| GULP |
Herr Schubert, wie lange liegen
denn Ihre eigenen Erfahrungen zurück? Wie sah der Markt damals
aus und auf was kam es für einen Freiberufler an? |
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Herr Schubert
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Ich selbst war zwischen Ende der Achtziger- und Ende der Neunzigerjahre
als Freiberufler tätig. Während dieses Zeitraums gab es
auch Ups und Downs im Projektmarkt, aber sie waren nicht so extrem
wie jetzt. Die Freiberufler-Tugenden waren damals dieselben wie heute:
sehr gute technische Qualifikation, Kundenorientierung, Zuverlässigkeit
und Flexibilität. Der große Unterschied zur jetzigen Situation
war jedoch, dass Freiberufler nur Vermutungen über den Projektmarkt
anstellen konnten. Eine Freiberufler-Szene gab es nicht und Freie
fanden kaum Informationen zu ihren Fragen und Problemen. Das hat sich
durch die Verbreitung des Internets grundlegend geändert. Wer
heute steuerliche oder rechtliche Probleme hat, Fragen zu Versicherungen
oder zur Vertragsabwicklung, wer wissen will, was er verdienen kann
oder wie es dem Projektmarkt geht, kann all diese Infos im Internet
finden. |
| GULP |
Als Geschäftsführer von GULP haben
Sie ja nach wie vor intensiven Kontakt mit dem Metier. Wie können
Freiberufler ihre Chancen in wirtschaftlich angespannten Zeiten verbessern? |
| Herr Schubert |
>> Der klassische Homo
Technicus vernachlässigt gerne die eigene Außendarstellung.
<<
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Der klassische Homo Technicus vernachlässigt gerne die eigene
Außendarstellung. In Krisenzeiten kann die eigene Darstellung
im Wettbewerb um das nächste Projekt jedoch den entscheidenden
Pluspunkt bringen. Selbstmarketing kann man aufwändig gestalten
und viel Geld dafür ausgeben - aber auch die zehnte Kleinanzeige
nutzt herzlich wenig, wenn man nicht zuerst mal ein paar einfache
Grundregeln beachtet. Dazu zählt, sein Profil und die Bewerbungsunterlagen
kritisch und in Ruhe zu überarbeiten. Auch und gerade wer ein
elektronisches Profil angelegt hat - sei es bei GULP oder in Form
einer eigenen HTML Seite - sollte es in regelmäßigen
Abständen überprüfen.
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| GULP |
Haben Sie besondere Tipps, auf was man allgemein
bei der Projektakquise achten sollte? |
| Herr Schubert |
Immer nach dem Motto suchen "wer zuerst kommt, mahlt zuerst".
Ich weiß, dass viele Freiberufler Nachtmenschen sind. Trotzdem
rate ich: fangen Sie möglichst früh und möglichst täglich
mit der Recherche nach neuen Angeboten an. Bewerben Sie sich bei Treffern
umgehend. Die Geschwindigkeit kann entscheidend sein. Danach können
Sie ja noch mal in die Federn gehen ... |
| GULP |
OK, nehmen wir an, ich habe mein Profil aktualisiert.
Ich habe mir jetzt gerade ein Projekt herausgesucht, dass sehr vielversprechend
klingt - auf welchem Weg nehme ich am besten Kontakt zum Projektanbieter
auf? |
| Herr Schubert |
Sie sollten immer erst mal dafür sorgen, dass der Personalvermittler
oder Projektanbieter schriftliche Unterlagen, das heißt Ihr
Anschreiben und ein Profil, bekommt. Wollen Sie ihm die Arbeit besonders
leicht machen, dann schicken Sie ein standardisiertes Profil, also
zum Beispiel ein GULP Profil. Nur so schaffen Sie eine Grundlage,
um telefonisch oder persönlich weitere Einzelheiten mit ihm zu
besprechen. Also nicht gleich anrufen, sondern erst Ihr Profil per
Mail verschicken. Darin können Sie Ihren Telefonanruf schon mal
ankündigen, sollten dem Recruiter aber mindestens einen halben
Tag Zeit lassen. Wie gut ein Anruf ankommt, hängt vom jeweiligen
Ansprechpartner ab. Einerseits signalisiert er Eigeninitiative und
Interesse, andererseits kostet er den Recruiter Zeit. Werden Sie abgewimmelt
- so a lá "wir melden uns schon bei Ihnen" - dann
rufen Sie beim nächsten Mal besser nicht an. |
| GULP |
Was gilt es beim Bewerbungsablauf zu beachten? |
| Herr Schubert |
Beim Bewerbungsablauf kann Pluspunkte sammeln, wer ein wenig auf
Details achtet. Das Ganze fängt damit an, dass Sie sich in die
Rolle der Person, bei der Sie sich bewerben, versetzen, bevor Sie
loslegen. Das ist in der Regel ein Recruiter. |
| GULP |
In welcher Lage ist ein Recruiter? |
| Herr Schubert |
Auf die offene Position treffen vermutlich 30 Bewerbungen ein. Gleichzeitig
bearbeitet er noch 10 weitere Ausschreibungen, bekommt also 300 Bewerbungen.
