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Denkende Fabriken und künstliche Intelligenz in der Industrie 4.0
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Künstliche Intelligenz in der Praxis (Teil 2) – Luft nach oben

22.09.2020
Susann Klossek - freie Journalistin und Autorin
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Eine Umfrage von Adesso zeigt, wo Unternehmen im deutschsprachigen Raum in Sachen KI stehen und welchen Hürden sie sich ausgesetzt sehen 

Anwendungen für künstliche Intelligenz (KI) haben einen Reifegrad erreicht, der sie für den praktischen Einsatz interessant macht. Weder die Verantwortlichen in den Unternehmen noch ihr Kundenstamm sehen KI nur mehr noch als Hype an, sondern machen sie bewusst zum Gegenstand ihrer Planungen und ihrem Alltag. Allerdings haben sich die neuen Lösungen noch nicht in der Breite durchgesetzt. Denn tatsächlich im Einsatz sind bislang nur vereinzelte Anwendungen. Dies ist das Ergebnis einer 2020 durchgeführten Umfrage des IT-Dienstleisters Adesso in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Heute und Morgen in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz).

Potenzial von KI erkannt

Eine Mehrheit von 92 Prozent gab an, dass sowohl die Technologie an sich, als auch die Hyper-Personalisierung und -Kundenansprache (81 Prozent) einen wettbewerbsentscheidenden Faktor darstellen. Eine unverzichtbare Rolle bei Produktinnovationen spielt KI für 69 Prozent. Für rund ein Drittel steckt die Technologie, respektive deren Einsatz, aber noch in den Kinderschuhen. Trotzdem ist die Bereitschaft vorhanden, KI-basierte Anwendungen auszuprobieren, und nur 18 Prozent haben keine klare Vorstellung, wie sie KI einsetzen könnten. 

Die Realität sieht allerdings weniger rosig aus: Bisher sind nur wenige Projekte realisiert oder in Planung. Eines der ersten konkreten KI-Einsatzszenarien für Unternehmen sind Chatbots. Vor allem Telko-Unternehmen und der Handel haben diese im Einsatz. Auch die Mehrheit der Kundinnen und Kunden kann sich vorstellen, mit einem Chatbot zu kommunizieren: 59 Prozent bewerten ihre Erfahrungen damit als gut oder besser. Die Vorteile liegen auf der Hand: Geringe Kosten, kaum Wartezeiten sowie durchgängige Erreichbarkeit der Services. Allerdings ist der Anwendungsfall entscheidend: Während viele mit einem Berater für Online-Käufe durchaus einverstanden sind, kann sich kaum jemand vorstellen, via Chatbot ein Konto zu eröffnen. 

Auch die Cloud gewinnt in Zusammenhang mit KI an Bedeutung. Über die Hälfte der Firmen nutzt Cloud-Lösungen zum Beziehen von Out-of-the-Box-KI-Anwendungen, da im Vergleich zum Eigenbetrieb geringe Kosten entstehen und kaum eigene Infrastruktur nötig ist. Gegen die Cloud spricht laut Umfrage die Angst vor mangelnden Datenschutzgarantien sowie fehlendes internes Know-how.

Bei anderen Anwendungen, neben Chatbots, hingegen sieht es mager aus. Und auch die Selbsteinschätzung spricht Bände: Rund zwei Drittel der Entscheider bewerten die eigene Aufstellung rund um KI schlechter als die der Wettbewerber. Vor allem mangelt es an Erfahrung sowie am Vertrauen in die Voraussetzungen, um mit KI erfolgreich zu werden.

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Zentrale Herausforderungen

Als eine der wichtigsten Herausforderungen in ihrem Business für die kommenden drei Jahre sehen die Entscheider mit 50 Prozent der Antworten (2019: 56 Prozent) den praktischen Einsatz neuer Technologien wie KI, gefolgt von der Entwicklung innovativer Produktionskonzepte (44 Prozent). Aber auch die Gewinnung qualifizierter Mitarbeitender (41 Prozent; 2019: 37 Prozent) und die Optimierung der Customer Experience (40 Prozent) werden als schwierig angesehen. Die Individualisierung von Produkten und Services steht mit 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (41 Prozent) nicht mehr ganz so weit oben auf der Agenda. Der Kostendruck/Preiswettbewerb ist wie 2019 für etwas mehr als ein Drittel eine Herausforderung. Den Wettbewerb durch globale IT-Giganten wie Google oder Amazon respektive Start-ups sehen allerdings nur 14 Prozent als eine der wichtigsten Aufgaben an. Ein Fehler laut Adesso. 

 

 

Ängste und Widerstände

Für 66 Prozent der Befragten verhindern auch interne Widerstände den Einsatz von KI. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Verbesserung von acht Prozent. Trotzdem sind noch immer 30 Prozent der Meinung, dass KI-gestützte Anwendungen Jobs im eigenen Bereich überflüssig werden lassen. Über ein Drittel ist zudem der Meinung, dass gesetzliche Rahmenbedingungen aktuell den gewinnbringenden Einsatz von KI verhindern. Trotz erwähnter Widerstände und Ängste überwiegen dennoch die Vorteile, die die Entscheider sich vom Einsatz von KI-basierten Systemen erhoffen. 87 Prozent sind der Meinung, dass KI-Verfahren Streuverluste im digitalen Marketing verringern und sich damit Geld sparen lässt. Und: Mehr als die Hälfte der Befragten ist optimistisch, was die Arbeitsplätze betrifft und sicher, dass KI mehr neue Arbeitsplätze schaffen wird, als sie kostet. Im letzten Jahr teilte diesen Optimismus nur knapp ein Drittel. 

