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Umfrage-Ergebnis:

Über Vermittler im Projekt

(Juni 2006)

"Wozu Vermittler?" fragte kürzlich ein IT-Freiberufler im GULP Forum. Die Antworten seiner Kollegen zeigen, dass für sie die Projektvermittlung verschiedene Vorteile hat: So entfällt die Eigenakquise, was Zeit, Geld und Nerven spart. Zudem ist nicht jeder IT-Experte gleichzeitig auch ein Verkaufstalent. Über den Vermittler erschließt der Freiberufler Kontakte zu Kunden bzw. Branchen, an die er durch Direktakquise nicht herankommen würde. In bestimmten Bereichen verlangen Endkunden aus haftungsrechtlichen und administrativen Gründen die Einschaltung eines Vermittlers. Berichtet wird zudem von schnelleren Zahlungseingängen.

Für Diskussionsstoff bei den IT-Selbstständigen sorgen meist die Dauerbrennerthemen Vermittlungsprovisionen und Kundenschutzklauseln. Bei letzterem handelt es sich um eine nachvertragliche Regelung, die es dem Freiberufler untersagt, im Anschluss an das Projekt direkt oder indirekt für denselben Endkunden tätig zu werden. GULP hat bei IT-Freiberuflern nachgehakt, wie sie über die Provisionshöhe und die Kundenschutzdauer denken. Die beachtliche Zahl von 1.127 Teilnehmern verdeutlicht die Brisanz des Themas.

 

Welche Vermittlungsprovision von Ihrem Stundensatz halten Sie für angemessen?
keine 4%

5 Prozent 22%

10 Prozent 42%
15 Prozent 19%
20 Prozent 8%
25 Prozent 2%
30 Prozent und mehr 0%
mir egal 3%


Natürlich erbringen die Vermittlungsagenturen ihre Leistungen nicht völlig uneigennützig, obwohl dies immerhin vier Prozent der befragten IT-Freiberufler gern so sähen. Sie sind der Ansicht, dass die Agenturen keine Provision erhalten sollten und damit kostenlos für sie tätig werden. Das wirft dann allerdings die Frage auf, wovon der Vermittler beispielsweise seine Büromiete und sein Personal bezahlen soll?

Mit 42 Prozent spricht sich der prozentual größte Anteil der befragten Freiberufler für eine Provisionshöhe von zehn Prozent aus. Annähernd gleichverteilt sind IT-Selbstständige, die fünf oder 15 Prozent ihres Stundensatzes als Gebühr für angemessen halten. Ab einer Provision von 20 und mehr Prozent ist jedoch die Schmerzgrenze erreicht: Nur für jeden Zehnten sind solche Dimensionen noch vertretbar. Kurzum gesagt, IT-Freiberufler haben mehrheitlich nichts gegen Vermittlungsprovisionen einzuwenden, solange sich diese in bestimmten Grenzen bewegen.

Etwas weniger harmonisch fallen die Meinungen zur Länge des Kundenschutzes aus. Dieser wird häufig im Rahmenvertrag zwischen Vermittler und Freiberufler vereinbart. Danach ist es dem Freiberufler erst nach Ablauf einer vertraglich vereinbarten Frist gestattet, direkt für den Endkunden tätig zu werden. Bei Zuwiderhandlungen droht ihm eine Vertragsstrafe.

Die Länge der vereinbarten Kundenschutzklauseln ist von Vermittler zu Vermittler verschieden und bewegt sich in der Regel zwischen zwölf bis 18 Monaten. Während der Vermittler den Kundenschutz so lange wie möglich aufrechterhalten will, verfolgt der Freiberufler das Ziel, diesen so kurz wie möglich bzw. gar nicht zu vereinbaren.

 

Und wie lange sollte der Kundenschutz nach Projektende dauern?

kein Kundenschutz 28%

3 Monate 22%
6 Monate 30%

12 Monate 17%

24 Monate 1%
mir egal 3%


Über ein Viertel der befragten IT-Selbstständigen würde auf die Kundenschutzklausel gerne verzichten. Für 30 Prozent ist eine Sperre für maximal ein halbes Jahr vertretbar, 22 Prozent sähen nur drei Monate lieber. Alle Kundenschutzvarianten, die ein halbes Jahr überschreiten, finden nur noch wenige Anhänger. So sind nur 17 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem Kundenschutz von zwölf Monaten einverstanden, was durchaus überraschend ist, da zwölf Monate quasi den Marktstandard darstellen. Damit beziehen die freiberuflichen IT-Spezialisten auch zu dieser Frage ganz klar Stellung: Sperrfristen werden als weitaus weniger notwendig erachtet als Vermittlungsprovisionen. Aber wenn sie denn schon sein müssen, dann nicht länger als sechs Monate.