Der Abschluss muss möglichst schnell erfolgen. Da bleibt nicht
die Zeit, jede Bewerbung im Detail zu bearbeiten. Oft muss auf einen
Blick entschieden werden, ob der Kandidat in die Auswahl kommt oder
nicht. Machen Sie es dem Recruiter deshalb so einfach wie möglich! |
| GULP |
Das heißt, ich schicke ihm also eine
möglichst übersichtliche Bewerbung. Was noch? |
| Herr Schubert |
Erwarten Sie nicht zuviel Service, es ist nicht persönlich
gemeint. Der Recruiter ist dafür eingestellt - und wird in der
Regel auch danach bezahlt - dass er Kandidaten erfolgreich in ein
Projekt vermittelt. Er wird sich daher auf die erfolgversprechendsten
Bewerbungen konzentrieren. Wenn Sie nach einer Bewerbung überhaupt
kein Feedback bekommen, bewerben Sie sich auf das nächste Projekt
wieder. |
| GULP |
Wie stelle ich sicher, dass der Recruiter mein
Profil in die engere Wahl nimmt? |
| Herr Schubert |
Der Recruiter verfügt meist über ein gutes IT-Allgemeinwissen,
kennt sich in Ihrem Fachgebiet aber nicht im Detail aus. So erfolgt
die Auswahl eines Profils häufig durch Vergleichen, ob alle vom
Kunden geforderten Schlüsselbegriffe im Profil vorhanden sind.
Erläutern Sie im Anschreiben zu Ihrer Bewerbung, warum Sie für
ein Projekt passend sind. Das hilft ihm. |
| GULP |
Das Anschreiben zu einer Bewerbung ist doch
recht nebensächlich. Schließlich kommt es doch nur auf
das Profil an, oder? |
| Herr Schubert |
>> Unterschätzen Sie
das Anschreiben nicht! Sehen Sie es als zusätzliches
Selbstmarketing-Tool, das Sie nicht ungenutzt lassen
sollten. <<
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Unterschätzen Sie das Anschreiben nicht! Sehen Sie es als zusätzliches
Selbstmarketing-Tool, das Sie nicht ungenutzt lassen sollten. Senden
Sie Ihre schriftlichen Unterlagen nicht mit einem lapidaren Begleitbrief,
in dem Sie schreiben "das Projekt interessiert mich, hier ist
mein Profil, MfG...", sondern gehen Sie auf das Projekt ein und
beschreiben möglichst zu jedem Punkt, welche Erfahrungen Sie
dazu sammeln konnten und in welchen Projekten Sie die entsprechende
Qualifikation eingesetzt haben. Abgesehen von den technischen Anforderungen
sollten Sie erläutern, warum genau dieses Projekt Ihre Interessenslage
trifft. |
| GULP |
Wieso ist das so wichtig? |
| Herr Schubert |
Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen schaut der Recruiter
Ihr Profil eventuell nur wenige Sekunden an. Sieht er die Zusammenhänge
nicht auf den ersten Blick, sortiert er es aus. Außerdem muss
der Recruiter Ihr Profil beim Endkunden verkaufen, um das Projekt
zu gewinnen. Wenn Sie es selbst machen, nehmen Sie ihm die Arbeit
ab. Und mit Sicherheit können Sie sich - mit etwas Mühe
und Ihrem ganzen Backgroundwissen - selbst besser darstellen, als
er es kann. Indem Sie auf das angebotene Projekt eingehen, signalisieren
Sie dem Projektanbieter, dass Sie nicht nur über die notwendigen
Skills verfügen, sondern auch Interesse an der Arbeit haben. |
| GULP |
Gibt es bei der Kontaktaufnahme sonst noch
etwas zu beachten? |
| Herr Schubert |
Ja. Seien Sie höflich - Abkürzungen wie "MfG"
und fehlende oder verkürzte Anrede erwecken den Eindruck von
Desinteresse oder Arroganz und drücken Geringschätzung gegenüber
dem Adressaten aus. Geizen Sie nicht mit Kontaktinformationen! In
die E-Mail gehört Ihre vollständige Adresse, Ihre Telefonnummer
und möglichst auch die Handynummer. Sollten Sie nicht durchgehend
erreichbar sein, dann bitte auch die Uhrzeiten Ihrer Erreichbarkeit
angeben. Der Recruiter wird Sie einmal anrufen und dann - wenn Sie
nicht erreichbar sind - vermutlich die nächste Nummer wählen.
