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Digitale Transformation – mehr als nur ein Schlagwort

26.02.2020
Susann Klossek - freie Journalistin und Autorin
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Schweizer KMU tun sich teilweise noch schwer mit der Digitalen Transformation. Die Gründe dafür reichen von Sicherheitsbedenken über Personalprobleme, fehlendes Know-how bis zu mangelnder Unterstützung aus der Führungsriege.

Das Schlagwort Digitale Transformation wurde in den letzten Jahren dermassen inflationär gebraucht, dass es so mancher CEO oder CIO nicht mehr hören kann. Viele Manager winken dann auch mit Aussagen wie «nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird» oder «läuft bei uns» ab und wenden sich wieder dem Tagesgeschäft zu.

Doch die Realität sieht oft ein wenig anders aus: Die Digitale Transformation und die damit verbundenen Prozesse und Umstellungen stellen viele Schweizer Unternehmen, vor allem KMU, auch heute noch vor riesengrosse strategische und technische Herausforderungen, denen sie nicht immer gewachsen sind.

In der vierten Ausgabe ihrer Studie «Digital Switzerland» zum digitalen Reifegrad in Schweizer Unternehmen (im März 2019 veröffentlicht) bezeichnet die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) noch 85 Prozent der Unternehmen als «Digitale Dinosaurier». Nur 25 Prozent der über 1000 teilnehmenden Unternehmen hatten eine Digitalstrategie für die gesamte Firma, rund 40 Prozent immerhin für einzelne Geschäftsbereiche, Abteilungen oder einzelne Aspekte der Transformation. 37 Prozent hatten allerdings gar keine Strategie im digitalen Bereich und hatten weder ihr Kundenerlebnis, noch ihre operationalen Prozesse digitalisiert. Schlecht für viele Unternehmen, gut für Freelancer, die hier ihr Wissen und ihr Know-how anbieten können. (Über die Ergebnisse der fünften Studie der HWZ werden wir Sie zu gegebenem Zeitpunkt informieren.)

Sicherheitsrisiken und Personalprobleme

Doch woran liegt es, dass sich helvetische Unternehmen so viel Zeit lassen mit der Digitalisierung oder sogar gänzlich desinteressiert dem Thema gegenüberstehen? Zwar ist bei den meisten beispielsweise das Rechnungswesen digitalisiert, aber nur ein Bruchteil der Lösungen läuft in der Cloud. Big oder Smart Data sind oft nur Schlagworte, doch mit den Ansammlungen der unzähligen, eigentlich nützlichen Daten wird oft kaum gearbeitet. Reporting erfolgt auf Papier oder als PDF, tiefe Analysen, gar end-to-end, finden wenig statt.

Als eine der wichtigsten Herausforderung, die von den Unternehmen in den letzten Jahren immer wieder genannt wurde, und vor der viele Firmen nach wie vor Angst haben, ist das Thema digitale Sicherheit. Hinzu kommen unternehmensübergreifender Mangel an Know-how und fehlendes Fachwissen seitens der Mitarbeiter.

Auch bei grossen Unternehmen könnte es besser aussehen: Eine von Wipro Digital in Auftrag gegebene weltweite Studie von Coleman Parkes, unter 1400 Chief Officers (50 aus der Schweiz) aus Unternehmen, mit mehr als 5000 Mitarbeitern, brachte zutage, dass Personalprobleme die grösste Hürde bei der Digitalen Transformation darstellen. Aus der Studie geht hervor, dass bei 98 Prozent der Belegschaft darüber herrsche, was Digitale Transformation bedeute und 90 Prozent der Führungskräfte auch der Meinung seien, dass sie erfolgreich im Einklang mit ihren digitalen Transformationsstrategien agieren. Offenbar ist zumindest in den grossen Firmen klar, dass das Thema jedes Unternehmen betrifft.

Bedenklich allerdings: Die Hälfte der Schweizer Führungskräfte gab an, nicht in der Lage zu sein, ihre bestehenden Teams dazu zu bringen, neue Technologien, Methoden oder Prozesse zu nutzen. Bemängelt wurde zudem die lange Zeit, bis messbare Geschäftsergebnisse der Digitalen Transformation erkennbar werden. Bei den Schweizern dauert es bei 46 Prozent bis zu drei Jahre.

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Technologie, Führungsebene und Konkurrenz

Auch die Technologie wird als Bremse gesehen: Je länger ein Unternehmen eine digitale Transformationsphase durchläuft, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Technologie hier die Umsetzung bremst, heisst es in der Studie. Viele Unternehmen werden auch regelmässig von Mehrkosten überrascht. 40 Prozent der Schweizer Befragten glauben, dass sie sich nach weiteren Finanzierungsquellen für digitale Transformationsprogramme innerhalb des Unternehmens umsehen müssen. Und auch an der Führungsebene gibt es grosse Kritik: 70 Prozent gaben an, nur mangelhaft unterstützt zu werden. Weltweit lag der Wert nur bei durchschnittlich 56 Prozent.

