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Umfrage-Ergebnis

Stundensatz Teil 7

(März 2007)
 

Der vor zwei Jahren einsetzende finanzielle Aufwärtstrend im IT-Projektmarkt hält weiter an: Der durchschnittlich geforderte Stundensatz stieg seitdem im Schnitt um vier Euro und liegt aktuell bei 68 Euro. Mittlerweile verlangt bereits wieder jeder vierte IT-Selbstständige (26 %) Stundensätze über 80 Euro. Eine Folge der anhaltend positiven Auftragsentwicklung, die sich in diesem Jahr offenbar noch verstärken wird: Mehr als die Hälfte der Auftraggeber (56 %) wird heuer voraussichtlich einen noch größeren Bedarf an externen IT-Mitarbeitern haben als im Vorjahr. Zumindest die ersten beiden Monaten im IT-Projektmarkt bestätigen diese Prognose, denn der Anteil der über GULP vermittelten Projekte hat – im Vergleich zum Vorjahr - allein im kurzen Monat Februar um 30 % zugenommen.

Wie werden sich angesichts dieses turbulenten Wachstums die Stundensätze und Margen im IT-Markt zukünftig entwickeln? Eine erste Einschätzung liefert die einmal jährlich unter IT-Selbstständigen und Projektanbietern durchgeführte repräsentative GULP Stundensatz-Umfrage. An der diesjährigen Befragung beteiligten sich 541 IT-Selbstständige und 36 Projektanbieter.

Beachten Sie auch die Umfrage-Ergebnisse aus den Jahren 1999, 2000, 2001, 2004, 2005, 2006, 2008, 2009 und 2010.

 

Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln? nach oben
   
Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln?
Wie werden sich die Stundensätze in absehbarer Zeit entwickeln?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Sinken.
17%
16%
30%
24%
18%
17%
8%
Steigen.
44%
57%
29%
44%
48%
50%
74%
Keine Änderung.
39%
27%
41%
32%
33%
33%
18%
 
   
Die wirtschaftliche Hochstimmung führt bei immer mehr IT-Selbstständigen zu finanziellem Optimismus: Nachdem sich der Anteil positiver Prognosen in den letzten Jahren eher noch etwas zögerlich entwickelte, stiegen sie in diesem Jahr um 48 % sprunghaft an: Drei Viertel (74 %) - und damit die klare Mehrheit der IT-Selbstständigen – erwartet weitere Stundensatzerhöhungen. Die Zahl der Pessimisten reduzierte sich dagegen von ca. einem Fünftel (17 %) auf nur noch unter ein Zehntel (8%).  
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Sinken.
50%
26%
53%
32%
17%
15%
6%
Steigen.
41%
52%
28%
39%
51%
50%
77%
Keine Änderung.
9%
22%
19%
29%
32%
35%
17%
 
   

Ganz ähnlich fällt die Bewertung der befragten Projektanbieter aus. Mit 77 % sind sie - prozentual gesehen - sogar noch etwas häufiger der Ansicht, dass der finanzielle Aufschwung seinen Zenith noch nicht erreicht hat. Auch ihr Anteil hat sich innerhalb eines Jahres enorm vergrößert. Nur die wenigsten (6 %) von ihnen rechnen noch mit sinkenden Honoraren.

 

 

Bevorzugen Sie nach Festpreis oder nach Aufwand bezahlte Projekte? nach oben
   
Bevorzugen Sie nach Festpreis oder nach Aufwand bezahlte Projekte?
Bevorzugen Sie nach Festpreis oder nach Aufwand bezahlte Projekte?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Festpreis.
9%
14%
12%
13%
13%
12%
9%
Aufwand.
76%
76%
81%
80%
78%
79%
83%
Egal.
15%
10%
7%
7%
9%
 9%
 8%
 
