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IT-Lohnniveau bleibt hoch

28.09.2021
Susann Klossek - freie Journalistin und Autorin
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Das Lohnniveau in der Schweizer ICT-Branche bleibt auf hohem, leicht steigendem Niveau. Der Fachkräftemangel verschärft sich voraussichtlich.

Wer gutes Geld verdienen möchte, war in der IT-Branche schon immer gut aufgehoben, da hier die Löhne im Vergleich zu anderen Branchen seit Jahren konstant höher liegen. Das liegt unter anderem am Fachkräftemangel und nach wie vor am Nachwuchsproblem, vor allem bei Informatikerinnen. 

Unter Berücksichtigung der Teuerung und unter Betrachtung der Lohnentwicklung im letzten Jahr zeigt sich, dass die Schweizer ICT-Löhne stabil oder sogar leicht gestiegen sind.

Die Mediane 2021 betragen bei den Kompetenzstufen «Junior» 79’000 Franken und «Professional» 104’000 Franken. Der Mittelwert bei Spezialist:innen der Stufe «Senior» liegt bei 127’000 Franken. So das Ergebnis der aktuellen Salärstudie 2021 des Branchenverbands swissICT, die auf 36'950 ICT-Lohn Nennungen von 272 Unternehmen aller Grössen basiert. Die Studie deckt die Löhne von 50 IT-Berufen ab, die im swissICT Standardwerk «Berufe der ICT» definiert sind. Im Vorjahresvergleich gab es einen Zuwachs von 3457 Nennungen und 30 teilnehmenden Unternehmen.

Mehr ICT-Dienstleister – mehr agile Profile

Nach Branchen verteilt lassen sich einige Veränderungen ablesen. Ein knappes Viertel (23 Prozent) aller Nennungen stammt von ICT-Anbietern. Allerdings gab es einen Zuwachs bei der Anzahl an teilnehmenden Dienstleistungsunternehmen sowie bei Unternehmen aus Industrie und Gewerbe. 

Gerade das «SAFe-Framework» findet in diesem Thema zunehmend Anwendung. So habe der «Product Owner» weitere 23 Prozent mehr Nennungen als im Vorjahr erhalten. Auf tieferem Niveau, jedoch mit 98 Prozent Zuwachs, gewinne auch der «Scrum-Master» zunehmend an Relevanz, schreibt swissICT.

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Wenig Corona-Einfluss – anhaltender Fachkräftemangel

Wie ein Blick auf die teuerungsbereinigte Medianentwicklung über die letzten zehn Jahre zeigt, hat die Corona-Pandemie im Schweizer IT-Stellenmarkt kaum eine Veränderung ausgelöst. Mit leichten Abweichungen nach oben und nach unten sind die Löhne insgesamt stabil geblieben. Auch die Tatsache, dass 2021 keine neuen Berufsprofile dazugekommen sind, führte zu mehr Stabilität. 

Der Gesamt-Median liegt dieses Jahr 1.1 Prozent über jenem des Jahres 2020. Die Studienverfasser interpretieren dieses Ergebnis als Hinweis auf den weiter zunehmenden Fachkräftemangel. 36 Prozent der an der Studie teilnehmenden Unternehmen und Organisationen haben dieses Jahr mehr Nennungen eingereicht, was die Vermutung nahelegt, dass IT-Projekte an Relevanz gewonnen haben.

Das deckt sich auch mit der Tatsache, dass trotz Corona-Pandemie und Konjunkturschwäche die IT-Budgets für 2021 gestiegen sind (Quelle: Capgemini/Statista Research Department). Unternehmen treiben die Digitalisierung voran und investieren mehr in Sicherheit. Corona-Verlierer starten neue Geschäftsmodelle, Pandemie-Gewinner investieren in technologischen Vorsprung. 

Laut Capgemini werden in der DACH-Region heute 27 Prozent der Mittel für Modernisierungsprojekte und 26 Prozent für die Entwicklung neuer Systeme und Anwendungen verwendet, denn Unternehmen wollen krisenfester werden. Der Rest wird für die Fixkosten der bestehenden IT-Systeme verwendet. Hier bieten sich viele Chancen für freischaffende IT-Expert:innen.

