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Umfrage-Ergebnis

Abschluss und Zertifikat

 
(Dezember 2004)
 

Ist von der fachlichen Qualifikation eines IT-Freiberuflers die Rede, dann spricht man zuallererst von einzelnen Skills, von grundsätzlicher Ausrichtung (Entwickler oder Trainer) und insbesondere von spezifischer Berufserfahrung. Wie wichtig ist aber die so genannte formale Qualifikation (Ausbildung, Studium und Zertifikate)?

Bei der GULP Umfrage zum Thema nahm mit 842 IT-Freiberufler eine erstaunliche Anzahl teil – ein erstes Indiz, dass die Frage nach dem Abschluss bzw. nach einem Zertifikat nicht nur eine wenig beachtete Fußnote ist, sondern auf großes Interesse stößt.



Welchen formalen Abschluss haben Sie?

Diplom-Informatik (FH). 14 %

Universitätsabschluss sonstige. 13 %

Diplom-Informatik (Univ). 11 %

Sonstigen Diplom-Ingenieur (FH). 8 %

FH-Abschluss sonstige. 8 %

IT-Fachinformatiker. 8 %

Sonstigen Diplom-Ingenieur (Univ). 7 %

Informationselektroniker. 2 %

IT-System-Elektroniker. 2 %

Informatikkaufmann/-frau. 2 %

IT-System-Kaufmann/-frau. 1 %

Quereinsteiger. 24 %


25 Prozent haben einen spezifischen IT-Studienabschluss, weitere 15 Prozent können den Titel Diplom-Ingenieur auf ihrer Visitenkarte vermerken – und noch mal 21 Prozent weisen einen anderen akademischen Abschluss vor. Also: Die überwiegende Mehrheit unter den IT-Freiberuflern sind mit 61 Prozent Akademiker, von denen wiederum am häufigsten Diplom-Informatiker (FH) anzutreffen sind.

Insgesamt 15 Prozent. Weit seltener sind Freiberufler, die einen anerkannten IT-Ausbildungsberuf erlernt haben. Hier ist mit 8 Prozent der IT-Fachinformatiker "spitze".

Eine andere Ausbildung, ein abgebrochenes Studium, gleich von der Schule in die IT-Selbstständigkeit – welcher Weg es auch immer war, er führte für knapp ein Viertel (24 Prozent) der Teilnehmer an der Umfrage "quer" in die IT.



Welches Zertifikat haben Sie erworben?

(Mehrfachnennungen waren möglich)

Keines. 31 %

Microsoft. 17 %
SAP. 12 %
IBM. 6 %
Cisco. 5 %

Novell. 5 %

Linux LPI. 4 %
Projektmanagement. 4 %
Sun Java. 4 %
Sun Solaris. 3 %

Anwender. 3 %

ITIL. 3 %
ComTIA. 2 %
MySQl. 2 %

PHP. 2 %

Macromedia. 1 %
OMG. 1 %
Sonstige. 18 %

Eine Einschränkung vorab: Angesichts der kaum mehr überschaubaren Anzahl verschiedener Zertifikate hätte eine detaillierte Aufstellung des gesamten Angebotes jeden Rahmen gesprengt. Es konnte also nur eine Auswahl von vielen Möglichen sein – mit einem stattlichen 18-Prozent-Anteil der Antwortoption "Sonstige".

Bemerkenswert ist die hohe Zahl (31 Prozent) von IT-Freiberuflern, die kein Zertifikat vorzuweisen haben – sei es aus mangelnder Gelegenheit, mangelnder Notwendigkeit oder aus Überzeugung.

Wenig überraschend. In der Rangliste der Zertifikate sind auf den vorderen Positionen die "Großen" der IT-Branche mit jeweils einem umfangreichen Zertifizierungsangebot anzutreffen:

17 Prozent der IT-Freiberufler haben ein oder mehrere Zertifikate (MCP bis MSS) des weltweit größten Softwareanbieters Microsoft,
12 Prozent sind SAP-zertifiziert,
6 Prozent haben ein Zertifikat (CS bis CD) des "Dinosauriers" unter den Computerfirmen: IBM,
5 Prozent sind ausgewiesene Kenner (CCNA bis CCDP) der Produkte des weltweit größten Netzwerkausrüsters Cisco,
5 Prozent besitzen ein Zertifikat (CNA bis CIP) des US-amerikanischen Spezialisten für Netzwerk- und Internet-Softwareprodukte Novell.


Wurde von Ihnen für ein Projekt schon einmal ein Abschluss bzw. Zertifkat verlangt?

Ja, kommt häufiger vor. 10 %

Ja, aber selten. 21 %
Noch nie. 69 %

Sind formaler Abschluss oder Zertifikat im IT-Projektmarkt nur von untergeordneter Bedeutung? Dass 69 Prozent der Teilnehmer noch niemals und weitere 21 Prozent nur selten explizit danach gefragt worden sind, bekräftigt ebenso wie die öffentlichen Diskussionen die Annahme, dass Projekterfahrung und Skill-Portfolio die wichtigsten Bausteine für den Freiberufler-Erfolg sind.

Allerdings sollte man sich von diesem Ranking nicht in die Irre leiten lassen, denn

zum einen kann für ein neues interessantes Projektangebot genau das fehlende Zertifikat verlangt werden,
zum anderen fragen manche Projektanbieter zwar nicht nach Abschluss/Zertifikat, schauen aber im Freiberufler-Profil genau hin, wo die entsprechenden Informationen stehen ... oder auch nicht.

 

 

Kommentare zu diesem Artikel:

"Stimmt, bin auch noch nie (wenns ernst wurde) danach gefragt worden. Wichtiger: Projektnachweise, Referenzen und Hochschulabschluss. Bilde mich selber weiter und halte mehr von einem langfristigem Fernstudium. (März 2005)"

"deckt sich mit meiner Erfahrung (Dezember 2004)"

"Informationen zu diesen Themenbereichen sollten regelmäßig hier zu finden sein. Ein wichtiger Artikel. (Dezember 2004)"

"Interessant. Bei mir kamen es bei den letzten Anfragen leider öfter vor, daß solche Zertifikate verlangt wurden, obwohl meine Projekthistorie eine eindeutige Sprache spricht. Von daher denke auch ich jetzt über eine Zertifizierung nach. Leider hört man von Freelancerkollegen aber immer wieder, daß gewisse 'Zertifizierte' oft nur Ihr Schulwissen mitbringen, dann aber von der Praxis [Einschaltknopf, o.ä. :-)] absolut keine Ahnung haben. Eine solide Ausbildung und Praxis-KnowHow sind also durch nichts zu ersetzen. (Dezember 2004)"

"Sehr informativ. Vielen Dank! (Dezember 2004)"

"Guter Artikel. Er zeigt mir, wo ich mit meinen Zertifikaten stehe im Vergleich zu den Anderen und woran ich noch arbeiten sollte. (Dezember 2004)"

"sehr interessante Werte, die mit so vielen Teilnehmern auch glaubwürdig sind. Hätte jedenfalls nicht gedacht, dass so viele von uns Akademiker sind. Andererseits beweist dann die praktische Erfahrung, dass ein Hochschulabschluss nicht unbedingt etwas mit menschlicher Bildung zu tun hat ;-) (Dezember 2004)"


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