"Land unter" auf Ihrem Schreibtisch?

(April 2006)
Inhalt dieses Artikels:
Wie Innen – so Außen! | Ein Zeichen beruflichen Erfolgs | Der Zeigarnik-Effekt | Den Schreibtisch entrümpeln | Die Lee-Methode
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Wer kennt das nicht: Frisch und voller Tatendrang kommen Sie morgens am Arbeitsplatz an. Doch schon beim ersten Blick auf Ihren Schreibtisch fühlen Sie sich wie erschlagen: Papiere, Unterlagen, Fachliteratur – stapelweise und so weit das Auge reicht! Zwar beherrschen Genies sprichwörtlich das Chaos, aber auch Albert Einstein hatte bekanntermaßen nicht immer Recht. Auf Ihrem Schreibtisch jedenfalls hat das Chaos nichts verloren und erschwert Ihnen nur die Arbeit. Wie Sie sich vom unnötigen Schreibtischballast befreien weiß Jens Holtmann, Fachautor und Gründer der Einkäufer-Akademie.

 

Wie Innen – so Außen!
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Zuerst der Blick darauf, wie ein voller oder sogar chaotischer Schreibtisch auf andere Menschen (Chef, Kollegen, Mitarbeiter) wirkt. Britische Forscher der Universität Manchester fanden in einer Studie 2004 heraus, dass der Zustand eines Schreibtisches Rückschlüsse auf die Verfassung seines Besitzers zulässt. Das deckt sich mit der uralten (ägyptischen) Weisheit: "Wie Innen – so Außen!"

Rund 2.500 Menschen hatten ein Foto ihres beruflichen Arbeitsplatzes geschickt und zusätzlich Fragen zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Privatleben beantwortet. Zwei Drittel der im Rahmen der Studie ebenfalls befragten Manager bevorzugen Mitarbeiter mit aufgeräumtem Arbeitsplatz. Jeder Zweite glaubt, dass an einem chaotischen Schreibtisch notwendigerweise ein unzuverlässiger und amateurhaft arbeitender Beschäftigter sitzt.

 

 

Ein Zeichen beruflichen Erfolgs
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Auch die vom Informationsdienst "Der Persönliche Organisations-Berater" in Auftrag gegebene repräsentative Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2005 kommt zu den Ergebnissen:

1. Volltischler sind weniger erfolgreich.
2. Ein leerer Schreibtisch signalisiert effiziente Arbeit.

Nicht der volle, sondern ein leerer Schreibtisch ist das Zeichen beruflichen Erfolgs. Davon sind 60 Prozent der deutschen Führungskräfte - egal ob aus dem Mittelstand oder aus Großunternehmen – überzeugt. Nur 22 Prozent glauben, dass Menschen mit einem vollen Schreibtisch erfolgreicher sind. Offenbar hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass Menschen mit einem aufgeräumten Schreibtisch auch sonst ihr Leben und ihre Aufgaben im Griff haben und ihren Berufsalltag effektiv organisieren.

Das sind ja tolle Aussichten. Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die ihren vollen Schreibtisch schon öfter leer- und aufgeräumt haben. Was passierte? Nach ein paar Tagen (oder manchmal auch nur Stunden) war der alte Zustand wieder hergestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig und häufig individuell bedingt. Tatsache ist, dass der volle Schreibtisch ein großer Effizienz-Killer ist und uns eine Menge negativer Gefühle bereiten kann.

 

 

Der Zeigarnik-Effekt
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Die russische Psychologin Bluma Zeigarnik (1900 - 1988) fand im Jahre 1927 (nach Experimenten im Bereich der Handlungstheorie nach Kurt Lewin) heraus, dass unerledigte Handlungen besser erinnert werden als erledigte und außerdem eine verstärkte Tendenz hinterlassen, sich immer wieder damit auseinander zu setzen (Zeigarnik-Effekt). Als Ursachen gelten "Restspannungen" im Erinnerungsvermögen und eine nicht eingetretene Wunscherfüllung.

Bluma Zeigarnik hat erforscht, dass unser Gehirn wie ein riesiges "Schubladensystem" funktioniert. Immer, wenn wir eine Sache beginnen und nicht zu Ende führen oder nicht zu Ende führen können, dann bleibt diese Schublade offen und wir stoßen ständig dagegen. Je mehr Schubladen wir geöffnet haben, umso weniger können wir uns auf die aktuelle Aufgabe konzentrieren. Unerledigte Aufgaben rauben uns wertvolle Energie, weil wir ständig an sie denken müssen. Auf dem Schreibtisch liegen diese ja vor uns und wir sehen sie ständig. Jede erledigte Aufgabe/Arbeit produziert dagegen Glücks- und Zufriedenheitsgefühle (u. a. durch Endorphine).

Wichtig: Der Zeigarnik-Effekt wirkt – wie vieles – sehr stark über unser Unterbewusstsein.

 

 

Den Schreibtisch entrümpeln
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Kurzfristig können wir uns durch eine radikale Aufräumaktion Luft verschaffen. Das erste Ziel dabei: Weg mit dem Ballast. Am besten in den Papierkorb (im Zweifel gegen den Angeklagten und rein damit), und was wir noch brauchen oder bearbeiten müssen, soll erst einmal aus unseren Augen verschwinden. Ab in den Schrank oder die Schublade. Auf dem Schreibtisch soll später im Idealfall nur die aktuell zu bearbeitende Aufgabe liegen.

Wichtig: Diese Maßnahme bringt mit wenig Aufwand eine große Entlastung.

