Umfrage-Ergebnis: Privates Surfen im Projekt

Verantwortungsvoll: Fast alle machen es, aber nur kurz und meist nicht während der Arbeitszeit

(November 2010)
Mehr als 80 Prozent der IT-Freiberufler nutzen das Internet im Projekt zwar für private Zwecke, aber 39 Prozent nur maximal eine Viertelstunde am Tag. 45 Prozent der Freelancer rechnen das auch nicht als Arbeitszeit ab. Beim privaten Surfen fühlen sich IT-Freelancer weniger überwacht als noch vor vier Jahren.

Vielen Dank für die rege Teilnahme an dieser Umfrage auf www.gulp.de, die innerhalb einer Woche 419 Teilnehmer verzeichnen konnte!
Privates Internetsurfen ja, aber nur kurz
 
Umfrage der IT-Projektbörse GULP: Die Mehrheit der IT-Freelancer nutzt das Internet im Projekt für private Zwecke, Quelle: www.gulp.de

83 Prozent der IT-Freiberufler gaben bei der Umfrage an, das Internet im Projekt für private Zwecke zu nutzen. Fast keine Veränderung zu der gleichen Umfrage im Jahr 2006: Damals klickten 82 Prozent auf Ja. Zum ungefähren Vergleich: Nach einer Studie des BITKOM von Anfang 2010 surfen 49 Prozent der Arbeitnehmer, die beruflich Zugang zum Internet haben, in ihrer Arbeitszeit privat.

Umfrage der IT-Projektbörse GULP: 40 Prozent der IT-Freiberufler nutzen das Internet im Projekt ca. 15 Minuten für private Zwecke, Quelle: www.gulp.de

Weniger als eine Viertelstunde verbringt die relative Mehrheit der Umfrageteilnehmer (39 Prozent) mit dem privaten Surfen im Projekt. Bei weiteren 36 Prozent ist es immerhin weniger als eine Stunde.

Vertraglich geregelt?
 
Umfrage der IT-Projektbörse GULP: Für Dreiviertel der IT-Freiberufler ist private Surfen nicht vertraglich untersagt, Quelle: www.gulp.de

Sieht zunächst nach legalem Terrain aus: Dreiviertel der IT-Freiberufler ist die private Internetnutzung nicht vertraglich untersagt.

Allerdings: Für Freiberufler gilt es zwei Fälle zu unterscheiden:

Erstens: Sie bringen Ihre eigene Infrastruktur zum Kunden mit. Dann dürfen sie mit Ihrem Laptop o.ä. natürlich machen, was sie möchten. Alles, was nicht der Erfüllung des Auftrags bei diesem Kunden dient, darf verständlicherweise nicht als Arbeitszeit abgerechnet werden. Dass der Dienstleister seine eigene Infrastruktur mitbringt, wird nur sehr selten der Fall sein, da große Unternehmen nicht möchten, dass jeder externe Berater seine eigene Infrastruktur an das Firmennetzwerk "anstöpselt".

Deswegen ist Fall zwei der häufigere: Der Kunde stellt die Infrastruktur, damit der Freiberufler vor Ort arbeiten kann. Wenn der Freelancer dann PC und Internetzugang des Kunden nutzt, wird in den allermeisten Fällen genau geregelt sein, was der Freiberufler damit machen darf – nämlich in der Regel nur das, was unmittelbar der Erfüllung des Auftrags beim Kunden dient. Nur wenn die private Nutzung des Internetzugangs explizit vertraglich gestattet ist, sind IT-Freelancer auf der sicheren Seite. In allen anderen Fällen (auch wenn das private Surfen im Projektvertrag nicht ausdrücklich verboten ist), ist eigentlich Vorsicht geboten. Dass das in der Praxis nicht immer so strikt gehandhabt wird, ist klar. Hier gilt es für den Consultant, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was im Unternehmen "normal" ist und was nicht.

Für Arbeitnehmer gibt es in Deutschland übrigens es kein spezielles Gesetz, das den Umgang mit dem Internet im Beruf regelt. Der Arbeitgeber entscheidet allein über die private Nutzung während der Arbeitszeit. Ohne klare Regeln gehen Gerichte von einer Duldung der privaten Internetnutzung aus, teilte der BITKOM mit. Eine Studie der Meinungsforscher vn TNS-Emnid ergab im Mai 2010, dass in 40 Prozent der größten deutschen Unternehmen die Privatnutzung des Computers untersagt ist. An der Befragung beteiligten sich 230 Datenschutzbeauftragte der 1.000 größten deutschen Unternehmen.

Geschäft ist Geschäft - und privates Surfen keine Arbeitszeit
 
Umfrage der IT-Projektbörse GULP: Die Hälfte der IT-Freiberufler rechnen das private Surfen nicht als Arbeitszeit ab, Quelle: www.gulp.de

Nicht ob das Internet privat genutzt wird, sondern ob das Surfen als Arbeitszeit abgerechnet wird, ist die Gretchenfrage. Hier zeigen sich 45 Prozent konsequent: Die Mail an Freunde, die Buchung eines Bahntickets oder das Lesen der neuesten Nachrichten werden nicht als Arbeitszeit erfasst. 27 Prozent aber schreiben die Stunden auf – mehr als ein Viertel.