   
Unverändert bevorzugt die Mehrheit (83 %) der IT-Selbstständigen nach Aufwand bezahlte Projekte. Festpreisvereinbarungen sind im IT-Projektmarkt dagegen eher die Ausnahme, wie auch die Antworten der befragten Auftrageber zeigen.  
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Festpreis.
10%
3%
32%
16%
23%
 17%
 11%
Aufwand.
57%
91%
64%

74%

57%
 80%
 81%
Egal.
33%
6%
4%
10%
19%
 3%
 8%
 
   

So präferiert nur jeder zehnte Projektanbieter (11 %) Projekte mit Festpreisvereinbarung. Der Großteil (81 %) vergütet dagegen lieber nach entstandenem Projektaufwand. Hintergrund ist, dass der tatsächliche Arbeitsaufwand bei IT-Projekten meist nicht genau kalkuliert werden kann. Erfahrungsgemäß ist es schwierig, IT-Projekte immer erfolgreich und störungsfrei durchzuführen, so dass viele nicht innerhalb des geplanten Kosten- und Zeitbudgets beendet werden können. Deshalb ist auch der Dienstvertrag in der IT-Branche ein sehr beliebter Vertragstyp, weil dieser – anders als der Werkvertrag – den Auftragnehmer vertraglich nicht zum Erfolg verpflichtet.

 

 

Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen?
(Stundensatz des Endkunden minus Stundensatz des Freiberuflers)
nach oben
   
Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen?
Wie hoch liegen durchschnittlich die Margen?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Euro
19,4
19,4
24,7
26,5
25,2
 25,8
24,7
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Euro
15,9
17,4
22,3
24,2
21,5
20,8
20,2
 
   
Beide Parteien sind sich einig: Die Margen der Vermittler sinken, liegen aber weiter oberhalb der 20 Euro. Nach wie vor beziffern die IT-Selbstständigen die Vermittlungsprovisionen deutlich höher als die Projektanbieter selbst: Die aktuelle Differenz beträgt im Schnitt knapp fünf Euro und hat sich damit seit dem Jahr 2004 deutlich vergrößert.  

 

Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen? nach oben
   
Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen?
Verdienen Freiberufler zu viel im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Ja, zu viel.
4%
5%
7%
2%
3%
 4%
4%
Nein, zu wenig.
33%
38%
28%
46%
44%
 46%
47%
Passt so.
63%
57%
65%
52%
53%
50%
49%
 

 

 
Nicht nur die Stundensätze der freiberuflichen IT-Spezialisten steigen, sondern auch die Gehälter der IT-Beschäftigten. Zu diesem Ergebnis kommt die IG Metall in ihrer Gehälterstudie über Löhne in der Informations- und Telekommunikationsbranche. Besonders Beschäftigte im Hardware-Engineering zählen zu den finanziellen Gewinnern. (Quelle: Spiegel online, 13.03.2007) Vermutlich ein Grund, warum sich so langsam immer mehr IT-Selbstständige – trotz höherer Stundensätze – im Vergleich zu ihren festangestellten Kollegen als unterbezahlt sehen: Nahezu jeder Zweite (47 %) fühlt sich diesen gegenüber finanziell benachteiligt. Die Projektanbieter sehen das wiederum etwas anders:  
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Ja, zu viel.
38%
34%
34%
15%
26%
20%
25%
Nein, zu wenig.
6%
16%
6%
30%
19%
32%
19%
Passt so.
56%
50%
60%
55%
55%
48%
56%
 
   
Jeder vierte (25 %) von ihnen findet, dass externe IT-Mitarbeiter im Vergleich zu den festangestellten zu viel verdienen. Das war nicht immer so. Noch im letzten Jahr war jeder dritte Projektanbieter (32 %) der Ansicht, dass freie IT-Spezialisten zu wenig verdienen. Ein Jahr - und ein paar Stundensatzerhöhungen – später fällt nur noch jeder fünfte (19 %) dieses Urteil. Dagegen empfinden immer mehr von ihnen die Bezahlung externer IT-Spezialisten als angemessen (56 %) bzw. schon wieder zu hoch (25 %).  

