Gibt es ein Leben neben der Arbeit? GULP wollte
von den IT-Freiberuflern wissen, was sie in den Stunden fernab eines
Projektes machen.
Und wie so oft, wenn es um ein persönlicheres Thema geht,
war die Teilnehmerzahl an der Umfrage ausgesprochen beachtlich:
695 Antworten geben einen bezeichnenden Einblick in das Freizeitverhalten
der IT-Freiberufler, bei dem man jedoch grundsätzlich bedenken
sollte, dass eine normale Durchschnittsauslastung im Projekt in
der Regel die 40-Stunden-Woche deutlich übersteigt und damit
wenig Zeit
für das Privatleben lässt.
Welcher Bereich hat derzeit bei Ihnen höchste
Priorität?
Keine Prioritäten. 5 %
Arbeit. 34 %
Partner und Familie. 39 %
Freunde. 4 %
Hobbies. 8 %
Selbstverwirklichung. 9 %
Zugegeben, die Versuchung eines Klischees ist groß: Werden die
Antworten das Bild des IT-Freiberuflers bestätigen, der als Workaholic
ausschließlich mit Bits und Bytes verbandelt ist?
Und dann das: Das Klischee funktioniert nicht, denn tatsächlich
stellen 39 Prozent und damit die Mehrheit der IT-Freiberufler Partner
und Familie an die erste Stelle. Ein Grund dafür ist sicherlich
auch darin zu finden, dass bei den IT-Freiberuflern die
reiferen Semester in der Überzahl sind – und damit
auch eine Verschiebung der Prioritäten erfolgt ist.
Diese These wird bestärkt durch den geringen Anteil der eher
jugend-typischen Antworten, die Freunde (4 Prozent) und Hobbies
(8 Prozent) als höchste Priorität genannt haben. Und sie
wird ebenfalls untermauert von den in einer freien Marktwirtschaft
vergleichsweise niedrigen 34 Prozent, für welche die Arbeit
das Wichtigste im Leben ist.
Bemerkenswert sind schließlich die 9 Prozent der Teilnehmer
an der Umfrage, welche ihrer Selbstverwirklichung aktuell eine besondere
Bedeutung einräumen. Wie diese nun genau aussieht – das
wäre Thema einer eigenen Umfrage. Vielleicht würde dabei
sogar herauskommen, dass der GULP Kollege, der auf Weltreise war,
kein Einzelfall ist ...
Was machen Sie bevorzugt in Ihrer freien Zeit?
Um Partner und Familie kümmern. 44 %
Sport. 11 %
Freunde treffen. 8 %
Lesen. 4 %
Fernsehen. 2 %
Fortbildung. 9 %
Computern. 14 %
Sonstiges. 8 %
Partner und Familie genießen nicht nur höchste Priorität,
sondern nehmen bei 44 Prozent der IT-Freiberufler auch ganz praktisch
den Großteil der zur Verfügung stehenden Freizeit ein.
Da kann man nur sagen: Lobenswert.
Ein sehr guter Ausgleich zur Arbeit ist Sport – diese Auffassung
setzt mehr als jeder zehnte der IT-Freiberufler in die Tat um. Auch
das: Lobenswert.
Für neun Prozent der an der Umfrage teilnehmenden IT-Experten
gilt der Grundsatz, dass man niemals mit dem Lernen aufhören
sollte. Sie widmen deshalb einen wichtigen Teil ihrer Freizeit der
Fortbildung und erhalten dafür: Besonders lobenswert.
Nur zwei Prozent der IT-Freiberufler sind ausgewiesene Fernsehfans
– und das in Zeiten, in denen laut Statistiken jeder Bundesbürger
mehrere Stunden täglich vor der Glotze verbringt. Ob es daran
liegt, dass für IT-Freiberufler der PC der bessere Fernseher
ist (14 Prozent computern am liebsten in ihrer Freizeit) oder dass
Harald Schmid in TV-Frührente gegangen ist? In jedem Fall sagen
die intellektuellen Kulturhüter hier: Uneingeschränkt
lobenswert.
Übrigens: Eine Stichprobe bei den GULP ITlern hat hinsichtlich
Fernsehkonsum ergeben, dass auch Fußball-Europameisterschaft
oder Olympiade am Desinteresse nichts signifikant ändern wird.
Mit Ausnahme der Formel 1 lockt hier kein Sportereignis vor das
Fernsehgerät.
Sind Sie eher ein geselliger Mensch oder eher
ein Eremit?