Unterschiede bei Top-Spezialisten

Schaut man sich die Standardauswertung der Salärstudie an, zeigt sich, dass die Löhne vergleichbarer Funktionen gemässigt gestreut sind: So verdient eine «Senior»-Applikations-Entwicklerin in der Schweiz beispielsweise zwischen 120’000 Franken (unteres Quartil, 25-Prozent-Schwelle) und 135’000 Franken (oberes Quartil, 75-Prozent-Schwelle). Das heisst, dass bei je einem Viertel der Nennungen das Gehalt niedriger als 120’000 Franken, respektive höher als 135’000 Franken ist. Mit 2137 Nennungen gehört dieses Berufsprofil übrigens zu den am häufigsten genannten.

Vergleichbar ähnliche Streuungen sind bei den Positionen «Junior» (S1) bis «Expert» (S4) zu beobachten, die somit eine gewisse Stabilität aufweisen. Sprunghaft nimmt sie bei der Funktion «Senior-Expert» (S5) zu und beträgt bis zu über 50’000 Franken (25-Prozent- zu 75-Prozent-Quantile) Lohnunterschied je nach Branche und Alter. Diese Streuungen und jene der Managementstufen, welche ebenfalls kontinuierlich ansteigen, werden durch die Werte der kostenpflichtigen Detail Auswertungen umfangreich dokumentiert.

Zürich, Bern, Basel, Banken

Grundsätzlich kann gesagt werden, je grösser ein Unternehmen, je höher der Ausbildungsgrad und die Kompetenzstufe, je mehr Branchenerfahrung und Fachwissen die Kandidat:innen mitbringen und je grösser der Mangel an passendem IT-Personal, desto besser die Bezahlung. 

Nach Branchen aufgeschlüsselt verdienen IT-Fachkräfte – von der Juniorstufe über Professional bis Kompetenzstufe Senior – erwartungsgemäss bei Finanzdienstleistern nach wie vor am besten, gefolgt von der Öffentlichen Hand (inkl. Sozialversicherungen) und den Versicherungen. 

Nach Kantonen aufgeschlüsselt liegen Zürich (Mittel 116'757 Franken), Bern und Basel an der Spitze, gefolgt von der Süd-, West- und Zentralschweiz. Im Mittelland (Aargau und Solothurn; Mittel 103'567 Franken) werden Expert:innen am schlechtesten bezahlt, allerdings noch immer auf hohem Niveau. Spitzenmediansätze erzielen Projektleiter Stufe Senior in Bern mit 135'000 Franken und in Zürich mit 134'000 Jahresgehalt, sowie ICT-Systemingenieure Stufe Senior in Bern mit 129'782.

Berufseinsteigerinnen verdienen weniger

Zwar gibt es aufgrund zu geringer Datenmenge keine Vergleichszahlen zu den Vorjahren, im Branchenvergleich verdienen IT-Berufsanfänger aber verhältnismässig gut. Die Einstiegslöhne für IT-ler:innen, die eine Lehre mit Berufsmaturitätsabschluss (BMS) abgeschlossen haben, liegen zwischen 60'000 und 66'950 Franken (Mittelwert 64'074 Franken), ohne BMS etwas darunter (im Schnitt 61'100 Franken). 

Ein Bachelor der Fachhochschule kommt auf durchschnittlich 80’166 Franken Jahreslohn (Master: 85’000 Franken), Kandidat:innen mit Universitäts Bachelor auf rund 80’600 Franken (Master: 89'794 Franken). 

Andere Studien nennen aufgrund anderer Erhebungsmethoden leicht abweichende Salärrahmen. Laut der im Mai veröffentlichten Lohn- und Kompetenzstudie 2021 von FH Schweiz, dem Dachverband der Fachhochschul-Absolvent:innen, liegt der Median Jahreslohn bei in der Informatikbranche angestellten Studienabgänger:innen bei 110’00 Franken – 26 Prozent der Teilnehmenden kamen aus dem FH-Fachbereich Technik und Informationstechnologie, der Rest aus anderen Fachrichtungen. So verdient etwa ein männlicher Informatik-Absolvent mit Bachelor-Abschluss BSc / BA unter 30 in der Finanz- und Versicherungsbranche am Anfang im Schnitt 95'000 Franken im Jahr (Höchstwert 105'000 Franken). Eine Auswertung für Informatikerinnen war hier aufgrund zu weniger Teilnehmerinnen nicht möglich.

