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Umfrage-Ergebnis

Und wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?

 
(April 2004)
 

Parlament und Regierung, in Berlin werden zum Großteil die politischen Geschicke Deutschlands bestimmt. Und diese wiederum haben Einfluss nicht nur auf den IT-Freiberufler als Privatperson – vor allem als Selbstständiger beobachtet er wachsam die Entscheidungen, welche die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen. Bei der GULP Umfrage über die Zufriedenheit mit der Regierung machten 783 Teilnehmer mit.

Das erste Recht und die einfachste Möglichkeit, an einer Demokratie zumindest in bescheidenem Maße mitzuwirken, sind die regelmäßigen Wahlen.

Wenn morgen Bundestagswahl wäre, wen würden Sie wählen?
SPD. 10 %
CDU/CSU. 50 %
Bündnis 90 / Die Grünen. 14 %
FDP. 17 %
PDS. 6 %
Andere. 3 %
Anteil der Nichtwähler. 12 %

Zum Vergleich: Diese so genannte „Sonntagsfrage“ zur Bundestagswahl stellen allmonatlich auch diverse Meinungsforschungsinstitute (von Allensbach bis Forsa) – bei den jüngsten Erhebungen kommt hier die SPD immerhin auf 23,8 bis 29 Prozent, während CDU/CSU mit 47 bis 48,5 Prozent weit vorne rangieren. Ferner liegt die FDP in der Gunst von 5 bis 8,1 Prozent vorne; Bündnis 90 / Die Grünen pendeln sich schließlich bei 10 bis 11,9 Prozent ein.

Und nun ein Blick auf die Stimmung bei den IT-Freiberuflern, die nicht unbedingt als weitgehend gelassen bezeichnet werden kann. Denn: Die Umfrage bewegt, wie die mit 783 ausgesprochen hohe Teilnehmerzahl in kürzester Zeit belegt. Folgende Interpretationen aus der Antwortverteilung drängen sich auf:

1) Der Anteil von 12 Prozent potenzieller Nichtwähler unter den Befragten liegt leicht unter dem Bundesdurchschnitt (14 Prozent Nichtwähler laut ZDF-Politbarometer) und weist auf die höhere Motivation der IT-Freiberufler hin, die politische Landschaft in Deutschland mitzugestalten.
2) Ganz schlechte Karten hat die SPD, die bei einer Bundestagswahl von den IT-Freiberuflern derzeit nur zehn Prozent erhalten würde. Hier ist offensichtlich eine ganze Branche „stinksauer“ mit der größeren Regierungspartei.
3) Mit der Hälfte aller Stimmen lässt die Umfrage die CDU/CSU-Koalition als klaren Sieger bei den IT-Selbstständigen hervorgehen – „berauschend“ ist das Ergebnis dennoch nicht, wenn man zum Vergleich die durchschnittlich 47,7 Prozent heranzieht, welche die Meinungsforschungsinstitute bei ihren umfassenderen „Sonntagsfragen“ gezählt haben.
4) Die FDP als erklärte Unternehmerpartei punktet erwartungsgemäß bei dieser Frage. Während sie generell bei Wahlen immer wieder die 5-Prozent-Klausel fürchten muss, bekäme sie von den IT-Selbstständigen satte 17 Prozent.
5) Kaum weniger schlecht schneiden mit 14 Prozent Bündnis 90/ Die Grünen ab – offensichtlich nicht wegen ihrer wirtschaftlichen Kompetenz, sondern weil bei den IT-Freiberuflern reichlich ökologisches Bewusstsein vorhanden ist, das sich bei dieser Partei gut aufgehoben fühlt.

 

IT-Standort Deutschland. Er ist bei der derzeitigen Bundesregierung
in guten Händen. 16 %

schlecht aufgehoben. 84 %


Die Verteilung der Antworten bestätigt das Ergebnis der ersten Frage, denn dort hätte es die Bundesregierung bei einer Wahl derzeit auf insgesamt 24 Prozent gebracht. Die Abweichung resultiert aus der Tatsache, dass Parteien grundsätzlich auf einen treuen Stamm von Wählern zählen können, die nicht unbedingt zufrieden mit der Arbeit der jeweiligen Mandatsträger sind.