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Ein Vermittler, der seine Aufgabe ernst nimmt, soll hierfür angemessene Entlohnung erhalten. Wenn allerdings Vermittler in einer Seilschaft mehrerer Firmen zusammenarbeiten, um den letzten in der Kette mit niedrigem Stundesatz abzufinden, wird es ärgerlich. (Januar 2007)"

"Interessant, dass anscheinend viele wissen, wie viel der Vermittler bekommt. Meiner weigerte sich strikt, irgendwelche Zahlen zu nennen. Über Umwege fand ich heraus, dass er 20% nimmt. Nebenbei finde ich 10% gerechtfertigt. 20% über 6 Monate sind immerhin in meinem Falle 18.000 Euro, was eine Menge ist dafür, dass er einmal die Tür offen hielt. (November 2006)"

"Diese "Einigung" auf "10%" und auch die Häufigkeit dieses Themas in den Foren, zeigt meines Erachtens vor allem, dass die meisten "Freiberufler" mehr Angestellte als Selbständige sind. Sicher, schon vor 10.000 Jahren schimpfte man über die Preise der Zulieferer und die Knausrigkeit der Kunden. Wichtiger als die prozentuale Marge des Kunden ist aber doch, was man selber bekommt. Auch die Forderung nach keinem oder nur sehr kurzem Kundenschutz geht völlig am realen Leben in der Wirtschaft vorbei. (Juli 2006)"

"Ich kann meinem Vorgänger nur zustimmen "Interessanter Artikel, aber..", dass sich die Vermittler zwischenzeitlich zu viel herausnehmen mit ihren Rahmenverträgen, Kundenschutz, Schadensersatz usw.. Manchmal darf man noch nicht mal mit dem Kunden über mögliche Vertragsverlängerungen reden - solch widersprüchliche Artikel sind im Rahmenvertrag enthalten. Und Schadensersatz global, das mehrfache des Auftrags umfassend, scheint manche Vermittler zu faszinieren. Alle Vermittler sollten die Höhe ihrer Provision offenlegen, nur dann ist ein faires Miteinander möglich. (Juli 2006)"

"Mich würden neben den Wunschvorstellungen der Freiberufler ebenfalls die realen Zalen interessieren. Ich habe einen Kundenschutz von 24 Monaten! Was die Vermittlungsgebühr angeht, kommt es ganz auf den Service an. Ist es ein reiner Vermittler, der von der Materie keine Ahnung hat, oder ein Dienstleister, der den Kunden lange aufgebaut hat und betreut? (Juni 2006)"

"Normalerweise geht man Ärger ja aus dem Weg. Aber wenn es hart auf hart kommt, ist die Kundenschutzklausel i.d.R. unwirksam: Zu lange, zu allgemein, zu hohe Strafen, keine Karenzentschädigung... Andererseits habe ich mit Kundenschutz überhaupt kein Problem, wenn ich mit dem Vermittler zufrieden bin und sich die Provision im Rahmen hält, besonders bei mehrmaligen Verlängerungen. (Juni 2006)"

"Ich stoße zunehmend auf Kunden die sagen, sie arbeiten lieber mit einem oder wenigen Vermittlern zusammen, statt individuell mit vielen Freiberuflern zu verhandeln zu müssen. (Juni 2006)"

"Leben und leben lassen. Immer mehr reine Vermittler folgen diesem Credo. Und die anderen sind früher oder später sowieso weg, weil niemand für sie arbeiten will. (Juni 2006)"

"Die Behauptung, dass Vermittler "für sie tätig werden" bestärkt wieder einige Kollegen in der Ansicht, dass sie den Vermittler bezahlen würden. Vermittler arbeiten aber für den Kunden und werden genau deshalb von ihm bezahlt. Dementsprechend verdiene ich zum einen ohne Vermittler nicht mehr, einen Aufschlag von 20 % oder 30 % könnte ich niemals durchsetzen. Zum anderen sollte sich niemand wundern, wenn sich der Vermittler "überraschend" auf die Seite des Kunden schlägt... (Juni 2006)"

"Schade, wissen doch die Freiberufler selten, wie viel Arbeit hinter einer professionellen Vermittlung steckt. (Juni 2006)"

"Guter Artikel. (Juni 2006)"

"Sehr einseitige Wunschvorstellungen. (Juni 2006)"

"Die lukrativsten Projekte habe ich über Vermittler bekommen. Alle waren bereit, die teilweise langfristigen Zahlungsziele beim Endkunden abzufedern, damit nicht große finanzielle Lücken beim Übergang von einem zum nächsten Projekt entstehen. Zudem schätze ich die Mitarbeit des Vermittlers beim Sondieren zum Thema Projektverlängerung oder auch mal, wenn es bei Stundenabrechnung etc. hakt - die Vermittler sind ja emotional etwas weiter weg vom Projekt. Wer jemals in einem großen Konzern versucht hat, als Einzelkämpfer an sein Geld zu kommen, wird die Dienste der Vermittler zu schätzen wissen. (Juni 2006)"

"Interessante Aufbereitung des Themas. Mir schießt da das Modell "X + 1" durch den Kopf: X IT-Fachleute + 1 Vermittler bilden ein gemeinsames Unternehmen, in dem der Vermittler für die Aufträge sorgt, die von den X Fachleuten ausgeführt werden. Er wäre quasi Angestellter der IT-Fachleute mit fixem Gehalt. Provision würde entfallen, und für Kundenschutz bestünde ebenfalls kein Bedarf... Sozusagen ein auftragsgebundener "Think-Tank", der sich einen eigenen Auftragsbeschaffer leistet. (Juni 2006)"

"Interessanter Artikel, aber es wäre jetzt auch interessant zu erfahren, welche Verträge die befragten Freiberufler letztendlich dann doch wieder unterschrieben haben. Ich kenne Projektanbieter, die mindestens 12 Monate Sperrfrist verlangen, bei einer Vertragsstrafe von 20.000 Euro für ein Projekt, das lediglich 8.000 Euro Umsatz für den Freiberufler bringt. Und ich wurde ob meiner Weigerung, diesen Vertrag zu unterzeichnen, darauf hingewiesen, dass es genügend Interessenten geben würde! Hier scheint mir doch ein großer Widerspruch zu liegen. (Juni 2006)"


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