Ich brauche als Ausgleich viele Leute um mich herum.
14 %
Entspannen kann ich nur allein. 16 %
Je nachdem. 70 %
Es ist nicht zu ändern, aber das Ergebnis der dritten Frage
ist ziemlich unspektakulär: Über zwei Drittel leben nach
der Devise, dass es sowohl für das Alleinsein wie auch für
die Geselligkeit ihre Zeit gibt – extremere Positionen vertreten
dagegen nur 16 Prozent (welche vor allem die Einsamkeit schätzen)
bzw. 14 Prozent (welche zur Entspannung die Geselligkeit benötigen).
Kommentare zu diesem Artikel:
"8 Stunden Schlaf? Aber ganz sicher nicht unter der Woche, da
muß ich mich schon mit 6 Stunden begnügen. Ca. 10 Stunden täglich verbringe ich beim Kunden, etwa 2 auf der Autobahn und die restlichen 6 teilen sich in etwa so auf ...
30 Minuten für kurze Pausen, ca. 2 Stunden für Projekt-Recherchen, Papierkram, Körperhygiene, Arztbesuch, Steuer und Fachliteratur, 2 Stunden für Familie und Hund, ungefähr eine Stunde für Supportfragen im privaten Umfeld und noch 30 Minuten für Arbeiten in Haus und Garten. Mein Freundeskreis ist bis auf ein oder zwei Personen, die noch dazu in mehreren 100km Entfernung leben, zusammengeschrumpft. Als ich noch Angestellter war, ging ich 2 mal pro Woche fuer jeweils 2 bis 3 Stunden zum tanzen, war hin und wieder im Kino, oder einfach nur mit Kollegen oder/und Freunden ein Bier trinken. Freizeit als Freiberufler? Klingt für mich fast wie heizen ohne Brennstoffe. Selbst am Wochenende geht eine Menge Zeit für den unter der Woche liegengebliebenen Papierkram drauf, Post wird durchgesehen und sortiert, Rechnungen geschrieben und/oder bezahlt. Je nach Projektort ist das Wochenende auch ganze 24 Stunden lang, weil schon wieder die Abreise in Richtung Projekt einkalkuliert werden muß und dabei sind 200km einfache Strecke noch wenig, die Tendenz geht schon eher in Richtung 350km bis 600km. Gluecklich kann sich der schätzen, der ein Projekt in Heimatnähe bekommt, welches dann gleich ein Jahr oder auch nur 6 Monate dauert. Die Regel sah bislang so aus, daß die fixe Projektdauer bei 1 bis 3 Monaten lag und die Einsatzorte deutlich weiter weg waren. Interessant ist allerdings die Tendenz in diesem Winter! Die Anfragen für Projekte mit Laufzeiten von 12 bis 24 Monaten haben sich vervielfacht, allerdings zu 95% in nach wie vor größerer Entfernung zum Wohnort.
Alles in allem eine positive Entwicklung, aber ist sie nun dauerhaft oder wieder einmal nur temporär? Bei längeren garantierten Projektlaufzeiten hätten auch wir Freiberufler endlich einmal die Chance, ein wenig aufzuatmen und wieder mehr private Kontakte zu pflegen. (Dezember 2004)"
"Ich will heute endlich die Gelegenheit nutzen, Euch Gulplern zu den meisten Texten hier in Eurer Datenbank zu gratulieren. Die sind wirklich gut geschrieben und diese Umfrage finde ich besonders witzig. (August 2004)"
"Was mich interessiert, wie viel Freizeit hat der durchschnittliche Freiberufler. Wenn ich annehme, er ist 10 Stunden am Tag mit Arbeit, Korrespondenz und An- und Abfahrt beschäftigt, 8 Stunden Schlaf, 1 Stunde Steuer, Arzt, Einkaufen und Wasserhahn reparieren, dann bleiben ihm an einem Werktag fünf Stunden Freizeit, das heißt 12 Minuten zum Lesen, davon sicherlich fünf Minuten für die Zeitung und vier Minuten für Fachliteratur, bleiben also noch 3 Minuten für schöngeistige Literatur, davon zwei für €Herr der Ringe€ und eine für €Harry Potter€, bleibt also noch eine Minute für schöne schöngeistige Literatur, das heißt, der typische Freiberufler braucht etwa 16 Jahre, bis er endlich Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gelesen hat€. Hilfe! Über was kann ich mich mit dem durchschnittlichen IT-Freiberufler unterhalten? (Juni 2004)"
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