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10 Jahre GULP: "Die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt."

Interview mit Andreas Schubert & Karl Trageiser, Geschäftsführer der GULP Information Services GmbH

(November 2006)
 
Andreas Schubert
Andreas Schubert
 

Mitte der 90er Jahre in der Aufbruchphase des Internets gegründet, hat GULP nicht nur den Internet-Hype, sondern auch die Krisenzeiten miterlebt. Anders als viele Mitbewerber überstand die Firma auch diese schwierigen Zeiten und ist immer weiter gewachsen: Was 1996 als Zweiergespann im Homeoffice begann, entwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren von einer reinen Jobbörse zu einer der größten Personalagenturen in Deutschland mit über 60 festangestellten Mitarbeitern in den Geschäftsstellen München, Köln, Stuttgart und Frankfurt/Main. Die beiden Geschäftsführer Andreas Schubert und Karl Trageiser werfen einen Blick zurück auf zehn Jahre Firmengeschichte.

Karl Trageiser
 
Karl Trageiser

 

GULP Herr Schubert, Herr Trageiser hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass GULP einmal so erfolgreich werden würde? Wie lautet das Erfolgsrezept?
Trageiser: Es gibt kein Patentrezept für die Gründung eines erfolgreichen Unternehmens, da spielen verschiedenste Komponenten eine Rolle - unter anderem auch Glück. Ganz entscheidend ist jedoch die Grundidee, und die ist bei GULP zwar naheliegend aber gut. Bei der Gründung von GULP Mitte der 90er Jahre waren Client-Server-Systeme mit den Vorteilen zentraler Datenhaltung im Kommen. Diesen Ansatz haben wir übernommen. Es macht keinen Sinn, dass jedes Unternehmen mit viel Aufwand und Kosten eine eigene Profiledatenbank betreibt und jeder Freiberufler an verschiedensten Stellen sein Profil zu pflegen hat. Solche Daten müssen zentral gehalten werden.
Schubert: Ehrlich gesagt, haben wir uns damals keine Gedanken gemacht, wie groß GULP werden könnte oder was in zehn Jahren ist. Wir hatten damals wie heute eine einfache Maxime: Wenn etwas gut und sinnvoll ist, dann machen wir es – egal, was die Konsequenzen sind. Denn wenn wir es nicht machen, dann macht es jemand anderes.
   
GULP Was meinen Sie damit "egal was die Konsequenzen sind"?
Schubert: Beispielsweise haben wir schon Anfang 2000 den GULP Stundensatz Kalkulator frei geschaltet, mit dem jeder ermitteln kann, was in der Branche so verdient wird. Das hat uns erboste Anrufe vieler zahlender Kunden eingebracht, weil "die Freiberufler auf einmal so teuer sind". Obwohl diese Kunden damals die ersten Einnahmen für GULP generiert haben, nahmen wir den Stundensatz Kalkulator nicht vom Netz, weil er Transparenz in den IT-Projektmarkt bringt. Jeder kann ihn nutzen und das Beste für sich persönlich daraus machen.
Trageiser: Mit der neuen Transparenz durch das Internet hatten viele alteingesessene Unternehmen ein Problem. Schon in der Gründungszeit erhielten wir etliche Übernahmeangebote von Personalagenturen, die GULP wieder schließen wollten, weil sie sich im Laufe vieler Jahre einen umfangreichen Profilepool aufgebaut hatten. Und diesen Wettbewerbsvorteil sahen sie natürlich durch einen viel größeren Pool im Internet schwinden.
   
GULP Aber GULP gibt es noch immer...
Trageiser: Ja, weil wir unser Baby nicht einfach so verkaufen, und weil das auch keinen Sinn gemacht hätte. Hätte jemand GULP gekauft und geschlossen, wäre ein paar Monate später ein neuer GULP entstanden. Die Idee lässt sich einfach nicht verhindern.
   