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| GULP |
Und was ist mit meinem Profil - worauf soll
ich dabei achten? |
| Herr Schubert |
>> Ihr Profil ist das Herzstück
Ihrer Bewerbung und sollte professionell und sorgfältig
erstellt sein! <<
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Eigentlich fast unnötig zu erwähnen, aber trotzdem sicherheitshalber:
Ihr Profil ist das Herzstück Ihrer Bewerbung und sollte professionell
und sorgfältig erstellt sein! Ihr Profil kommt in eine Datenbank,
sei es nun bei GULP oder bei einem Projektanbieter. Es gibt Auskunft
über die von Ihnen durchgeführten Projekte. Enthält
es nicht die richtigen Schlüsselwörter, wird es nicht gefunden
- egal wie perfekt Sie für das Projekt geeignet gewesen wären.
Also: achten Sie auf die Verwendung von Schlüsselwörtern!
Schreiben Sie keine Romane, bleiben Sie kurz, knackig und aussagekräftig.
Wenn Sie ein halbes Jahr in einem Projekt waren, gibt es bestimmt
mehr als vier Zeilen darüber zu schreiben. |
| GULP |
Wie viel Wert muss ich dabei auf die Form legen? |
| Herr Schubert |
Verwenden Sie ruhig etwas Zeit auf die Form. Geben Sie sich Mühe
bei der Gestaltung, speziell bei Ihrem GULP Profil, auch wenn Sie
wissen, dass Projektanbieter Informationen umgestalten werden, die
sie dann in ihre Datenbanken übernehmen. Projektanbieter werden
aus Rechtschreibfehlern, falschen Einrückungen und einer lieblosen
Aufbereitung sehr schnell auf Ihre Arbeitsweise schließen. |
| GULP |
Haben Sie einen Tipp, wo ich mir Anregungen
zur Optimierung meines Profils holen kann? |
| Herr Schubert |
Schauen Sie sich doch mal die Profile von Leuten an, die besonders
gut bei Projektanbietern ankommen. Beim GULP
Profil des Monats finden Sie bestimmt die eine oder andere Idee,
wie Sie das eigene Profil verbessern können. |
| GULP |
Kann ich meine Chancen dadurch verbessern,
dass ich Referenzen beifüge? |
| Herr Schubert |
Referenzen sind Nachweise Ihrer Qualifikation. GULP hat im Januar
dieses Jahres in einer Studie
zu diesem Thema nachgewiesen, dass Freiberufler, die sich eine oder
mehrere Referenzen geben lassen, deutlich bessere Marktchancen haben
und höhere Stundensätze verlangen können. Der Grund
ist einfach: aus einer Referenz kann der Projektanbieter ablesen,
dass Sie Ihre Qualifikationen schon erfolgreich im Projekt eingesetzt
haben. So ein Zeugnis Dritter zählt immer mehr als die eigene
Darstellung, denn letztlich will der Recruiter einen Freiberufler
beim Kunden platzieren, der seine Aufgabe möglichst problemlos
bewältigt. Und eine Referenz bezeugt genau dies. Deshalb mein
Rat: Sind Sie in einem Projekt besonders gut zu Rande gekommen, war
der Projektleiter besonders begeistert von Ihnen oder Ihr Auftraggeber
zufrieden mit Ihnen als Projektleiter, lassen Sie sich das in Schriftform
geben - es ist bares Geld wert. |
| GULP |
Was tue ich, wenn eine Projektausschreibung
nicht hundertprozentig auf mich zutrifft, weil ich einen oder zwei
Skills von 10 nicht habe? |
| Herr Schubert |
Wird eine Unsumme von Skills gefordert, verfügt wahrscheinlich
kein einziger Bewerber über alle Qualifikationen. Das heißt,
Sie haben durchaus eine Chance. In dem Fall verschweigen Sie es nicht
- denn es geht ja aus Ihrem Profil hervor - sondern gehen Sie darauf
ein. Stellen Sie möglichst vergleichbare Kenntnisse dar oder
beschreiben Sie, was hinter einem geforderten Skill steckt. Das einzuschätzen,
reichen sehr oft die Kenntnisse des Recruiters nicht aus. Sind hingegen
nur wenige gängige Skills wie zum Beispiel Java und Oracle gefordert
und Sie verfügen nicht über alle, dann sollten Sie sich
nicht bewerben. Das wäre nutzlos oder würde Ihnen im schlimmsten
Fall sogar schaden. |
| GULP |
Wie kann ich argumentieren, wenn mir die eine
oder andere Qualifikation fehlt? |
| Herr Schubert |
Also zum Beispiel "Leider verfüge ich nicht über
XML Kenntnisse, bin aber fit in HTML. Ich rechne mit einem Einarbeitungsaufwand
von 3 Tagen in XML und bin gerne bereit, mir diese Kenntnisse vor
Projektbeginn anzueignen".