 

Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wieviel Sie für ihn beim Endkunden fakturieren? nach oben
   
Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wieviel Sie für ihn beim Endkunden fakturieren?
Nennen Projektanbieter einem Freiberufler auf Anfrage, wieviel Sie für ihn beim Endkunden fakturieren?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Ja.
36%
23%
34%
31%
33%
31%
33%
Nein.
64%
77%
66%
69%
67%
69%
67%
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Ja.
45%
42%
45%
38%
47%
53%
58%
Nein.
55%
58%
55%

62%

53%
47%
42%
 
   
Beim Thema Offenlegung der Margen fallen die Antworten beider Parteien wie gehabt aus: Während die Projektanbieter (58 %) mehrheitlich erklären, diese auf Nachfrage bekannt zu geben, verneinen das die meisten IT-Selbstständigen (67 %). Seitens der Projektanbieter geht der Trend deutlich hin zu mehr Transparenz: Noch bis zum Jahr 2005 gaben die meisten Projektanbieter keine Auskunft darüber, wie viel Provision sie dem Endkunden berechnen. In den letzten zwei Jahren hat sich hier ein deutlicher Wandel vollzogen, denn nun legt der Großteil von ihnen die Margen auf Nachfrage offen.  

 

Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen? nach oben
   
Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen?
Wie liegen Freiberufler mit ihren Stundensatzforderungen?
 
 
IT-Freiberufler
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Eher zu hoch.
13%
7%
11%
10%
14%
15%
12%
Eher zu niedrig.
34%
50%
35%
36%
30%
31%
34%
Meist richtig.
53%
43%
54%
54%
56%
54%
54%
 
   
 
Projektanbieter
1999
2000
2001
2004
2005
2006
2007
Eher zu hoch.
69%
49%
64%
35%
47%
37%
42%
Eher zu niedrig.
10%
15%
9%

20%

17%
15%
14%
Meist richtig.
21%
36%
28%
45%
36%
48%
44%
 
   

Noch decken sich in den (prozentual) meisten Fällen die finanziellen Vorstellungen der IT-Selbstständigen (54 %) mit denen der Projektanbieter (44 %): Die geforderten Stundensätze befinden sich auf einem beidseits akzeptiertem Niveau. Allerdings stufen wieder deutlich mehr Auftraggeber (42 %) die verlangten Honorare als zu hoch ein, wohingegen die IT-Selbstständigen (34 %) diese wieder öfter als zu niedrig beurteilen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Beide Seiten sind sich mit deutlicher Mehrheit einig, dass der finanzielle Aufwärtstrend externer IT-Spezialisten weiter anhält. Angesichts dessen, dass jede Partei andere Interessen verfolgt, ist mit der Eintracht hier aber auch schon weitgehend Schluss. Während immer mehr IT-Freiberufler versuchen, weitere finanzielle Spielräume auszuloten, rudern die Projektanbieter hinsichtlich ihrer Zahlungsbereitschaft deutlich zurück. Nach ihrem Geschmack sind die derzeit verlangten Honorare bereits zu hoch.

 

 

Umfrage-Ergebnisse 1999, 2000, 2001, 2004, 2005, 2006, 2008, 2009 und 2010

 


Kommentare zu diesem Artikel:

"Was soll immer das Gejammere über zu niedrige Stundensätze? Als Unternehmer bin ich für die von mir erzielten Stundensätze selbst verantwortlich. Nur schlechte Kaufleute schimpfen über ihre Kunden. Der Spruch ist so alt wie er wahr ist: "Ein Unternehmer unternimmt was." Bei Bedarf eben auch gegen zu niedrige Stundensätze. Wer das nicht kann oder will, sollte eine Festanstellung anstreben und Mitglied bei Verdi werden. (Mai 2007)"

