Ärgerlich und leicht zu vermeiden: "Profilsünden"

Interview mit dem GULP Recruiter Thomas Gasteiger

(November 2004)
IT-Freiberufler erhöhen mit einem Eintrag in der GULP Profiledatenbank ihre Chancen auf Projekte – solange die Daten aktuell, vollständig, aussagekräftig und richtig sind. In der Praxis sieht es so aus, dass der überwiegende Großteil der Freiberufler gewissenhaft sein GULP Profil pflegt – und doch unterlaufen manchem Freiberufler dann, meist ungewollt, die eine oder andere "Profilsünde".

Insgesamt sind es fünf – und mit Thomas Gasteiger haben wir einem der dienstältesten GULP Recruitern die Fragen zum "erfolgversprechenden Profil" gestellt.

Eine Anfrage eines Projektanbieters – es ist der Job der GULP Recruiter, den optimal passenden IT-Freiberufler schnellstmöglich in der GULP Profiledatenbank aufzuspüren. Dazu ist es elementar, dass sie nicht nur den Pool samt aller Suchmöglichkeiten genau kennen, sondern auch die Entwicklungen im IT-Projektmarkt.
GULP Mit welchem Profil hatten Sie heute ein Problem?

Gasteiger

>> Klassiker falsches Verfügbarkeitsdatum. <<
Ich hab heute bereits etliche Suchen durchgeführt, aber – toi toi toi – bisher lief alles reibungslos. Vorgestern dagegen hatte ich einen unserer "Klassiker" und zwar ein falsches Verfügbarkeitsdatum. Da hatte ein Freiberufler noch in seinem Profil stehen, dass er sofort verfügbar ist, obwohl er bereits in einem Projekt arbeitet. In diesem Fall war es sogar ein Freiberufler, bei dem das schon öfter passiert ist – und der es trotzdem nicht schafft, das Verfügbarkeitsdatum zu aktualisieren. Das frustriert uns, weil wir immer wieder Absagen erhalten, und das nervt ihn, weil er ständig Anfragen erhält, die er ohnehin nicht annehmen kann.
  Wir wissen nicht warum, aber gerade diese Unsitte der falschen Verfügbarkeit nimmt in letzter Zeit immer mehr zu. Erhoffen sich die Leute davon, dass sie damit ihre Chancen auf neue Projekte steigern? Dabei ist genau das Gegenteil der Fall, denn im schlimmsten Fall werden wir diesen Freiberufler nicht mehr kontaktieren ...
   
GULP Das klingt ein wenig hart.

Gasteiger

Keineswegs, denn es geht ja nicht darum, dass wir beleidigt sind, sondern um die grundsätzliche Frage nach der Zuverlässigkeit. Wenn es ein Kandidat nicht schafft, zuverlässig ein simples Datum zu pflegen – wie zuverlässig mag er dann im Projekt sein? Und wenn er sogar absichtlich ein falsches Datum eingibt, kann man sich schon fast denken, wie es um seine Seriosität bestellt ist. Glücklicherweise sind solche Fälle aber die absolute Ausnahme.
   
GULP Das GULP Profil ist also für Sie auch ein Beleg für das Fehlen bzw. Vorhandensein von Zuverlässigkeit?
Gasteiger Nun, nicht jeder mit gepflegtem GULP Profil muss automatisch zuverlässig sein – andersherum allerdings passt der Schuh besser: Wer sein Profil nur schlampig ausfüllt, nicht auf Aktualität achtet, unsachlich Texte formuliert oder gar sein Profil aufgrund der nachlässigen Form unleserlich macht, dem traut man nicht unbedingt zu, dass er sich zum Beispiel durch eine gewissenhafte Programmierung oder Projektdokumentation auszeichnet.
 
>> Das Profil ist die
Visitenkarte des Freiberuflers. <<
Das Profil ist die Visitenkarte des Freiberuflers – und so kann auch ein kurzer, prüfender Blick nicht schaden, ob der Aufbau auch ordentlich ist. Im Bedarfsfall muss der Freiberufler eben etwas Zeit investieren um das Ganze in ein gut lesbares Format zu bringen.
   
