 |
| Die
Dominanz der Konzerne |
|
| |
|
Von den über 1.400 GULP Kunden
gehören derzeit gerade mal 74 mittelständische IT-fremde
Unternehmen zu den so genannten Endkunden. Der IT-Projektmarkt ist
aber in erster Linie ein Vermittlermarkt, was heißt: Neben
den Großkonzernen und zahlreichen Softwarehäusern und
IT-Dienstleistern nutzen die GULP Profiledatenbank vor allem Vermittlungsagenturen,
die im Auftrag ihrer Kunden wiederum externe IT-Spezialisten über
GULP rekrutieren.
Die Kundenstruktur der Agenturen wiederum ist GULP en detail nicht
bekannt, jedoch ist unbestritten: Noch sind es zuallererst die Konzerne,
die freiberufliche IT-Spezialisten anheuern.
|
|
| Ein
überzeugter Universalist |
|
| |
|
|
"Auch wenn das Bild mittlerweile etwas abgedroschen ist, auf
den Mittelstand trifft es zu: Wenn ein externer IT-Spezialist gesucht
wird, dann soll er doch bitte die Qualitäten einer eierlegenden
Wollmilchsau haben." Heiner Kook weiß, wovon er spricht
– seit 1987 ist er für mittelständische Unternehmen
tätig und hat in dieser Zeit unter anderem zwei Ausgründungen
von IT-Dienstleistungen, zwei DV-Umstellungen und umfassende Beratungen
von sechs mittelständischen Unternehmen "angesammelt".
Eine freiberufliche Karriere, ganz typisch für IT-Experten
mit Fokus auf den Mittelstand: Kook, 47 Jahre alt mit Wohnsitz in
Velbert, machte sich nach mehr als zehn Jahren Festanstellung 2000
als IT-Berater selbstständig – von Beginn an waren neben
den herkömmlichen Programmierleistungen vor allem seine Fähigkeiten
in Konzeption, Entwicklung und Organisation von IT-Infrastrukturen
bei den vornehmlich mittelständischen Kunden gefragt. "Das
eine bedingt das andere und umgekehrt", begründet Kook
seine Nähe zum Mittelstand: "Als überzeugter Universalist
fand und finde ich leichter Aufträge in Unternehmen mit weniger
Hierarchiestufen. Diese wiederum suchen IT-Profis, welche die gesamte
Palette abdecken."
|
|
| Parallel
mehrere Projekte sind normal |
|
| |
|
Aber nicht nur Universalisten sollen
es sein – eine weitere schwierige Anforderung stellen mittelständische
Unternehmen an die IT-Freiberufler: Einerseits reicht in der Regel
die Arbeit nicht für eine Vollzeitbeschäftigung, andererseits
will man eine kontinuierliche Betreuung durch einen vertrauten IT-Experten.
Eine Situation, die auch Kook bestens kennt: "Gerade im Moment
habe ich ein größeres Projekt beendet, daneben laufen
aber zwei kleinere Projekte weiter." Um parallel für
mehrere Kunden tätig sein zu können, müsse man laut
Kook von Projekt- und Selbstmanagement folglich "mehr als
nur etwas Ahnung haben". Die Schwierigkeiten hinsichtlich
unterschiedlicher Örtlichkeiten der Kunden ("Von Frankfurt
am Main bis Rügen") bekomme er zum Beispiel auch deshalb
in Griff, weil er mindestens 50 Prozent seiner Arbeit vom Homeoffice
aus erledigt: "Das ist natürlich Vertrauenssache von
Seiten der Kunden, letztlich kann man aber hier recht bald mit der
Leistung bzw. dem Ergebnis überzeugen."
Kook ist einer von 1.454 IT-Freiberuflern, die in ihrem bei GULP
eingestellten Profil explizit den Mittelstand als speziellen Fokus
angegeben haben. Auch die meisten anderen der über 50.000 bei
GULP eingetragenen Freiberufler haben keine Probleme, für ein
mittelständisches Unternehmen zu arbeiten, und sie tun es ja
auch – allerdings bei der Suche nach Aufträgen liegt
die Konzentration eher auf den Großaufträgen.
|
|
| Auch
der Mittelstand kennt die "Blaue Banane" |
|
| |
|
| Ob Konzern oder Mittelstand –
hinsichtlich der geografischen Konzentration der Projekte und damit
auch des Wohnsitzes der IT-Freiberufler gibt es kaum Unterschiede:
|
|
| |
| Wohnsitz
der IT-Freiberufler mit Fokus Mittelstand: Regionale
Verteilung |
|
Die Wirtschaftsgeografen sprechen von einer "Blauen Banane"
(bildhafter Ausdruck für die auf Wettbewerb beruhende Konzentration
von Wirtschaftskraft), im Fall des IT-Projektmarktes für den
Mittelstand bedeutet dies, dass sich die "Blaue Banane"
entlang der wirtschaftlich starken Zentren durch Deutschland –
von Süden entlang der Rheinschiene im Westen bis zu den Hansestädten
im Norden – zieht und das vereinigte Deutschland wieder in
zwei Gebiete teilt: Das eine mit sehr vielen mittelständischen
IT-Projekten und -Freiberuflern, das andere mit weit weniger Projektaktivitäten.