Oder: "Ich habe bisher noch nicht mit Visual Studio Smalltalk
gearbeitet, sondern nur mit Visual Cafe Smalltalk. Mir ist jedoch
die Entwicklungsumgebung Visual Studio aus mehreren C++ Projekten
bekannt. Da bei Smalltalk - im Gegensatz zu C++ - die Klassenbibliothek
im Sprachumfang enthalten ist und sich nicht je nach Entwicklungsumgebung
ändert, sehe ich keinerlei Probleme und keinen zusätzlichen
Einarbeitungsaufwand". |
| GULP |
Wie geht es weiter, nachdem ich meine Bewerbung
abgeschickt habe? |
| Herr Schubert |
In der täglichen Flut der Bewerbungen geht beim Projektanbieter
ab und zu was unter. Gehen wir mal davon aus, dass Sie meine oben
gegebenen Empfehlungen beherzigt und eine entsprechend sorgfältige
Bewerbung und keine "unkommentierte" Projektbewerbung abgeschickt
haben, dann sollten Sie höflich nachhaken, wenn Sie drei Arbeitstage
nach Ihrer Bewerbung noch kein Feedback bekommen haben. Verweisen
Sie auf Ihre ursprüngliche Bewerbung und schicken das Profil
noch mal mit. Kommt dann nichts, ist es schade. Nach meiner Erfahrung
ist es dann das beste, die Sache zu vergessen. |
| GULP |
Ein ganz anderes Thema. Halten Sie es für
sinnvoll, sich initiativ zu bewerben? |
| Herr Schubert |
Initiativbewerbungen sind an und für sich eine gute Sache -
denn so zeigt man seine Motivation und Eigeninitiative. Aber bitte
machen Sie es nicht wie so manche, die sich wahllos auf jedes ausgeschriebene
Projekt ohne Rücksicht auf die geforderten Qualifikationen bewerben.
Motto: "Irgend was wird schon hängen bleiben, vielleicht
hat der Anbieter ja noch ein anderes Projekt". Davon rate ich
- besonders in der heutigen Situation - dringend ab. Nach einiger
Zeit kennt der Recruiter seine Pappenheimer und wird deren Mails ungelesen
in den Papierkorb klicken. Außerdem erweckt so ein Vorgehen
nicht gerade Vertrauen für den Einsatz beim Kunden, denn er denkt
sich "kann er nicht lesen?".
Wenn Sie sich gerne initiativ bewerben möchten, tun Sie das nur
in gezielten Fällen, zum Beispiel wenn Ihnen ein Systemhaus,
ein Personalvermittler oder ein Endkunde besonders zusagt. Außerdem
sollten Sie sich dann unabhängig von einem Projekt dort bewerben,
im Sinne von "anbei mein aktuelles Profil für Ihre Datenbank".
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| GULP |
Soll ich meinen endgültigen Stundensatz
im Profil nennen? |
| Herr Schubert |
Ja, Sie sollten im Profil Stellung beziehen, denn den Projektzuschlag
wird der attraktivste Kandidat bekommen. Das bedeutet nicht unbedingt,
dass es sich um den fachlich am besten geeigneten Kandidaten handelt.