GULP Wo zeigen sich denn besonders häufig die erwähnten Schlampereien?
Gasteiger Vorab nur kurz zur richtigen Einordnung: Wenn wir von häufigen Profilsünden reden, dann sind diese im Vergleich zur Gesamtheit der GULP Profile eher selten. Zur Frage zurück kommend – die Fahrlässigkeit bei den Projektbeschreibungen ist eine der dem Projekterfolg abträglichsten Profilsünden. Wenn die Beschreibungen sehr dürftig oder endlos sind, zeitlich ungeordnet oder ohne zeitliche Zuordnung, wenn sie schließlich uralt sind oder sogar gänzlich fehlen – all dies macht es schwer bzw. unmöglich, die Berufserfahrung und das praktische Können des Freiberuflers zu beurteilen.
  Ganz wichtig ist es, dass die Projekte der letzten beiden Jahre nicht unkommentiert fehlen, denn dieser Zeitraum ist für die Projektanbieter und damit für uns meist besonders entscheidend. Übrigens angesichts der Halbwertszeit von IT-Wissen auch mehr als verständlich.
   
GULP Was muss man noch beachten?
Gasteiger
>> Die Kontaktdaten
immer aktuell halten! <<
So banal es klingt, aber es kommt hin und wieder vor, dass die eMail-Adresse im GULP Profil ungültig ist – entweder, weil sie sich geändert hat, oder, weil die Mailbox übergelaufen ist. Mein Tipp: Die Kontaktdaten immer aktuell halten und auf einen Mail-Account mit ausreichend Speichervolumen achten.
   
GULP Welche inhaltlichen Fehler kann man in seinem GULP Profil machen?
Gasteiger Die Antwort darauf lässt sich einfach unter dem Begriff "Glaubwürdigkeit" zusammenfassen. Wer sich in seinen Angaben wiederholt widerspricht, zum Beispiel mit sich gegenseitig ausschließenden Schwerpunkt und Projekterfahrung, der erzeugt nur Misstrauen. Das gilt natürlich auch für die so genannten Alleskönner, die in ihr Profil so viele unterschiedlichen Expertenkenntnisse angeben, dass man es kaum glauben mag. Zudem ist der Kunde im Regelfall nur an Profilen mit klar erkennbarem Schwerpunkt interessiert.
   
GULP Im Umgang mit Projektanfragen, worauf sollte man da achten?
Gasteiger
>> Projektanfragen
schnell beantworten. <<
Zuallererst darauf, dass man schnell und konkret seine Projektanfragen beantwortet. Wer Anfragen nicht beantwortet, wird maximal zweimal ermahnt. Danach wird das Profil von der Webadministration gesperrt. Das klingt vielleicht rigoros, hat sich aber in den acht Jahren GULP bestens bewährt.
  Generell gilt für IT-Freiberufler das, was für jeden Unternehmer gilt, der seine Kunden erreichen will: Das Angebot sollte stimmen, es sollte gut aufbereitet sein – und schließlich muss auch der Preis passen, also keine utopischen und völlig marktfremden Stundensätze. Und wenn alle drei Hauptkriterien erfüllt sind, dann sind wir uns sicher, dass das GULP Profil des Freiberuflers bei einer passenden Anfrage von uns gefunden wird.
   
GULP Vielen Dank für das Gespräch.

Kommentare zu diesem Artikel:

"Das mit dem "Schwerpunkt" ist so eine Sache... Die meisten Projektanbieter erwarten wohl einen Bewerber zu finden der 20 Jahre Erfahrung mit mehrerern Produkten hat, die es erst seit zwei Jahren gibt?? Viele vergessen, dass es außer Schubladenwissen noch die Kreativität gibt, die einen guten Freelancer auszeichnet. Kreativität schafft meiner Erfahrung nach den größten Mehrwert für einen Auftraggeber. Da hat es in meiner Karriere schon so manche Herausforderungen mit überraschendem Ergebnis gegeben ;-) (März 2010)"

"Eben die Glaubwürdigkeit,,, Ich schreibe, was ich mit .NET, C# und WPF die letzten Jahre gemacht habe und bekomme auf Nachfrage, wie die Entscheidung gefallen ist, die Auskunft, dass ich wegen mangelnder C# nicht berücksichtigt wurde. Würde auch sagen, auf 90 Prozent aller Reaktion auf Ausschreibungen kommt keine Antwort, viele Ausschreibungen kehren im 2 Monate Zyklus immer wieder. (Dezember 2009)"

"Ziemlich pauschal, kein echter Nutzen was "Sünden" angeht (fällt alles unter "schon klar...") - Aber was soll ein Freiberufler, der sich Mühe gibt, sein Profil gut zu formulieren und aktuell zu halten, von Prokjektanbietern halten, die all diese durchdachten Angaben zu schlicht nicht lesen (wollen oder können), die Anfragen mit dem Salzstreuer verteilen - denn mehr ist mehr - und/oder wochenlang nicht auf Rückmeldungen (für oft ach SO dringende Projekte) nicht reagieren? Wie ein Vorredner schon sagte: Friss oder stirb... (November 2009)"