In dem sichtbaren West-Ostgefälle polarisieren die Region 0
als Niemandsland für IT-Freiberufler auf der einen Seite sowie
auf der anderen Seite die Großräume Frankfurt am Main
und München, wo vor allem die Branchen Banken, Automobil, IT
und Telekommunikation auch die Ansiedelung vieler mittelständischer
Unternehmen bedeuten. Gerade die typischen Zulieferbetriebe müssen
oftmals auch den IT-Vorgaben ihrer großen Kunden folgen, was
dann Projekte für Freiberufler ergibt.
|
|
| Fachliches
Know-how und bevorzugte Positionen |
|
| |
|
"Von der Verkabelung bis zur Unterstützung
im strategischen Management", für Kook liegt die Frage
im Mittelstand weniger darin, welches Betriebssystem oder welche
Programmiersprache der externe IT-Experte nun vorweisen könne,
denn: "Die üblichen fachlichen Qualifikationen sind meist
geforderter Standard".
Das wiederum bestätigen die entsprechenden Eintragungen bei
GULP, wo neben dem Mittelstand die Kenntnisse in Unix, Java, Oracle,
C++, SAP oder Linux nicht selten gehäuft in einem Profil anzutreffen
sind.
Aufschlussreicher ist die Betrachtung der bevorzugten Positionen,
welche die IT-Freiberufler in ihren Profilen angeben, denn hier
weichen die Daten der Mittelstand-Spezialisten deutlich vom Durchschnitt
aller IT-Freiberufler ab: |
|
| |
|
|
|
|
| |
|
29,2 zu 21,4 Prozent und 22,1 zu 17 Prozent –
gerade bei den Positionen "Beratung / Consulting" und
"Projektleitung / Koordination" ist bei den IT-Freiberuflern
mit Fokus Mittelstand ein deutlich höherer Anteil zu verzeichnen
– und stimmt so mit der Einschätzung von Kook überein,
dass für Projekte im Mittelstand die externen IT-Spezialisten
verstärkt Konzeptions- und Organisationsstärke sowie Führungsqualitäten
mitbringen müssen. Kook: "Der Controlling-Aspekt in der
mittelständischen IT sowie die zunehmende Bedeutung des Risikomanagements
erfordern häufig IT-Experten, die auch den Kostenfaktor verantwortlich
im Auge behalten können." |
|
| Reife
Semester bevorzugt |
|
| |
|
| Im Gegensatz zur Festanstellung, wo
für Arbeitgeber jünger oft gleich besser bedeutet, steht
im IT-Projektmarkt die Erfahrung der freiberuflichen Spezialisten
im Vordergrund. Durchschnittlich 39 Jahre zählt der IT-Freiberufler
– bei den Mittelstandsspezialisten ist der Durchschnitt mit
40 Jahren sogar noch etwas höher, wobei den Ausschlag die 40-
bis 45jährigen geben. |
|
| |
|
|
|
|
| |
|
Mit 47 Jahren liegt Kook zwar über dem Durchschnitt,
er gehört aber auch nach Ansicht seiner Kunden noch lange nicht
zum "alten Eisen". Die Attraktivität bei den Projektanbietern
liege vor allem in der fundierten Erfahrung, die erst die Berufsjahre
bringen können: "Die Kombination aus einem gesunden Grundlagenwissen
und der Fähigkeit, sich schnell Spezialkenntnisse anzueignen,
ist ausschlaggebend."
Und wenn dann noch eine gereifte Persönlichkeit mit ausreichend
sozialer Kompetenz hinzu kommt, dann ist das Alter tatsächlich
im IT-Projektmarkt weit mehr ein Vorteil als ein Nachteil.
|
|
| Die
Zukunft: Chancen und Schwierigkeiten |
|
| |
|
| IT-Freiberufler mit Erfahrung im Mittelstand
fordern derzeit einen durchschnittlichen Stundensatz von 70 Euro
– und liegen damit um beachtliche sechs Euro über dem
Schnitt aller bei GULP erfassten Freiberufler. Das allerdings ist
auch nicht verwunderlich, wenn man die bereits angeführten
Hauptaufgaben betrachtet.
Die Zukunft – Kook will seiner Devise treu bleiben: "Immer
wieder über den Tellerrand schauen und sich permanent um seine
fachliche Attraktivität kümmern. Preise dem Markt anpassen,
aber sich dem Dumping verweigern. Und wissen, dass auch in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten Qualität und Zuverlässigkeit sich letztlich
durchsetzen werden." Denn gerade im Mittelstand würden
bei einer Auftragsvergabe nicht allein die reinen Zahlen entscheiden,
sondern auch "das Vertrauen" in den freiberuflichen
IT-Experten.
Ob der IT-Projektmarkt nun im Mittelstand seine goldene Zukunft
findet – bei jenen derzeit gerne verkündeten Prognosen
ist Skepis berechtigt. Natürlich hat der Mittelstand seine
Wichtigkeit als potentieller Projektanbieter für IT-Freiberufler.
Er wird aber sicherlich in dieser Funktion so schnell kein Ersatz
für die Großkonzerne, die allein wegen ihrer weit komplexeren
internen IT auch in absehbarer Zukunft die größere Anzahl
von Projekten bereit stellen werden.
|
|
Kommentare zu diesem Artikel:
|