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Projektmarktindex: So lief‘s 2017 auf dem IT-Projektmarkt

15.02.2018
GULP Redaktion – Monika Riedl
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Der GULP Projektmarktindex bringt seit 1998 Insights zu Angebot und Nachfrage von IT-Freelancern im deutschsprachigen Raum. Wir blicken zurück auf 2017 und verraten, wie die Projektlage allgemein war, welche Skills und Technologien am meisten nachgefragt wurden und welche hingegen auf dem absteigenden Ast waren. Dabei stehen unter anderem Themengebiete wie Programmiersprachen, Betriebssysteme oder SAP-Module auf dem Prüfstand.

Weniger Projektanfragen, mehr Projekte

Die Anzahl der über den GULP Server an die dort registrierten Freelancer verschickten Projektanfragen wies 2016 einen historischen Höchststand (228.832) auf. 2017 lag die Gesamtzahl mit 218.485 Projektanfragen wieder leicht darunter. Das bedeutet jedoch keineswegs einen Rückgang der Projekte, die angeboten wurden. Denn diese beliefen sich auf 18.001 Projekte (2016: 17.076) – ein neuer Rekord. Gesunken ist also lediglich die durchschnittliche Anzahl kontaktierter Freelancer: von 13,4 Anfragen pro Projekt im Jahr 2016 auf 12,1.

Das kann mehrere Gründe haben, über die wir nur mutmaßen können: Auf der Nachfrageseite könnten die Suchen zielgerichteter geworden sein, sodass schneller feststeht, welchen Experten die Unternehmen wirklich brauchen. Auch realistischere Ansprüche seitens der suchenden Unternehmen können einen Grund darstellen, warum sich im Schnitt schneller ein Freelancer für ein Projekt findet.

Naturgemäß schwankte die Anzahl der Projektanfragen auch 2017. Der in dieser Hinsicht stärkste Monat war der März, der direkt vom zweitschlechtesten Monat – April – gefolgt wurde. Am wenigsten Projektanfragen gab es wie üblich im Dezember, was sich durch die traditionell eher ruhigere (Vor-)Weihnachtszeit erklären lässt.

Wie in den Jahren zuvor sucht man bei den Projektanfragen vergeblich nach der klassischen Sommerpause im Juli und August. Sie ist zwar leicht bemerkbar, doch über die letzten drei Jahre ist eine andere Tendenz deutlich erkennbar: In der Mitte des zweiten Quartals gab es jeweils einen dezenten Rückgang der Projektanfragen. In dieser Zeit sind womöglich viele Projekte nach Abschluss der Planungen zum Jahresanfang in vollem Gang. In den vergangenen zwei Jahren ist zudem eine Kerbe in der Nachfrage zu Beginn des vierten Quartals erkennbar. Ob sich diese Entwicklung festigt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Programmiersprachen: Java weiter auf dem Vormarsch

Betrachtet man den Markt für IT-Freelancer im Bereich der Programmiersprachen, so ist auch 2017 wieder ein deutliches Bild zu erkennen. Untersucht wird bei den einzelnen Skills, wie oft sie in Projektanfragen im Verhältnis zu allen Anfragen vorkommen. Java liegt hier mit einem durchschnittlichen Anteil von 15,7 Prozent wieder unangefochten auf dem Spitzenplatz. Trotz eines leichten Anstiegs im Vergleich zu 2016 behält der Skill jedoch den Abstand zum zweiten Platz – SQL – exakt bei. Denn beide Programmiersprachen legten einen halben Prozentpunkt im Vergleich zum letzten Jahr zu. Demnach wird in jeder zehnten Projektanfrage nach einem Experten mit SQL-Kenntnissen gesucht.

Dieses Ranking spiegelt sich auch bei den Stundensätzen wider. Der GULP Trend Analyzer ermittelt hier den durchschnittlichen Stundensatz, den die im letzten Jahr angefragten Experten mit den entsprechenden Qualifikationen in ihrem GULP Profil eingetragen haben (netto und all exclusive). Auch hier liegt Java mit einem Durchschnitt von 78,05 Euro pro Stunde vorne, gefolgt von SQL mit 77,76 Euro. Zum dritten Platz gibt es einen Sprung von fast 4 Euro pro Stunde: C/C++ kommt auf nur 73,60 Euro Durchschnittshonorar.