GULP Was empfanden Sie damals als Problem bei der Firmengründung, was lief wie am Schnürchen?
Schubert: GULP ist keine von den Internet-Hype Venture Capital finanzierten Startup Super Bubbles, sondern eine von uns beiden finanzierte und in den ersten zwei Jahren ohne Mitarbeiter betriebene "Keller-Firma". Keller-Firma deshalb, weil damals der "Server" mit 28.8K Modem und Windows 95 nicht wie bei üblichen Legenden in der Garage, sondern in meinem Keller stand. Da wir nebenbei in einem Vollzeitjob Geld verdienen mussten, hatten wir nur nach Feierabend und an den Wochenenden Zeit, GULP voranzubringen.
Trageiser: Und wir mussten Spezialisten für alles sein: Programmierung, Vertrieb, Marketing, Webdesign, Buchhaltung, Technik und so weiter. Aber das waren keine echten Probleme, sondern eine wirklich spannende Zeit mit vielen neuen Herausforderungen.
   
GULP GULP startete 1996 als "Datenbank für freiberufliche Software-Entwickler", wurde aber anderthalb Jahre später in "GULP - Das Portal für IT-Projekte" umbenannt. Warum?
Trageiser: Nun, wir haben eine Vielzahl neuer Produkte entwickelt wie den GULP Roboter, bei dem Projektanbieter ihre offenen Positionen ausschreiben und IT-Freiberufler sich aktiv bewerben. Meines Wissen waren wir damals auch die erste Firma, die diese inzwischen vielfach kopierte Technologie eingesetzt hat: Wir holen die Projektangebote von den Websites der Unternehmen ab, sie müssen sie also nicht händisch bei uns eintragen. Der Name "Profiledatenbank" hat einfach nicht mehr gepasst.
Schubert: Darüber hinaus besteht unser Anspruch darin, über die reine Projektvermittlung hinaus umfassend über den IT-Projektmarkt zu informieren. So entstanden im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Non-Profit Produkten wie die GULP Knowledge Base, das Diskussionsforum, das Freiberufler Netzwerk oder das Fachportal für Einkäufer, die den Begriff "Portal" rechtfertigen.
   
GULP Was ist die Idee beim Betrieb dieser Non-Profit Produkte, die ja schließlich Geld kosten? Die Artikel in der Knowledge Base zum Beispiel schreiben sich ja nicht von allein.
Schubert: Bevor ich GULP gegründet habe, war ich selbst fast zehn Jahre IT-Freiberufler und weiß, wie mir damals diese Informationen zu Verträgen, Stundensätzen, Versicherungen, Trends, Märkten usw. abgegangen sind. Die Idee besteht einfach darin, dass wir bei GULP diese Informationen zentral bündeln und damit jedem einzelnen User viel Mühe ersparen. Also wieder das Prinzip der zentralen Datenhaltung...
Trageiser: ... wodurch GULP natürlich eine unentbehrliche Anlaufstelle für alle im IT-Projektgeschäft ist.
   
GULP Nach der Boomphase Ende der 90er Jahre kam die große Krise in der IT. Wie haben Sie diese Zeiten erlebt? Wie haben Sie es geschafft, trotz dieser Krise – die nicht wenigen Mitbewerbern den Kopf gekostet hat – weiter am Markt mitzuspielen?
Trageiser: In dieser Zeit sind viele Personalagenturen – die damals unsere Hauptkunden waren – vom Markt verschwunden oder mussten kleinere Brötchen backen. Aufgrund der Vielzahl an Kunden hat dies zwar keine dramatischen Konsequenzen für uns gehabt, aber unser Wachstum wurde gebremst. Trotzdem haben wir auch in den schweren Jahren immer ein positives Betriebsergebnis erzielt und neue Mitarbeiter eingestellt. Dabei kam uns natürlich zugute, dass wir immer sehr solide geplant und gewirtschaftet haben und kein Geld ausgegeben haben, das wir nicht hatten. Also ganz anders als das typische Klischee eines Internet-Unternehmens.
Schubert: Darüber hinaus sind in dieser Zeit Unternehmen, die bisher Personalagenturen beauftragt hatten, direkt auf uns zugekommen, weil auch sie Geld sparen mussten. Die IT-Krise hat also zu einer Änderung unserer Kundenstruktur und zu einer Erweiterung unseres Geschäftsmodells geführt.
   