Unabhängig von erwähnter Studie hat sich gezeigt, dass in den letzten Jahren auch die Angst von der Konkurrenz aus Übersee überrollt zu werden, gestiegen ist. Dabei sind nicht nur Innovationen aus dem Silicon Valley gemeint. Vor allem asiatische Player, allen voran China, graben dem europäischen Markt zunehmend das Wasser ab. Das Reich der Mitte ist in vielen Bereichen der Markt mit dem grössten Potenzial weltweit. Unternehmen wie Baido, Alibaba oder Tencent können sich mittlerweile gut mit Konzernen wie Amazon, Apple oder Google messen.

Die Chinesen haben sich denn auch viel vorgenommen und bereits verwirklicht. Ob Künstliche Intelligenz, 5G und in Teilen auch Blockchain – in China, zumindest in den Metropolen, ist das alles bereits Realität. Gefördert werden die neuen Schlüsseltechnologien von der kommunistischen Regierung mit dem sogenannten Plan «Made in China 2025». Auch im Maschinenbau oder beim öffentlichen Verkehr überrollt das Reich der Mitte langsam die europäische Konkurrenz. Allerdings muss auch gesagt werden, dass es die Chinesen sowohl was die Sicherheit und den Datenschutz, als auch was das Thema Industriespionage betrifft, durchaus locker angehen. So manche innovative Technologie wurde einfach «kopiert» und allenfalls weiterentwickelt. Europäische Firmen müssen einerseits ihre eigenen Technologien schützen, andererseits aber auch die disruptiven Märkte Chinas für sich nutzen und die Innovationen vor Ort fördern.

Und wie in den vergangenen Jahren wird auch der Fachkräftemangel wird 2020 für Schweizer Unternehmen vieler Branchen wieder ein reales Problem darstellen. Die Industrie beispielsweise wird von mehr Menschen verlassen als hinzukommen.

Kopf in den Sand stecken nützt nichts

Doch wer sich der Transformation verweigert, ist schnell weg vom Fenster. Und Konkurrenz muss nicht zwangsläufig negativ sein, sie kann durchaus befruchtend wirken. Schweizer Unternehmen müssen sich eben neu erfinden, ihre Mitarbeiter als grösstes Potenzial und Erfolgsfaktor für Innovation erkennen und diese auch fordern und fördern. Aus- und Weiterbildung, Motivation und Transparenz sind hier die Stichworte – auch in der Chefetage. Vor allem traditionelle Unternehmen tun sich schwer mit notwendigen organisatorischen Veränderungen. Doch was jahrelang von Erfolg gekrönt war, kann einer Organisation heute im schlimmsten Fall den Untergang bescheren. Die Qualität der Mitarbeiter und deren richtiger Mix (Stichwort Digital Natives) kann matchentscheidend sein. Das heisst, ruhig auf altbewährtes Know-how langjähriger Mitarbeiter setzen, aber auch alte Strukturen aufbrechen. Holen Sie frischen Wind in die Firma und lassen junge, innovative Digital Natives ans Ruder und profitieren mit Offenheit und Transparenz von deren Umgang mit und neuer Sichtweise auf moderne Technologien.

Digitale Skills für alle und Wissen beispielsweise zu Data Science, Künstlicher Interlligenz und IoT sowie erweiterte Anwenderkenntnisse sind unabdingbar.

Gefragt ist auch eine klare, transparente Digitalisierungsstrategie. Geschäftsleitung und Mitarbeiter müssen sich gleichermassen für die digitale Transformation des Unternehmens verantwortlich fühlen. Wissen sollte in einer Wissensdatenbank abgelegt sowie unternehmensweit aktiv genutzt und aktualisiert werden.

Qualifizieren Sie sich oder Ihre Mitarbeiter und lernen Sie, datengestützte Entscheidungen zu treffen, professionelle Datenanalysen durchzuführen oder Machine-Learning-Algorithmen mit Daten zu versorgen. Die Online-Trainings sind für alle geeignet, die Digital- und Datenkompetenz vertiefen und sich auf dem Gebiet der Data Analyse spezialisieren möchten. 

 

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Fazit: Die Digitalisierung bis in den kleinsten Unternehmensbereich über alle Branchen hinweg ist nicht mehr aufzuhalten. Auch wenn jeder Weg in die Transformation anders sein mag, kein Unternehmen kann sich dieser Entwicklung verweigern, wenn es auf dem Markt bestehen will. Daher gilt die Devise: Investieren, quer- und umdenken, mutig sein, kalkulierbare Risiken eingehen, und experimentieren. Wer anpassungsfähig und agil bleibt, seine Kunden einbezieht und nachhaltig wirtschaftet, wird keine Schwierigkeiten haben, den Kulturwandel einzuläuten, um auf dem globalen Markt zu bestehen.

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