Betriebssysteme: Windows is back

Seit Jahren liefern sich Windows und Linux einen harten Kampf, wenn es darum geht, bei welchem Betriebssystem die Experten mehr nachgefragt sind. In den letzten Jahren schien es, als würde Linux auf- bzw. sogar überholen. 2017 hat sich Windows hinsichtlich des Anteils an allen Projektanfragen mit 6,8 Prozent den ersten Platz wieder zurückgeholt. Linux kommt dagegen „nur“ noch auf 6,1 Prozent. Zeigt sich hier die „Aussöhnung“ vieler (Business-)User mit Microsoft durch Windows 10, die Ernüchterung über Linux im Geschäftsbereich oder vermehrte Lobbyarbeit? So hat man beispielsweise in der Stadtverwaltung München beschlossen, von Linux zurück zu Windows zu wechseln. Dabei ist umstritten, ob dies aus Lobby-Gründen geschah oder aufgrund der Tatsache, dass die Software-Welt in der Kommunalverwaltung zu sehr von Windows abhängig ist. Es bleibt spannend, wie der Kampf weiter geht.

Die 2017 durchschnittlich geforderten Stundensätze zeigen hinsichtlich der Betriebssysteme eine umgekehrte Welt: Die Wunschhonorare der angefragten Windows-Spezialisten betrugen im Schnitt 73,98 pro Stunde und sind damit unter den Top Fünf der Betriebssysteme der niedrigste Wert. Hier liegen AIX-Spezialisten mit durchschnittlich 81,58 Euro pro Stunde auf Platz eins.

Immer den Markt im Blick: Nutzen Sie unsere Analyse-Tools

  • GULP Stundensatzkalkulator: www.gulp.ch/stundensatzkalkulator
    Der GULP Stundensatzkalkulator ermittelt die branchenüblichen Stundensätze.
  • GULP Projektmarktindex: www.gulp.de/projektmarktindex
    Der GULP Projektmarktindex misst seit 1998 kontinuierlich die über den GULP Server zugestellten Projektangebote.
  • GULP Trend Analyzer: www.gulp.de/trendanalyzer
    Der GULP Trend Analyzer analysiert die über den GULP Server zugestellten Projektangebote.

Hinweis: Die Ergebnisse beziehen sich auf den deutschsprachigen Raum und sind in EUR ausgewertet.

Datenbanken: kaum Bewegung

Bei der Nachfrage im Bereich Datenbanken ist im Vergleich zwischen 2016 und 2017 kaum Bewegung zu spüren. Die Abweichungen bei den einzelnen Durchschnittswerten liegen maximal im Nachkomma-Bereich. Oracle ist wie in den Jahren zuvor eindeutiger Spitzenreiter, gefolgt von DB2, SQL-Server, MS Access und mySQL. Beim durchschnittlich geforderten Stundensatz für 2017 liegt jedoch MS Access an der Spitze mit 81,31 Euro pro Stunde. Wie bei den Betriebssystemen zeigt sich also auch hier: Der am meisten gefragte Skills ist nicht immer der am besten bezahlte.

SAP: Module Finanzwesen und Basis entscheiden das Rennen für sich

Die Nachfrage nach Experten für einzelne SAP-Module schwankt erfahrungsgemäß im Jahresverlauf. Im Zwölf-Monats-Schnitt liegen jedoch Experten für das SAP-Finanzmodul (FI) vorne, gefolgt von Spezialisten für das Basis-Modul. Im Vergleich zum Vorjahr konnten sich diese etwas deutlicher von den anderen Modulen absetzen. SAP Hana holt weiter auf und überholt die Module für Controlling (CO) und Business Information Warehouse (BW). In Projekten mit dem Fokus auf das Basis-Modul konnten Freelancer im Schnitt am wenigsten verdienen, nämlich „nur“ 89,18 Euro pro Stunde. Am meisten forderten Experten für SAP Hana. Ihr Durchschnittshonorar betrug im letzten Jahr 92,60 Euro.

Fazit

Im Großen und Ganzen gab es keine größeren Überraschungen, was die Angebots- und Nachfragesituation betrifft. Dass Windows wieder Linux überholt, bleibt ein Aspekt, der in den nächsten Monaten mit Spannung weiter beobachtet wird. Und noch eines fällt auf: Oft sind es nicht die Skills, für die die meisten Projektanfragen herausgingen, die auch den höchsten Stundensatz garantieren. Wer sich eine Nische sucht, die etwas weniger Nachfrage erfährt, kann sein Honorar durch sein Spezialwissen durchaus etwas selbstbewusster ansetzen.

Weitere Markteinsichten liefert die GULP Freelancer Studie

Bereits im fünften Jahr nimmt die GULP Freelancer Studie die aktuelle Situation der IT- und Engineering-Freelancer unter die Lupe: In welchen Unternehmen und Branchen sind Freelancer tätig? Wie lange dauern die Projekteinsätze und wieviel arbeiten die Freelancer währenddessen? Wie zufrieden sind die Experten? Und natürlich nicht zuletzt: Wie viel verdienen IT-/Engineering-Selbstständige?

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