GULP Wie hat man sich die Erweiterung des Geschäftsmodells vorzustellen?
Schubert: Früher haben wir die Technik zur Verfügung gestellt. Kam ein Kunde auf uns zu, haben wir ihm den Zugang zur Datenbank frei geschaltet und er hat selbst nach geeigneten Mitarbeitern gesucht, sie kontaktiert, interviewt und im Erfolgsfall unter Vertrag genommen. Das kann der Kunde heute auch noch machen, aber wenn er es wünscht, dann nehmen wir ihm diese Aufgaben auch ganz oder teilweise ab. Neben der Technik bieten wir jetzt auch die klassischen Services einer Personalagentur an. Und das mit Erfolg, denn drei Viertel unseres Umsatzes kommen aus dem Agenturgeschäft. Das heißt, GULP wählt für den Kunden passende Kandidaten aus, schlägt sie ihm vor, kümmert sich um Interviewtermine oder auch die Betreuung der Freiberufler im Projekt. Damit tragen wir natürlich auch Verantwortung für die Qualität der eingesetzten Freiberufler und der Projekte.
Trageiser: Dazu haben wir eine ganze Recruiting-Abteilung aufgebaut, die aus Spezialisten mit jahrelanger Erfahrung in der Personalauswahl besteht. Oder wir machen als zwischengeschaltete Instanz die Verträge mit den Freiberuflern, wenn der Kunde sie nicht selber unter Vertrag nehmen möchte. Jeder Kunde soll den Servicelevel bei uns bekommen, der für ihn optimal ist.
   
GULP Die Bilanz nach zehn Jahren: Drei weitere Geschäftsstellen, über 60 Mitarbeiter, mehr als 60.000 Freiberufler-Profile, über 2.000 Kunden und ein Umsatzplus von 110 % (31,78 Mio. Euro) im Jahr 2005. Bekommen Sie bei soviel Geschäftsverantwortung nicht manchmal kalte Füße und wünschen sich wieder in Ihren "Keller" zurück?
Trageiser: Es gibt natürlich mehr Dinge zu beachten wie damals als wir nur zu Zweit waren. Zum Beispiel die tägliche Herausforderung, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Immerhin sind davon über 60 Mitarbeiter abhängig. Aber es ist natürlich auch ein gutes Gefühl zu sehen, wie das eigene Baby mittlerweile erwachsen geworden ist.
Schubert: Früher haben wir uns zusammengesetzt, uns etwas ausgedacht und es dann einfach umgesetzt. Das geht heute nicht mehr, denn alles ist etwas komplizierter geworden. Aber die Größe hat natürlich auch ihre Vorteile. Wir müssen nicht mehr alles selbst machen, sondern haben Spezialisten, die viele Sachen viel besser können als wir. Und eine 80-Stunden-Woche wie in den Anfangszeiten haben wir inzwischen auch nicht mehr.
   
GULP Hat GULP den IT-Projektmarkt revolutioniert?
Trageiser: Durch GULP sind die Profile der IT-Freiberufler im Internet quasi allen Projektanbietern zugänglich. Das hat viele Veränderungen ausgelöst. Dadurch sind Unternehmen, die heute Key Player auf dem Markt sind, groß geworden. Andere, alteingesessene Unternehmen sind verschwunden. Die größte Änderung sehe ich darin, dass dadurch die Qualität der Projektmitarbeit insgesamt gestiegen ist. Der Kunde kennt alle Freiberufler und kann sich den am besten geeignetsten aussuchen. Der Freiberufler kennt alle offenen Positionen und kann sein optimales Projekt finden. Wenn alle Informationen bekannt sind, dann kann die optimale Zuordnung zwischen Ressource und Bedarf gefunden werden, was für alle Beteiligten von Vorteil ist.
Schubert: Durch öffentliche Profile, Informationen oder Tools: GULP hat Transparenz in den Markt gebracht. Es wird mit offenen Karten gespielt.
   