Aber Vorsicht! Es sinkt zwar schlagartig der Leidensdruck – dennoch ist es nur eine Symptombekämpfung. Wenn Sie nicht Ihr Denken und Verhalten ändern, ist der Schreibtisch im Nu wieder voll. Garantiert! Die Kunst besteht darin, praktisch nach dem Aufräumen sofort die alten Arbeits-, Denk- und Verhaltensgewohnheiten dauerhaft zu verändern. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das Anwenden des Eisenhower-Grundsatzes: Jeden Vorgang (jedes Papier) nur einmal "anfassen" und sofort über die weitere Bearbeitung entscheiden.

 

 

Die Lee-Methode
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Auch die Arbeit mit der einfach - auch in Outlook - anzuwendenden "Lee-Methode" schafft Entlastung und mehr erledigte Aufgaben. Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: "Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel." Der US-Berater Ivy Lee fand bereits Anfang des letzten Jahrhunderts eine wirksame Technik zur Tagesplanung:

1. Schreiben Sie immer am Abend die sechs wichtigsten Dinge auf, die Sie vorhaben, morgen zu tun.
2. Nummerieren Sie dann die sechs Punkte nach ihrer Wichtigkeit.
3. Am nächsten Morgen nehmen Sie zuerst den Zettel und kümmern sich um die erste Aufgabe, bis diese erledigt ist. Danach nehmen Sie sich den Punkt Zwei vor, erledigen die Aufgabe und dann ist Punkt Drei an der Reihe und so weiter.

Es ist kein Problem, wenn Sie nicht alle sechs Punkte erledigen können. Den/die wichtigsten Punkte haben Sie geschafft, die anderen müssen eben warten. Wenn Sie Ihre täglichen sechs Aufgaben nicht auf diese Art und Weise erledigen können, schaffen Sie es auch auf anderem Weg nicht. Ohne System würden Sie weit mehr als dreimal so viel Zeit brauchen und hätten die Aufgaben nicht einmal in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit behandelt. Probieren Sie es aus. Diese Arbeitstechnik ist eine der wenigen, die wirklich dauerhaft funktioniert und Sie enorm vorwärts bringt.

 

 

Weitere Informationen erhalten Sie vom Autor Jens Holtmann.
Der Autor behält sich alle Rechte am Artikel vor. © 2006 www.einkaeufer-akademie.com extern

 


Kommentar zum Artikel

"Vielen Dank für diesen äußerst hilfreichen Artikel! (April 2008)"

"Hilfreich, gut durchdacht und so wahr...... (April 2007)"

"Spannend. Ich kenne alles: Unschlagbar kreative Köpfe mit Chaos auf dem Schreibtisch und aufgeräumte Schreibtische von Effizienzfetischisten. Und umgekehrt. Ein unaufgeräumter Schreibtisch ist sicher nicht hilfreich und sagt auch etwas über die Persönlichkeit aus, aber er ist ganz bestimmt weder Hauptindiz noch Kriterium für Unzuverlässigkeit, amateurhaftes Arbeiten und sollte auch nicht für sonstige Vorurteile herhalten. Ich bewege mich mit meiner Ordnung übrigens im gesunden Mittelfeld... (Juni 2006)"

"Besten Dank, hat mich wieder mal an das Wesentliche erinnert. Super Artikel! (April 2006)"

"Prima Artikel, er trifft auch bei mir mitten ins Schwarze. Es gilt wirklich, 'die alten Arbeits-, Denk- und Verhaltensgewohnheiten dauerhaft zu verändern'. Die Lee-Methode ist ein Ansatz dazu, der leicht fallen könnte - mit ein bisschen Disziplin... Mehr solcher Artikel würden mich freuen! (April 2006)"

"Man muss nur so HART sein, sich an diese Arbeitsweisen zu halten und mit den verantwortlichen Führungskräften die Priorität bestimmen. Tipp: Ganz wichtig im Büro: Ein bis zwei Tage im Monat ist 'Müll'-Tag. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, sollte entsorgt werden - dann hat man weniger, was organisiert werden muss... (April 2006)"

"Der BESTE Tip ist wohl die Lee-Methode! Ich selber bin eher ein Stoß-Räumer und mit dem Räumen ist es immer ein Kampf. Mir sind am Ende des Artikels ein bzw. zwei Gedanken gekommen. Das abendliche Aufräumen kann klären, was ich wirklich getan habe. Die TOPs für den nächsten Tag haben auch eine Abschlusswirkung. Vieleicht lassen sich dadurch die Gedanken an die Arbeit ausschalten und ein wirkliches Abschalten erreichen. (April 2006)"

"Der Artikel ist gut, aber sehr kurz. Ich werde aber diese Maßnahmen gleich umsetzen. Wenn das schon helfen sollte, wäre der Artikel doch lang genug gewesen ... 'Schaun mer mal!' (April 2006)"

"Prima Tipps! Mehr davon. (April 2006)"

"Dann sollte ich gleich mal anfangen. Ich bin einer, der stoßweise Ordnung schafft. Schön wäre es, wenn noch ein Artikel folgen würde, der Tipps gibt, wie man bei der Ordnung bleibt. (April 2006)"

"Super! Mehr solcher Tipps und Hintergründe wären toll. Effektives Büro- und Zeitmanagment bringt immer etwas. Auch bei aufgeräumten Schreibtisch toll, sich dies wieder in Erinnerung zu rufen. (April 2006)"

"Genau, so was brauche ich auch :-) (April 2006)"