Am attraktivsten sind diejenigen Kandidaten, die einerseits aufgrund
ihres Auftretens und ihres fachlichen Könnens keinerlei Probleme
im Projekt erwarten lassen, andererseits aufgrund ihres moderaten
Stundensatzes dem Projektanbieter möglichst viel Profit versprechen. |
| GULP |
Ist es angesichts dessen nicht legitim, ein
wenig zu unter- oder übertreiben, nach dem Motto, richtig stellen
kann man es ja später noch?! |
| Herr Schubert |
Das auf keinen Fall. Ihr Stundensatz im Profil sollte möglichst
der Realität entsprechen. Ein zu hoher Stundensatz als "erstes
Verhandlungsangebot" wird dazu führen, dass es überhaupt
nicht zu Verhandlungen kommt, weil Sie durch das Raster fallen. Ein
zu niedriger Stundensatz als Lockangebot ist erst recht nicht zu empfehlen.
Wenn Sie erst bei der persönlichen Verhandlung damit rausrücken,
dass Sie doch mehr haben wollen, ist die Vertrauensbasis von vorne
herein zerstört. |
| GULP |
Habe ich dann überhaupt noch Spielraum
für Verhandlungen? |
| Herr Schubert |
Das schon, aber seien Sie geschickt. Formulieren Sie nie "Mein
Stundensatz von 70 EUR ist verhandelbar". Natürlich will
jeder so viel wie möglich verdienen, aber was wollen Sie jetzt
wirklich haben? Geben Sie lieber eine realistische Spanne an und kommentieren
Sie, wann das Pendel in welche Richtung ausschlägt. Also zum
Beispiel: Stundensatz 75 EUR, +/- 10 EUR je nach Projektlänge,
Einsatzort und danach, wie interessant das Projekt für mich ist".
Indem Sie ein Projekt finanziell auch danach mitbeurteilen, wie interessant
es für Sie ist, zeigen Sie einerseits Engagement und verschaffen
sich andererseits Verhandlungsspielraum. |
| GULP |
Angenommen, ich habe die Angebotsphase und
die Stundensatzverhandlung hinter mir. Jetzt kann doch nichts mehr
schief gehen, oder? |
| Herr Schubert |
>> Solange Sie keinen Vertrag
unterschrieben haben, haben Sie auch kein Projekt
- daran ändert selbst ein unterschriebener Rahmenvertrag
noch nichts. <<
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Wiegen Sie sich nicht zu früh in Sicherheit! Solange Sie keinen
Vertrag unterschrieben haben, haben Sie auch kein Projekt - daran
ändert selbst ein unterschriebener Rahmenvertrag noch nichts.
Bewerben Sie sich weiter. Weder sollten Sie sich auf mündliche
Versprechen verlassen, noch selbst welche machen - so a lá
"gut, dann warte ich bis Montag" - schon gar keine, die
Sie dann nicht halten. Wenn alles klar ist, kann Ihnen der Projektanbieter
ja den Vertrag jetzt sofort zuschicken. Und wenn nicht: wer zuerst
kommt, mahlt zuerst. |
| GULP |
Allgemein verschärft sich der Eindruck,
dass viele Projektangebote nicht ehrlich gemeint sind. Stimmt es,
dass es derzeit so viele Scheinprojekte gibt wie nie zuvor? |
| Herr Schubert |
Freiberufler sind nach unserer Erhebung sehr vorsichtig damit, Projektangebote
leichthin als Scheinprojekte abzutun, denn nur 3,7 Prozent der angebotenen
Projekte wurden von Freiberuflern als "Scheinprojekte" klassifiziert.