 

Wählerwanderung: Welcher Partei haben Sie bei der letzten Bundestagswahl Ihre Stimme gegeben?
SPD. 28 %

CDU/CSU. 39 %

Bündnis 90 / Die Grünen. 13 %
FDP. 14 %
PDS. 3 %
Anderen. 3 %
Anteil der Nichtwähler. 8 %


Von 28 auf 10 Prozent: Wenn morgen Bundestagswahl wäre, dann müsste die SPD im Vergleich zu den letzten Wahlen 2002 bei den IT-Freiberuflern drastische Verluste hinnehmen. Die häufig zitierte „Abstrafung“ hätte als Beschreibung durchaus seine Berechtigung, zumal im Gegenzug CSU/CDU deutliche Gewinne (von 39 auf glatte 50 Prozent) einfahren würden. Der Anteil der Nichtwähler lag nur bei 8 Prozent.

Relativiert wird diese Beobachtung mit einem Blick auf das tatsächliche Ergebnis der Bundestagswahlen 2002 - denn mit 38,5 Prozent von allen Wählern lag die SPD hier weit besser. Ergo:

1) Vom Selbstverständnis her besteht das Gros der IT-Freiberufler sicherlich nicht aus traditionellen SPD-Wählern. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die derzeitige Regierung die sowieso schon nur begrenzt vorhandenen Sympathien weitgehend verspielt hat.
2) Als Unternehmer sind die meisten IT-Freiberufler erst einmal ganz pragmatische Rechner, was heißt: Sie wählen den, mit dessen Arbeit sie zufrieden sind – und gehören damit zu den so genannten Wechselwählern, die für die Parteien besonders interessant sind, weil sie in der Regel Wahlen entscheiden. Ein Aspekt, der manchen Mandatsträger vielleicht interessiert, denn immerhin gibt es rund 50.000 IT-Freiberufler in Deutschland – und die Zahl wächst.

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Zitat: "Kaum weniger schlecht schneiden mit 14 Prozent Bündnis 90/ Die Grünen ab, offensichtlich nicht wegen ihrer wirtschaftlichen Kompetenz, sondern weil bei den IT-Freiberuflern reichlich ökologisches Bewusstsein vorhanden ist, das sich bei dieser Partei gut aufgehoben fühlt." Woher kommt Ihre Sicherheit bei der Aussage "offensichtlich nicht wegen ihrer wirtschaftlichen Kompetenz"? So offensichtlich ist das nämlich nicht. (Januar 2005)"

"Verkannt wurde, dass aus Drittländern billigere Arbeitskräfte geholt werden dürfen. Denn um die paar Superinformatiker, die auch kommen könnten, geht es im Prinzip gar nicht. Auch das wird der Politik angelastet. (November 2004)"

"Das SPD Ergebnis kann mich nicht wirklich wundern. Hätten wir 1998 mal besser aufgepasst: Wer eine neue Mitte will, muss die alte erst mal ausrotten ;-) (Juni 2004)"

"Ich finde es prinzipiell gut, dass Sie eine solche Umfrage in Ihrem Kundenkreis durchführen. Allerdings interpretieren Sie etwas zu viel in Ihre rein quantitativen Ergebnisse hinein. Beispiel: Sie sind der Meinung, dass ein gerade bei Freiberuflern intensiv ausgeprägtes "ökologisches Bewusstsein" vorhanden sein muss, wenn diese zu 14% die Grünen wählen. Haben Sie schonmal darüber nachgedacht, dass auch deren unter deutschen Parteien einzigartige Ablehnung von Softwarepatenten zu diesem Ergebnis geführt haben könnte? (Mai 2004)"

"Ich bin mit der Interpretation nur teilweise einverstanden. IT-Freiberufler sind alles Unternehmer und daher nur eine sehr begdingt aussagekräftige Basis für Interpretationen der Ergebnisse hinsichtlich von "Sozial-demokratischen Parteien" sondern eher ein Top für die Liberalen / Unions-Fraktion (Mai 2004)"

"steht alles drin, was sich die herren aus den parteien mal überlegen sollten. gut gemacht gulp! (Mai 2004)"


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