"Zum Thema Glaubwürdigkeit von Projektanbietern möchte ich folgendes beiragen: Ich suche seit etwa 4 Wochen ein Anschlussprojekt und habe mich in der Zeit für rund 40 "Projektangebote" beworben. Bei deutlich über 90% der "Projektangebote" gibt es keinerlei Reaktion. (Oktober 2009)"

"Ich kann mich den Kommentaren hier nur anschließen. Auch die Projektvergabe unterliegt gewissen Regeln. Inzwischen wird in diesem Bereich überwiegend nach dem "friss oder stirb" Prinzip gearbeitet. Ich darf daran erinnern, das wir aufeinander angewiesen sind und Verlässlichkeiten somit auch für beide Seiten gelten. Dennoch: Profile, soviel steht fest... sind die Visitenkarte! Das ist so. (Juli 2009)"

"Ich kann mich den Kommentaren hier nur anschließen. Auch die Projektvergabe unterliegt gewissen Regeln. Inzwischen wird in diesem Bereich überwiegend nach dem "friss oder stirb" Prinzip gearbeitet. Ich darf daran erinnern, dass wir aufeinander angewiesen sind und Verlässlichkeiten somit auch für beide Seiten gelten. Dennoch: Profile, soviel steht fest... sind die Visitenkarte! Das ist so. (Juli 2009)"

"Lesenswerter Artikel. Aber: Zum einen kann ich die Erfahrungen meiner "Vorredner" bestätigen. Man erhält eine Anfrage bzw. gibt ein Angebot für ein Projekt an und dann regt sich lange Zeit erst mal nichts. Wenn man Glück hat, bekommt man eine Absage, selbst wenn dies erst auf Nachfrage geschieht. In Bezug auf Erfahrungen etc.: Was soll man denn schreiben, wenn man auf über 20 Jahre IT-Erfahrung zurückblicken kann und einen Teil dieser Zeit nicht in geschlossenen Projekten verbracht hat, sondern damit das man in Eigenregie Software entwickelt und vertrieben hat und dabei in X-Betriebe und Branchen eintauchen mußte/durfte? Alles vergessen oder angeben und als "unglaubwürdig" gelten? Auch hier scheint zuweilen zu gelten: Wasch mich, aber mach mich nicht naß. (Mai 2009)"

"Der Artikel vergisst eines: Man erhält Anfragen, obwohl sie nicht passen. Sei es aufgrund der Verfügbarkeitsangabe, dem Ort, dem Inhalt. Warum, so frage ich mich, sollte dann jemand sein Profil i.O halten, wenn die Anfragen eh entgegen der Daten kommen? Der Vorwurf der Schlamperei, liegt nicht nur beim Projektsuchenden, sondern meist mehr beim Anfrager !! (November 2008)"

"Was Herr Gasteiger sagt, liest sich schön. Aber in meiner Erfahrung ist das die reine Theorie. Gerade in den letzten 5 Jahren ist mir die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit vieler Projektanbieter verloren gegangen. 2/3 der Anfragen lösen sich in nichts auf. Eine Rückmeldung erfolgt meist nur auf Nachfrage. Dann ist zu erfahren, dass das Projekt von einem anderen Anbieter oder intern besetzt worden ist, oder das es gar nicht mehr stattfinden soll. Leider stark zugenommen hat die Anzahl zwischengeschalteter Mitverdiener. Mit dem Effekt dass der Vertrieb nicht mehr passgenau verläuft und die Mitverdienerspanne Preise beim Mitarbeiter als auch beim Endkunden kaputt macht. Man wird bereits runtergehandelt, bevor man sich dem Endkunden präsentieren konnte und weiß was dieser einem zu bieten hat. Offensichtlich sind bei immer mehr Endkunden die EURO-fixierten Einkäufer die Entscheider, nicht die nutznießenden IT-Fachleute. Qualität zählt oft nichts mehr. Insofern kann ich gut nachvollziehen, dass sich einige Freiberufler diesem Qualitätsbewusstsein angepasst haben. (Oktober 2008)"

"Die Halbwertszeit von IT-Wissen ist nur auf das Produktwissen anzuwenden. Bits und Bytes werden seit jeher verwendet. Und dass wir uns aber auf eine immer höhere Abstraktionsebene begeben ist eher natürlich und liegt an dem Versuch, die Kluft zwischen IT und Fachabteilung zu schließen. Ich bitte deshalb den Autor in Zukunft nicht solche Floskeln zu verwenden. In allen anderen Sachen stimme ich dem Autor zu. (Mai 2008)"