Wird die Internetnutzung weniger überwacht?
 
Umfrage der IT-Projektbörse GULP: 35 Prozent der IT-Freiberufler glauben nicht, dass Sie im Projekt überwacht werden, ob sie privat surfen, Quelle: www.gulp.de

Wird die Internetnutzung kontrolliert? Hier werden Unterschiede zu 2006 deutlich: IT-Freelancer fühlen sich beim Surfen weniger überwacht als noch vor vier Jahren. Nur noch 9 Prozent der IT-Freelancer wissen, dass die Internetnutzung registriert und durchgesehen wird (4 Prozentpunkte weniger). Dafür glauben 35 Prozent, dass keine Kontrolle besteht (7 Prozentpunkte mehr). Ob, in welchem Umfang und wann Unternehmen die Nutzung ihres Internetzugangs überhaupt kontrollieren dürfen, wird derzeit diskutiert. Einerseits ist die Kontrolle nur dann erlaubt, wenn ein dringender Verdacht besteht. Andererseits wird ohne jegliche Überwachung kaum ein Unternehmen einen dringenden Verdacht feststellen können.

Insgesamt scheinen IT-Freiberufler locker, aber verantwortungsvoll mit der Vermischung von Beruflichem und Privatem umzugehen. Besteht eine stillschweigende Vereinbarung zwischen Projektanbieter und Freelancer – und alles ist in Ordnung? Oder ist das private Surfen im Projekt ein "schlafendes" Problem, das nur noch niemand erkannt hat? Was ist Ihre Erfahrung?

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Kommentare zu diesem Artikel:

"Dieser Artikel ist Schrott. Ich bin seit vielen Jahren in Grossprojekten unterwegs und es läuft exakt so, wie es u.g. Kommentar bereits gesagt wurde. Der Autor des Artikels hat keine Erfahrung mit der Materie. (Februar 2011)"

"schon wieder so ein unqualifzierter Artikel: "anstöpseln beim Kunden" ist out, heutzutage bringt man sein high-end netbook mit integrierte umts karte mit, damit man nicht auf den Kundengeräten surft. Arbeitszeit ist das selbstverständlich, da einen ja offenbar die Aufgabe des Kunden nicht auslastet und man "Zeit totschlägt" (Januar 2011)"

"Ziemliche Erbenzählerei das Ganze... (November 2010)"

"Die Frage liegt doch darin, ob die Aufgabe beim Kunden einen auslastet. Wenn ich in der Produktionssteuerung oder im Operating sitze und relativ wenig zu tun habe, nutze ich die freie Zeit natürlich für das private Surfen. Der Kunde wird dies auch sicher nicht verhindern, da er weiß, dass diese Aufgabe nicht auslastet. Anders sieht das bei z.B. Transitionsprojekten aus, bei denen Termine gehalten werden müssen. Alles in allem kann man auch sagen: Wenn der Kunde mit der Arbeit zufrieden ist, kann auch privat gesurft werden. (November 2010)"

"Schlechte Kontinuität während der Arbeit kann auch ein Zeichen von Burnout, Schlafmangel oder Frustration sein. Reiseplanung nach Hause ist Privatsache des Selbständigen. Anders ist es meiner Meinung nach nur bei einer "Dienstreise" im Projekt. (November 2010)"

"Wenn es nicht generell untersagt ist, surfe ich beim Kunden auch privat. Aber privat heisst selbstverständlich, dass diese Zeit nicht abgerechnet wird. Ebenso, wie ich für eine längere private Unterhaltung in die Pause gehe. Das gehört sich so, dafür erwarte ich aber dass meine Arbeit ordentlich bezahlt wird. (November 2010)"

"Ich denke, das vernünftige Verhalten liegt wie immer in der Mitte: Reiseplanungen im Zusammenhang mit dem Projekt sind Bestandteil der Leistungserbringung (nicht anders als beim fest angestellten "Kollegen"), die Heise- News sind Bestandteil der Pausengestaltung und sollten schon aus Fairness nicht als Leistungszeit abgerechnet werden. (November 2010)"

"Die Unterscheidung, ob privat oder dienstlich ist oft nicht eindeutig, schliesslich erwartet man ja, dass ein externer Experte gut informiert ist und flexibl seine Reiseplanung ändert. Die Abrechnungsfrage ist ja nur wirklich relevant, wenn man minutengenau in Rechnung stellen darf und auch Überstunden fakturieren kann. (November 2010)"

"Vielen Dank für diesen Artikel! Das ist eine interessante Datenerhebung, die mich schon lange interessiert hat. Es ist unglaublich, welche Frechheit sich viele Freiberufler (angeblich Selbständige) herausnehmen: 25% rechnen das auch noch als Arbeitszeit ab - dabei haben sicher viele noch nicht einmal ehrlich geantwortet. (November 2010)"

"Zug, Flieger oder Hotel zu planen, ist absolut notwendig für das Projekt. Einen Kunden der hier murrt, sollte man wechseln. Bei allem anderen gilt der gesunde Menschenverstand. Wer einen guten Job macht und ein entsprechendes Standing beim Kunden, dem wird keiner einen Strick drehen, wenn er die Heise-News ließt. (November 2010)"

"Ob wohl damit gedient ist, das jetzt in den Focus zu stellen ? (November 2010)"