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Privat oder gesetzlich? Die richtige Wahl für Angestellte

Das sollten Sie bei der Wahl der Krankenversicherung beachten

14.09.2017
Oliver Mest – Freiberuflicher Autor
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Die Krankenversicherung zählt zu den wichtigsten persönlichen Versicherungen überhaupt – wer selbstständig ist oder mehr als 57.600 Euro brutto im Jahr verdient, der kann wählen, ob er sich gesetzlich versichert oder eine private Krankenvollversicherung abschließt.

Die Rahmenbedingungen für den gesetzlichen Schutz

Wer sich für die gesetzliche Krankenkasse (GKV) entscheidet, zahlt einen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Bei Angestellten teilen sich diesen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Höhe von jeweils 7,3 Prozent. Außerdem wird ein Zusatzbeitrag fällig, den die Kassen entsprechend ihrer finanziellen Situation individuell festlegen und der noch einmal bis zu 1,8 Prozent ausmachen kann – diesen teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer ebenfalls. 

So funktioniert die private Krankenversicherung

Beitragssätze gibt es bei der privaten Krankenversicherung nicht. Hier wird individuell ein Beitrag festgesetzt, der sich – einkommensunabhängig – nach den gewählten Leistungen, dem Alter bei Vertragsbeginn, der Höhe der vereinbarten Selbstbeteiligung und möglichen Vorerkrankungen richtet. Auch bei Privatversicherten trägt der Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge, aber niemals mehr, als bei einem gesetzlich Versicherten zu zahlen wäre. Gerade bei jungen Gutverdienern lassen sich leicht 100 bis 200 Euro im Monat einsparen, wenn in die private Absicherung gewechselt wird. Finanziell scheint die private Krankenversicherung (PKV) also zumindest aus finanziellen Gründen die bessere Wahl zu sein – aber welche Argumente gibt es noch?

PKV vs. GKV: Vor- und Nachteile

Tatsächlich lässt sich die Frage nur individuell für jeden Einzelfall lösen, denn die Lebensumstände spielen eine entscheidende Rolle bei der „richtigen“ Wahl. Wir haben einige Entscheidungsfaktoren zusammengestellt

  • Familien 

Das System der gesetzlichen Kassen kennt die Familienversicherung, die je nach Einkommens- und Beschäftigungssituation eine beitragsfreie Mitversicherung des Partners und der Kinder ermöglicht. Eine solche Gruppenversicherung kennt die private Krankenversicherung nicht – jedes Familienmitglied muss einzeln versichert werden und es werden Beiträge für jeden fällig. 

  • Leistungsspektrum 

Das große Plus der privaten Krankenversicherung  sind ohne Frage die deutlich besseren Leistungen im Vergleich zu den Vorgaben der gesetzlichen Kassen: So werden die Kosten für Zahnersatz bis zu 100 Prozent erstattet, alternative Behandlungsmethoden sind ebenfalls erstattungspflichtig und die Wartezeit auf Facharzttermine ist deutlich kürzer. 

  • Vorerkrankungen

Deutlich weniger Wahlfreiheit haben diejenigen, die mit Vorerkrankungen belastet sind. Denn jede Vorerkrankung kann bei einem Antrag für den Wechsel in die private Krankenversicherung zu einer Ablehnung oder zu hohen Risikozuschlägen führen, die die PKV unattraktiv machen. Die gesetzlichen Kassen hingegen führen keine Gesundheitsprüfung durch und nehmen jeden auf!

  • Beitragssteigerungen

Die private Krankenversicherung wird während der Vertragslaufzeit meist deutlich teurer: Die heutige Beitragsersparnis sollte also gespart werden, um später höhere Beiträge besser abfedern zu können. Die gesetzlichen Kassen werden allerdings – das wird häufig vergessen – mit der Zeit auch teurer: Zum einen steigen die Beitragssätze und ggf. auch die Zusatzbeiträge, zum anderen wird die Bezugsgröße angepasst, die die Basis für die Beitragsberechnung ist. Bei Gutverdienern steigt damit auch der Einkommensanteil, der für die Berechnung der Beiträge herangezogen wird. Trotzdem sollten mögliche Beitragssteigerungen der PKV nicht grundsätzlich dazu führen, dass der Wechsel verworfen wird, denn es gibt einen Ausweg: Wenn der PKV-Schutz zu teuer wird, gibt es immer noch die Möglichkeit, innerhalb des Versicherers in einen anderen Tarif zu wechseln. 

Tipp: Wer sich für einen privaten Versicherer entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Rückkehr in das gesetzliche System meist nicht möglich ist. Praktisch ist das nur über die Familienversicherung des (Ehe-) Partners möglich, was aber die Aufgabe der eigenen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit voraussetzt.  

Alternative Kostenerstattung? 

Wer sich gegen einen Systemwechsel entscheidet, kann sich trotzdem die Vorteile einer privatärztlichen Versorgung sichern: Zum einen geht das mit einer Zusatzversicherung, die die Differenzkosten zwischen der gesetzlichen Kostenübernahme und dem privaten Rechnungsbetrag erstattet. Wenn Sie dieses Prinzip der sogenannten Kostenerstattung wählen, kommen Sie auch als GKV-Versicherter in den Genuss einer privatärztlichen Behandlung, müssen aber nicht aus der GKV austreten.

Die andere Option sind Zusatzversicherungen, die bestimmte Bereiche absichern, etwa die Krankenhauszusatzversicherung, die dafür sorgt, dass Sie im Krankenhaus privatärztlich behandelt und besser untergebracht werden – und natürlich die Zahnzusatzversicherung, die viele abschließen, um die Kosten für Zahnersatz nach Wunsch so gering wie möglich zu halten. 

 

 

Unser Gastautor Oliver Mest ist Jurist, Journalist und Versicherungsmakler. Als Chefredakteur des Vorsorgeportals www.optimal-absichern.de beschäftigt er sich zudem mit Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzthemen, die er journalistisch kompakt und leicht verständlich vermittelt.

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