"Man erhält häufig Anfragen, die "eilig", "sofort", "zum nächsten 1." oder ähnliches sind. Sobald CV beim Vermittler ist, passiert dann oft wochenlang nichts. Die Sache mit der Verfügbarkeit ist so eine Sache, wenn zwischen der etrsten Anfrage und einer endgültigen Zu-/Absage bis zu acht Wochen liegen. (Februar 2008)"

"Ich würde mich freuen, wenn die Projektanbieter sich ebenso glaubwürdig verhalten, denn anhand sich vermehrender Projektverschiebungen oder sogar Absagen (kein Budget, keine Freigabe durch Betriebsrat, Prioritätenänderung, Umfimierung, Personalwechsel, es wird doch intern gemacht,...) gibt es hier sicherlich auch noch Verbesserungsmöglichkeiten. Wer bezahlt uns Freiberuflern denn diese Blindleistung? (September 2007)"

"Ich achte auf meine Daten, aber Glaubwürdigkeit ist eine Sache auf Gegenseitigkeit. Mein Gefühl sagt mir eher, dass wir Freiberufler immer häufiger mit leeren Floskeln abgespeist werden. Mein Glaube hat in den letzten Jahren zumindest ziemlich abgenommen. (Mai 2007)"

"Ich bin erstaunt dass ein Recruiter seinen Schwerpunkt so auf Glaubwürdigkeit legt. In letzter Zeit verstärkte sich bei mir immer mehr der Eindruck, dass nur noch der schnelle Euro zählt. Es freut mich umso mehr, dass Menschen wie Herr Gasteiger einen derart großen Wert auf Glaubwürdigkeit legen und auf was sie dabei alles achten. Ich fühle mich in meinen eigenen Ansichten bestätigt. (November 2006)"

"Interessant ist der Beitrag zur Glaubwürdigkeit: Danach ist mein Profil bestimmt nicht glaubwürdig, ich kenne mich einfach in zu vielen verschiedenen Bereichen aus (ok Scherz). Aber: Was sind denn "sich gegenseitig ausschließende Schwerpunkte" ? Ich weiß schon dass einem C++ Programmierer meist nicht zugetraut wird, dass er auch noch richtig gut VHDL kann. (Und vielleicht einiges Besser macht als der reine VHDL Experte, der nur einen Blickwinkel kennt). Auf jedenfall hilft dieser Artikel mal in den Kopf eines Rekruiters reinzuschauen, also herzlichen Dank, hat mir sehr geholfen. (September 2006)"

"Die Erkenntnisse sind eigentlich nicht neu, dennoch interessant, diese Zusammenfassung zu lesen. (Mai 2005)"

"Schön, mal die Sicht der Projektanbieter kennenzulernen. Ich stimme dem zu "das Angebot soll stimmen und es soll gut aufbereitet sein", aber das dritte Hauptkriterium "und schließlich muss auch der Preis passen, also keine utopischen und völlig marktfremden Stundensätze" gilt m. E. sowohl nach oben als auch nach unten. Mein Vorschlag an die Projektanbieter: schaut nicht zuerst auf den Preis, sondern auf die Qualität. Die Freiberufler arbeiten in Ihrem Namen und jeder Makel fällt auf Sie zurück. Auch das drückt Ihre Preiseverhandlungen beim Kunden! (Januar 2005)"

"Ich finde es sehr erstaunlich, dass es sich Freelancer erlauben können, nicht auf Projektanfragen zu antworten. Offensichtlich sind sie schon so lange im Projekt, dass sie sich auch nicht mehr um ihre Zukunft sorgen müssen. Empfinde es deshalb gegenüber den anderen Freelancern nur als sehr fair, dass Gulp dann die Profile löscht. Das sind gute Informationen. (Dezember 2004)"

"Ein solcher Denkanstoß ab und zu ist nie verkehrt. Ich denke aber auch (wie schon zu lesen war), dass die Frage des Verfügbarkeitsdatums wegen der möglichen zeitlichen Überschneidungen nicht überbewertet werden sollte. Im Zweifelsfall ist eine Rückfrage sicher kein großes Problem. (Dezember 2004)"

"Na hoffentlich wird der Spieß der Zuverlässigkeit nicht mal umgedreht. Bei den vielen Recruitern in den Agenturen, die auf eine Bewerbung nicht mal mit einer Absage reagieren, kann man wohl auch kaum von zuverlässigen Partnern sprechen... (November 2004)"