"Lebensarbeitszeit ist für mich mittlerweile der zentrale Gedanke. "Projekt 67" - also die Marktfähigkeit und Fitness, bis zum persönlichen Rentenalter bestehen zu können, ist wohl nur mit massiver Fortbildung möglich. Ich habe einen etwas wilden Ansatz gewählt: 10% der Zeit und 5% vom Umsatz wird investiert. Das tut weh, zeigt aber erste Früchte und verhindert hoffentlich das "AS400-Syndrom": Technisch kompetent in einem Bereich zu sein, den immer weniger Kunden nachfragen. Mit Stundensätzen auf oder gar unter dem Niveau eines Festangestellten-Gehaltes ist das auf Dauer nicht zu manchen! (Da kommt man in München sehr schnell auf deutlich mehr als 40 Euro - Betriebsrente, volle Auslastung, Lohnnebenkosten, kostenloses Notebook, Firmenhandy, Firmenwagen und andere Dinge vergisst man schnell und darf auch die Ausgaben-Seite des Freelancers mit z.B. schlechteren Kreditkonditionen, hohen Steuerberaterkosten, einer IT-Versicherung usw. nicht vergessen!) (Mai 2007)"

"Der Artikel ist sehr interesant, zeigt er doch die vergleichsweise hohen Margen, die Dienstleister erzielen, wenn sie "uns" längerfristig reinvermitteln können. Was den Stundensatz angeht, der bei dem Selbständigen über bleibt, muss man aehnlich denken: Langfrisitge Projekte lohnen sicher schon ab 55 bis 60 Euro. Mehr ist in der Hardwarebranche, in der ich arbeite, nur selten zu erzielen. Umgekehrt muss man sich (ich beziehe mich auf die Kritik, "Kirche im Dorf lassen") immer vor Augen führen, dass von dem Jetztverdienst des Selbständigen vieles bei der Steuer landet. Wie aber sieht es aus, wenn man über 50 Jahre ist? Wovon finanziert man die restlichen 30 Jahre des Lebens? Praktisch MÜSSSEN hier Stundensaätze von 60-70 Euro her, um es auf Jahresumsaätze zu bringen, die - auf die Lebensarbeitszeit bezogen - zu einer ähnlichen Stellung führen, wie die Situation eines Festangestellten. (April 2007)"

"Ergibt ein schlüssiges Bild für die Situation am Markt. (März 2007)"

"Dass nach wie vor durchschnittlich 20 Euro Marge bei den Stundensätzen zu erzielen sind, kann ich nicht bestätigen. Entweder sind unsere Kunden zu "knausrig" oder wir gegenüber den Freiberuflern zu großzügig. (März 2007)"

"Die Margen der Vermittler sind weiterhin hoch, stellt man die Leistung gegenüber. (März 2007)"

"Sehr interessant !! (März 2007)"

"Nun ja das mit den vielzitierten Nebenkosten als Freiberufler ist so eine Sache, man sollte hier mal die Kirche im Dorfe lassen: - Von der unnütz gezahlten Arbeitslosenversicherung hat man als Angestellter nach kurzer Zeit auch nicht mehr sehr viel. - Bei der Krankenversicherung kommt als Freiberufler nur die AG-Hälfte dazu. - Und die staatliche Rentenversicherung ist komplett hinausgeworfenes Geld. - Zur Arbeit fahren müssen die Angestellten auch und die fahren teilweise auch über 100 km täglich. (März 2007)"

"Dass die Auftraggeber die verlangten Honorare als zu hoch ansehen ist nur aus ihrer Sicht richtig. Ich finde den derzeitigen Stundensatz viel zu niedrig. Dies begründet aus den hohen Nebenkosten wie: soziale Absicherung wie z.B. Krankenversicherung, Rücklagen für die Rente (Lebenvers.Aktien...), Verdienstausfallversicherung, Haftpflichtversicherung, dazu kommen noch Kosten für Netzwerke, Auto und Hotel, Rücklagen für auftragslose Zeiten ca. 25% usw. Was bleibt da bei einem Stundensatz von durchschnittlich 68 Euro übrig? Das muss doch jedem Auftraggeber klar sein, wenn er mal an seine eigenen Personalkosten denkt, dass 68 Euro viel zu wenig sind! (März 2007)"


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