Zuversicht und Zweifel

Bei der Frage “wie gut ist Ihr Land im weltweiten Vergleich beim Thema KI aufgestellt?” scheiden sich die Geister: Während 20 Prozent der Entscheider meinen, man sei gut bis sehr gut aufgestellt, schätzen 80 Prozent das eigene Land in Sachen KI eher als mittelmässig bis schlecht gewappnet ein. Die Kunden sehen das ähnlich. In der Tat liegt sowohl die DACH-Region gesamt, als auch die Schweiz separat betrachtet eher im Mittelfeld und hinter Ländern wie USA, China, UK, Frankreich, Finnland oder Südkorea (vgl. Artikel Künstliche Intelligenz – Chancen und Risiken). 

Bei der Frage, wie gut die eigene Branche im Vergleich zu anderen Branchen beim Thema KI abschneidet, ist die Mehrheit eher pessimistisch. 75 Prozent schätzen die eigene Branche als mittelmässig bis schlecht ein.  

 

Massnahmen greifen noch zu wenig

Generell stehen die Unternehmen der DACH-Region dem Thema KI zwar einigermassen offen gegenüber, können aber nicht genau einschätzen, welchen Mehrwert sie bringt. So sind die Weiterbildung vorhandener Mitarbeitender, damit diese sich KI-Kenntnisse aneignen, sowie der Einsatz externer Berater bei über der Hälfte der Unternehmen nicht geplant, aber immerhin vorstellbar. Die Einstellung neuer Mitarbeitender ist bei über der Hälfte geplant oder bereits in der Umsetzung. Im vergangenen Jahr war das bei weniger als einem Drittel der Fall. 

21 Prozent haben externe Dienstleister zur Implementierung von KI-Lösungen im Einsatz, 17 Prozent planen diesen. 35 Prozent haben zudem die Entwicklung von Anwendungen für Sprachassistenten als neue Kommunikationskanäle in Planung, je rund ein Drittel plant Tools zur Erkennung und Analyse von Bild- oder Videoinhalten sowie zur automatisierten Übersetzung von Texten. Nur die automatische Stimmungsanalyse kommt für die meisten nicht in Frage. 

Auch individuelles Pricing in Echtzeit auf Basis von Kaufhistorie und Social-Media-Aktivitäten wird von einer grossen Mehrheit eher abgelehnt, respektive ist nicht in Planung. Die Entwicklung von Produkten und Services auf Basis von Echtzeit-Nutzungsdaten hingegen ist von 40 Prozent bereits umgesetzt oder geplant. Ebenso wie der Einsatz automatisierter Marketing-, Kampagnen- und Mediaplanung auf Basis von Echtzeitdaten. 

Ebenfalls von knapp einem Drittel geplant sind der Einsatz für die Vorhersage der Nutzung von Service-Hotlines zur Mitarbeiterplanung und Intelligentes Lead Scoring, das die Conversion-Wahrscheinlichkeit für jeden Kunden prognostiziert. Ebenso die KI-basierte Empfehlung des optimalen nächsten Produkts, Inhalts oder Angebots an Kunden, der Einsatz von KI-Komponenten im vorhandenen CRM-System, die Nutzung einer Kundenwertanalyse auf Basis KI-gestützter Auswertungen und natürlich der Einsatz von KI-Chatbots im Kundenservice.

Fazit

KI wird in der Schweiz mit Interesse betrachtet, echte Projekte werden aber noch zu wenig umgesetzt. IT- und Fachabteilungen müssen von Anfang an zusammenarbeiten, um die eigenen KI-Potenziale zu entdecken. Laut Adesso steht bei KI nicht die Technologie im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, die Anforderungen von Kunden besser zu erfüllen. Ziel ist es also, auf Basis der vorhandenen technischen Grundlagen überzeugende Geschäftsmodelle und Services zu schaffen. 

Entscheidend ist abzuklären, woher die Daten – das Fundament jeder KI-Lösung – in welcher Qualität kommen und wie es um die rechtliche Nutzung bestellt ist. Es ist zudem wenig sinnvoll, isolierte KI-Projekte zu entwickeln. Sie müssen in Geschäftsprozesse und IT-Systeme eingebettet werden. Letztlich hängt der Erfolg jeder Lösung davon ab, ob sie von Mitarbeitenden und Kunden akzeptiert wird. 

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Zur Studie

Befragt wurden 318 Entscheider aus KMU und Grossunternehmen aus den Bereichen Finanzen & Versicherungen, Telekommunikation, Industrie, Öffentliche Verwaltung, Transport & Logistik, Life Science, Gesundheitswesen, Energiewirtschaft, Handel und Verkehrsbetriebe in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Zusätzlich haben 1000 Privatpersonen aus Deutschland an der Umfrage teilgenommen. 

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