Aber es gibt eine recht große Grauzone. Bei rund 13 Prozent
aller Projektangebote war es den IT-Profis nicht klar, ob es sich
um Fakes handelte. Diese Wahrnehmung dürfte sich weiter verschärfen,
je länger die IT-Krise anhält und für zunehmende Projektknappheit
sorgt. |
| GULP |
Was soll ich tun, wenn ich den Eindruck habe,
dass es sich bei der Ausschreibung, die mich interessiert, um ein
Scheinprojekt handelt? |
| Herr Schubert |
Sie bewerben sich, bekommen als Absage "Das Projekt ist schon
besetzt" oder gar keine Antwort, die offene Position bleibt aber
weiterhin ausgeschrieben. Sicherlich gibt es genügend Agenturen,
die tatsächlich Fake-Projekte veröffentlichen und dadurch
kostenlos ihre Datenbank mit Profilen füllen. Andererseits kann
es auch möglich sein, dass das Profil nicht exakt gepasst hat
und keine Zeit für eine detaillierte Absage blieb. Oder nach
einer ersten persönlichen Kontaktaufnahme fand der Projektanbieter,
dass der Bewerber von seiner Art einfach nicht gepasst hat und er
sagt ihm auf diese Art kurz und knapp ab. Leider lässt sich fast
nie herausfinden, ob es nun ein Fake-Projekt war oder ein anderer
Grund dahinter steckte. Deshalb mein Rat: Einfach gelassen bleiben
und sich weiterhin bewerben. |
| GULP |
Gelassen bleiben ist leicht gesagt. Aber je
länger die Krise anhält, desto häufiger fällt
vielen Freiberuflern auf, dass das Geschäftsgebaren auf Seiten
der Projektanbieter immer zu wünschen übrig lässt.
Oft werden selbst die sorgfältigsten Bewerbungen gar nicht mehr
zur Kenntnis genommen oder mit einem Satz abgekanzelt. Was kann man
dagegen tun? |
| Herr Schubert |
Leider nicht viel. Der Markt wird bestimmt von Angebot und Nachfrage.
Bei einem relativen Überangebot an Fachkräften und einer
relativen Knappheit an IT-Projektangeboten verschiebt sich das Verhältnis
zu Gunsten derer, die Mitarbeiter für ihre Projekte suchen.
Entsprechend verändert sich der Umgangston. Aber sind wir doch
mal ehrlich: In Zeiten der Hochkonjunktur war es oft genau umgekehrt
- da konnten es sich die IT-Profis leisten, nachlässig zu reagieren
und dennoch mit Angeboten zugeschüttet zu werden.
>> Wer Wert auf einen professionellen
Umgang legt, sollte sein Geschäftsgebaren nicht
von Angebot und Nachfrage abhängig machen. <<
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Wer Wert auf einen professionellen Umgang legt, sollte sein Geschäftsgebaren
nicht von Angebot und Nachfrage abhängig machen. Den besten
Beitrag dazu leistet, wer sich nicht von einzelnen, wenn auch gehäuft
auftretenden, Erfahrungen ins Bockshorn jagen lässt und durch
professionelle Außendarstellung und vernünftige Bewerbungen
überzeugt.
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| GULP |
Gibt es jetzt, wo Projektangebote rar geworden
sind, noch andere Möglichkeiten, neue Projekte aufzutun? |
| Herr Schubert |
Unbedingt - wenn Sie bereit sind, zu neuen Ufern aufzubrechen. Wenn
es Ihre persönliche Situation erlaubt, schauen Sie über
den deutschsprachigen Tellerrand hinaus. Die Welt ist groß,
je mehr Sie den potenziellen Markt ausweiten, in dem Sie arbeiten
möchten, desto besser werden die Chancen sein, interessante Projekte
zu finden. GULP unterstützt Sie dabei, indem Sie zusätzlich
zu Ihrem deutschen ein internationales Profil in englischer Sprache
anlegen und Ihre gewünschten Einsatzorte weltweit bestimmen können.
Unentschlossene sollten bedenken, dass ein internationales Projekt
das eigene Profil entsprechend bereichert. |
| GULP |
Herr Schubert, Sie haben jetzt ja zahlreiche
Tipps gegeben, auf was Freiberufler alles achten können, um ihre
Chancen auf ein Projekt in Krisenzeiten zu verbessern. Wer sich das
zu Herzen nimmt, ist also bestens für den Erfolg gerüstet? |
| Herr Schubert |
Natürlich gibt es DAS Erfolgsrezept nicht. Neben der richtigen
Vorgehensweise in der Bewerbungsphase kommt es auch auf die eigene
Qualifikation und Lernbereitschaft, genauso wie auf die persönliche
Situation an. Selbst wenn alle Vorzeichen stimmen, ist keine Garantie
gegeben. Ausdauer und Selbstvertrauen, korrektes Auftreten und das
Bestreben sich weiterzuentwickeln sind aber auf alle Fälle die
nützlichsten Tugenden für freie ITler, um Durststrecken
zu überwinden. |
| GULP |
Wir bedanken uns für das informative Gespräch. |