der Zukunftssicherheit ihrer Plattformen für Anwendungen und Technologien arbeiten. Das Konzept der SAP für diese Herausforderung heißt SAP Enterprise Services Architecture (SAP ESA), das man sich wie einen Masterplan für die Infrastruktur, die Prozesse und Anwendungen in einem Unternehmen vorstellen kann.
GULP Es gibt eine Unmenge von SAP-Lösungen und SAP-Modulen. Wie behält man, sprich Kunde, überhaupt noch den Überblick?
Lohnert Sie zäumen das Pferd vom verkehrten Ende auf. Wenn Sie nur die Produktpalette von SAP betrachten, sehen Sie eine große Vielfalt an Komponenten, die einzelne oder meist mehrere Geschäftsprozesse abbilden, bündeln und verarbeiten. Diese wiederum sind Bestandteil der Module – im SAP R/3 – und der Lösungen der mySAP Business Suite. Was natürlich seinen Grund darin hat, dass es auch umfangreiche Prozesse in Unternehmen gibt.
GULP Und wie weiß der Kunde, was er an SAP benötigt?
Lohnert

>> Frei zugängliche Lösungskarten als
große Hilfestellung. <<

Entscheidend für den Kunden ist zuallererst das Wissen, welche Prozesse in welchen Bereichen abgedeckt und mit einander verknüpft werden müssen oder sollen. Dann ergeben sich relativ einfach die benötigten Lösungen, Module oder Komponenten. Als große Hilfestellung erweisen sich hierbei die frei zugänglichen Lösungskarten – die so genannten Solution Maps -, die SAP bereit stellt. Anhand dieser Solution Maps kann man einerseits sehen, welche Prozesse in welchen Lösungen oder Modulen enthalten sind, und andererseits kann der Kunde aus den Komponenten diejenigen auswählen, die er für seine Bedarfe benötigt.
GULP Ende Dezember 2003 gibt es für die SAP R/3-Releases 3.1I, 4.0B, 4.5B und 4.6B keine Wartung mehr durch SAP. Ist somit verstärkt mit SAP-Upgrade-Projekten zu rechnen?
Lohnert Richtig ist, dass SAP alle SAP R/3 Releases wartet, solange ein Kunde diese im Einsatz hat. SAP hat lediglich festgelegt, dass die SAP R/3 Releases ab 2004 nicht weiter entwickelt werden und ab 2005 kundenindividuell gewartet werden. Sofern ein Kunde also mit seinem jetzigen System zufrieden und glücklich ist und aus Markt- und Prozessgründen keine funktionale Erweiterung oder Neuerung benötigt, kann er sein System so lange im Einsatz haben und durch SAP-Basiswartung erhalten, wie er möchte.
GULP Also keine Chancen auf neue Projekte auch für IT-Freiberufler?
Lohnert Im Gegenteil, denn die Mehrheit unserer SAP R/3 Kunden hat bereits ein Upgrade durchgeführt oder plant es in nächster Zeit. Denn ganz klar ist, dass unsere neuen Lösungen auch neue Prozesse und Funktionen abdecken, die unseren Kunden klare Vorteile bringen – und die Kunden deshalb nicht auf sie verzichten möchten.
GULP Sehr geehrter Herr Lohnert, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"nicht überraschend, aber doch mal verständlich dargestellt, was ein sap-oberer zu sagen (oder zu schweigen) hat. bitte mehr interviews, auch wenn sie mal nicht so spannend sind. (Mai 2004)"


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