GULP Worauf sind Sie heute besonders stolz?
Schubert: Auf so viele Sachen: Dass wir die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt hatten, dass wir auch in schwierigen Zeiten moderat gewachsen sind und keine Mitarbeiter entlassen mussten, dass unser Backbone - die Datenbank - heute mehr denn je genutzt wird...
Trageiser: ... dass so viele Kunden und Freiberufler auf GULP vertrauen, dass sich unsere Kundenstruktur von Systemhäusern und KMU auf zahlreiche multinationale Konzerne vergrößert hat, mit denen wir Rahmenverträge vereinbart haben. Am stolzesten bin ich vielleicht auf unser gutes Händchen bei der Personalauswahl, das uns viele engagierte GULPis beschert hat, die maßgeblich für den Geschäftserfolg mitverantwortlich sind. Und dass trotz der Größe von derzeit 65 Mitarbeitern die familiäre Atmosphäre ebenso geblieben ist wie der Spaß an der Arbeit.
   
GULP Und was macht Ihnen Spaß?
Schubert: Nachdem die Firma auf einem festen Fundament steht und wir gute Mitarbeiter haben, ziehen wir uns immer mehr aus dem operativen Geschäft zurück. Ich habe dadurch viel mehr Zeit für strategische Dinge. Mir macht es Spaß, neue Ideen und Dienste zu entwickeln, die dann von unseren Spezialisten umgesetzt werden.
Trageiser: Für mich ist der Reiz, mein über die Jahre erworbenes Know-how und Wissen im Umgang mit Freiberuflern, Projektleitern, Einkäufern und Agenturen als Multiplikator weiterzugeben. Zum Beispiel als Gastredner auf Fachveranstaltungen und Kongressen oder bei unserer jährlich stattfindenden Fachtagung für Einkäufer, bei der dieses Jahr 80 strategische Einkäufer namhafter Unternehmen anwesend waren.
   
GULP Herr Schubert, Herr Trageiser herzlichen Dank für das informative Gespräch und viel Erfolg für die nächsten zehn Jahre.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Herzlichen Glückwunsch. Aus dem Artikel gehen die Höhen und Tiefen des EDV-Marktes hervor. Sehr interessant. (Dezember 2007)"

"Respekt vor der Leistung dieser beiden Herren, die zudem anscheindend auf dem Boden geblieben sind. Weiterhin viel Erfolg! (Februar 2007)"

"Hallo Herr Trageiser, hallo Herr Schubert, Ihnen beiden für 2007 alles Gute und weiterhin viel Erfolg. (Dezember 2006)"

"Ein wunderbares Interview mit zwei außergewöhnlichen Visionären, welche die Bodenhaftung nicht verloren haben. Herzlichen Glückwunsch und bleiben Sie bitte, wie Sie sind. (Dezember 2006)"

"Wir sind ja "gleichaltrig", die IT-Team GmbH wurde auch 1996 gegründet. Zufriedener Kunde bei GULP sind wir seit 1998. Herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen und weiter so! (Dezember 2006)"

"Super Portal, immer informativ, weiter so!!!!! (November 2006)"

"Ein sehr sympathisches Interview. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und weiterhin alles Gute! (November 2006)"

"Herzlichen Glückwunsch!!! Sehr gutes Portal mit allem, was ein Freiberufler braucht. (November 2006)"

"Hallo Herr Trageiser, hallo Herr Schubert, ich wünsche Ihnen alles Gute und weiterhin so viel Erfolg. Mir macht es immer wieder Spaß und Freude www.gulp.de aufzurufen, mein Profil regelmäßig zu aktualisieren, meine Projektstatistik zu analysieren und Ihre Angebote und Fachartikel zu lesen - weiter so .... (November 2006)"

"Herzlichen Glückwunsch an die beiden Gründer! (November 2006)"

"Bravo!!!!!!!! (November 2006)"


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