Über alle Fachbereiche hinweg, also nicht nur ICT, sind die Unterschiede zwischen Frauen (93'701 Franken) und Männern (115'960 Franken) frappant. Wobei beachtet werden muss, dass Frauen eher als Männer in Branchen arbeiten, die von Haus aus weniger zahlen als der ICT-Sektor.

Herausforderung Agilität

Zum Launch der Studie führte SwissICT mit Nicole Kaeser Mirata von der Mobiliar-Versicherung ein Interview. Kaeser, die auch Mitglied der Arbeitsgruppe Saläre der ICT ist, erklärt, dass sich die Funktionen in der hiesigen IT-Landschaft in den letzten drei bis vier Jahren sehr stark in Richtung agile Rollen bewegt hätten. Das Zuordnen der (agilen) Berufsprofile stelle derzeit die grösste Herausforderung dar, da sich nicht mehr wie früher die Funktionen 1:1 mit den Berufsbildern «matchen» liessen. 

Auch bei den Kompetenzstufen gibt es mitunter Unklarheiten. Mehrstufige, interne Systeme in Unternehmen passen beispielsweise nicht immer auf die swissICT-Profile. So kann es passieren, dass ein:e 42-Jährige:r plötzlich wieder zum «Junior» wird, schlicht und einfach, weil er das Fachgebiet gewechselt und im neuen Bereich noch keine Erfahrung hat. Hier gibt es sicherlich seitens der Studienverfasser noch weiteren Weiterentwicklungsbedarf. 

Lohn ist nicht entscheidend

Auch die Mobiliar spürt nach wie vor den Fachkräftemangel. Und auch hier sei die Agilität eine Herausforderung: Vor allem Softwareentwickler:innen, die Analysten-Funktionen, Cloud-Transformation-Fachleute, Security-Spezialisten:innen aber auch die SAP-Profis seien schwer zu rekrutieren. Dieser Markt sei schon länger eher trocken und daran werde sich auch so schnell nichts ändern. Kaeser richtet sich mit dieser Botschaft auch an die Studierenden in diesen Bereichen: «Ihr werdet gute Chancen haben auf dem Arbeitsmarkt!». 

Und: Geld ist nicht alles. Zwar sei bei der Rekrutierung von IT-Mitarbeitenden der Lohn ein wichtiger Bestandteil. Aber er sollte nicht der entscheidende Faktor sein. «Wer fürs Geld kommt, der geht auch wieder fürs Geld», so Kaeser. Vor allem sei der Inhalt der Arbeit zentral. Auch das Team und die oder der künftige Vorgesetzte, die Arbeitsmöglichkeiten – von Infrastruktur über den zunehmenden Wunsch ortsunabhängig zu arbeiten bis Zeitmanagement – seien entscheidend.

Die Standardversion der Studie (Kompetenzstufe S1-S3) ist auf der Webseite von SwissICT für Studienteilnehmer:innen gratis. Die Detailstudie kann kostengünstiger von Teilnehmern der Studie bezogen werden, dies direkt im Webshop. Für Unternehmen, welche nicht teilgenommen haben, jedoch die Daten dennoch beziehen möchten, stehen andere Optionen zur Auswahl, welche jeweils in einem kurzen Gespräch erörtert werden können.

Mitglieder von swissICT erhalten den Zugang zur FH Lohnstudie zum Mitgliederpreis von 50 Franken (Privatperson) resp. 250 Franken (Firmenlogin) Code «SwissICT_2021» (im Kommentarfeld eingeben). Bestellung über diesen Link.

Lohnbuch 2021

Die überarbeitete Ausgabe 2021 (ISBN: 978-3-280-07190-8) bietet einen umfassenden Überblick über die in der Schweiz gültigen Branchen-, Berufs- und Mindestlöhne fast sämtlicher Branchen und Berufsgattungen. Die über 9400 Lohnangaben stammen aus Gesamtarbeitsverträgen sowie Empfehlungen und Statistiken schweizerischer Berufs- und Arbeitgeberverbände.

Die Elektronische Version gibt es unter diesem Link

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